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Sabine Trepte, Leonard Reinecke: Medienpsychologie

Rezensiert von Anna-Lena Mädge, 18.11.2022

Cover Sabine Trepte, Leonard Reinecke: Medienpsychologie ISBN 978-3-17-039154-3

Sabine Trepte, Leonard Reinecke: Medienpsychologie. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2021. 3., erweiterte und überarbeitete Auflage. 289 Seiten. ISBN 978-3-17-039154-3. 32,00 EUR.
Reihe: Grundriss der Psychologie - 27. Urban-Taschenbücher.

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Thema

Mediennutzung, besonders digitale Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen, ist in den vergangenen Jahren verstärkt in den Fokus von Eltern und Praktiker:innen in sozialen sowie pädagogischen Berufen gerückt. Medien und ihre Nutzung sind Teil unseres Alltags, die Auswahl der Inhalte und Intensität mit der wir uns ihnen widmen wird jedoch von verschiedenen Aspekten beeinflusst. Der Grundlagenband verschafft einen Überblick über psychologisch relevante Einflussfaktoren der Mediennutzung und Möglichkeiten der wissenschaftlichen Evaluation dieser.

AutorInnen

Prof. Dr. Sabine Trepte ist seit 2013 Leiterin des Fachgebiets Medienpsychologie am Institut für Kommunikationswissenschaften der Universität Hohenheim.

Prof. Dr. Leonard Reinecke ist als Professor für Medienwirkung und Medienpsychologie am Institut für Publizistik an der Johannes-Gutenberg Universität in Mainz tätig.

Dr. Johanna Schäwel arbeitet am Institut für Kommunikationswissenschaften der Universität Hohenheim als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachgebiet Medienpsychologie.

Entstehungshintergrund

Die Reihe „Grundriss der Psychologie“ konzentriert sich auf die Inhalte der Module des Bachelorstudiums der Psychologie und ist so aufgebaut, dass die Inhalte eines Bandes innerhalb eines Semesters erlernbar sind. Für die dritte Auflage des Bands Medienpsychologie wurden Texte und Inhalte komplett neu verfasst und anhand der Auswahl der dargestellten Studien werden aktuell diskutierte Widersprüche innerhalb des Forschungsfelds verdeutlicht.

Aufbau

Die acht Kapitel (Einleitung, Methoden der Medienpsychologie, Medienselektion, Medienrezeption, Medienwirkungen, Computervermittelte Kommunikation, Mensch-Computer-Interaktion, Lernen-Wissen-Kompetenzen) sind durchgängig mit hervorgehobenen Begriffsdefinitionen und Grafiken unterlegt. Die Kapitel schließen jeweils mit einer Zusammenfassung, Literaturempfehlungen und Fragen zur Selbstüberprüfung des erlernten Inhalts ab.

Inhalt

In der Einleitung wird definiert, das Medienpsychologie die Auseinandersetzung mit dem menschlichen Erleben und Verhalten im Kontext von Mediennutzung umfasst. Es werden verschiedene Forschungsfragen im Bezug zu Emotionen, Kognition und Verhalten dargestellt sowie die derzeit wichtigsten Quellen zur Analyse von Mediennutzung.

Das nachfolgende Kapitel setzt sich mit den Methoden der Medienpsychologie auseinander. Hierin wird der grundlegende Aufbau einer Forschungsstudie sowie die zugehörige Ethik thematisiert, wie auch die für dieses Gebiet relevanten Forschungsmethoden (Standardisierte Befragungen, Psychophysiologische Methoden, Qualitative Methoden, Inhaltsanalysen) diskutiert. Dabei geht es ebenso um das Aufzeigen von Grenzen wie auch der Eignungen der Methoden für Datenerhebung und Analyse um Forschungsfragen beantworten zu können.

Im dritten Kapitel werden die Einflussfaktoren der Medienselektion thematisiert. Dazu werden zunächst die Bedeutung von Persönlichkeit und Persönlichkeitseigenschaften definiert, sowie Theorien der Persönlichkeitspsychologie dargestellt. Hierdurch wird deutlich, in welchem Ausmaß die Persönlichkeit bei der Selektion von Medien mitbeeinflussend ist. Nachfolgend wird auf die Bedeutung von kognitiver Diskrepanz und Dissonanz eingegangen und diese anhand der Dissonanztheorie sowie verschiedener Studien dargestellt. Diskutiert wird zudem die Bedeutung der sozialen Identität, des Selbstkonzepts sowie des Selbstwerts für die Auswahl von Medien. Abschließend werden die Einflussnahme von Emotionen und Stimmungen sowie der Bedürfnisbefriedigung und persönlichen Weiterentwicklung näher erläutert und für das Zusammenspiel der einzelnen Einflussfaktoren sensibilisiert.

Im Folgenden werden die Prozesse der Medienrezeption zunächst anhand der kognitiven Verarbeitung von Medienbotschaften erklärt. Da die Rezeption als ein Zusammenspiel von kognitiven und emotionalen Prozessen verstanden wird, folgt die Darstellung von Emotionen und affektiven Dispositionen, ebenso werden die Auswirkungen von Spoilern für das Rezeptionserleben thematisiert. In Kürze wird auf die Bedeutung des Unterhaltungserleben eingegangen um nachfolgend tiefer gehend medienpsychologische Ansätze zur parasozialen Interaktion und Identifikation zu betrachten, durch welche Gefühle der Einbezogenheit und damit verbundene emotionale Reaktionen auf Medienpersona nachvollziehbar werden. Abschließend wird verdeutlicht, dass das Erfahren von Involvement, Präsenzerleben und/oder Flow der Mediennutzer:innen bedeutende Facetten der Rezeption darstellt, welche die Wirkung von Medien verstärken.

Die Darstellung der Medienwirkung wird anhand der Auseinandersetzung mit Priming und Accessibility begonnen. Diese verdeutlichen die möglichen Auswirkungen von Medienrezeption auf nachfolgende Gedanken und Einstellungen von Menschen. Die anschließende Darstellung der sozial-kognitiven Theorie der Massenkommunikation beschreibt, wie Medienpersonen zu sozialen Vorbildern werden können. Hieraus können verschiedene, positive wie auch negative, Effekte für die Gesundheit der Rezipent:innen entstehen. Begleitend finden soziale Vergleichsprozesse anhand der Medieninhalte statt, deren Wirkungen und Abläufe dargestellt werden. Medieninhalte die wiederum gezielt dafür geeignet sind Einstellungen zu beeinflussen werden anhand des Elaboration-Likelihood-Models diskutiert. Ebenso wird die weniger direkte Form der Einflussnahme auf Einstellungen durch Erzählungen und Geschichten anhand der narrativen Persuasion diskutiert. Den Abschluss des Kapitels bildet die Auseinandersetzung mit Auswirkungen von gewalttätigen Medieninhalten.

Medien bieten für uns die Möglichkeit zur Computervermittelten Kommunikation (CvK) innerhalb von Individual- und Massenmedien. Hierbei sind besonders die Unterschiede zwischen der Kommunikation innerhalb persönlicher Begegnungen (Face-to-Face) und der CvK von Interesse in der Forschung. Das Kapitel stellt daher zunächst grundlegende Begrifflichkeiten und theoretische Rahmenbedingungen dar, wodurch eine Basis für das Verständnis der tiefergehenden theoretischen Konzepte (das Hyperpersonal Model, Social Identity Model of De-Individuation) geschaffen wird. Abschließend werden die psychologischen Prozesse innerhalb der CvK, zu denen Selbstdarstellung, Selbstoffenbarung und Privatheit, Soziale Beziehungen und Wohlbefinden zählen, thematisiert.

Mensch-Computer-Interaktion (MCI) finden sowohl im virtuellen Raum, beispielsweise gegenüber Avataren, wie auch mit Robotern im physischen Raum statt. Die medienpsychologische Forschung untersucht dabei ob und wann Computer als soziale Akteur:innen wahrgenommen werden. Anhand aktueller Studien wird dargestellt, wann und in welchem Setting Computer bei ihren Nutzer:innen soziale Reaktionen und Emotionen auslösen. In Zusammenhang mit den aktuellen technischen Innovationen sind viele der Studien als Pionierarbeiten zu betrachten und die begleitenden Theorien befinden sich noch in der Entwicklung.

Welche besonderen Chancen und Räume Medien für die Bereiche Lernen-Wissen-Kompetenzen darstellen wird im letzten Kapitel thematisiert. Hierbei wird sich sowohl mit angestrebtem Wissenserwerb durch online Medien wie auch Wissenserwerb als zufälligem Nebeneffekt. Verschiedene Formate und ihre Effektivität wie auch Herausforderungen für die kognitive Aufnahme der Inhalte werden dargestellt. Abschließend wird auf die Bedeutung von Medienkompetenz und die Schwierigkeiten der Messbarkeit eingegangen.

Diskussion

Die aktualisierte Neuauflage umfasst derzeit relevante mediale Entwicklungen und die begleitenden psychologischen Erkenntnisse aus ihrer Nutzung. Aufbau und Inhalt ermöglichen es zunächst ein Grundverständnis des Forschungsfelds Medienpsychologie und seiner Methoden aufzubauen. Hierbei wird das Erfassen der Inhalte durch prägnante Begriffsdefinitionen, umfangreiche Tabellen sowie anschauliche Grafiken unterstützt. Anschließend werden Einflussfaktoren dargestellt, welche einen maßgeblichen Einfluss auf die Auswahl der Medien sowie die Bereitschaft zum Teilen von Informationen und Inhalten innerhalb sozialer Medien haben. Zunächst wird hier auf die Persönlichkeitstypen eingegangen, wobei das Forschungsinteresse hier beispielsweise Korrelationen zwischen bestimmten Persönlichkeitstypen und problematischer wie auch pathologischer Mediennutzung umfasst. Deutlich wird innerhalb des umfassenden Kapitels zur Medienselektion, dass multiple Einflüsse wie Emotionen und Stimmungen aber auch die Bedürfnisbefriedigung Einfluss nehmen, wodurch die dargestellten Inhalte einzeln betrachtet als Puzzlestücke in der Auswahl von Medien zu betrachten sind. Die Rezeption der Medien wird ebenfalls von Emotionen begleitet die durch den Konsum ausgelöst werden, zudem werden kognitive Prozesse und theoretische Modelle der Medienrezeption diskutiert. Innerhalb des Kapitels zur Medienwirkung werden verstärkt theoretische Modelle erläutert und mit aktuellen Studienergebnissen verknüpft. Die nachfolgenden Kapitel setzen sich mit den besonders aktuellen Themen der Computervermittelten Kommunikation z.B. innerhalb von Messengern und Mensch-Computer-Interaktion auseinander. Die hier vorgestellten Studien sind oftmals State-of-the-Art und geben erste Einblicke in Forschungsansätze, Theorien und bisherige Ergebnisse die in den kommenden Jahren voraussichtlich weiterentwickelt und tiefer gehend untersucht werden. Deutlich wird anhand dieses Aufbaus, dass dem Ziel des Bandes, grundlegende Kenntnisse der Medienpsychologie innerhalb eines Semesters zu vermitteln Rechnung getragen wird. Die durchgängigen Begriffsdefinitionen in allen Kapiteln erleichtern ein Verständnis der thematisierten Inhalte, welche sinnvoll aufeinander aufbauen und die Komplexität des Forschungsfeldes erfassbar machen. Zugleich wird deutlich, dass sich der Band wissenschaftlich interessierte Personen bzw. angehende Wissenschaftler:innen adressiert, da Forschungsmethodiken, Studiendesigns und theoretische Modelle einen inhaltlichen Schwerpunkt aller Kapitel bilden. Diese Inhalte werden verständlich und anschaulich transportiert sowie durch spannende, aktuelle Studienergebnisse unterlegt. Dabei werden sowohl aktuelle Forschungslücken wie auch kritische Aspekte der dargestellten Theorien und Modelle erwähnt. Die Herausforderung die es beinhaltet ein so breites und spannendes Forschungsfeld verständlich und prägnant darzustellen wird im letzten Kapitel des Bandes deutlich, der sich mit Lernen, Wissen und Medienkompetenz auseinandersetzt. Das Lernen mit Medien ist ein stetig wachsendes Feld und auch in diesem Kapitel werden viele relevante Inhalte erwähnt, in einigen Fällen aber nicht näher gehend erläutert wie beispielsweise „Gamification“. Auch wenn Video- und Computerspiele als mögliche Medien zu Wissensvermittlung erwähnt werden, fehlen hier Verweise auf zugrundeliegende Konzepte wie beispielsweise Serious Games. Generell sind die dargestellten Erkenntnisse in Zusammenhang mit medialen Lerneffekten, Wissenserwerb und Medienkompetenz sind umfangreich von Studien unterlegt und das Kapitel trotz seiner Kürze sehr inhaltsstark.

Fazit

Medien sind Teil unseres täglichen (Er-)Lebens, die Auswahl und Entscheidung in welcher Art wie wir sie nutzen ist dabei sehr individuell und wird sowohl von vorhandenen Ressourcen, Zugangsmöglichkeiten wie auch unserer Persönlichkeit beeinflusst. Oftmals finden die mit Medienkonsum in Zusammenhang stehenden Entscheidungsprozesse unbewusst statt und auch die Wirkung des Medienkonsums kann Nutzer:innen verborgen bleiben. Durch Medienpsychologie werden diese alltäglichen Prozesse und Vorgänge sicht- und erfassbar. Der vorliegende Band schafft ein Verständnis für die grundlegende Bedeutung des Forschungsfeldes und gibt Einblick in aktuelle Erkenntnisse der Medienpsychologie und offene Fragen. Die umfangreiche Auseinandersetzung mit theoretischen Modellen und aktuellen Studienergebnissen ist dabei anschaulich und leichtgängig gestaltet. Somit stellt der Band eine äußerst fundierte Grundlage für weitergehende Auseinandersetzung mit den Inhalten dar.

Rezension von
Anna-Lena Mädge
M. A. Soz.Päd./Soz.Arb.
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Es gibt 18 Rezensionen von Anna-Lena Mädge.

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Zitiervorschlag
Anna-Lena Mädge. Rezension vom 18.11.2022 zu: Sabine Trepte, Leonard Reinecke: Medienpsychologie. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2021. 3., erweiterte und überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-17-039154-3. Reihe: Grundriss der Psychologie - 27. Urban-Taschenbücher. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28464.php, Datum des Zugriffs 02.12.2022.


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