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Daniela Cornelia Stix: Praxishandbuch Beraten mit Social Media

Rezensiert von Adrian Roeske, 29.06.2022

Cover Daniela Cornelia Stix: Praxishandbuch Beraten mit Social Media ISBN 978-3-7799-6392-9

Daniela Cornelia Stix: Praxishandbuch Beraten mit Social Media. Digitale Soziale Arbeit mit Jugendlichen. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2021. 200 Seiten. ISBN 978-3-7799-6392-9. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR.
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Thema

In diesem Praxisbuch erhalten Fachkräfte zahlreiche Einführungen und Hinweise zur digitalen Sozialen Arbeit mit Jugendlichen mit dem Schwerpunkt auf Beratung im Kontext von Social Media. Der Fokus liegt auf den Handlungsfeldern der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, der Schulsozialarbeit sowie dem ambulanten Wohnen, darüber hinaus werden aber auch weitere Handlungsfelder Sozialer Arbeit aufgegriffen. Die knapp 170 Seiten sind durchzogen mit zahlreichen Stimmen aus der Praxis sowie verschiedenen Link- und Lese-Tipps, welche die Anschaulichkeit des Buches weiter erhöhen. Insbesondere die von der Autorin genannten Konzeptfragen zum Ende des Buches hin dürften Fachkräften in der Praxis helfen, die eigene Arbeit mit Social Media gezielter zu strukturieren.

Autorin

Daniela Cornelia Stix ist derzeit Verwaltungsprofessorin für Soziale Arbeit an der BTU Cottbus und setzt sich schwerpunktmäßig mit digitalen Medien in der Sozialen Arbeit auseinander. Sie hat Soziale Arbeit studiert und um einen Abschluss in Medienwissenschaften ergänzt. Ihr Weg in die Wissenschaft führte über verschiedene Stationen in der Praxis, welche bisweilen medienpädagogische Schwerpunkte hatten. Über einen Einstieg als Lehrkraft für besondere Aufgaben schlug sie schließlich den Weg in die Hochschule ein. Sie hat in den vergangenen Jahren verschiedene Publikationen im Themenbereich Digitalisierung, digitale Medien und Medienkompetenz veröffentlicht und ihre Dissertation zu Social Media in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit abgeschlossen.

Inhalt und Diskussion

Das Buch gliedert sich in elf Kapitel, welche jeweils mit zahlreichen Unterkapiteln ausgestattet sind. Jedes Kapitel widmet sich einem größeren Themenkomplex, welcher kleinschrittig vorgestellt und diskutiert wird. Der Einstieg ins Buch erfolgt mit einer Einführung, der Benennung der unterschiedlichen Themenfelder und einer Erläuterung zur Verzahnung der inhaltlichen Kapitel mit Ausschnitten aus durch die Autorin geführten Interviews. Dabei wird schnell deutlich, warum das Buch als Praxisbuch angepriesen wird, da es der Autorin darum geht, Stimmen aus der Praxis auszugreifen und entsprechend mit Handlungsempfehlungen zu verknüpfen. Im nächsten Schritt erfolgen begriffliche Definition und Abgrenzungen zu anderen Beratungsformen. Insbesondere die anfängliche Abgrenzung gibt den Leser:innen eine klare Richtung für das Studium des Buches vor, indem deutlich wird, dass es für die professionelle Ebene und den Beratungskontext angedacht ist. Über die Definitionen führt die Autorin schrittweise in die hybride Beratung von Jugendlichen ein und fokussiert auf digitale Beratungsmöglichkeiten. Gleichzeitig werden der Stellenwert von Social Media und Blended Counselling praxisnah diskutiert.

Das dritte Kapitel gibt einen Überblick über derzeit aktuelle Apps, deren grundlegende Funktionsweisen sowie deren Bedeutung für die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen. Die Autorin gibt Hinweise auf den Weg, warum insbesondere diese Apps für die fachliche Arbeit relevant sein können. Durch die Benennung konkreter Apps steht die Autorin vor der Herausforderung, dass diese in absehbarer Zeit wieder „out of date“ sein können, was die Erläuterungen in die Gefahr laufen lässt, zeitnah nicht mehr „up to date“ zu sein. Die Verfasserin umgeht das Problem zum Teil, indem die Beschreibungen zu den Anwendungen knapp bleiben und ohne dabei tiefgreifende Mechanismen zu erläutern, sodass davon auszugehen ist, dass die Aktualität länger gewährleistet bleiben dürfte. Ähnlich überblicksartig gestaltet sich der darauffolgende Abschnitt zu unterschiedlichen Aspekten der genannten Apps hinsichtlich der Sicherheit, Anonymität und Verschlüsselung. In den Erläuterungen finden sich Hinweise Fachkräfte und Abgrenzungen der Möglichkeiten fachlichen Handelns. Während die meisten Hinweise eingeordnet werden, fehlt dies beim Zitat auf S. 47, welches zwar verschiedene Dilemmata hinsichtlich der Nutzung verschiedener Apps diskutiert, aber anschließend nicht weiter durch die Verfasserin eingeordnet wird.

Nach der Klärung der Grundlagen steigt die Autorin konkret in die Arbeit mit Social Media ein, welche mit zahlreichen Linkstipps und Praxishinweisen versehen ist. Der Praxisbezug wird hier besonders groß beschrieben, während die Autorin rechtliche Rahmenbedingungen erläutert und diese auch noch einmal hinsichtlich des Zieles des Buches reflektiert. So wird z.B. auf S. 61 deutlich, dass Sozialpädagog:innen im Buch Hinweise darauf finden sollen, wie sie ihre Leistungen und Angebote mit Hilfe digitaler Kommunikationstechnologien erweitern können.

Das fünfte Kapitel widmet sich erneut einer Abgrenzung, dieses Mal verschiedener Kommunikationsformen. Dabei werden verschiedene Dimensionen von Kommunikation beschrieben, bei denen die Autorin auch auf Besonderheiten und Herausforderungen in der digitalen Kommunikation eingeht. Ähnlich dem Kapitel zuvor geht die Autorin überblicksartig vor, wenngleich an dieser Stelle etwas mehr Tiefgang vertretbar gewesen wäre, was sich in einigen wenigen Aussagen widerspiegelt: Auf S. 87 diskutiert die Autorin eine pädagogische Sensibilität an, dessen konkrete Bedeutung bzw. Ausgestaltung allerdings unklar bleibt. Des Weiteren werden Fachkräfte ermutigend auf die Entwicklung eines eigenen Stils hingewiesen, was ohne detaillierte Erläuterungen etwas nebulös bleibt. Nichtsdestotrotz bietet das Kapitel einen soliden Überblick über verschiedene Kommunikationsstile, dessen Mehrwert sich in der praktischen Arbeit zeigen dürfte, wenn Fachkräfte versuchen einen Überblick über die Kommunikation von Adressat:innen zu gewinnen.

Anschließend kommt der „Hands on“-Fokus des Buches wieder stärker zum Vorschein, indem spezifische Methoden vorgestellt werden, die zum Teil aber vor einer ähnlichen Herausforderung wie im Kapitel 4 stehen, wenn z.B. über Dokumentationshinweise geschrieben wird. Denn an dieser Stelle wird eine schnelllebige Debatte einbezogen, sodass diese zeitnah hinter den aktuellen Stand zurückfallen könnte. Die Empfehlungen für den Chat sind breit aufgestellt und geben kleinschrittige Hinweise für einzelne Situationen in einer Form wieder, die sich für die Orientierung im Rahmen der fachlichen Arbeit eignen dürften. Wenngleich die Autorin vor der Herausforderung steht, nah an einer sich beständig wandelnden Debatte zu bleiben, bieten die Praxisempfehlungen an dieser Stelle Anknüpfungspunkte für das pädagogische Handeln der Fachkräfte. Ähnlich hilfreich ist außerdem die Einordnung der typischen Herausforderungen, die Fachkräfte einerseits auf dessen Auftreten vorbereiten kann und andererseits erste Ansatzpunkte bietet, um mit selbigen umzugehen. Auch hier werden zahlreiche Beispiele aus der Praxis herangezogen, um den Veranschaulichungsgrad weiter zu erhöhen und eine Anschlussfähigkeit an den beruflichen Alltag der Fachkräfte herzustellen.

Kapitel neun fragt verdichtet danach, welche Kompetenzen und Qualitäten Fachkräfte für die Arbeit für Social Media mitbringen müssen. Dabei bricht die Autorin die Anforderungen auf das Wesentliche herunter und verdeutlicht die Relevanz verschiedener Kompetenzen, die nicht zwingend in Bezug zum Digitalen stehen müssen. Der Rückbezug auf ein Medienkompetenzmodell und das In-Bezug-Setzen verschiedener weiterer Modelle gibt gleichzeitig Hinweise auf die Komplexität des Themas. Eine kurze Einordnung zur Existenz der zahlreichen Modelle wäre an der Stelle noch eine Ergänzung gewesen, um für Fachkräfte eine stärkere Klärung dieses Umstandes zu gewährleisten.

Die Darstellung der Gefahren im Netz macht anschaulich deutlich, was auf Fachkräfte und Träger zukommen kann, ohne dabei Panik bei der Leserschaft auszulösen, indem sachlich beschrieben wird, was es über die jeweiligen Aspekte zu wissen gilt. Ein größerer Block widmet sich psychosozialen Risiken und dysfunktionaler Nutzung, was anhand verschiedener Beispiele knapp, dafür aber nachvollziehbar erläutert wird. Der dysfunktionale sowie konstruktive Umgang werden hierbei einander gegenübergestellt, um aufzuzeigen, wie das eine in das andere umgemünzt werden kann.

Zum Abschluss bietet die Autorin eine Auflistung zahlreicher Konzeptfragen an, die sich mit verschiedenen Aspekten der Arbeit mit und um Social Media im Kontext einer Beratung beschäftigen. Insbesondere im Anschluss an die vorherigen Kapitel bieten die Fragen gute Anknüpfungspunkte zum reflektierten Handeln, aber auch um die eigene Haltung oder Medienkompetenz zu hinterfragen. Der Wert der vorherigen Kapitel wird mit jedem Themenblock umso deutlich, indem das zuvor gewonnene Wissen anhand der hier aufgelisteten Fragen in die Praxis transferiert werden kann.

Das finale Kapitel gibt einen Ausblick in eine mögliche Zukunft, welche am Beispiel der in China weit verbreiteten App „WeChat“ diskutiert wird. Die Themen Virtual Reality sowie Augmented Reality und deren mögliche Potenziale werden ebenfalls aufgegriffen, welche aus Sicht der Autorin Potenziale für die Beratung und/oder Arbeit mit Jugendlichen im Allgemeinen bieten kann. Beim Thema Software nimmt die Autorin zuletzt Abgrenzungen von Enterprise-Lösungen vor und macht deutlich, dass nicht jede in der Sozialen Arbeit eingesetzte Software letztlich auch die Bedürfnisse erfüllt, die Fachkräfte stellen.

Fazit

Die Autorin bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen Handlungsempfehlungen für die Praxis, welche zum Teil an bestimmte Apps gebunden sind und damit in die Gefahr laufen, nicht permanent gültig zu sein und solchen, die allgemeiner formuliert sind und dessen Aktualität nicht zu schnell schwinden dürfte. Dabei vollzieht sie den gekonnten Spagat, zahlreiche Aspekte von und über Social Media anzuschneiden, die mit kurzweiligen Abschnitten Denkanstöße und Handlungsempfehlungen für die eigene Arbeit geben. Der Transfer zwischen den Inhalten und den Konzeptfragen zum Schluss des Buches geben ein rundes Gesamtbild ab, welches Fachkräften in der Praxis eine Hilfe dabei sein dürfte, Beratung im Kontext von Social Media gezielter auf die eigene Agenda zu setzen.

Rezension von
Adrian Roeske
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Es gibt 1 Rezension von Adrian Roeske.

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Zitiervorschlag
Adrian Roeske. Rezension vom 29.06.2022 zu: Daniela Cornelia Stix: Praxishandbuch Beraten mit Social Media. Digitale Soziale Arbeit mit Jugendlichen. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2021. ISBN 978-3-7799-6392-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28476.php, Datum des Zugriffs 11.08.2022.


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