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Peter Hammerschmidt, Juliane Sagebiel u.a. (Hrsg.): Big Data ... und Soziale Arbeit

Cover Peter Hammerschmidt, Juliane Sagebiel, Burkhard Hill, Angelika Beranek (Hrsg.): Big Data, Facebook, Twitter & Co. und Soziale Arbeit. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2021. 2., erweiterte Auflage. 191 Seiten. ISBN 978-3-7799-6384-4. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR.
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BIG DATA ist überall!

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung über Entstehungsgeschichte(n), Wirkungsweisen, Wege, Irrwege, Gegenwarts- und Zukunftsbedeutungen des datenbasierten Medienumbruchs sind in vollem Gange. Wichtig – und bisher eher als nachrangig zu den ökonomischen Aspekten des Medienhype um „Big Data“ gesetzt – ist eine medien- und kulturwissenschaftliche Betrachtung der digitalen Forschung. Die wissenschaftlichen Auseinandersetzungen über die Entwicklung und Wandlungsprozesse, die sich im individuellen und gesellschaftlichen Leben der Menschen durch die Neuen Technologien ergeben, bedürfen der fachbezogenen und interdisziplinären, ökonomischen und ökologischen, faktischen und ethischen Aufmerksamkeit (siehe dazu auch: Ramón Reichert, Hrsg., Big Data. Analysen zum digitalen Wandel von Wissen, Macht und Ökonomie, 2014, www.socialnet.de/rezensionen/​17608.php). Besonderer Beachtung erfordern die Zusammenhänge von Datenbereitstellung und -sicherheit in sozialen Beziehungen wie z.B. in der Sozialen Arbeit.

Entstehungshintergrund und Herausgeberteam

In der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften der Hochschule in München werden Themenbereiche erforscht, die als Grundsatzfragen, Theorien und Praxisbezüge die Soziale Arbeit bestimmen und beeinflussen. Die Auseinandersetzung mit den Prozessen und Wirkungen der lokalen und globalen digitalen Transformation umfasst auch Fragen der Kommunikation und des Nutzungsverhaltens der Menschen im Alltag und Beruf: „Die Digitalisierung der Gesellschaft hat (…) alle Lebensbereiche der Alltags- und Berufswelt durchdrungen und nachhaltig verändert. Die heutigen Lebenswelten sind digitale Lebenswelten“. So führt das Herausgeberteam die Zielsetzung des Buches 2018 ein (siehe dazu: Richard Janz, Rezension vom 04.06.2018 zu: Peter Hammerschmidt, u.a., Big Data, Facebook, Twitter & Co. und Soziale Arbeit, www.socialnet.de/rezensionen/​24213.php). Dass der Sammelband bereits drei Jahre später eine zweite Auflage erfordert, verdeutlicht die Relevanz der Thematik für die Soziale Arbeit.

Aufbau und Inhalt

Der Besprechung der Erstauflage von 2018 durch Richard Janz ist nichts hinzuzufügen. Es sind Reflexionen, wie sie von den Theoretikern und Praktikern vorgenommen werden und auf die „oftmals unsichtbaren oder versteckten Begleiterscheinungen und Nebenwirkungen dieser offensichtlichen Veränderungen, die der Mediatisierungsprozess mit sich bringt, in explizitem Bezug auf die Soziale Arbeit zu erfassen, zu thematisieren und zu erklären“: Die Fachbeiträge von Burkhard Hill über die zunehmende Bedeutung der digitalen Medien auch für die Soziale Arbeit, von Juliane Sagebiel und Sabine Pankofer über die positiven, negativen Einflüsse und Machtausübungen in der Medialisierung, von Harald Gapsi über die Big Data Analaytics, von Christian Schicha zu Fragen der moralischen und ethischen Algorithmisierung, von Patricia Arnold zur Didaktik, Methodik, Lehren und Lernen, von Konstantin Mitgutsch und Lena Robinson über soziale Spielräume, und von Angelika Beranek zu Fragen nach der Profession in der Sozialen Arbeit.

Diskussion

Die An- und Herausforderungen der Digitalisierung und Computerisierung für die Profession der Sozialen Arbeit werden in den Analysen und Exempeln im Sammelband deutlich. Obwohl die Kompetenzen und Selbstverständlichkeiten bei den „Digital Natives“ beim Umgang mit den Sozialen Medien zunehmen, muss mit Blick auf die Wirklichkeiten in der Sozialen Arbeit doch davon ausgegangen werden, dass es eines souveränen, kompetenten, professionellen Umgangs im Bereich Soziale Arbeit – Medien mangelt.

Fazit

In der vorgelegten zweiten Auflage verweisen Angelika Beranek, Peter Hammerschmidt und Juliane Sagebiel darauf, dass sowohl die fortschreitenden, allumfassenden Entwicklungen in der Technisierung, als auch die rapiden, lokalen und globalen Veränderungsprozesse bewirken, dass die digitalen Herausforderungen (auch) für die Soziale Arbeit wachsen und dringlicher werde. „Das Internet der Dinge bildet eine Brücke zwischen der digitalen und physischen Welt“. Es sind die Systeme „Virtual Reality“ und „Augmented Reality“, die in immer stärkeren Maße – bewusst und geplant, wie auch unbewusst und insgeheim – das Denken und Handeln der Menschen beeinflusst; und zwar in den sozialen Bereichen von Management und Steuerung in sozialen Einrichtungen, als Chancen und Risiken bei Entscheidungen und Analysen in der Sozialen Arbeit, als neue Formen und Methoden bei der Beratung und Hilfe, und als Bindeglieder im Verhältnis von Medienpädagogik und Bildung. Die neueren Arbeiten zur Digitalisierung (vgl. z.B. auch: Jeanette Hofmann/Norbert Kersting/Claudia Ritzi/Wolf J. Schünemann, Politik in der digitalen Gesellschaft. Zentrale Problemfelder und Forschungsperspektiven, 2019, www.socialnet.de/rezensionen/​26540.php ) und Professionalisierung ( Ralf Lutz, Sinnvergessenheit in der Professionalisierung? Ein empirischer Vergleich zweier Therapiekonzepte, 2019, www.socialnet.de/rezensionen/​26075.php ) machen deutlich, dass die Entwicklungsdynamik in der digitalen Welt sich immer weiter und schneller vollzieht. In der Sozialen Arbeit ist eine „Theorie digitaler Sozialer Arbeit“ gefragt. Die im Sammelband „Big Data“ thematisierten Aspekte zeigen Wege dahin auf!


Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 15.06.2021 zu: Peter Hammerschmidt, Juliane Sagebiel, Burkhard Hill, Angelika Beranek (Hrsg.): Big Data, Facebook, Twitter & Co. und Soziale Arbeit. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2021. 2., erweiterte Auflage. ISBN 978-3-7799-6384-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28497.php, Datum des Zugriffs 24.07.2021.


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