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Michael Nietsch: Corporate Social Responsibility Compliance

Cover Michael Nietsch: Corporate Social Responsibility Compliance. Verlag C.H. Beck (München) 2021. 696 Seiten. ISBN 978-3-406-76146-1. 129,00 EUR.

Reihe: Compliance für die Praxis.
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Thema

Das vorliegende Buch befasst sich grundsätzlich mit zwei in der freien Marktwirtschaft mittlerweile etablierten Themen, mit der Corporate Social Responsibility (CSR) und mit der Compliance. Compliance beschreibt im weitesten Sinne im rechtlichen Bereich die Einhaltung aller gesetzlichen Bestimmungen sowie interner Richtlinien durch Unternehmen und ihre Mitarbeiter.

Die soziale Verantwortung im Unternehmen (aus dem Englischen: Corporate Social Responsibility – CSR) erreicht in Folge einer zunehmenden Verrechtlichung und von haftungsrelevanten Elementen einen immer höheren Stellenwert in der Unternehmensplanung und der Implementierung von Compliance. Beispiele hierfür sind nicht nur die unternehmensseitig geforderten Beiträge zum Klimaschutz, sondern auch die Menschenrechtsverantwortung, wie sie aktuell Gegenstand der Überlegungen zu einem Lieferkettengesetz ist. Das Buch bettet CSR in den bestehenden unternehmensrechtlichen Kontext ein und gibt einen umfassenden und zugleich prägnanten Einblick in diese anspruchsvolle Materie. Aufgabe einer Veröffentlichung zur „Corporate Social Responsibility“ ist es, Struktur zu gewinnen, die Dinge zu diskutieren und die Grenzen zu definieren. Das beabsichtigen die Autoren mit dem vorliegenden Werk.

Herausgeber und Bearbeiter

Der Herausgeber, Prof. Dr. Michael Nietsch (HrsG), ist Inhaber eines Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Unternehmensrecht und Kapitalmarktrecht. In seiner Eigenschaft als Direktor einer Forschungsstelle für Compliance verbindet er Erfahrungen aus Wissenschaft und Praxis.

Das Autorenteam verfügt über einschlägige Erfahrungen in nachhaltigkeitsrelevanten Rechtsbereichen. Neben dem Autor wirkten insgesamt 30 Bearbeiter an dem Werk mit:

  • Prof. Dr. Heribert M. Anzinger, o. Professor, Institut für Rechnungswesen und Wirtschaftsprüfung, Universität Ulm,
  • Carsten Beisheim, Rechtsanwalt, Leiter Zentralbereich Recht, Compliance und Datenschutz, Wilh. Werhahn KG, Neuss,
  • Prof. Dr. Axel Birk, Professor für Bürgerliches Recht, Wirtschafts- und Medienrecht sowie Wirtschaftsethik, Hochschule Heilbronn,
  • Dr. Tobias Brouwer, Rechtsanwalt (Syndikusrechtsanwalt), Leiter Bereich Recht und Steuern und Compliance-Beauftragter, Verband der Chemischen Industrie (VCI) e.V., Frankfurt a.M.,
  • Prof. Dr. Ulrich Burgard, o. Professor, Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Handels- und Wirtschaftsrecht, Otto-von-Guericke-Universität, Magdeburg,
  • Dr. Sibylle von Coelln, Rechtsanwältin, HEUKING – VON COELLN Rechtsanwälte PartG mbB, Düsseldorf,
  • Jan-Michael Dierkes, Rechtsanwalt (Syndikusrechtsanwalt), K+S Aktiengesellschaft, Kassel,
  • Juliane Dopychai, Richterin, Land Nordrhein-Westfalen – Landgericht Essen,
  • Prof. Dr. Dr. Felix Ekardt, LL.M., M.A. o. Professor, Universität Rostock,
  • RA Dr. Ernst Thomas Emde, Rechtsanwalt, Geschäftsführender Gesellschafter, Lüdicke & Kollegen Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, Düsseldorf,
  • Bernhard Grünauer, Nachhaltigkeitsexperte im Bereich Sustainability & Climate der E.ON SE, Essen,
  • Prof. Dr. Julia Hartmann, o. Professorin, EBS Universität für Wirtschaft und Recht, Wiesbaden,
  • Dr. Carsten Heimann, Ass. jur., Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Handels- und Wirtschaftsrecht, Otto-von-Guericke-Universität, Magdeburg,
  • Christian Heuking, Rechtsanwalt, HEUKING – VON COELLN Rechtsanwälte PartG mbB, Düsseldorf,
  • Prof. Dr. Daniel Klocke, LL.M. oec. o. Professor, Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Wirtschaftsrecht, Arbeitsrecht und Rechtstheorie, EBS Universität für Wirtschaft und Recht, Wiesbaden,
  • Susanne Kolb, Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin, Deloitte GmbH, Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Düsseldorf,
  • Daniel Kronen, Senior Legal Counsel Human Rights, Siemens AG, München,
  • Rebecca Kube, Professional im Bereich Sustainability Assurance, Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Düsseldorf,
  • Dipl.-Kfm. Georg Lanfermann, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Berlin,
  • Dr. Daniel Thomas Laumann, Rechtsanwalt (Syndikusrechtsanwalt), Wintershall Dea GmbH, Kassel,
  • Prof. Dr. Sebastian Mock, LL.M. (NYU) o. Professor, Lehrstuhl für Unternehmens- und Insolvenzrecht, Wirtschaftsuniversität Wien,
  • Dr. Guido Neubeck, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, Deloitte GmbH, Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Düsseldorf,
  • Theresa Rath, Ass. jur. Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Universität Rostock,
  • Dr. Osman Sacarcelik, M.A. Rechtsanwalt, Deloitte Legal, Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, Frankfurt a. M.,
  • Dr. Anita Schieffer, Rechtsanwältin und Syndikusrechtsanwältin, Chief Compliance Officer Siemens Energy AG, München,
  • Dr. Matthias Schmidt, Steuerberater, Business Assurance – Sustainability, Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Düsseldorf,
  • Dr. habil. Birgit Spießhofer, M.C.J. (New York Univ.) Rechtsanwältin, Of Counsel, Dentons, Berlin,
  • Michael Wiedmann, Rechtsanwalt, Maître en droit, Essen,
  • Christina Wolfgramm, Rechtsanwältin, Head of Compliance Legal Frame, Siemens AG, München,
  • Prof. Dr. David Wuttke, Assistant Professor, Technische Universität München, TUM School of Management, TUM Campus Heilbronn, Heilbronn.

Aufbau

Diese erste Auflage ist ähnlich wie ein juristischer Kommentar aufgebaut. Vorangestellt sind ein Vorwort, ein Bearbeiterverzeichnis, ein Inhaltsverzeichnis, ein Abkürzungsverzeichnis und ein Verzeichnis der zitierten Literatur. Darauf folgt eine Einleitung. Das Buch ist sachbezogen in 29 Paragrafen aufgebaut:

Einleitung (Nietsch)

§ 1 Grundlagen unternehmerischer Sozialverantwortung (Nietsch)

§ 2 Globaler Ordnungsrahmen für CSR (Spießhofer)

§ 3 Überblick der gesetzlichen Regelungen der Nachhaltigkeitsberichterstattung (Beisheim/​Dopychai)

§ 4 Umweltbelange (Ekardt/Rath)

§ 5 Die Arbeitnehmerbelange (Klocke)

§ 6 Sozialbelange (Burgard/​Heimann)

§ 7 Menschenrechte im Unternehmensbereich (Nietsch)

§ 8 Bekämpfung von Korruption und Bestechung (§ 289c Abs. 2 Nr. 5 HGB) (Schieffer)

§ 9 Nichtfinanzielle Risiken: Berichterstattung und Integration in das Risikomangementsystem (Schmidt/Kube)

§ 10 Allgemeine Anforderungen an die Gestaltung des Nachhaltigkeitsberichts (Lanfermann)

§ 11 Verwendung von Rahmenwerken nach § 289d HGB sowie der Leitlinien der EU-Kommission (Lanfermann)

§ 12 Taxonomie (Lanfermann)

§ 13 Pflichten von Vorstand und Aufsichtsrat (Burgard)

§ 14 Prüfung des Nachhaltigkeitsberichts (Kolb/Neubeck)

§ 15 Sanktionierung von Verstößen nach Straf- und Ordnungswidrigkeitenrecht (Heuking/von Coelln)

§ 16 Aktienrechtliche Folgen von Berichtspflichtverletzungen (Mock)

§ 17 Nachhaltigkeitsverlautbarungen und Wettbewerbsrecht (Birk)

§ 18 Grundlagen Substainable Finance (Nietsch)

§ 19 Nachhaltigkeit im Bankensektor (Sacarcelik)

§ 20 Nachhaltigkeitsvorgaben in Bezug auf Finanzanlagen (Emde)

§ 21 Versicherungswirtschaft (Beisheim/​Dopychai)

§ 22 CSR Compliance im Technologiekonzern (Kronen/​Wolfgramm)

§ 23 CSR in der chemischen Industrie (Brouwer)

§ 24 Rohstoff- und Förderunternehmen (Dierkes/​Laumann)

§ 25 Energiewirtschaft (Grünauer)

§ 26 Handel (Wiedmann)

§ 27 Corporate Digital Responsibility (Anzinger)

§ 28 Nachhaltigkeit im Transport (Hartmann)

§ 29 Lieferkettensteuerung (Wuttcke)

Das Werk schließt mit einem Stichwortverzeichnis ab.

Inhalt

In den letzten Jahren hat die CSR-Problematik kontinuierlich an Bedeutung gewonnen. Heute wird von Unternehmen nicht nur erwartet, dass sie sich zur ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bekennen, sondern ebenso der Nachweis, dass sie dieser gerecht werden. Unternehmensführungen werden herausgefordert, mit dieser Erwartung angemessen umzugehen, da anderenfalls der Verlust der unternehmerischen Akzeptanz in der Gesellschaft sowie eine Verschlechterung der unternehmerischen Kooperationsfähigkeit drohen. Mit der Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung positionieren sich Unternehmen als gute Partner in der Gesellschaft und schaffen damit die Voraussetzungen für einen langfristigen Erfolg.

Zahlreiche Studien stützen die wertschaffenden Effekte von CSR. Dadurch wird u.a. gezeigt, dass sich die Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung positiv auf Arbeitgeberattraktivität, Glaubwürdigkeit, Kundenloyalität, Mitarbeiterzufriedenheit, Reputation und Vertrauenswürdigkeit auswirken kann. Damit Unternehmen von CSR profitieren können, bedarf es einer fundierten Strategie sowie eines professionellen Managements.

Nicht zuletzt die zunehmende gesellschaftliche Nachfrage nach CSR sowie die steigende Relevanz für Unternehmen führen auf diverse Veränderungen von Rahmenbedingungen der unternehmerischen Wertschöpfung zurück. Sie werden oft als Triebkräfte von CSR bezeichnet.

Vergangene Finanzkrisen sowie diverse unternehmerische Skandale haben das öffentliche Vertrauen in Unternehmen – und hier insbesondere bei Bankunternehmen – substantiell beschädigt. Vor allem die Gewinnorientierung von Unternehmen wird zunehmend kritisch gesehen und oft als Ursache für gesellschaftlich unerwünschte Effekte der unternehmerischen Wertschöpfung erachtet.

Seit 2017 müssen in Deutschland kapitalmarktorientierte Unternehmen sowie Finanzunternehmen mit jeweils mehr als 500 Mitarbeitern über die ökologischen und sozialen Auswirkungen ihrer Tätigkeiten berichten. Obgleich nur große Unternehmen unter die CSR-Berichtspflicht fallen, wirkt sich diese auch auf andere Unternehmen aus.

Eine Vielzahl von Aspekten und Themenfeldern werden mit dem Begriff CSR in Verbindung gebracht. Die Konkretisierung erfolgt oftmals entlang besonderer Interessen. So fokussieren etwa Umweltorganisationen vor allem ökologische Aspekte, Kunden die Produkt- oder Servicequalität, Anwohner lokale Auswirkungen der unternehmerischen Tätigkeit usw. Zudem wird der Begriff CSR auch dazu genutzt, die Reichweite der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen zu diskutieren, etwa in Bezug auf unternehmerische Beiträge zur Lösung von gesellschaftlichen Problemen wie Armut, Menschenrechtsverletzungen oder Klimaerwärmung. Unternehmen finden eine grundlegende Zielstellung beim Management von CSR darin, den langfristigen unternehmerischen Erfolg zu befördern. Dementsprechend stellt sich die Frage, wie die mit CSR verbundenen Aufwendungen in rentable Investitionen überführt werden können.

Eine zentrale Herausforderung für ein wertschaffendes CSR-Management liegt in der Fähigkeit, Fehlverhalten effektiv zu vermeiden. Die Vielzahl an Verfehlungen in der Praxis zeigt allerdings, dass Unternehmen trotz aller CSR-Verpflichtungen Schwierigkeiten haben, gesetz- und normkonformes Verhalten sicherzustellen. Die zu bewältigenden Herausforderungen liegen dabei sowohl auf individueller Unternehmensebene als auch auf ordnungspolitischer Ebene. Letzteres wird bedingt durch defizitäre Unternehmungen im lokalen und globalen Umfeld. Entsprechend umfasst das effektive Management von CSR auch die Gestaltung von Rahmenbedingungen.

Diskussion

Es ist sehr gut verständlich, dass immer mehr Unternehmen ein Compliance System einrichten, das die kritischen Normen erfasst und darüber wacht, dass sie eingehalten werden. Corporate Compliance dient, wie der Untertitel des Buches zutreffend benennt, der Haftungs- und der Strafvermeidung für das Unternehmen und seine Organe. Sie dient der Prävention von Schadensfällen, der Schadensbegrenzung durch frühzeitige Aufdeckung einer Rechtsverletzung und der Erfüllung von Organisationspflichten.

Compliance im unternehmerischen Bereich dient damit der Minderung von Straf- und Haftungsrisiken und dem Vertrauensverlust am Kapitalmarkt. Compliance ist also mehr als die in den letzten Jahren in Mode gekommenen Programme und Kodices, wie „Value-Management“ und „Corporate Governance“ „Business-Ethics“, „Integrity-Codes“, „Codes of Conduct“ und „Corporate Social Responsibility“. Compliance-Systeme satteln nicht auf die vorhandenen Gesetze noch weitere Regeln auf. Diese Systeme sind freiwillig und werden aus eigenem Interesse adaptiert. Compliance hat verpflichtenden Charakter, bei Nichteinhaltung droht Schadensersatz und persönliche Strafbarkeit.

CSR/Compliance ist in den Unternehmen angekommen und Compliance wird in den Unternehmen bleiben, daran gibt es keinen Zweifel mehr. Zu hoffen ist, dass es auch zu einem geänderten Denken und Handeln in den Unternehmen kommt. Hierzu liefert das Buch sehr gute Lösungs- und Diskussionsansätze.

Fazit

Mit dem vorliegenden Buch der o. g. Autoren werden dem anzusprechenden Personenkreis sehr anschaulich die Möglichkeiten des CSR und der Compliance aber auch die Probleme nahegebracht. Es bietet darüber hinaus einen sehr guten praktischen Einstieg in die Materie und gibt darüber einen guten Überblick. Selbstverständlich ist es sehr gut als Nachschlagewerk zu nutzen. Erläuterung aller relevanten materiell- und verfahrens(-rechtlichen) Vorschriften aus den einschlägigen Gesetzen mit praxisorientierten Schaubildern und Tabellen sind besonders hervorzuheben. Für die anzusprechenden Personengruppen werden viele Hilfestellungen gegeben und Fragen beantwortet, die ansonsten nirgends oder nur schwerlich nachgelesen werden können. Egal, aus welcher Richtung sich eine Frage stellt, mit den praxisorientierten Hinweisen findet man Lösungen und praktische Alternativen. Auch deshalb kann empfohlen werden, das Buch zu kaufen.


Rezension von
Hans-Joachim Dörbandt
Fachautor in den Bereichen Pflege, gesetzliche Pflegeversicherung, gesetzliche Krankenversicherung
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Zitiervorschlag
Hans-Joachim Dörbandt. Rezension vom 30.04.2021 zu: Michael Nietsch: Corporate Social Responsibility Compliance. Verlag C.H. Beck (München) 2021. ISBN 978-3-406-76146-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28344.php, Datum des Zugriffs 28.10.2021.


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