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Thomas Hanstein: Selbstmanagement – mit Coachingtools

Cover Thomas Hanstein: Selbstmanagement – mit Coachingtools. Ressourcen erkennen, nutzen und pflegen. Tectum (Baden-Baden) 2021. 2. Auflage. 310 Seiten. ISBN 978-3-8288-4587-9. D: 38,00 EUR, A: 39,10 EUR.
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Thema

Die Zweitauflage „Selbstmanagement – mit Coachingtools. Ressourcen erkennen, nutzen und pflegen“ des 2018 in der 1. Auflage erschienenen Buches (im Jahr 2020 im Rauen-Coaching-Report auf Platz 1 der Coaching-Literatur) von Dr. Thomas Hanstein wurde erweitert um Tools zum Hybrid- und Naturcoaching. Damit reagiert der Autor auf die Corona-Situation, in der die vis-á-vis-Präsenz von Coach und Klient am gemeinsamen Ort aufgrund der Abstandsgebote und AHA-Regeln zur Herausforderung geworden ist; er zeigt auf, dass und wie spezifische Coaching-Tools auch in der aktuellen Lage ihre Wirkung entfalten können. Es handelt sich um eine erfahrungsbasierte Einführung in Coaching-Tools mit stringenter Rückbindung an entsprechende theoretische Modelle, die gleichermaßen für am Coaching Interessierte wie für Coaches und Klienten geeignet sei. Prof. Dr. Erich Schäfer und Prof. Elke Berninger-Schäfer charakterisieren das Buch auf dem Einband als Ratgeber zur „Innenwelterkundung“ bzw. bescheinigen dem Autor eine deutlich erkennbare Leidenschaft in der Einzelbegleitung und Teamentwicklung. Für diese Bereiche und Schwerpunkte werden in der 2. Auflage „innovative Möglichkeiten für hybride Formate und für das Naturcoaching“ vorgestellt.

Autor

Dr. Thomas Hanstein ist Berufsschulpädagoge mit gymnasialer Lehrbefähigung (OStR) und Vorerfahrungen in der freien Wirtschaft, zudem Diplom-Theologe und Seelsorger (nach dem Buch „Von Hirten und Schafen“ [Tectum] auf eigenen Wunsch freigestellt) sowie Business Coach für Wirtschaft und Verwaltung (DBVC-anerkanntes Kontaktstudium). Der Autor ist als Fortbildungsreferent für Coaching-relevante Fragestellungen, externer Coach und Berater mit den Schwerpunkten On- und Offboarding sowie Change-Management tätig. Er schreibt regelmäßig Fachartikel für das Coaching-Magazin (Rauen). Basierend auf seiner über 20-jährigen Erfahrung in verschiedenen Arbeitsfeldern hat der Autor in seiner Praxis bewährte Tools in diesem Buch zusammengeführt und in der 2. Auflage mit Beispielen zu online- und hybriden Formaten sowie zum Naturcoaching ausgebaut.

Aufbau und Inhalt

Um eines vorwegzunehmen: Autor und Fachbuch liefern keine umfassende, systematisch-wissenschaftliche Abgrenzung der verschiedenen Coaching-Methoden. Hanstein beschreibt als ausgebildeter Pädagoge, Theologe und Coach vielmehr jene Tools, die in seiner Praxis als Business Coach für Wirtschaft und Verwaltung „von wiederkehrender Bedeutung“ waren. Damit fokussiert er in erster Linie ressourcen-, systemisch-lösungsorientierte Ansätze, also solche, die von den eigenen Kraftquellen, Kompetenzen und Potenzialen des Klienten sowie von der Prämisse ausgehen, dass „der Klient der Experte seines eigenen Systems ist“ (S. 15).

Das Buch beginnt mit einem Vorwort von Prof. Dr. Erich Schäfer, Ernst-Abbe-Hochschule Jena. Der Hochschullehrer für Erwachsenenbildung begrüßt die Neuauflage als aktuelle „Fortschreibung“, welche „die aktuelle Dynamik in der Coaching-Szene“ spiegele und daher „sehr zu begrüßen“ (S. XII) sei.

Der erste Teil des Buches enthält im Gegensatz zu den meisten anderen Coaching-Büchern eine theoretisch untermauerte Einführung in das Themengebiet Coaching, in dahinterliegende Modelle und Schulen. Der Begriffsbestimmung zum „Coaching“ folgen Ausführungen zur Marktsituation, neurowissenschaftlichen Fundierung des Coachings und zum Systemischen Coaching. Ein weiterer Schwerpunkt in diesem theoretischen Teil ist das „Menschenbild“ im Coaching bzw. des Coaches. Hier grenzt sich der Autor deutlich ab von eher defizit- bzw. problemorientierten psychologischen oder medizinischen Therapeuten oder auch vom traditionellen Seelsorger: Hanstein geht es weniger um Heilung/Heil im Sinne der Anpassung an einen an mehr oder weniger objektiven Gesundheits-/​Seelenzustand, sondern um „die Steigerung der Selbstmanagementkompetenz“, um die Ermöglichung eines „neuartigen, authentischen Selbsterlebens mit dem Ziel der Kongruenz beim Klienten“ (S. 27). Der Coach habe dabei seinen Klienten „wertfreies Interesse“ (S. 37) entgegenzubringen.

Im daran anschließenden, deutlich umfangreicheren praktischen Teil des Buches werden alle Tools und Beispiele immer wieder an die o.g. theoretischen Linien zurückgebunden. Dieser Praxisteil besteht aus „Lieblingsinterventionen“ des Autors, in der 2. Auflage erweitert um Tools zum Hybrid- und Naturcoaching. Die vielen Beispiele drehen sich z.B. um Reibungsverluste im Team, berufliche Veränderung oder Wiedereingliederung nach Auslandsaufenthalt, Mitarbeitermotivation, lähmende Apathie bis hin zur Gewichtsreduzierung. Neben Paradoxer Intervention, Reframing, Systemaufstellung zeigt Hanstein anschaulich Wirkungsweisen mythologischer Perspektiven, von Helden- oder Körperreisen, des Identitätshauses, Naturcoachings, Tetralemmas oder des Ressourcenrades auf. Originale, handgeschriebene Flip-Chart-Darstellungen aus dem Begleitungsprozess sowie die farbigen Naturfotos dienen als Visualisierungshilfen, hauchen den Verfahrensbeschreibungen Leben ein und vermitteln dem Leser das Gefühl, dem Coaching-Prozess hautnah beigewohnt zu haben.

Naturcoaching ist für Thomas Hanstein „kein Coaching mit, sondern durch die Natur“ (S. 218). So angelegtes Coaching sei ganzheitliches Reframing. „Gerade unter Leistungsdruck oder in beruflichen wie persönlichen Verönderungsdynamiken können Phasen in der Natur zur eigenen Natürlichkeit zurückführen“ (S. 226), indem über den Weg nach draußen die (eigentliche) Reise nach innen angetreten werden kann (S. 221). Diesen „Coaching-Reisen“ kann auf 10 Farbseiten 6–8 Bilder nachgespürt werden. Was fast ein wenig philosophisch-anthropologisch anmutet, zielt auf einen reichen Schatz an Naturmetaphern. Diese auf ganz unterschiedliche Coaching-Kontexte „bertragen seien geeignet, die Klienten wieder an existenzielle Grundfragen des Lebens heranzuführen“ (S. 226). Eine tabellarische Darstellung von „Klassischen Themen und Naturmetaphern“ (S. 235) ordnet den Coaching-Themen, -Anliegen und -Aufträgen passende Fotomotive sowie beispielhafte Assoziationen und O-Töne von Klienten aus der Coaching-Praxis zu.

Diskussion

Eine weitere Besonderheit des Buches ist der Anspruch, dieses für gleich drei Zielgruppen (Coaching-Interessierte, Coaches und Klienten) zu konzipieren. Das ist zweifellos eine inhaltliche und sprachliche Herausforderung sowie verkaufspolitisches Wagnis zugleich.

Diese Risiken werden dadurch abgefedert, dass es

  • lediglich eine Einführung in die Welt des Coachings sein will,
  • von einer kommunikativen Situation auf Augenhöhe (S. 33) zwischen den Beteiligten ausgeht und
  • sich deshalb einer Sprache zu befleißigen sucht, die alle Beteiligten verstehen sollten.

Letzteres gelingt insbesondere im eher theoretisch-systematischen Teil nicht in jeder Passage spannungsfrei, wenn z.B. festgestellt wird, Verhaltens-/​Haltungsänderungen seien „nicht über Verstand und Vernunft möglich“ (S. 23. [Hier hätte es gewiss „nicht nur“ heißen sollen, analog zu den weiteren Ausführungen.]), auf S. 27 aber der Aspekt der Empathie ins Feld geführt wird, der sich u.a. „aus dem einfühlenden Verstehen (Ratio) und dem verstehenden Einfühlen (Gefühl)“ zusammensetze, und sich doch deutlich im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes unter Einbezug der Körperlichkeit durch das ganze Buch zieht.

Die kleinen Unschärfen im theoretischen Grundlagenteil sind offensichtlich „Verkürzungen in der Darstellung und Durchdringungstiefe“ (S. 4) geschuldet, die der empirisch-narrative Hauptteil des Buches allerdings schnell vergessen lässt. Hier erweist sich auch die Neuauflage (sauber strukturiert, mit erkennbarem rotem Faden und bei allem fachwissenschaftlichen Anspruch) als ein leicht und spannend zu lesendes Praxisbuch mit vielen wertvollen Impulsen für das eigene Coaching und Selbstcoaching.

Ungewöhnlich, aber beeindruckend ist auch der Exkurs zum intuitiven Schreiben in lyrischen Formaten, um „Zugang zu den Energieressourcen der Natur zu erhalten“ (S. 248). Der Titel dieses Unterkapitels passt sich gut in das Motto der 2. Auflage ein: „Den inneren Horizont schreibend wiederfinden“ (S. 248) – sicher ein nicht nur in der Corona-Pandemie wichtiger Ansatz, der in dieser Zeit besonders an die Oberfläche getreten ist.

Fazit

Prof. Dr. Elke Berninger-Schäfer würdigt in ihrem Text auf dem Bucheinband den deutlich erkennbaren lösungsorientierten Ressourcenansatz als „verbindende Klammer aller Tools und Fallbeispiele.“ Dieser Einschätzung ist zuzustimmen, denn diese Grundlage zieht sich durch, beim analogen, Online-, Synchron- ebenso wie beim asynchronen Coaching. Der Schlusssatz von Hanstein „Glückende Coachingprozesse werden immer wieder neue Tools generieren. Weil Coaching lebt.“ ist nicht nur Fazit, sondern Leitmotiv von Autor und Buch, das Coaching konsequent als dynamischen Prozess der Kommunikation begreift und von daher immer wieder neue, z.T. außergewöhnliche Lerneffekte für alle Beteiligte, Coaches und Klienten ermöglicht. Dies gelingt in „Selbstmanagement – mit Coachingstools" durch viele anschauliche Praxisbeispiele mit Rückbindung zu Tools bzw. deren theoretische Fundierung ebenso wie durch die praktischen Leitfäden und Roadmaps, die diese umfangreiche Fundgrube komplettieren. Innovativ an der 2. Auflage sind auch die vielen farbigen Motive aus den eigenen Corona-Naturcoachings des Autors. Keines von ihnen sei nachbearbeitet, wie der Autor im Buch explizit betont, womit er die Authentizität der von ihm beschriebenen Begleitungsprozesse verdeutlichen will. Sie laden dazu ein, auch das eigene (durch einen Coach angeleitete oder als Selbst-)Coaching durch Naturmetaphern und -erfahrungen tiefer und natürlicher werden zu lassen – und dies „zu jeder Jahreszeit“ (S. 263).


Rezension von
Dr. Rainer Schwarzenthal
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Zitiervorschlag
Rainer Schwarzenthal. Rezension vom 04.06.2021 zu: Thomas Hanstein: Selbstmanagement – mit Coachingtools. Ressourcen erkennen, nutzen und pflegen. Tectum (Baden-Baden) 2021. 2. Auflage. ISBN 978-3-8288-4587-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28460.php, Datum des Zugriffs 14.06.2021.


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