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Felix Gaudo, Marion Kaiser: Lachend lernen

Cover Felix Gaudo, Marion Kaiser: Lachend lernen. Humortechniken für den Unterricht. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2020. 2. Auflage. 130 Seiten. ISBN 978-3-407-63171-8. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 22,48 sFr.

Reihe: Pädagogik.
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Hinführung zum Thema

Laut Eckard von Hirschhausen, der neben dem Vorwort auch ein paar Tricks aus seiner Bühnenerfahrung bei steuert, schreibt, dass Humor erlernbar und ansteckend ist. Nach weitverbreitender Meinung sind Unterricht und Humor zwei entgegengesetzte Pole. Die beiden Autoren stellen mit ihrem Buch einen Ansatz vor, der Humor und Unterricht zusammenbringt. Humor im Unterricht fördert die positive Entwicklung von Schüler*innen. Nach Ansicht von Eckard von Hirschhausen sollte Humor ein zentrales Element der Lehrkräfteausbildung sein.

Autorin und Autoren

Marion Kaiser ist seit knapp 20 Jahren als Grundschullehrerin tätig und ihr Ehemann Felix Gaudo ist gelernter Bühnenkomiker und hält Vorträge und Workshops für Führungskräfte, Ärzte*innen, Pflegepersonal, Lehrkräfte sowie Erzieher*innen.

Eckard von Hirschhausen hat bereits neben seinem Medizinstudium Bühnenerfahrungen als Zauberkünstler, Kabarettist und Comedian gesammelt. Auch als Arzt im Praktikum in der Kinderneurologie an der Freien Universität Berlin blieb er dieser Leidenschaft treu und gründete z.B. 2008 die Stiftung HUMOR HILFT HEILEN: Die Stiftung bringt u.a. Clowns in Krankenhäuser und fördert das therapeutische Lachen in Medizin, Arbeitswelt und Öffentlichkeit.

Entstehungshintergrund

Als Komiker beschäftigt sich Felix Gaudo schon deshalb mit dem Thema Humor, aber auch seine Ehefrau Marion Kaiser hat dieses Thema beschäftigt, ihre „Humorfähigkeit“ trainiert und diese im Unterricht einzusetzen. Mit Hilfe dieser 130 Seiten erhalten die Lesenden Tipps zur Förderung ihrer Humorfähigkeit.

Aufbau und Inhalt

Nach einem Vorwort von Eckhard von Hirschhauen und einer kurzen Einleitung folgen sieben Kapitel, die auf unterschiedlicher Art und Weise das Thema Humor betrachten. Am Ende werden dem/der Leser*in „9,5 Tipps gegen den Erst des Lebens“ sowie praktische Unterrichtsmaterialien zur Verfügung gestellt.

Zum Inhalt passende Illustrationen von Gerhard Straeter meist zu Beginn eines Kapitels führen humorvoll in die folgende Thematik ein.

Im ersten Kapitel beschreibt Marion Kaiser den Stand der wissenschaftlichen Diskussion zum Thema Humor. In diversen Studien hat sich gezeigt, dass Humor das Lernen fördert sowie eine „heilsame und befreiende Wirkung auf die Seele“ hat. Laut dem Bildungsforscher John Hattie hängt der Lernerfolg der Lernenden u.a. auch von der Lehrerpersönlichkeit ab. Somit benötigt guter Unterricht neben dem Fachwissen auch Respekt, Wertschätzung, Fürsorge, Vertrauen und Humor. Die Leser*innen werden aufgefordert ihren Humortyp im Folgenden herauszufinden sowie ihren Humor zu trainieren und diesen auch als Bildungsauftrag zu erkennen.

Im Anschluss werden die Leser*innen aufgefordert Humortechniken bewusst zu nutzen, um damit die „Klassenatmosphäre und das Klassenklima zu stärken“. Die Klassenatmosphäre ist die Grundlage für den Lernprozess der Klasse. Durch den Einzug von Humor ins Klassenzimmer werden Schul- und Lernängste vermindert und das soziale Miteinander gefördert. Humorvolle Schüler*innen sind meist erfolgreicher, auch wenn sie andere Defizite (z.B. Sprachfehler) aufweisen.

Doch mit dem Zulassen von humorvollen Situationen besteht auch die Gefahr von Autoritäts- oder Kontrollverlust. Durch den Einsatz von Humor verzichtet die Lehrkraft unter Umständen auf ein Stück Dominanz, aber dafür wird die positive Beziehung zu den Lehrenden gestärkt. Fachkompetenz kombiniert mit Humor erhöht die Akzeptanz der und Nähe zu den Lernenden.

Allerdings sollte die Lehrkraft auch auf die richtige Dosis von Humor zu achten Weniger ist manchmal mehr. Selbstabwertenden Humor sollte vermieden werden, dafür bietet aufwertender Selbsthumor, wenn er auf Augenhöhe und dem Alter entsprechend angepasst erfolgt, eine neue Chance mit den Lehrenden in Kontakt zu kommen.

Die dosierte Anwendung von Humor fördert die kognitive und soziale Entwicklung eines Kindes. Dabei zu beachten ist, dass es für jede Altersstufe unterschiedlichen Humorschlüsselreize gibt, deren Beachtung den Erfolg von Humor erhöht. Gut, in den richtigen Dosen angewandter Humor beruht auf Empathie und Respekt sowie eine wertschätzende Grundhaltung gegenüber Lernenden.

Das zweite Kapitel ist betitelt mit „Humorvoll unterrichten“. Als Erstes werden diverse Humorrituale vorgestellt, die sich auch abwandeln und in allen Schulformen anwenden lassen. Rituale geben den Lernenden Struktur, Humorrituale (z.B. Witz des Tages, Humormotto der Woche bzw. des Monats oder Humorforscherkiste) schaffen eine „Atmosphäre der Fröhlichkeit und der Zusammengehörigkeit“. Eine weitere Möglichkeit humorvoll zu unterrichten ist den Lernenden persönliche humorvollen Geschichten zu erzählen, durch die das Lehrer-Schüler positiv beeinflusst wird. Als Letztes werden in diesem Kapitel Humortechniken beschrieben, die wie andere Techniken eingeübt werden können. Durch eingeübte Humortechniken wie Übertreiben, Überraschen, Absichtlich Kindlich sein, Schwäche zeigen und Körperhumor, die die Autorin in den folgenden Abschnitten mit Hilfe von Beispielen näher veranschaulicht und die Lesenden zum Ausprobieren motiviert, verändert die Lehrkraft seine Sichtweise auf seine Lernenden und gibt somit auch den Lernenden die Möglichkeit eine andere Perspektive zum Lernen einzunehmen.

Wie man „Konflikten den Ernst nehmen“ kann, wird im dritten Kapitel beschrieben. Hier schildert Marion Kaiser mit Beispielen aus dem (Schul)Alltag, dass Konfliktsituationen durch Humor angespannte Situationen entschärft werden können. Allerdings ist damit der Konflikt nicht endgültig beseitigt. Das Klärungsgespräch mit dem Gegenüber muss trotzdem erfolgen, aber aufgrund der veränderten „humorvollen“ eigenen Haltung ist die Gefahr einer Eskalation gemindert und Argumente werden andersformuliert bzw. gehört-.

In dem Kapitel wird beschrieben, wie Humor Aggressionen entschärfen kann. Das Gegenüber vermutet keine humorvolle Reaktion und aufgrund der Überraschung kommt es zu einer Deeskalation des Streites.

Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass Konflikte anstrengend sind, Kräfte rauben, die eine Lehrkraft dringend für andere Dinge benötigt. Durch eine humorvolle Einstellung schützt sich die Lehrkraft und kann die neue Energie für Dinge nutzen, die ihr guttun.

Aber nicht nur bei Konflikten verändert Humor die Situationen, sondern auch im täglichen Unterricht. Ein humorvolles Miteinander, die Förderung der psychosozialen Kompetenzen unterstützt bzw. beeinflusst die Lernenden in ihrer Entwicklung. Durch humorvolle Spiele lernen die Lernenden ihre Stärken kennen, auf soziale Beziehungen zu achten und somit einen anderen andern Umgang mit Konflikten.

Aber die Autorin betrachtet nicht nur den Umgang mit Lernenden, sondern nimmt auch deren Eltern in den Fokus. Viele Lehrkräfte scheuen sich vor Elterngespräche, da die Führung von lösungsorientierten Gesprächen eine besondere Kunst darstellt. Als ein Instrument für gute Elterngespräche wird im fünften Kapitel das aktive Zuhören von Carl Rogers vorgestellt. Leider erfolgen viele Elterngespräche zwischen „Tür und Angel“, sodass die Lehrkraft keine Chance hat, sich darauf wirklich vorzubereiten. Mit der Technik des Aktiven Zuhörens und der anschließenden Frage „Und was wünschen Sie sich jetzt?“ fühlen sich die Eltern gehört, müssen aber die „Schimpfrolle“ verlassen und sich „auf eine Handlungsebene“ begeben. Je besser sich die Lehrkraft auf ein Gespräch vorbereiten kann, desto erfolgreicher und humorvoller ist es. Denn zur Gesprächsvorbereitung der Lehrkraft sollte auch ein innerer Blick auf die Haltung zum Lernenden und den Eltern gehören: Wieviel Wertschätzung und Verständnis bringe ich meinem Gegenüber mit, was ist mein Gesprächsziel? Außerdem sollte die Vorbereitung auch genutzt werden, um bewusst Humor mit einzuplanen. Die Autorin verweist in diesem Zusammenhang auf das Buch von Michael Titze und Inge Patsch „Humorstrategie – Auf verblüffende Art Konflikte lösen“, in dem Humortechniken zur Reaktion bei verbalen Angriffen vorgestellt werden. Auszugsweise stellt sie die „Judomethode“ vor, bei der durch die Aussage „Sie haben Recht“ den Eltern zunächst Empathie und Verständnis entgegengebracht wird. Durch die folgende Technik der humorvollen Übertreibung wird die Abwehrhaltung des Gegenübers gemindert und somit der Weg für ein lösungsorientiertes Gespräch geebnet.

Neben humorvollen Elterngespräche könnten auch Elternabende mehr humorvoll gestaltete werden und dadurch eine Leichtigkeit erlangen. Marion Kaiser vergleicht in diesem Kapitel Elternabende mit einer Bühnenshow ihres Mannes. Neben dem Inhalt ist auch die Art und Weise des Auftretens der Lehrkraft entscheidend für den Erfolg des Elternabends. Und auch hier ist die Nutzung von Humor eine unterstützende Kraft, da „humorvolle Menschen kompetenter und selbstbewusster wirken.“ Da auch auf Elternabende der erste Eindruck zählt, wird besonders das Thema humorvolle Einstiege anhand von Beispielen veranschaulicht.

Humor kann auch schiefgehen. Wenn eine Lehrkraft Humor in ihren Unterricht etablieren möchte, muss sie diesen auf die betreffende Zielgruppe ausrichten. So sind laut der Autorin sexistische Witze bei Pubertierenden aufgrund ihrer Entwicklungsstufe unangebracht. Sollte die Lehrkraft dennoch mal mit einem Witz einem Lernenden zu nahetreten, dann ist es, neben einer positiven Haltung zum Gegenüber zu haben, das Wichtigste, dass die Lehrkraft sich bei diesem entschuldigt. Humor ist auf der einen Seite mit dem Risiko des Scheiterns verbunden und auf der anderen mit der „Fähigkeit, über sein Scheitern zu lachen.“

Im siebten Kapitel fordert Felix Gaudo die Lesenden auf, ihren Humor zu trainieren, was er selber in diversen Lebensphasen getan hat Nachdem er die hohen gesundheitlichen Belastungen im Lehrerberuf thematisiert, untersucht er, welche Ressourcen zur Erhaltung der Gesundheit zur Verfügung stehen. Felix Gaudo ist der Ansicht, basierend auf seiner Tätigkeit als Komiker und Klinikclown, dass die „emotionale Widerstandskraft“ durch Humor unterstützt wird, da dadurch viele Situationen an Leichtigkeit gewinnen. Humor regt zu einem Perspektivwechsel an. So erscheinen Situationen als weniger belastend und unlösbar. Er beschreibt Humor als „Antistressmittel“, der bei regelmäßiger Übung und Anwendung eine „heilende Wirkung“ entwickelt. Des Weiteren führt Felix Gaudo an, dass Lachen gesund ist. In von ihm zitierten Studien wurde festgestellt, dass Kinder, die im Krankenhaus regelmäßig Besuch von Klinikclowns hatten, das Glückshormon Oxytocin deutlich höher war als bei der Kontrollgruppe ohne Clownsbesuch und dadurch die Angst z.B. vor Operationen gemindert war. Außerdem stärkt Lachen das Immunsystem und baut Stresshormone ab.

Im Folgenden wird ein Humor-Trainingsprogramm nach McGhee angesprochen, das anhand von fünf Faktoren den Sinn für Humor fördert. Laut McGhee bedeutet Sinn für Humor zu haben, „den Humor anderer wertzuschätzen, sich selbst humorvoll zu verhalten, Humor auch im Alltag zu sehen, über sich selbst lachen zu können, Humor in einer Stresssituation einsetzen zu können.“

Neben Humor spielt aber auch die Achtsamkeit eine wichtige Rolle. Der Autor bezeichnet sie als „emotionaler Partner“ des Humors. Achtsamkeit bedeutet sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren und nicht gleichzeitig über Vergangenes und Zukünftiges nachdenken. Wenn man in der Gegenwart ist, kann man Situationen genießen und damit Kraft für den Tag tanken.

Den eigenen Humor zu trainieren, „wiederzuentdecken“ bzw. zu „pflegen“, sollte eher in entspannten Situationen erfolgen. Felix Gaudo stellt anhand des bereits zitierten Trainingsprogramms von McGee im Folgenden sieben Übungen bzw. Tipps zur praktischen Umsetzung vor.

Nach einem kurzen Schlusswort und der Danksagung der beiden Autoren, folgen nun noch „9,5 Tipps gegen den Ernst des Lebens“ als Nachwort von Eckhart von Hirschhausen. Durch diese Tipps möchte Eckhard von Hirschhausen die Leser*innen animieren auch auf den Unterhaltungswert des Vortrages zu achten und nicht nur auf die Inhaltsvermittlung.

Die letzten Seiten beinhalten praktische Unterrichtsmaterialen in Form von Spielen und Übungen, die das Klassenklima, aber auch die Kommunikation auf Elternabenden fördern sollen.

Diskussion

Mich hatte der Buchtitel sehr angesprochen, da ich oft am Ende eines Tages denke, dass ich in bestimmten Situationen gerne anders regiert hätte – vielleicht mit einer Portion mehr Humor.

Beim Lesen des Buches habe ich oft gedacht, „ja das kenne ich, das habe ich schon mal woanders gelesen, aber will ich das“ bzw. „bin ich das“. Die Anregungen, die die Autoren zur Verfügung stellen, habe ich vereinzelt auch in anderen Zusammenhängen gelesen. Aber es war interessant diese unter dem Aspekt des Humors betrachten zu dürfen. In dem Buch wird das Trainieren von Humor mit der Technik des Klavierübens verglichen: viel üben und dies regelmäßig. Dazu muss der bzw. die Lesende bereit sein, sich zu ändern bzw. die Anregungen auch auszuprobieren. Ich habe festgestellt, dass mir die Umsetzung der Übungen in der Klasse sehr schwerfiel. Es war teilweise, als würde ich in einem Theaterstück eine schlechte Rolle spielen. Was m.E. auch eine Rolle spielt, ist die Altersstruktur, die unterrichtet wird. Ich arbeite vorrangig mit jungen Erwachsenen. Wenn ich – und das liegt auch sicher an meiner Persönlichkeit – mit Witzen den Unterricht beginnen würde, wären meine Lernenden stark verunsichert, was mit mir denn auf einmal los sei.

Was ich aber beim Lesen und Ausprobieren der Übungen mitgenommen habe, ist, dass es wichtig, eine humorvolle Haltung einzunehmen und sich diese auch in anstrengenden Unterrichtsstunden – auch wenn das sehr schwer fällt – zu bewahren. Schon alleine, damit ich (innerlich) lachend das Schulgebäude verlassen kann, fällt es mir leichter den restlichen Tag humorvoll zu genießen und am nächsten Tag wieder mit einem Lachen im Gesicht und in der Seele das Schulgebäude zu betreten.

Fazit

Ich kann somit dieses Buch allen empfehlen, die über ihre humorvolle Haltung nachdenken möchten bzw. ihre humorvolle Haltung mal wieder aktivieren möchten.


Rezension von
Ute Laß
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Zitiervorschlag
Ute Laß. Rezension vom 20.12.2021 zu: Felix Gaudo, Marion Kaiser: Lachend lernen. Humortechniken für den Unterricht. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2020. 2. Auflage. ISBN 978-3-407-63171-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28305.php, Datum des Zugriffs 23.01.2022.


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