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Jutta König, Manuela Raiß: Dienstplangestaltung

Cover Jutta König, Manuela Raiß: Dienstplangestaltung. Was Pflegekräfte wissen müssen. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2020. 2., aktualisierte Auflage. 167 Seiten. ISBN 978-3-8426-0825-2. D: 24,95 EUR, A: 25,70 EUR, CH: 37,90 sFr.

Reihe: Pflege Praxis.
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Thema

„Ein guter Plan ist immer Maßarbeit“, heißt es im Klappentext dieses Buchs. Welche Maße werden hier angelegt – um bei diesem Bild zu bleiben – und was ist unter guter Dienstplangestaltung zu verstehen? König und Raiß nehmen die Lesenden mit durch sieben Kapitel arbeitsrechtlicher und organisatorischer Grundlagen, alternativer Arbeitszeitmodelle und digitaler Dienstplanprogramme.

Herausgeber

Jutta König ist Wirtschaftsdiplom-Betriebwirtin Gesundheit und ist als Sachverständige, Dozentin und Unternehmensberaterin tätig. Manuela Raiß ist Altenpflegerin und Pflegewissenschaftlerin sowie Diplom-Pflegemanagerin. Sie arbeitet freiberuflich als Pflegesachverständige und Qualitätsbeauftragte.

Aufbau

Auf 167 Seiten werden sieben Kapiteln dargelegt:

  • Die Basis: Arbeits- und Urlaubszeitregelungen
  • Auszüge aus Mutterschutzgesetz
  • Auszüge aus dem Jugendschutzgesetz
  • Urlaub: Wissenswertes und Berechnung
  • Der Dienstplan – Spiegelbild der Organisationsstruktur
  • Alternative Arbeitszeitmodelle – was sie können (und was nicht)
  • Dienstplanprogramme

Inhalt

König und Raiß sehen die gesetzlichen Regelungen und den größten Tarifvertrag in der Pflege, den TVöD, als wesentliche Basis für die Dienstplangestaltung und stellen diese Aspekte an den Beginn des Buchs. Eine Rechtspyramide weist unterschiedliche Ebenen der Gesetze und Regelungen aus und zeigt die Zuständigkeiten. Sinnvoll sind die aufgeführten Definitionen zu Nachtarbeit, Schichtarbeit, Wechselschicht, Arbeitszeitbereitschaft, Rufbereitschaft und was alles zur Arbeitszeit dazugehört. Es finden sich Verweise zu den zugrunde liegenden Paragrafen. Zahlreiche Beispiele und Gerichtsurteile illustrieren typische Fragestellungen.

Zwei Gesetze beziehungsweise die relevanten Auszüge daraus werden gesondert betrachtet: das Mutterschutzgesetz und das Jugendschutzgesetz. Zum Ersteren betreffen das individuelle und das generelle Beschäftigungsverbot sowie ein solches nach der Entbindung die Dienstplangestaltung. Umgang mit Stillen, Freistellung für Untersuchungen und Nachtarbeit werden ebenfalls kurz thematisiert. Das Jugendschutzgesetz ist besonders wichtig für Auszubildende. Hier gelten besondere Regeln für die Arbeitszeit, Sonntagsarbeit und sogenannte gefährliche Arbeiten, ebenso muss eine Freistellung für Berufsschule und Prüfungen gewährleistet werden.

Ein weiteres Kapitel setzt das Thema Urlaub in den Fokus. Auch hier finden Lesende Definitionen und Bezügen zu den zugrunde liegenden Gesetzen. Im Team entstehen oft Fragen nach individueller Wunscherfüllung unter Beachtung sozialer Belange anderer Arbeitnehmer, z.B. Teamangehörige mit schulpflichtigen Kindern oder Teammitglieder mit Partnern, die von Betriebsurlaub abhängig sind – hier trägt das Buch zur Beantwortung bei. Das Thema Urlaubsanspruch wird angesichts unterschiedlicher Tage-Wochen, die im Gesundheitswesen üblich sind, betrachtet. Ebenso gehen König und Raiß auf oft gestellte Fragen ein: Wieviel Urlaub erhalten geringfügig Beschäftigte? Wie viel Urlaub erhält der Nachtdienst? Kann der Chef den Urlaub einteilen? Kann man halbe Tage Urlaub nehmen? Bekommt man im Alter mehr Urlaub? Wann verfällt der Urlaub vom Vorjahr?

Das Kapitel zum Dienstplan als Spiegelbild der Organisationsstruktur blickt nach den zuvor beschriebenen Rahmenbedingungen und Gesetzen auf den operativen Teil der Dienstplangestaltung. Der Dienstplan wird hier als ein Planungs- und Nachweisinstrument betrachtet, der über die zur Verfügung stehenden Mitarbeitenden sowie deren Arbeitszeit sowie qualitative und quantitative Personalverteilung Auskunft gibt. Die Übergabe wird von den Autorinnen sehr kritisch betrachtet und auf die Relevanz zeitnaher und vollständiger Dokumentation verwiesen. Auch in diesem Abschnitt sind wieder Antworten auf häufige, mitunter im Arbeitsalltag konfliktbehaftete Fragen versammelt: Teildienst, sich ändernde Arbeitszeiten, Tauschen von Diensten oder Gewohnheitsrecht bei Schichtzeiten.

Mit dem Abschnitt zu den Arbeitszeitmodellen sollen Anregungen gegeben werden, neue Wege zu gehen. Die Themen Zeitarbeit und Dienstplanung durch die Mitarbeitenden selbst werden sehr kurz angeschnitten. Arbeitszeitmodelle zur Verteilung der Stunden in der Woche oder pro Tag werden diskutiert, auch eher ungewöhnliche Modelle wie die 7/7 Arbeitszeit: sieben Tage Dienst und um Anschluss sieben Tage frei. Zeitwertkonten oder Sabbaticals können auch Möglichkeiten sein, als Arbeitgeber attraktiver zu werden.

Diskussion

Das Buch eignet sich gut zum Einstieg in das Thema Dienstplangestaltung. Es gibt einen Überblick über die Basics, aber auch Anregungen für Themen, mit denen man sich vertiefend beschäftigen kann. Wesentliche gesetzliche Grundlagen wie Mutterschutz und Jugendschutz im Kontext der Dienstplangestaltung finden, fokussiert einen Platz. Die Autorinnen selbst schränken ein, Mitarbeitermitbestimmung und Betriebsrat nur punktuell anzusprechen – hierfür bräuchte es dann ebenfalls weitere Literatur. Anschaulich sind die zahlreichen Beispiele aus dem nationalen und internationalen Gesundheitswesen wie z.B. im Demenzdorf in den Niederlanden, wobei im deutschen Kontext oft der Bereich des SGB XI herangezogen wird. Das Buch ist vom Layout erfrischend und lesefreundlich, die Hervorhebung von „Info“, „Definition“ und „Tipp“ erleichtert es, Wesentliches schnell zu erfassen.

Leider geraten die Alternativen zu Arbeitszeitmodellen als spannenden und zukunftsgerichteten Themen in diesem Buch zu kurz, zur Dienstplanung durch Mitarbeitende zum Beispiel finden sich nur acht Zeilen Text und ein Infokästchen. Eine kleine Anmerkung sei noch erlaubt: schön wäre eine Verwendung aktueller Berufsbezeichnungen. Krankenschwestern sind sicher noch in vielen Bereichen tätig, ein Fachbuch aus 2020 sollte hier aber die aktuelle Berufsbezeichnung aus dem Pflegeberufereformgesetz „Pflegefachmann/​Pflegefachfrau“ aufgreifen.

Fazit

Ein praxisnahes Handbuch für alle, die Dienstpläne in der Pflege schreiben wollen oder müssen. Kurz und knackig werden die wesentlichen gesetzlichen Grundlagen der Dienstplangestaltung dargelegt und auch neue Ideen zu Arbeitszeitmodellen gezeigt. Neu sind in dieser 2. aktualisierten Auflage Anteile des Kapitels zu alternativen Arbeitszeitmodellen: Gründe für den steigenden Anteil von Zeitarbeit, Partizipation des Teams in die Dienstplangestaltung und Mitarbeiterrekrutierung.


Rezension von
Prof. Dr. sc.hum. Nina Fleischmann
Prof. Dr. Nina Fleischmann - Hochschule Hannover Fakultät V - Diakonie, Gesundheit und Soziales
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Zitiervorschlag
Nina Fleischmann. Rezension vom 29.12.2021 zu: Jutta König, Manuela Raiß: Dienstplangestaltung. Was Pflegekräfte wissen müssen. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2020. 2., aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-8426-0825-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28509.php, Datum des Zugriffs 28.01.2022.


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