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Alexandra Andersen: Achtsamkeit im Unterricht

Rezensiert von Ute Laß, 04.05.2022

Cover Alexandra Andersen: Achtsamkeit im Unterricht ISBN 978-3-589-16706-7

Alexandra Andersen: Achtsamkeit im Unterricht. Konzentration, Entspannung und Wahrnehmung trainieren. Cornelsen Verlag GmbH (Berlin) 2020. 144 Seiten. ISBN 978-3-589-16706-7. D: 23,99 EUR, A: 24,70 EUR, CH: 30,00 sFr.
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Thema

Achtsamkeit erlebt seit einiger Zeit einen Boom. Ursprünglich spielte die Achtsamkeit in der buddhistischen Lehre eine zentrale Rolle. Laut Dalai Lama Tenzin Gyatso bedeutet Achtsamkeit, „dass wir ganz bei unserem Tun verweilen, ohne uns ablenken zu lassen“. Doch wie soll das funktionieren? Unser Alltag ist geprägt von Eindrücken analoger und/oder digitaler Art. Ständig blicken wir aufs Smartphone, Tablet oder PC, um immer aktuell bzw. auf dem Laufenden zu sein und um überall mitreden zu können. Der Mensch glänzt mit seiner „Multitasking-Fähigkeit“. Die Anforderungen an Kinder bzw. Jugendliche werden bereits immer höher. Neben Schule, Klavierunterricht, Frühenglisch und Sportverein, ist kaum mehr Zeit zum Spielen und Zeit für „Nichtstun“. Das führt bereits bei Kindern und Jugendlichen zu Stress und im schlimmsten Fall zu Überforderungen und Depressionen. Daher ist es gerade für Kinder bzw. Jugendliche immens wichtig, achtsam zu agieren, da sich diese dann wohler und ausgeglichener fühlen und langfristig ggf. sogar leistungsstärker werden können. (https://www.aok.de/pk/magazin/​wohlbefinden/​achtsamkeit/​so-wichtig-ist-achtsamkeit-fuer-kinder/​Zugriff 18.04.2022)

Doch wo sollen Kinder bzw. Jugendliche Achtsamkeit erlernen? Oft sind die Eltern beruflich so eingespannt, dass sie selber ein Achtsamkeitstraining bedürfen. Schule als Ort des Lernens kann ein geeigneter Ort sein. Pädagogen*innen müssen bereit sein, diesen Ort achtsam zu gestalten und mit ihren Schüler*innen gemeinsam in einen achtsamen Lebensabschnitt einzutauchen. Dieses Buch „Achtsamkeit im Unterricht“ möchte Lehrende auf diesem Weg unterstützen.

Autorin

Alexandra Andersen ist verheiratet und hat zwei Töchter. Sie ist hauptberuflich Lehrerin an einem Würzburger Gymnasium und unterrichtet Katholische Religionslehre, Latein und Italienisch. Sie entwickelte das Konzept „Lernen mit Achtsamkeit“, das sie 2017 an ihrer Schule erfolgreich implementierte und seitdem unterrichtet. Die Schüler*innen der 5. Jahrgangsstufe, die vorrangig die Zielgruppe des Konzepts „Lernen mit Achtsamkeit“ darstellt, erhalten die Möglichkeit, in einer ritualisierten und offenen Unterrichtsform neue Ansätze für effektives Lernen, Körperwahrnehmung und Empathiefähigkeit kennenzulernen. Seit 2019 bietet Alexandra Andersen interessierten Lehrer*innen die Möglichkeit, das Konzept „Lernen mit Achtsamkeit“ im Rahmen einer Fortbildung kennenzulernen. In vier Modulen wird die Fähigkeit vermittelt, Achtsamkeit in Verbindung mit Lernstrategien zu unterrichten. Außerdem legt Alexandra Andersen viel Wert darauf, dass die Teilnehmer*innen ihre eigene Haltung der Achtsamkeit stärken und ausbauen. Weitere Informationen über das Angebot sind auf der Homepage von Alexandra Andersen nachzulesen (https://www.alexandra-andersen.de).

Entstehungshintergrund

Alexandra Andersen hat im August 2020 ihr Praxisbuch „Achtsamkeit im Unterricht“ veröffentlich. Ein Buch, wie sie auf ihrer Internetseite selber schreibt, für „Lehrkräfte mit Herz“. Sie möchte Lehrkräfte mit ihrem Buch unterstützen und motivieren, Achtsamkeitsübungen im Unterricht auszuprobieren und Achtsamkeit zu unterrichten.

Aufbau

Das Buch beginnt mit einer theoretischen Einführung in die Thematik Achtsamkeit. Dabei wird sowohl das Zusammenspiel von „Achtsamkeit und Wissenschaft“ als auch die Notwendigkeit Achtsamkeit als Kind bzw. Jugendliche*r und als Pädagoge*in zu erleben, thematisiert.

Im zweiten Teil des Buches stellt die Autorin zwölf ausgearbeitete Unterrichtsentwürfe mit zahlreiche Atem- und Ruheübungen, Körper- und Bewegungsübungen sowie mentale Übungen, 10-Minuten-Einheiten für den Stundenbeginn oder zwischendurch und 25 Achtsamkeitsübungen als Audio-Material (per Webcode) nebst allen notwendigen Materialien als Kopiervorlage zur Verfügung.

Das Buch endet mit einem kurzen Ausblick und Anregungen zur Umsetzung des Konzepts „Achtsamkeit im Unterricht“.

Inhalt

Zu Beginn ihres Buches setzt sich Alexandra Andersen mit ihrem Verständnis von Achtsamkeit auseinander. Sie beschreibt Achtsamkeit mit „die Gedanken im Hier und Jetzt zu konzentrieren und die im Alltag erlebten Dinge nicht zu bewerten, sondern ihnen mit einer offenen Haltung zu begegnen.“ Somit ist für sie Achtsamkeit die Fähigkeit zu erlangen, „die ganze Aufmerksamkeit nur einer Sache zur gleichen Zeit zu widmen“.

Anschließend geht die Autorin kurz auf die wissenschaftliche Auseinandersetzung des Achtsamkeitsbegriffs bzw. die Achtsamkeitsforschung ein. Allerdings ist ihr Credo, dass die individuelle Erfahrung mit Achtsamkeit Vorrang haben und die Wissenschaft eher unterstützend agieren sollte.

Im dritten Kapitel des ersten Teils formuliert Alexandra Andersen den Mehrwert, den ihrer Ansicht Kinder und Jugendliche sowie Lehrkräfte durch die Achtsamkeitsübungen gewinnen können. Dazu gehören z.B. Verbesserung der Konzentration, Stärkung des Selbstbewusstseins, bessere Impulskontrolle, Empathie und Stressreduktion.

Alexandra Andersen plädiert für ein Unterrichtsfach „Achtsamkeit“. Allerdings handelt es sich hier um kein reguläres Unterrichtsfach, das mit Noten auf dem Zeugnis einhergeht, sondern es fördert die individuelle Haltung der Lernenden.

Die Autorin führt vorrangig ihr Konzept in der fünften Jahrgangsstufe durch, da, wie sie schreibt, die Lernenden sich in dieser Zeit in ein neues soziales Umfeld einleben und somit diverse Veränderungen anstehen. Die Unterrichtsentwürfe sind ihrer Ansicht nach aber auch – mit entsprechenden Anpassungen – für höhere Klassenstufen anwendbar. Alexandra Andersen merkt aber auch an, dass die Wirkung der Übungen nicht immer identisch ist. Sie ist sowohl abhängig von den Lernenden als auch von sonstigen äußeren Einflüssen. Daher ist es wichtig, dass sich alle Teilnehmenden – Lernende und Lehrkraft – bewusst auf die Thematik einlassen.

Gerade die Lehrkraft muss laut Alexandra Andersen eine positive innere Haltung zu Achtsamkeit einnehmen bzw. verinnerlichen, um authentisch diese zu „lehren“. Die Lehrkraft ist ein „authentisches Vorbild“ „mit voller Präsenz in der Gegenwart“.

Ein wichtiger und fester Bestandteil der folgenden Achtsamkeitsübungen ist der Einsatz von Klangschalen. Im Rahmen der Neurowissenschaft (Hüther, 2006 und Spitzer, 2019) wurde festgestellt, dass durch Klänge Selbstbewusstsein und Körperwahrnehmung gestärkt sowie Kreativität gefördert wird. Des Weiteren haben Studien des Peter-Hess-Instituts ergeben, dass durch den Klang der Klangschale Gefühle wie Sicherhit und Vertrautheit vermittelt werden.

Die folgenden zwölf Stundenverläufe sind alle identisch aufgebaut, sprechen aber unterschiedliche „Achtsamkeitsebenen“ an.

Begonnen wird immer mit einem Begrüßungsritual. In den ersten sieben Stunden begrüßt die Lehrkraft zur Stärkung der individuellen Wertschätzung jeden Lernenden mit Blickkontakt und Nennung des jeweiligen Namens. Ab Stunde acht erfolgt die Begrüßung ohne Namensnennung, aber weiterhin mit bewussten Blickkontakt.

Anschließen wird mit Hilfe von unterschiedlichen Materialien, Übungen etc. das jeweilige Thema mit den Lernenden gemeinsam kognitiv und sinnlich be- und erarbeitet.

Ein wichtiger und sich immer wiederholender Teil des Achtsamkeitstrainings sind die Atem- und Ruheübungen (SILENCE), Körper- und Bewegungsübungen (MOVE) und die mentalen Übungen (MIND & SOUL). Diese werden in Abhängigkeit des Themas im Stuhl- bzw. Sitzkreis oder mit Tischen und Stühlen durchgeführt.

Den Abschluss der Achtsamkeitsstunde beginnt mit einer Feedbackrunde. Die Lernende sollen in dieser Runde ihren derzeitigen (Gemüts-)Zustand und ihr Erlebtes beschreiben. Die Lehrkraft erfährt dadurch, was die Lernenden mitgenommen haben, aber auch wo es Probleme gab oder vielleicht noch gibt. Hier ist es wichtig, dass die Lehrkraft nachfragt, wenn die Lernenden sich zu allgemein ausdrücken, um vielleicht noch weitere Unterstützung anbieten zu können.

Eine Wochenübung unterstützt die Lernenden sich mit der Thematik vertiefend und festigend auseinander zu setzen sowie auf Alltagssituation zu übertragen.

So wie die Stunde mit einem Ritual begonnen hat, endet sie mit einem Atemritual mit anschließender Verbeugung vor sich selbst und den anderen.

Der zweite Teil des Buchs von Alexandra Andersen besteht – wie bereits geschrieben – aus zwölf konkreten Unterrichtsentwürfen. Zu Beginn jedes Entwurfs befindet sich eine tabellarische Übersicht, aus der der Ablauf und die Inhalte der jeweiligen Stunde hervorgehen sowie Angaben über notwendige Materialen.

Falls nicht so viel Unterrichtszeit für die komplette Unterrichtsreihe Achtsamkeit zur Verfügung steht, können die Lehrkräfte auch nur einzelne Übungen aus den Entwürfen mit den Lernenden durchführen.

Während zehn Unterrichtseinheiten in beliebiger Reihenfolge durchgeführt werden können, sollen die beiden Einführungsstunden laut Alexandra Andersen hintereinander stattfinden, da sie aufeinander aufbauen. In diesen Stunden werden die Lernenden in die Thematik der Achtsamkeit eingeführt. Beide Stunden beginnen mit dem bereits beschriebenen Begrüßungsritual, anschließend werden die Lernenden zu ihren Erfahrungen mit Achtsamkeit befragt und deren Antworten auf einem Plakat festgehalten. Um den Lernenden die Fokussierung der Gedanken und die Wichtigkeit des Atmens zu verdeutlichen, erklärt die Lehrkraft mit Hilfe der im Buch als Kopiervorlage zur Verfügung gestellten Arbeitsmaterialien den Aufbau und die Funktion des Gehirns. Anschließend wird im Rahmen angeleiteter Atemübungen der eigene „Atem erforscht“ (SILENCE). Hier stellt die Autorin der Lehrkraft zwei Möglichkeiten der Durchführung zur Verfügung: a) Die Lehrkraft liest den Anleitungstext unter Berücksichtigung der Hinweise zu Pausen und Nutzung der Klangschale selber vor oder b) sie nutzt die im Buch angegebenen Webcodes und lässt den Anleitungstext vorlesen. Nach jeder Atemübung erfolgt eine Reflexion, zu der die Autorin entsprechende Fragen der Lehrkraft anbietet. In der folgenden MOVE-Übung wird das theoretisch vermittelte Wissen angewandt und das Zusammenspiel der beiden Gehirnhälften dadurch verdeutlicht. Nach dieser aktiven Phase folgt wieder eine Ruhe- und Stillübung, die ebenfalls von der Lehrkraft vorgelesen oder per Webcode abgespielt werden kann. In Abhängigkeit der Zeit können noch Weisheitsgeschichten im Rahmen der Achtsamkeitsstunde eingesetzt und mit den Lernenden thematisiert werden. Zum Ende der Achtsamkeitsstunde erfolgt das Blitzlicht, bei dem die Lernenden beschreiben, wie es ihnen gerade geht und welche Erfahrungen sie in der Stunde gemacht haben. Bevor das Abschlussritual durchgeführt wird, stellt die Lehrkraft die Wochenaufgabe „Atem beobachten“ vor und verteilt den Lernenden das entsprechende Arbeitsblatt. Außerdem regt die Lehrkraft an, dass die Lernenden ein Achtsamkeitstagebuch führen sollen, in dem sie ihre individuelle Reflexion die Woche über festhalten können. Auch hierzu bietet die Autorin ein entsprechende (Kopier-)Vorlage an. Der Ablauf der aufbauenden zweite Achtsamkeitsstunde ähnelt der ersten und vertieft auf der einen Seite mit Übungen die Achtsamkeit in Bezug auf den Atem, zeigt den Lernenden aber auch schon einen weiteren Aspekt der Achtsamkeit auf: „Annehmen, was gerade ist“. In der Wochenübung bekommen die Lernenden in der zweiten Woche die Aufgabe achtsam im Alltag zu sein und diese achtsamen Handlungen schriftlich festzuhalten.

Die weiteren fünf Achtsamkeitsstunden befassen sich mit den fünf Sinnen: Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken. Da die Unterrichtsentwürfe in sich abgeschlossen sind, kann die Reihenfolge beliebig verändert werden. Der Aufbau der einzelnen Stunden ist aber identisch:

  • Start mit dem Begrüßungsritual;
  • Einleitung und hinführende Fragen zu dem jeweiligen Sinn mit vorgefertigten und einsetzbaren Materialien;
  • SILENCE in Form von Atem- sowie Ruhe- und Stillübungen;
  • MOVE – bewegte Achtsamkeit: Wahrnehmungsübungen bezogen auf den jeweiligen Sinn;
  • SILENCE: wieder in Form einer Ruhe- und Stillübung;
  • in Abhängigkeit der Unterrichtszeit kann eine Weisheitsgeschichte (MIND & SOUL) vertiefend behandelt werden;
  • Blitzlicht als Feedback, um zu erfahren, was den Lernenden gefallen hat bzw. was schwergefallen ist;
  • Wochenübung; und
  • Ende mit dem Abschlussritual.

Die restlichen fünf Stunden befassen sich mit Gedanken und Gefühlen, wie z.B. Wut und Dankbarkeit. Die Lernenden werden animiert mit ihren Gedanken achtsam umzugehen. Außerdem werden Strategien geübt, um das eigene Gedankenkarussell zu stoppen. Des Weiteren lernen die Lernenden ihre Gefühle zu spüren und z.B. mit Hilfe von Gefühlskarten zu formulieren. Auch zu diesem Achtsamkeitsstunden gibt es diverse Kopiervorlagen und Texte zum selber Vorlesen bzw. per Webcodes zum Vorlesen lassen.

Im Ausblick fordert Alexandra Andersen die Lehrkräfte auf, sich der Achtsamkeit zu widmen. Eine Unterrichtsstunde zu Achtsamkeit ist zwar besser als keine, aber im Sinne der Nachhaltigkeit ist eine Reihe sinnvoller, da die innere Haltung geändert werden soll.

Diskussion

Über ein Werbeprospekt des Verlages bin ich auf das Buch „Achtsamkeit im Unterricht“ von Alexandra Andersen aufmerksam geworden. Der Buchtitel hat mich sehr angesprochen, da ich als Lehrkraft mit vielen Jugendlichen zu tun habe, die sich nur kurze Zeit konzentrieren können, gefühlt fünf Sachen gleichzeitig machen möchten und am Ende verzweifeln und kapitulieren, da ihre Leistungen nicht zu den gewünschten Zielen führen.

Die Konzeption des Buches hat mich sehr angesprochen. Was für ein Luxus: 12 fertig ausgearbeitete Unterrichtsentwürfe mit guten Übungen und sofort einsetzbaren (Kopier-)Materialien. Und trotzdem besteht die Möglichkeit, die Stunden mit eigenen Ideen und Texten zu bereichern.

Ich würde die Texte immer selber vorlesen, da ich für die Nutzung der Audios ein zusätzliches Medium benötige, was meines Erachtens den Ablauf der Stunde unterbricht und vom Wesentlichen ablenkt bzw. auch meine Achtsamkeit unterbricht, mich sogar unter Stress setzt, wenn die Technik nicht funktioniert. Unter Umständen stehen in der Schule auch nicht die technischen Voraussetzungen zum Download zur Verfügung. Daher stellen die Webcodes für mich in diesem Fall keinen Mehrwert dar.

Die Autorin schreibt, dass sie ihr Konzept in der fünften Jahrgangsstufe einsetzt, da sich in dieser Phase die Kinder in einer Umbruchphase befinden, sprich der Wechsel von der Grundschule in die Oberschule erfolgt in vielen Bundesländern etwa mit neun Jahren. In Berlin erfolgt der Schulwechsel erst nach Klasse 6, also zwei Jahre später. Neben dem Wechsel in eine neue Schule spielen in diesem Alter auch die Herausforderungen bzw. Veränderungen der Pubertät im Schulalltag eine vorrangige Rolle bei den Schüler*innen. Ich weiß nicht, ob es dann wirklich (noch) möglich ist, die Kinder für ein Achtsamkeitsstraining zu motivieren. Ist ihnen das nicht eher peinlich?

Die Umsetzung kann meiner Meinung gut gelingen, wenn die Unterrichtseinheiten Bestandteil eines eigenen Unterrichtsfachs – ohne Bewertung von Leistungen – sind oder in Form einer Arbeitsgruppe angeboten werden. Aber so mal „zwischendurch“ eine Phase „Achtsamkeit“ einschieben, halte ich für kontraproduktiv bzw. nicht nachhaltig.

Des Weiteren finde ich, dass zwischen der Lehrkraft und den Lernenden ein besonderes Vertrauensverhältnis vorhanden sein sollte, da in den Gesprächen sehr private Themen angesprochen werden bzw. zu Tage kommen könnten, die für beide Seiten sehr berührend sein können. Dem Rollenkonflikt, dem die Lehrkraft unter Umständen unterliegt, muss sich diese sehr bewusst sein und ggf. dies gegenüber den Lernenden vorab thematisieren. Auch sollte die Lehrkraft sich im Klaren sein, dass sie keinen Therapeuten ersetzt. Daher wäre ein gutes Netzwerk im Hintergrund sicher von Vorteil.

Bei der Etablierung des Konzepts, fände ich es auch wichtig, die Eltern bzw. gesetzlichen Vertreter*innen auf „meiner Seite zu wissen“. Hierzu fehlt mir ein Input bzw. Erfahrungswert der Autorin.

Fazit

Das Thema „Achtsamkeit im Unterricht“ ist meiner Meinung nach in der Schule sehr wichtig und sollte einen besonderen Stellenwert in allen Schulen einnehmen. Der Leistungsgedanke steht trotz sich ändernder Lehrmethoden noch immer im Fokus des Schulalltags und noch mehr im alltäglichen Leben der Kinder und Jugendlichen. Daher ist es meines Erachtens absolut sinnvoll mehr „Achtsamkeit im Unterricht“ zu etablieren. Dieses Buch bietet Lehrkräften die Möglichkeit, Lernende bei ihren ersten Schritten in ein achtsames Leben zu begleiten.

Doch vor der Begleitung kommt die Selbsterfahrung. Und dies war auch bei mir das größte Problem. Ich konnte dieses Buch nicht einfach so lesen. Sondern ich musste die 12 Stundenentwürfe erst selber „erleben“.

Dieses Buch dient auch dazu, dass Lehrkräfte (wieder) achtsamer mit sich und ihrer Umwelt umgehen. Denn was ich selber erfahren habe, kann ich auch besser lehren und wirkt nachhaltiger.

Rezension von
Ute Laß
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Es gibt 2 Rezensionen von Ute Laß.

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Zitiervorschlag
Ute Laß. Rezension vom 04.05.2022 zu: Alexandra Andersen: Achtsamkeit im Unterricht. Konzentration, Entspannung und Wahrnehmung trainieren. Cornelsen Verlag GmbH (Berlin) 2020. ISBN 978-3-589-16706-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28313.php, Datum des Zugriffs 22.05.2022.


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