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Birger Schlürmann: Was die PDL wirklich braucht

Rezensiert von Prof. Dr. Olaf Scupin, 22.07.2022

Cover Birger Schlürmann: Was die PDL wirklich braucht ISBN 978-3-8426-0847-4

Birger Schlürmann: Was die PDL wirklich braucht. Neue Lösungen für richtig gute Arbeitsbedingungen. Strategien & Tipps von PDL´ern für PDL´er. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2021. 168 Seiten. ISBN 978-3-8426-0847-4. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 56,90 sFr.
Reihe: Pflege Management
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Thema und Entstehung des Buches

Der inzwischen reichhaltigen und notwendigen Literatur zur Organisation des Pflegedienstes wird um ein weiteres Buch ergänzt. Bei dem Buch handelt es sich um einen Bericht aus dem Projekt „Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege“ aus dem Jahre 2019. Als Zielgruppe für das vorliegende Werk werden explizit Pflegedienstleitungen in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen genannt. Das vorliegende Buch entstand vor dem Hintergrund grundlegender Problembeschreibungen, wie es der Autor nennt. Gemeint sind unter anderem die praxisnahen Aufgaben einer Pflegedienstleitung, wie die „Zusammenarbeit mit den Hilfebedürftigen und Ihren Angehörigen“ (9), aber auch die Auseinandersetzung mit betriebswirtschaftlichen Funktionen, unter denen die Personalwirtschaft eine wesentliche Rolle einnimmt (10). Ein weiterer Aspekt ist die Verantwortung der Pflegedienstleitung für die Pflegequalität. Wesentlich erscheint die ungewöhnliche Perspektive die Pflegedienstleitung als Subjekt zu betrachten und eine durchaus emotionale Perspektive auf die Mitarbeiterinnen zu zeichnen („Schon die leiseste Kritik an einer Mitarbeiterin – Anmerkung des Rezensenten- wird als persönliche Beleidigung gewertet“) (12).

In der Tat befinden sich die Pflegedienstleitungen in einem Dilemma. Soll sie doch die Interessen des Unternehmens, der Klientinnen und Klienten bzw. der Bewohnerinnen und Bewohner, sowie die der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Einklang bringen. Die genannten Interessenslagen stimmen aber nur partiell überein. Da die meisten Pflegedienstleitungen nicht in der Doppeltfunktion eben auch als Heim- und Einrichtungsleitung tätig sind, sind sie vor allem dem ökonomischen Diktat der Eigentümer bzw. der Betreiber einer Pflegeeinrichtung „unterworfen“. Um in diesem heterogen Feld zu „überleben“ benötigt die Pflegedienstleitung in der Tat ein breites Repertoire an Anpassungsfähigkeit, Durchsetzungsvermögen und eine gute Reflexion bzgl. der Realität hinsichtlich der gegenwärtigen (ethischen) Herausforderungen im bundesdeutschen Gesundheitswesen.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in 5 unterschiedlich umfangreiche Kapitel, die in der Gliederungsübersicht logisch aufgebaut wirken. Bevor die Aufgaben und Funktionen einer Pflegedienstleitung vor dem Hintergrund von Interviews vorgestellt werden (23-49), wird diesem Kapitel eine grundlegende Problembeschreibung des Praxisfeldes vorangestellt (9-22). Die aus den Interviews identifizierten Problemfelder (z.B. Dienstplanung, Führung, …) werden im 3. Kapitel (148-159) sehr konkret und praxisnah einer möglichen Problemlösung zugeführt. Im 4. Kapitel werden schließlich, wiederum auf der Grundlage der Interviews die mit Pflegedienstleitungen geführt wurden, „Forderungen an die Politik“ formuliert. Das 5. Kapitel endet mit einem etwas düsteren aber durchaus realistischen Fazit hinsichtlich des vorhandenen und prospektiven Personalmangels im Pflegesektor. Die Kapitelübergänge sind gelungen.

Inhalt

Die Einführung in das Buch befasst sich zunächst mit der Beschreibung der Problembereiche, mit denen Pflegedienstleitungen tagtäglich konfrontiert werden. Diese grundlegenden Problemfelder gliedern sich in einer Beschreibung der Aufgaben und Funktion der Pflegedienstleitung. Hauptaugenmerk wird hierbei auf das Personalmanagement gelegt. Die Inhalte des Buches leiten sich aus Interviews ab, die der Autor mit Pflegedienstleitungen aus Pflegeeinrichtungen unterschiedlicher Trägerschaft geführt hat. Diese Problembeschreibungen, die durchgehend eine hohe subjektive Praxisrelevanz besitzen, werden dann logischerweise als Referenz für die vorgestellten Lösungsansätze verwendet. Einen breiten Raum in den Problembeschreibungen nimmt fast naturgemäß die Funktion des Personaleinsatzes, die Dienstplanung, ein. Diesem emotionalsten Instrument im Gesundheitswesen wird im Buch ein breiter Raum eingeräumt. Wie im Kapitel 2 versprochen, werden im Folgekapitel mögliche Lösungsansätze für die erläuterten Probleme vorgestellt. Der Umgang mit dem Instrument der Personaleinsatzplanung, speziell der Dienstplanung, wird im Text breit diskutiert. Es werden moderne, aber keinen neuen Ansätze der Dienstplangestaltung erläutert. Dies betrifft die Realisierung von Jahresdienstpläne und einer Nettopersonalplanung in den Dienstplänen. Weiter wird postuliert, dass die Eigenverantwortung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beim Erstellen der Dienstpläne gesteigert werden muss (53). Es werden Methoden dieser notwendigen Personalentwicklung nachvollziehbar und konkret vorgestellt. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist, dass sich die Pflegedienstleitung auch als Coach und Trainer verstehen sollte (68). Das Thema der unterstellten geringen Anerkennung und Wertschätzung gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, aber auch gegenüber der Pflegedienstleitung, werden berechtigt thematisiert.

Die nicht neuen Forderungen an die Politik umfassen u.a. die Forderungen nach einer „Anpassung des Personalschlüssels nach oben“, einer „Erweiterung und Ausbau der Pflegestudiengänge“ sowie eine „positive Außendarstellung des Arbeitsfeldes“ (148).

Was die Zukunft der Pflegebranche betrifft, zeichnet der Autor ein heterogenes Bild. Zum Einen postuliert Herr Schlürmann, dass es in der Pflege zukünftig zu „weniger Arbeitsverdichtung“ kommen wird. Zum Zweiten sieht der Autor eine Finanzierungsproblematik (Personalkosten,…). Was ist der Gesellschaft die pflegerische Versorgung der Bevölkerung wert? Denn jede Gesellschaft bekommt die Pflege, die sie verdient.

Der beispielhafte Vorschlag einer Stellenbeschreibung für eine Pflegedienstleitung rundet das Werk ab. Diese Stellebeschreibung leitet sich überwiegend aus der einschlägigen Rechtssprechung ab.

Diskussion

Das Buch entstand vor einem empirischen Hintergrund und lässt eine wissenschaftliche Tiefe vermissen. Die Problemlösungen sind nachvollziehbar und könnten vor dem Hintergrund einer theoretischen Absicherung eine breitere Akzeptanz finden.

Die anscheinend notwendigen Lösungsszenarien für die beschriebenen Probleme zeigen auch, dass ein Teil der Pflegedienstleitungen für die anspruchsvolle Aufgabe diese Funktion eigentlich nicht ausreichend qualifiziert sind.

Methodenkritisch muss angemerkt werden, dass die Interviews nicht vorgestellt werden. Ebenso wenig werden die Ein- und Ausschlusskriterien für die Interviews erläutert.

Das Buch ist verständlich geschrieben und gut und flüssig zu lesen. Es zeichnet sich durch eine hohe Praxisrelevanz aus. Das war wohl auch das Ziel des Autors. Für Studierende in Pflegestudiengängen wird die Tiefe der Bearbeitung nicht weit genug reichen.

Den hohen Anspruch dem die meisten Pflegedienstleistungen unterworfen zu sein scheinen, kann nicht gerecht werden. Weder politisch noch gesellschaftlich bestehen Rahmenbedingungen, die diesen Anspruch befriedigen könnten.

Fazit

Den praxisrelevanten Problemen der Pflegedienstleitungen in der Altenhilfe werden praxisnahe Lösungen präsentiert. Aus der Praxis für die Praxis.

Rezension von
Prof. Dr. Olaf Scupin
Professur für Pflegemanagement an der Ernst-Abbe-Hochschule (EAH) Jena, Mitglied der Leibniz-Sozietät, Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Humanontogenetik, Direktor am Institut für Coaching und Organisationsberatung der EAH Jena, Diplom-Pflegewirt (FH), Pflegedirektor, Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivpflege, Krankenpfleger, Weiterbildung zur Leitung einer Station oder Abteilung am ÖTV-Institut Duisburg.
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Es gibt 13 Rezensionen von Olaf Scupin.

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Zitiervorschlag
Olaf Scupin. Rezension vom 22.07.2022 zu: Birger Schlürmann: Was die PDL wirklich braucht. Neue Lösungen für richtig gute Arbeitsbedingungen. Strategien & Tipps von PDL´ern für PDL´er. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2021. ISBN 978-3-8426-0847-4. Reihe: Pflege Management. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28505.php, Datum des Zugriffs 10.08.2022.


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