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Karolina Larsson: Sprachliche Vorbilder in der Kita

Cover Karolina Larsson: Sprachliche Vorbilder in der Kita. Lernfortschritte erzielen durch gute Kommunikation. Bananenblau (Berlin) 2021. 148 Seiten. ISBN 978-3-946829-59-1. D: 16,80 EUR, A: 17,30 EUR.
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Thema

In dem Buch beschreibt die Autorin, wie pädagogische Fachkräfte zu verantwortungsvollen Gesprächspartnern für Kinder werden können. Kinder entwickeln ihre Sprache und Kommunikation durch die sprachlichen Vorbilder in ihrer Umgebung. Damit haben pädagogische Fachkräfte eine verantwortungsvolle Aufgabe. Aus diesem Grund müssen pädagogische Fachkräfte ihre Rolle als Gesprächspartner reflektieren. Mithilfe von Handlungsempfehlungen, Fragestellungen, Wörter- und Begriffslisten regt das Buch zur Selbstreflexion an und gibt wertvolle Hinweise, wie die Sprachentwicklung und das Lernen von Kindern im Alltag unterstützt werden kann.

AutorIn

Karolina Larsson ist staatlich geprüfte Logopädin. In der Kommune Halmstad (Schweden) arbeitet sie als Sprach-, Lese- und Schreibentwicklerin. Sie besitzt ein eigenes Unternehmen indem sie als Dozentin, Autorin und Beraterin für Sprach-, Lese- und Schreibentwicklung tätig ist.

Aufbau

Das Buch enthält neben dem Inhaltsverzeichnis, dem Vorwort und den zwei einführenden Bereichen, drei Großkapitel:

  1. Die Gesellschaft verändert die Sprache – die Sprache verändert die Gesellschaft
  2. Sprache, die das Denken von Kindern herausfordert
  3. Voraussetzungen für Sprache schaffen

Jedes Großkapitel besteht aus weiteren Unterkapiteln.

Inhalt

Im ersten Kapitel die Gesellschaft verändert die Sprache – die Sprache verändert die Gesellschaft liegt der Fokus der Autorin auf der Verbindung von Sprache und dem Wertfundament der Gesellschaft. Die Autorin legt dar, welchen Einfluss das Umfeld auf Kinder hat. Wie Sprache, Kommunikation und Interaktion das Weltbild und Selbstbild von Kindern beeinflussen. Larsson zeigt in diesem Zusammenhang auf, wie sich Wertvorstellungen, Einstellungen und Verhaltensweisen entwickeln, welchen Anteil Sprache und Kommunikation daran haben und wie wichtig es ist die eigenen Werte und Wertvorstellungen zu überprüfen.

Unter der Überschrift Sprache und Demokratie zeigt Larsson auf, dass Sprache Partizipation von Kinder ermöglichen oder verhindern kann. Jedes Kind sollte die Gelegenheit haben seine Meinung zu äußern. Diesbezüglich nimmt sie die unterschiedlichen Machtverhältnisse, die sich im pädagogischen Kontext ergeben können in den Blick und wie pädagogische Fachkräfte Kinder darin unterstützen können, zu handlungsfähigen und verantwortungsvollen Erwachsenen zu werden.

Im Folgenden beleuchtet die Autorin die Wichtigkeit der nonverbalen Kommunikation in der Interaktion mit Kindern. Intonation, Blickkontakt sowie die Position, die pädagogische Fachkräfte gegenüber Kindern einnehmen, übermitteln unterschiedliche Botschaften. Für Larsson ist die Körpersprache eine weitere Ausdrucksform, ein weiteres pädagogisches Instrument, welches Pädagogen im Alltag zur Verfügung steht.

Im Abschnitt gute Frage, gute Antwort stellt die Autorin die Bedeutsamkeit des Dialogs für das Lernen der Kinder heraus. Damit folgt sie dem Ko-Konstruktiven Gedanken Vygotskys, den sie in der Einführung bereits erwähnt. Damit echte Dialoge entstehen liegt hier ein besonderer Akzent auf verschiedenen Frage- und Gesprächstechniken. Anhand konkreter Beispiele zeigt sie auf, wie unterschiedlich Gespräche aufgrund verschiedener Fragearten verlaufen können. Im Anschluss bekommen die Leser*innen konkrete Handlungsempfehlungen und Reflexionsfragen, die eigene Gesprächs- und Fragegewohnheiten in den Fokus zu nehmen.

Im zweiten Kapitel Sprache, die das Denken von Kindern herausfordert folgt sie weiter dem Gedanken des dialogorientierten Lernens. Im Dialog lernen Kinder Gedanken zu äußern, Hypothesen zu bilden, zu überprüfen und Lösungen zu finden. Mittels Beispielen demonstriert sie, wie pädagogische Fachkräfte das Denken von Kindern unterstützen können.

Unter der Überschrift das Planen der Sprachentwicklung – Qualität und Quantität geht Larsson ausführlich auf die Unterstützung der Sprachentwicklung aller Kinder im Alltag ein. Vor allem den Aspekt der Sprachproduktion, also die Erweiterung des Wortschatzes, beleuchtet die Autorin genauer. Anhand konkreter Begriffslisten zeigt Larsson auf, wie die eigene Praxis auf Wörter und Begriffe analysiert werden kann. Um die Grammatikentwicklung der Kinder zu fördern, enthält dieser Bereich eine Tabelle mit Satzkonstruktionen. Damit wird die eigene Sprachpraxis um eine differenzierte Grammatik mit Haupt- und Nebensätze erweitert.

Im nächsten Abschnitt wird das Thema Vorlesen konkreter ausgeführt. Bereits in den vorangegangen Kapiteln nimmt Larsson immer wieder Bezug auf das Vorlesen und Geschichten erzählen. Hier lädt sie konkret dazu ein, die Kinderbibliothek auf verschiedene Genres zu durchforsten und um fehlende Genres zu ergänzen. Nach Möglichkeit sollten Kindern verschiedene Auswahlmöglichkeiten an Genres und Textstilen zur Verfügung stehen. Denn „Kinder, die bereits im Vorschulalter auf verschiedene Genres treffen, haben es in der Schule leichter, zwischen verschiedenen Texttypen zu unterscheiden“ (S. 112). Ein Fragenkatalog zur Bestandsaufnahme und Leseverhalten in der Kita runden das Kapitel ab.

Im dritten und letzten Kapitel Voraussetzungen für Sprache schaffen greift die Autorin den Gedanken einer sprachbildenden Lernumgebung auf und geht auf die Zusammenarbeit mit den Eltern ein. Hier steht vor allem der intensive Austausch zwischen pädagogischer Fachkraft und Bezugspersonen über Lese- und Sprachpraxis mit ihren Kindern im Mittelpunkt.

Diskussion

Karolina Larsson gelingt es in ihrem Buch die Bedeutsamkeit des sprachlichen Vorbilds für die Identitätsentwicklung, Selbstbildes und Sprachentwicklung von Kindern aufzuzeigen.

Bereits im Vorwort weist die Autorin daraufhin, dass Erzieher*innen und Bezugspersonen, die wichtigsten sprachlichen Vorbilder für Kita-Kinder sind. Die Pädagogin als sprachliches Vorbild, ist der rote Faden, der sich durch das ganze Buch zieht. Es ist der Autorin ein großes Anliegen, dass Pädagogen sich dieser wichtigen Rolle im Alltag bewusst werden. Damit dies gelingt und sich pädagogische Fachkräfte dieser wichtigen und verantwortungsvollen Aufgabe bewusst werden, enthält jedes Kapitel Tipps, konkrete Handlungsempfehlungen, Beispiele und Fragen zur Selbstreflexion. Diese regen an, die eigene Praxis in den Fokus zu nehmen, zu durchleuchten und eigene Sprachgewohnheiten zu reflektieren. Damit ist das Buch nicht nur ein Fachbuch, welches die Pädagogin als sprachliches Vorbild in den Blick nimmt, sondern auch ein Arbeitsbuch.

Die Autorin schafft es Fachwissen in gut verständlichen Sätzen zu vermitteln und den Zusammenhang von Sprache, Kommunikation, Interaktion und der Identitätsentwicklung und Selbstbildes der Kinder klar und prägnant darzustellen.

Fazit

Mit seinen vielen Tipps, Beispielen und Reflexionsfragen eignet sich das Buch hervorragend die eigene Praxis und das eigene Sprachverhalten unter die Lupe zu nehmen. Sich der eigenen Rolle als sprachliches Vorbild in Kita und Krippe bewusst zu werden. Das Buch vermittelt nicht nur Fachwissen, sondern auch Praxiswissen und gibt viele Anregungen zur Selbstreflexion und Reflexion im Team.


Rezension von
Alexandra Großer
Diplom-Pädagogin, Erzieherin
Homepage www.impulsundbegleitung.de
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Zitiervorschlag
Alexandra Großer. Rezension vom 29.07.2021 zu: Karolina Larsson: Sprachliche Vorbilder in der Kita. Lernfortschritte erzielen durch gute Kommunikation. Bananenblau (Berlin) 2021. ISBN 978-3-946829-59-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28416.php, Datum des Zugriffs 22.09.2021.


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