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Rita Braches-Chyrek, Jo Moran-Ellis u.a. (Hrsg.): Handbuch Kindheit, Technik und das Digitale

Cover Rita Braches-Chyrek, Jo Moran-Ellis, Charlotte Röhner, Heinz Sünker (Hrsg.): Handbuch Kindheit, Technik und das Digitale. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2021. 422 Seiten. ISBN 978-3-8474-2490-1. D: 69,90 EUR, A: 71,90 EUR.
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Thema

Das „Handbuch Kindheit, Technik und das Digitale“ nimmt die Bedeutung(en) und Auswirkung(en) einer von Technik, Medien und Digitalisierung geprägten Gesellschaft auf Kindheit auf. Dabei wird diese Frage bereits im Klappentext als bisher vernachlässigtes Feld markiert. Ohne Zweifel hat die Thematik in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen und auch die fachliche Diskussion insbesondere durch die pandemiebedingten Herausforderungen noch einmal deutlich an Brisanz gewonnen. Hier leistet das Handbuch einen gesellschaftskritisch orientierten Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion und verfolgt gleichzeitig den Anspruch, Anschlüsse an die pädagogische und politische Praxis aufzuzeigen.

Herausgeber*innen

Die Herausgeber*innen des Sammelbandes sind namhafte Professor*innen aus dem Kontext der Sozialwissenschaften.

Prof. Dr. Rita Braches-Chyrek ist Professorin für Sozialpädagogik an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

Prof. Dr. Charlotte Röhner ist Professorin für Pädagogik der frühen Kindheit und der Primarstufe (em.) der Bergischen Universität Wuppertal und ist Seniorprofessorin der Goethe Universität Frankfurt.

Jo Moran-Ellis ist Professorin für Soziologie und Head of School of Law, Politics and Sociology der University of Sussex.

Prof. Dr. Heinz Sünker ist Professor für Sozialpädagogik und Sozialpolitik (em.) und Rudolf-Carnap-Seniorprofessor an der Bergischen Universität Wuppertal, sowie Honorary Professor an der University of Aarhus.

Die Autor*innenschaft des Sammelbandes ist im Rahmen der im Kontext des Bandes stehenden Themengebiete breit aufgestellt und schließt verschiedene fachliche Hintergründe ebenso ein wie eine über die Ländergrenzen hinausgehende Sicht.

Aufbau

Nach einer ausführlichen Einleitung befasst sich das „Handbuch Kindheit, Technik und das Digitale“ in vier Abschnitten mit der Frage nach Kindheit in medialen und digital geprägten gesellschaftlichen Zusammenhängen. Der Zusammenhang zwischen Technik und Gesellschaft bildet so auch den Rahmen des ersten Teils des Werkes, bevor die Kindheit stärker in den Mittelpunkt rückt und zunächst im zweiten Teil auf ihre „Digitalisierung und Mediatisierung“ hin untersucht wird, um dann im dritten Teil „Digitales Konstruieren, Spielen und Handeln“ aufzugreifen. Die institutionelle Perspektive schließt dann als vierter und letzter Abschnitt das Werk logisch ab und führt damit die Thematik wieder in die gesellschaftliche Rahmung zurück.

Inhalt

Eine ausführliche Einleitung steht am Beginn des Werkes, das mit über 400 Seiten die Thematik „Kindheit, Technik und das Digitale“ breit aufspannt. Bereits in den ersten Zeilen wird deutlich, dass es sich bei diesem Handbuch keineswegs um den Versuch handelt, das Feld normierend darzustellen und zu ordnen, vielmehr wird deutlich, dass es sich in Teilen um „umkämpfte“ Gebiete (vgl. Braches-Chyrek, Röhner, Moran-Ellis & Sünker 2021, S. 9) handelt. Als gemeinsamer Nenner wird neben einer Einbettung in gesamtgesellschaftliche Perspektiven die Notwendigkeit differenzierter Betrachtungen der Verhältnisse von Kindheit und Technik bzw. Techniken zueinander betrachtet. Anschlüsse an Diskurse der Befähigung und der Medienpädagogik werden sichtbar. Die Fragen, die das Handbuch hiermit aufmacht, beziehen sich also vereinfacht darauf, in welchen Bereichen Technik wie auf das Leben von Kindern Einfluss nimmt und wie Kinder hiermit umgehen. Die Analyse soll dabei die Bedeutung der veränderten und sich verändernden Kommunikations- und Informationstechnologien in ihrem Verhältnis auch zum Begriff des Kindeswohls einbeziehen. Die Einleitung rückt, nach dem Gang durch die einzelnen Beiträge und deren Einordnung, die Publikation in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang und betont noch einmal das emanzipatorische Anliegen des Beitrags zum Diskurs einer „diskutierenden Öffentlichkeit“ (Braches-Chyrek et al. 2021, S. 22).

Im ersten Kapitel der Arbeit „1. Technik und Gesellschaft“ werden sieben Beiträge unter der grundlegenden Frage nach dem Verhältnis dieser beiden Begriffe zueinander zusammengeführt.

Hierzu befasst Martina Heßler sich einleitend mit „Technik als Lebensform. Zur Geschichte technischer Kulturen“, bevor sich Jo Moran-Ellis und Heinz Sünker im Beitrag „Kinder und Technik“ mit der Bedeutung der „tendenziellen Technisierung aller Lebensbereiche“ (Moran-Ellis & Sünker 2021, S. 46) für Kinder und deren Entwicklung auseinandersetzen. Dabei rückt insbesondere das Konzept der „Affordanzen“ (ebd., S. 48) in den Blick, das als „Wechselspiel von ,Gebrauchswert‘ und ,Nutzung‘“ (ebd.) im Kontinuum Begrenzung – Ermöglichung diskutiert wird. Mittels zweier Beispiele aus anderen Forschungsarbeiten wird deutlich, wie Kinder unabhängig der von Erwachsenen vorgegebenen Nutzungsweisen Technologien für sich nutzen können. Kinder werden unter dem Schlagwort „Kinder und Agency“ (ebd., S. 51) verortet als handlungsfähige, soziale Akteure, deren Handeln (wie auch das ähnlich Handelnder) in Verbindung mit dem Konzept der Affordanzen als Schritt zur kritischen Medienkompetenz/​Technologiekompetenz gesehen werden kann. Der Beitrag schließt mit einer gesellschaftskritischen Sicht auf die Notwendigkeit einer breiten emanzipatorischen Technologienutzung.

Mit dem Beitrag „Erziehung zur Kooperation und zum Mut in der digitalen Epoche“ schließt Friedhelm Schütte an die Thematik an. Er nimmt – wie der vorangegangene Beitrag – Bezug auf die Kritische Theorie Adornos. Der Beitrag Schüttes ist als deutliche Kritik an Macht- und Herrschaftsverhältnissen auch in Bezug auf eine voranschreitende Ökonomisierung des Bildungsbereichs zu lesen. Insbesondere auch die Fragmentierung von Kommunikations- und Interaktionsräumen wird als Problem akzentuiert. Schütte schließt seinen Beitrag mit konkreten Bedingungen, um den Bildungsbegriff zu seiner ursprünglichen Bedeutung zurück zu führen. Das Thema „Digitalisierung, Technik, Gesellschaftsform und Bildung“ wird von Heinz Sünker im anschließenden Beitrag unter dem sehr anschaulichen Untertitel „Die Produktion von Lemmingen oder die Bildung von Demokraten“ diskutiert, bevor David M. Berry mit seinem Beitrag „Erklärbarkeit und demokratisches Denken. Eine Annäherung an eine informationelle Öffentlichkeit“ diese kapitalismuskritische Linie fortsetzt. Die Frage „Wirken Digitalisierung und Internet demokratisierend?“ wird im so benannten Beitrag von Marius Melzer behandelt. Chancen (wie z.B. erhöhte Einflussmöglichkeiten der Bürger*innen) und Gefahren (z.B. FakeNews) für die Demokratie werden diskutiert und Bedingungen für die Nutzung der Chancen herausgearbeitet.

Kapitelabschließend behandelt Stefan Paulus „Die Familienmaschine. Verbetrieblichte Lebensführung als Subsumption des Lebens unter den Produktionsprozess“. Paulus geht dabei von der These aus, dass die Ökonomisierung auch in Folge der Beschleunigung von Subsumptionsprozessen im Kontext familiärer Reproduktion auf allen Ebenen raumgreift und somit auch einer Verwertungslogik Vorschub leistet, die auch für den Umgang mit Kindern im Familienzusammenhang nicht folgenlos bleibt.

Im zweiten Kapitel „2. Digitalisierung und Mediatisierung von Kindheit“ wird in sechs Abschnitten der Fokus auf Sozialisationsprozesse gelegt. Zunächst eröffnet Konstanze N‘Guessan mit ihrem Beitrag „Verwandtschaft und Kindheit im Zeitalter assistierter Reproduktion – Einblicke in die ethnographische Erforschung des doing family“ das Kapitel. Die New Kinship Studies bilden den Ausgangspunkt, wenn die Autorin vor dem Hintergrund assistierter Reproduktion nach der Herstellungsperspektive von Verwandtschaft und Familie in verschiedenen Gesellschaftsformationen fragt.

„Digitalisierung, Geschlecht und Kindheit – oder: zur Reproduktion des symbolisch-strukturellen Dominanzverhältnisses von Technik und Männlichkeit“ überschreibt Bianca Prietl ihren Beitrag. Unter der Prämisse gesellschaftlicher Wandlungspotenziale der Geschlechterverhältnisse durch die Einführung neuer Technologien betrachtet Prietl Kindheit als eine für diese Thematik hochrelevante Lebensphase. Dabei geht Sie zunächst auf die „Vergeschlechtlichung technischer Artefakte“ (Prietl 2021, S. 153) ein und betrachtet damit verstärkt die Ebene der Gestaltung ebendieser. In einer zweiten Facette fokussiert die Autorin dann „die symbolische Verknüpfung von Technik mit Geschlecht“ (ebd., S. 155) und nimmt dabei die Nutzung von Technik auf. Hier kann mittels verschiedener empirischer Belege dargelegt werden, wie die angenommene Verbindung zwischen Männlichkeit und Technik hergestellt und aufrechterhalten wird und damit einem gesellschaftlich-kulturellen Wandel hin zu mehr Egalität zwischen den Geschlechtern entgegensteht. Die Autorin diskutiert bestehende Maßnahmen kritisch und plädiert unter anderem für eine Abkehr von einem defizitorientieren Ansatz, der überspitzt formuliert mit seinen Instrumenten für mehr Gleichstellung Mädchen als wenig an Technik interessiert anspricht und damit das Bild untermauert, welches untergraben werden sollte.

Ben Bachmair diskutiert in seinem Beitrag „Sozialisation im sich verändernden Kulturfeld der Medien und der Massenkommunikation“ die Wirkungen, die veränderte mediale Strukturen auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen haben und wie diese mit für eine Gesellschaft typischen Merkmalen zusammenhängen.

Mit „Konvergenz, Partizipation, Portabilität. Über Kinder und Medien“ wird von Heinz Hengst die Kindermedienkultur fokussiert, bevor Claudia Zerle-Elsäßer und Andreas Lange mit „Doing Family and Social Media“ den medial vermittelten Teil des Prozesses der Herstellung von Familie in den Diskurs einbringen. Hier wird zunächst die Medienausstattung und -nutzung von Familien auch unter dem Gesichtspunkt ungleicher Zugänge geklärt, um dann die veränderten Ansprüche an Elternschaft durch Digitalisierung aufzunehmen. Kern des Beitrags sind die zusammengetragenen empirischen Evidenzen für die Unterstützung des „doing family“ durch digitale soziale Medien.

Julia Gottschalk legt den Fokus stärker auf die Kinder selbst, wenn sie „Kinder als Akteure und Akteurinnen in der Fotografie“ im doppelten Sinne betrachtet. Sie geht dabei sowohl von fotografierten als auch von fotografierenden Kindern aus und bringt die technischen Entwicklungen der Fotografie mit den veränderten Vorstellungen von Kindheit in Verbindung.

Im dritten Kapitel des Sammelbandes „3. Digitales Konstruieren, Spielen und Handeln“ wird der Blick auf die digitale kindliche Spielpraxis gelegt. Zunächst nimmt dabei Stefan Poser „Kindheit, Technik und Spiel aus historischer Perspektive“ in den Blick. Dabei arbeitet er an Hand verschiedener Beispiele bezogen auf „Spiele, die berufliche Qualifikationen vermitteln“ (Poser 2021, S. 227) den Zusammenhang zwischen kindlichem Spielverhalten und spezifischen Generationen der Techniknutzer*innen heraus. Kindheit stellt sich so als „formative Phase für den Umgang von Menschen mit Technik“ (ebd.) dar. Deutlich wird im Beitrag die unterschiedliche Adressierung der Geschlechter, die bereits Prietl im zweiten Kapitel des Bandes herausstellt (vgl. Braches-Chyrek et al. 2021, S. 16).

Im folgenden Beitrag nimmt Christina Schachtner unter dem Titel „Verstrickt in soziomaterielle Figurationen“ die Beziehungen zwischen Kindern und der materiellen Umwelt bzw. Dingen in den Blick und folgt damit der Perspektive des „material turns“ (ebd., S. 17).

Der Beitrag „Kinder und digitales Spielen“ von Volker Mehringer konstatiert zunächst einen aktuellen Trend zur Aufwertung des kindlichen Spiels, der jedoch das digitale Spielen nicht einschließt. Der Autor nähert sich dem kindlichen digitalen Spielen zunächst mittels einer Abgrenzung zwischen traditioneller und digitaler Spieltätigkeit. Dabei rücken die Spielmittel als Unterscheidungsmerkmal in den Fokus. Hervorzuheben ist hier insbesondere die Analyse der sogenannten Smart Toys, bei denen die Grenzen zwischen herkömmlichem und digitalem Spielzeug fluide erscheinen. Diese Perspektive wird dann auf ihre Konsequenzen für (medien-)pädagogisches Handeln hin untersucht.

Der folgende Beitrag „,Mein Sohn weiß, das ist alles nur Ketchup.‘ Digitale Shooterspiele in der frühen Kindheit.“ (Claudia Henrichwark) fragt nach dem Umgang von Familien mit Kindern vor dem Erreichen des Schulalters mit nicht altersgemäßen Medieninhalten. Hier wird unter Bezugnahme auf empirisches Material die Herausforderung der elterlichen Erziehungskompetenz besonders in Bezug auf das Online-Spiel „Fortnite“ in den Fokus gerückt.

„Technik und Technikbeherrschung im PC-Spiel ,Minecraft‘“ werden anschließend von Charlotte Röhner diskutiert. Auch sie bezieht sich hierbei auf empirische Daten, die jedoch im Kern den Fokus auf das kindliche Nutzungsverhalten legen.

Im vierten Kapitel des Bandes „4. Digitalisierung und digitale Bildung in Institutionen“ rückt nun mit Sonja Ganguin und Uwe Sander zunächst die Frage „Wie medienkompetent bzw. medienkritisch sollten Kinder sein?“ im so benannten Beitrag in den Fokus. In diesem Zuge wird die altersabhängige Entwicklung der Medienkritik als wichtiger Teil der Medienkompetenz dargestellt. Abschließend betonen die Autor*innen die Notwendigkeit der Unterstützung der Entwicklung einer informierten und kritischen Haltung auch durch Medienpädagogik.

Die „Digitalisierung in Kindertageseinrichtungen“ wird von Eva Reichert-Garschhammer im gleichnamigen Beitrag thematisiert. In Bezug auf die kindliche Bildung wird diese als eine „WIE-Frage und keine OB-Frage“ (Reichert-Garschhammer 2021, S. 319) thematisiert. Der Verankerung in den Rahmenplänen für frühkindliche Bildung zum Trotz setzte sich die frühe digitale Bildung in den Einrichtungen nur wenig durch. Die Debatte um Risiken und Chancen lief weiter und das Feld ist an diesem Punkt geprägt von Forschungsdesideraten. Die Autorin plädiert für Modellprojekte und gründliche Begleitforschung. Ein Medienkompetenzrahmen für Kitas ähnlich dem und anschlussfähig an den für Schulen entwickelten wurde bereits in einem bayerischen Modellversuch erprobt und scheint angemessen. Im Folgenden nimmt Reichert-Garschhammer die Notwendigkeit eines angemessenen Risiko-Managements auf. Richtlinien für die Mediennutzung in Einrichtungen der frühen Kindheit sehen eine gestaltende und kreative Nutzung im Gegensatz zu einer konsumierenden Nutzung vor. Die Autorin identifiziert weiterhin Argumente für einen frühen Beginn der digitalen Bildung und für die digitale Bildung als Chance für Inklusionsprozesse. Die Ebene der Zusammenarbeit mit Eltern und der Kommunikation im Team wird im Beitrag über die Thematisierung von KitaApps, aber auch über die Notwendigkeit einer angemessenen Ausstattung der Einrichtungen und Qualifizierung der Fachkräfte aufgenommen. Ein Medienkonzept als Teil der Qualitätsentwicklung ist laut Reichert-Garschhammer notwendig.

Thomas Irion befasst sich in „Digital Bildung und Medienbildung im Grundschulunterricht“ mit den Entwicklungen im Primarbereich. Er beschreibet den Auftrag einer digitalen Grundbildung auch vor dem Hintergrund der von der Kultusministerkonferenz herausgegebenen diesbezüglichen Strategien und deren Voraussetzungshaftigkeit nicht allein in Bezug auf Technik, sondern auch bezüglich der empirischen Daten und der didaktischen Umsetzung.

Charlotte Röhner nimmt mit „Frühe technische und informatorische Bildung im Elementar- und Primarbereich“ die Entwicklungsstufen dieses Bildungsbereichs in den Blick und kann neben zwei zentralen Entwicklungsetappen, Forschungs- und (Weiter-)Entwicklungsbedarfe insbesondere im Bereich der Grundlagenforschung und der Didaktik identifizieren.

Nachdem Lydia Murmann „Programmierende Grundschüler*innen“ unter Bezugnahme auf empirische Ergebnisse betrachtet, geht Rita Braches-Chyrek auf „Technische Dispositive in der Organisation von Kindheit und Jugend“ ein.

Mit dem Beitrag „Beobachtung der Beobachteten: Technologie, Schutz und Fürsorge an einem Tag im Leben von Jasmine“ von Rachel Thomson und Ester McGeeney, übersetzt aus dem Englischen von Erika Richter, schließt der Band.

Diskussion

Das ambitionierte Handbuch gibt einen breiten Überblick über das Themengebiet „Kindheit, Technik und das Digitale“ und legt mit deutlich kritisch akzentuierten Beiträgen eine fundierte Grundlage zur weiteren Beschäftigung mit den einzelnen Facetten. Besonders hervorzuheben ist einerseits die ausführliche Einleitung in den Band, die weit über die obligatorische Übersicht über den Inhalt der Beiträge hinausgeht. Vielmehr werden hier thematische Zusammenhänge und Querverweise deutlich gemacht und das Anliegen des Sammelbandes erfährt eine deutliche Rahmung. Auch wenn vereinzelt die Form der Darstellung hinter dem sehr anspruchsvollen Inhalt zurückbleibt (beispielsweise wenn die Kapitelreihenfolge nicht der im Einleitungstext dargestellten entspricht), ist die Zielsetzung eines gesellschaftskritisch orientierten Beitrags zur wissenschaftlichen Diskussion durchaus gelungen. Der gleichzeitig verfolgte Anspruch, Anschlüsse an die pädagogische und politische Praxis aufzuzeigen, ist ebenfalls deutlich erkennbar. Die Beiträge richten sich jedoch zumeist in Sprachduktus und Inhalt weniger an einer konkreten Übertragbarkeit im Sinne von Handlungsempfehlungen als an einem Anstoß zum Diskurs aus. So bietet das Werk tiefgehende und durchaus kontroverse Einblicke in ein – so wird sehr deutlich – wichtiges und weiter an Gewicht gewinnendes Feld, die wissenschaftlich interessierten Leser*innen als Diskussionsgrundlage auch zur Reflexion und Transformation der (eigenen) Praxis dienen können.

Fazit

Das weite Feld „Kindheit, Technik und das Digitale“ wird in diesem Handbuch tiefgehend und durchaus kontrovers betrachtet. Die Zusammenstellung der Beiträge ermöglicht wissenschaftlich interessierten Leser*innen die Breite des Themenfeldes zu erfassen und gleichzeitig vielfach empirisch fundiert in die Tiefe der Diskussion einzutauchen. Das Werk kann demnach eine spannende Diskussionsgrundlage auch zur Reflexion und Transformation der Praxis sein.

Quellen

Braches-Chyrek, R.; Röhner, C.; Moran-Ellis-J.; Sünker, H. (Hrsg.) (2021): Handbuch Kindheit, Technik und das Digitale. Opladen, Toronto: Verlag Barbara Budrich.

Braches-Chyrek, R.; Röhner, C.; Moran-Ellis, J. & Sünker H. (2021). Einleitung. In R. Braches-Chyrek; C. Röhner; J. Moran-Ellis; H. Sünker (Hrsg.). Handbuch Kindheit, Technik und das Digitale. Opladen, Toronto: Verlag Barbara Budrich, S. 9–23.

Reichert-Garschhammer, E. (2021). Digitalisierung in Kindertageseinrichtungen. In R. Braches-Chyrek; C. Röhner; J. Moran-Ellis; H. Sünker (Hrsg.). Handbuch Kindheit, Technik und das Digitale. Opladen, Toronto: Verlag Barbara Budrich, S. 319–337.

Poser, S. (2021): Kindheit, Technik und Spiel aus historischer Perspektive. In R. Braches-Chyrek; C. Röhner; J. Moran-Ellis; H. Sünker (Hrsg.). Handbuch Kindheit, Technik und das Digitale. Opladen, Toronto: Verlag Barbara Budrich, S. 227–240.

Prietl, B. (2021). Digitalisierung, Geschlecht und Kindheit – oder: zur Reproduktion des symbolisch-strukturellen Dominanzverhältnisses von Technik und Männlichkeit. In R. Braches-Chyrek; C. Röhner; J. Moran-Ellis; H. Sünker (Hrsg.). Handbuch Kindheit, Technik und das Digitale. Opladen, Toronto: Verlag Barbara Budrich, S. 150–163.

Moran-Ellis, J.; Heinz Sünker, H. (2021). Kinder und Technik. In R. Braches-Chyrek; C. Röhner; J. Moran-Ellis; H. Sünker (Hrsg.). Handbuch Kindheit, Technik und das Digitale. Opladen, Toronto: Verlag Barbara Budrich, S. 41–56.


Rezension von
Dipl. Päd. Nicole Dern
Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Justus-Liebig-Universität Gießen
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Zitiervorschlag
Nicole Dern. Rezension vom 27.10.2021 zu: Rita Braches-Chyrek, Jo Moran-Ellis, Charlotte Röhner, Heinz Sünker (Hrsg.): Handbuch Kindheit, Technik und das Digitale. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2021. ISBN 978-3-8474-2490-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28519.php, Datum des Zugriffs 28.11.2021.


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