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Gitta Jacob: Auf der Gefühlsebene

Cover Gitta Jacob: Auf der Gefühlsebene. Emotionsfokussierte Techniken effektiv und zielorientiert einsetzen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2021. 176 Seiten. ISBN 978-3-621-28806-4. D: 36,95 EUR, A: 37,90 EUR.

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Autorin

Gitta Jacob ist Privatdozentin, promovierte Psychologin, approbierte Psychologische Psychotherapeutin mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie, zertifizierte Schematherapeutin mit zahlreichen einschlägigen Veröffentlichungen sowie Dozentin und Supervisorin für Verhaltenstherapie und Schematherapie. Seit 2013 ist sie leitende Psychotherapeutin bei der GAIA AG in Hamburg.

Entstehungshintergrund

In diesem Buch kondensiert Jacob ihre jahrelangen Erfahrungen aus Therapie, Supervision und Lehre. Die emotionsfokussierten Techniken lassen sich einreihen in die Methoden der sogenannten „Dritten Welle“, wobei die Autorin selbst auf diesbezüglich unterschiedliche Auffassungen auf internationaler und nationaler Ebene hinweist.

Aufbau

Das Werk ist in zwei Teile gegliedert: Im ersten Teil wird eine Einführung in die Arbeit mit emotionsfokussierten Techniken geliefert. Zunächst wird der Frage nachgegangen, was emotionsfokussierte Techniken sind (Kapitel 1), anschließend werden Konflikte und Widerstand als Gegenstand emotionsfokussierter Techniken beschrieben (Kapitel 2). Daraufhin wird geklärt, was mit emotionsfokussierten Techniken angestrebt wird (Kapitel 3) und es wird auf die Steuerung emotionaler Prozesse eingegangen (Kapitel 4). Der zweite Teil ist der Anwendung emotionsfokussierter Techniken gewidmet. Dazu wird ein therapeutischer Entscheidungsbaum bereitgestellt (Kapitel 5). Anschließend wird die Anwendung der Techniken anhand von übergreifenden Fragestellungen adressiert: Was will die Patientin, was sie nicht hat (Kapitel 6)? Ist das, was die Patientin will, realistischerweise erreichbar (Kapitel 7)? Wenn die Patientin unerreichbare Ziele verfolgt: Kommen Sie als Therapeutin damit klar, dass sie das nicht erreichen kann (Kapitel 8)? Wenn die Patientin erreichbare Ziele verfolgt: Warum erreicht sie sie nicht (Kapitel 9)? Wenn die Patientin unerreichbare Ziele verfolgt: Warum verfolgt sie sie trotzdem (Kapitel 10)?

Inhalt

In einem Vorwort formuliert Jacob die Intention des Buches in der Identifikation zentraler emotionaler Prozesse sowie in der Beurteilung der situationsgemäßen Anwendung der emotionsfokussierten Techniken. Während die Nutzung emotionaler Prozesse in der Psychotherapie oft unsystematisch sei, würde sie sich dennoch prototypisch darstellen lassen. Außerdem zielt die mögliche Hilfestellung stets auf den Ausdruck verdrängter Emotionen, die Entwicklung positiver Gefühle und die Akzeptanz aussichtsloser Gegebenheiten. Mit der Behandlung allgemeiner Fragen im ersten Teil möchte die Autorin Therapeuten ein praktisches, anwendbares Raster liefern sowie einen leichten, übersichtlichen Einstieg ermöglichen. Im zweiten Teil verfolgt Jacob den Anspruch, anhand von Patientenbeispielen, die immer wieder im Verlauf aufgegriffen werden, bei der Entscheidung über die emotionsfokussierten Prozesse zu helfen. Das Werk richtet sich an Einsteiger, aber es wird auch für die Lehre sowie für die Supervision empfohlen. Darüber hinaus werden Grenzen der emotionsfokussierten Techniken aufgezeigt. Die Autorin präferiert vor allem imaginative Techniken und Stuhldialoge, und weist auf weitere Verfahren wie kreative Therapien oder Psychodrama hin.

Zu Beginn widmet sich Jacob der Frage, was emotionsfokussierte Techniken sind (Kapitel 1). Sie dienen dazu, dass der Patient seine problematischen Gefühle erlebt und in einen transformativen Prozess kommt. Sie müssten nicht immer intensiv kognitiv vor- und nachbereitet werden. Als emotionsfokussierte Techniken nennt die Autorin beispielhaft imaginatives Überschreiben, Stuhldialoge und Kissenschlacht. Sie liefert eine pragmatische Definition emotionsfokussierter Techniken, die auf bedeutsame Emotionen zielen und wodurch implizite Veränderungsprozesse eingeleitet werden. Um von einer emotionsfokussierten Technik zu sprechen, reicht es für Jacob nicht aus, wenn sie Emotionen zum Gegenstand hat, jedoch die Arbeitsebene kognitiv ist. Darunter fällt auch die Distanzierung von Gefühlen bei Achtsamkeitsübungen. Sie betont emotionale und implizite Prozesse und weist darauf hin, dass selbst die in der Verhaltenstherapie beliebte Einordnung ins SORKC-Modell für emotionsfokussierte Techniken nicht unabdingbar ist. Gegebenenfalls sollte viel eher darauf geachtet werden, dass implizite Veränderungen nicht „kaputt-analysiert“ werden. Dies wird anhand von Fallbeispielen veranschaulicht.

Anschließend benennt Jacob Konflikte und Widerstand als Gegenstand emotionsfokussierter Techniken (Kapitel 2). Mit dem Fokus auf die Behandlung von inneren Konflikten grenzt sie sich von einer vorrangig störungsspezifischen und deskriptiven Auffassung ab, die besonders durch die verhaltenstherapeutische Orientierung befördert wird. Mit der Auffassung von psychischen Störungen als Ergebnis innerer Konflikte reiht sich die Autorin in die psychoanalytische, psychodynamische und humanistische Theorietradition ein, wobei sie hier keinen Widerspruch zum deskriptiven Ansatz vermutet und von zwei verschiedenen Scheinwerfern auf dasselbe Szenario (24) spricht. Auch dies wird anhand von einem Fallbeispiel veranschaulicht. Jacob stellt klar, dass emotionsfokussierte Techniken dann nicht zielführend sind, wenn ein psychisches Problem nicht durch innere Konflikte erklärt werden könne (26). Anzeichen für innere Konflikte sind unangemessene Emotionen oder der Umstand, dass ein Mensch gegen seine Interessen handelt bzw. einen anstehenden Rollenwechsel nicht vollzieht. Dies wird wiederum anhand von Fallbeispielen genauer erläutert. Als häufigste innere Konflikte identifiziert die Autorin u.a. Selbstwertkonflikte, interpersonelle Abhängigkeit, Narzissmus, mangelnde Disziplin, Trotz oder Verbitterung. Am häufigsten seien die Themen geringer Selbstwert und interpersonelle Abhängigkeit anzutreffen. Im Anschluss daran geht sie ausführlich auf die Konflikttypen ein und veranschaulicht diese anhand von Fallbeispielen. Außerdem beantwortet sie jeweils die Fragen, wie sich der jeweilige Konflikt zeigt, welche Gefühle und Kognitionen beteiligt sind, welche Symptome typischerweise damit einhergehen, welche interpersonellen Konflikte damit korrespondieren und wie bewusst den Betroffenen diese Konflikte sind. Zum Abschluss des Kapitels geht Jacob darauf ein, wann emotionsfokussierte Techniken eher nicht geeignet sind. Den sinnvollen Einsatz sieht sie dann gegeben, wenn der Klient aufgrund von (fehlenden) Gefühlen in Verbindung mit inneren Konflikten oder einer verzerrten Selbst- oder Weltwahrnehmung „daran gehindert wird, seinen Bedürfnissen zu folgen und sich gesund zu entwickeln“ (49). Bei ‚normalen‘ Gefühlen (die der Lebenssituation angemessen sind) oder pathologischen Affekten, die nicht mit Konflikten erklärbar sind, empfiehlt die Autorin ein anderes Vorgehen. In Bezug auf ‚normale‘ Gefühle geht sie auf Trauer, Realangst und Unzufriedenheit ein. In Bezug auf pathologische Gefühle weist sie darauf hin, dass diese nicht immer einen psychodynamischen Konflikt-Hintergrund aufweisen, was häufig bei schweren psychischen Störungen mit unauffälligen Biografien der Fall sei. Schließlich liefert Jacob eine Hilfestellung zur Unterscheidung von ‚normalen‘ und ‚neurotischen‘ Ausprägungen von Gefühlen (Trauer, Angst, Schuld, Scham/​Insuffizienz, Wut/Ärger sowie Stolz), wobei letztere sich dadurch zeigen, dass sie übertrieben, dramatisch oder stereotyp auftreten (55).

Im nächsten Kapitel beschreibt Jacob, was mit emotionsfokussierten Techniken angestrebt wird (Kapitel 3). Grundsätzlich sollen innere Konflikte bearbeitet werden, wobei mit Widerstand zu rechnen sei. Zunächst sollen die unbewussten Konflikte ins Bewusstsein gebracht werden. Dies sei auch vergleichbar zur kognitiv ausgerichteten Bearbeitung von verzerrten Kognitionen und deren biografischen Entstehung. Die Autorin nennt hierzu Vorstellungsübungen, Stuhldialoge oder körperbasierte Übungen. Es werden typische unangenehme Aspekte in der Auseinandersetzung mit inneren Konflikten aufgeführt, die bei Co-Abhängigkeit, interpersoneller Dependenz, Narzissmus, mangelnder Disziplin/Verwöhntheit, Trotz und Verbitterung auftreten können. Meist würde Widerstand und Vermeidung entstehen, was in der Therapie zu adressieren sei, um dem Patienten einen Zugang zu den schwierigen Affekten zu ermöglichen. Als Vorgehen empfiehlt Jacob eine ‚empathische Konfrontation‘ (67), insbesondere über Stuhldialoge. Die Autorin stellt dazu Formulierungsbeispiele für mögliche Instruktionen sowie wiederum Fallbeispiele bereit. Außerdem geht sie auf schwierige Therapiesituationen ein und schlägt vor, bei sehr großem Widerstand mit dem Konzept des Krankheitsgewinns zu arbeiten, was genauer ausgeführt wird. Darüber hinaus geht sie auch hier sowohl auf die Möglichkeiten wie auch Grenzen in der Arbeit mit Widerstand ein. Anschließend erläutert Jacob die Auflösung der inneren Konflikte im Sinne der eigenen Bedürfnisse. Oft gehe es hierbei um den konstruktiven Umgang mit vermiedenen Gefühlen, oder auch darum, sich unangenehmen Einsichten zu stellen. Hierbei widmet sich die Autorin den Themen Selbstwertkonflikte, interpersonelle Dependenz und Co-Abhängigkeit, Narzissmus, mangelnde Disziplin und hohe Verwöhntheit, Trotz, Verbitterung und Wertekonflikte.

Anschließend behandelt Jacob die Steuerung emotionaler Prozesse (Kapitel 4). Sie unterscheidet hier nach dem Ausmaß, in dem der Therapeut steuernd einwirken muss und spricht entsprechend davon, ‚hinter‘ dem Prozess zu arbeiten (d.h., es ist wenig Steuerung erforderlich) bzw. ‚vor‘ dem Prozess zu arbeiten (d.h., es ist mehr Steuerung erforderlich), wobei letzteres besonders bei schwereren Störungen die Regel ist. Damit beschreibt die Autorin ein Kontinuum zwischen ‚entspannter Begleitung‘ und ‚einer sehr direktiven Gestaltung‘ (99). Zur Überwindung des initialen Widerstandes gegenüber emotionsfokussierten Techniken, der sowohl bei Therapeutinnen als auch bei Patientinnen besteht, empfiehlt sie, die einzelne Technik ohne Vorbesprechung mit Selbstverständlichkeit zu starten und sich nicht beirren zu lassen. Jacob geht hier auf typische Fragen bzw. Vorbehalte ein und gibt Handlungsempfehlungen. Daraufhin wird erneut das Thema Widerstand aufgegriffen, der besonders zu Beginn einer Übung auftaucht. Hier gilt es, den Widerstand zu validieren und ggfls. die Funktionalität der Vermeidung zu beleuchten. In diesem Zusammenhang gelingt es ihr, Befürchtungen zu zerstreuen, da eine Überwindung des Widerstandes kaum mit einem massiven Hervortreten des vermiedenen Affekts einhergeht. Auch hierzu werden Formulierungs- und Fallbeispiele angeführt sowie Grenzen des Einsatzes emotionsfokussierter Techniken aufgezeigt. Zentral ist das Erleben von vermiedenen Gefühlen und Konflikten. Dabei geraten verschiedene Affekte in den Blick: Wut und Ärger, Neid oder Eifersucht, Stolz und Zufriedenheit, Liebe und Zugehörigkeit sowie Traurigkeit. Von diagnostischem Wert ist hier auch die Gegenübertragung. Das Erleben der Gefühle kann ermöglicht werden durch Verbalisieren, Modellieren und Provozieren. Die Intensität des Erlebens kann u.a. über die zeitliche Dauer oder das eingesetzte Material gesteuert werden. Für die Dauer und den Verlauf von Therapien mit emotionsfokussiertem Schwerpunkt bestehen keine Besonderheiten bzw. Unterschiede zu anderen Verfahren.

Der zweite Teil des Buches, der sich mit der Anwendung emotionsfokussierter Techniken befasst, beginnt mit dem therapeutischen Entscheidungsbaum (Kapitel 5), der dabei hilft, „die emotionsfokussierte Arbeit zu planen oder auch zu verwerfen“ (118). Die Gliederung des zweiten Abschnitts folgt den Fragen des Entscheidungsbaumes. Die Indikation zu emotionsfokussierten Techniken ist in der Regel bei unerfüllten Bedürfnissen und unerreichten Zielen gegeben. Im weiteren Schritt geht es darum, inwieweit die Ziele realistisch sind und weshalb realistische Ziele ggfls. nicht erreicht werden. Auch hier werden die Grenzen emotionsfokussierten Arbeitens aufgezeigt und insbesondere bei geringen Ressourcen und hohem Krankheitsgewinn alternative Vorgehensweisen wie u.a. Symptommanagement, Stabilisierung und Aktivierung empfohlen.

Nun wird zunächst der Frage nachgegangen, was die Patientin will, was sie nicht hat (Kapitel 6). Dies kann mit dem Patienten besprochen werden oder der Therapeut beantwortet sich die Frage selbst. Ein bekanntes Mittel zur Klärung von Zielen und Werten ist die sogenannte Wunderfrage. Die Frage sollte möglichst konkret beantwortet werden, um klären zu können, ob das Erreichen des Ziels realistisch ist. Die Beantwortung dieser Frage kann bei Wertekonflikten bereits große Fortschritte bewirken. Wenn kein wichtiges unerfülltes Bedürfnis oder unerreichtes Ziel vorliegt, dann wird ein konfliktorientiertes, emotionsfokussiertes Vorgehen nicht empfohlen.

Anschließend geht es um die Frage, ob das, was die Patientin will, realistischerweise erreichbar ist (Kapitel 7). Dies hängt u.a. von Ressourcen sowie Änderungsmotivation ab, und die Frage sei nur mit gesundem Menschenverstand zu beantworten (136). Die Realisierbarkeit hängt ab von Persönlichkeitseigenschaften, persönlichen Ressourcen, Qualifikationen, gesundheitlichen Ressourcen, Merkmalen der sozialen Interaktion, materiellen Ressourcen und Beziehungsressourcen. Die Frage nach der Realisierbarkeit ist für Jacob ohne normative Festlegung nicht zu beantworten, insbesondere vor dem Hintergrund eines humanistischen Menschenbildes vieler Therapeutinnen und Therapeuten, „das jedem Menschen jede Entwicklungsmöglichkeit zugesteht“ (140). Für die Autorin ist ein Mensch gesund, „der nicht klar an Symptomen leidet“ (141) und seine Rollen angemessen erfüllen kann. Von daher seien „Ziele wie perfekte Selbstentfaltung, völlige Symptomfreiheit und beständige Zufriedenheit […] eher nicht realistisch und sind auch nicht unbedingt die Aufgabe der Solidargemeinschaft“ (141).

Daraufhin behandelt Jacob den Fall, dass die Patientin unerreichbare Ziele verfolgt und dabei die Frage, ob die Therapeutin damit klarkommt, dass die Patientin das nicht erreichen kann (Kapitel 8). Hier wird vor einer wenig hilfreichen Solidarisierung mit der Patientin gewarnt, wenn Konfrontation oder Akzeptanz der Situation ausbleibt, oder gar unrealistische Hoffnungen geschürt werden. Die Autorin empfiehlt die Bearbeitung der eigenen Biografie derjenigen Therapeuten, die unangenehme Wahrheiten nicht ansprechen mögen und sich vermutlich schon früh für andere zuständig fühlten. Als Ursachen identifiziert sie mangelnde Erfahrung, den Wunsch zu retten und therapeutischen Narzissmus. Sie empfiehlt emotionsfokussierte Techniken, wie Imaginationsübungen und Stuhldialoge. Auch hierzu werden Übungen und Fallbeispiele anschaulich dargestellt. Somit werden Therapeuten dazu angehalten, eigene entsprechende emotionale Muster zu korrigieren, um den Patientinnen besser helfen zu können.

Im vorletzten Kapitel wird der Fall behandelt, dass die Patientin erreichbare Ziele verfolgt, diese aber dennoch nicht erreicht (Kapitel 9). Dabei geht es um Selbstwertkonflikte, Trotz, mangelnde Disziplin bzw. Verwöhntheit sowie normale Wertekonflikte. Dies stellt für die Autorin den Idealfall der Psychotherapie dar, da die Barriere „eindeutig psychischer Natur“ (156) sei.

Abschließend geht es um den Fall, dass die Patientin unerreichbare Ziele verfolgt und dabei um die Frage, warum sie sie trotzdem verfolgt (Kapitel 10). Hierbei geht es häufig um Dependenz, Narzissmus, Verbitterung oder Pech bzw. geringe Ressourcen. Es gilt zu prüfen, ob primärer oder sekundärer Krankheitsgewinn zu hoch ist für die konfliktorientierte Arbeit. Bei Pech bzw. wenigen Ressourcen empfiehlt sich keine emotionsfokussierte Technik, stattdessen geht es um Stabilisierung oder praktische Unterstützung. Jacob schildert anschaulich Überlegungen zum Vorgehen bei den Konfliktthemen und liefert Fallbeispiele. Außerdem weist sie immer wieder auf Grenzen des therapeutischen Vorgehens hin.

Diskussion

Mit diesem Buch gelingt es Jacob mühelos ihr Ziel zu erreichen, das Erkennen von zentralen emotionalen Prozessen sowie die Entscheidung über den Einsatz von emotionsfokussierten Techniken zu ermöglichen. Ihre Systematisierung der Nutzung emotionaler Prozesse in der Psychotherapie ist überzeugend und ermöglicht einen leichten Zugang sowie eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Thematik. Dadurch richtet sich das Werk an Einsteiger, aber durchaus auch an Fortgeschrittene und Erfahrene, vor allem über das Aufzeigen der Grenzen des emotionsfokussierten Ansatzes, was überaus gelungen ist. Ihre pragmatische Definition emotionsfokussierter Techniken erfordert keinen Widerspruch, und die Forderung nach einer emotiven Arbeitsebene ist konsequent. Genauso nahtlos fügt sich die entsprechende Mahnung ein, Erreichtes nicht im Rahmen des SORKC-Modells „kaputt“ zu analysieren. Die Benennung von inneren Konflikten und Widerstand als Gegenstand emotionsfokussierter Techniken ist besonders interessant und überzeugend. Zwar erreicht sie dadurch eine gewisse Abgrenzung von der verhaltenstherapeutischen Orientierung, doch leuchtet ihre Annahme von zwei verschiedenen Scheinwerfern auf dasselbe Szenario durchaus ein. Sie zeigt immer wieder Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu anderen Ansätzen auf. Die Fruchtbarkeit für die Praxis ergibt sich u.a. aus der systematischen Herangehensweise der Autorin, aus einer einfachen und verständlichen Sprache, aus dem Aufzeigen der Grenzen des Ansatzes sowie insbesondere aus den ausführlichen Fallbeispielen, welche im Verlauf des gesamten Werkes präsent sind und die nicht selten geeignet sind, aufkommende Fragen und Befürchtungen vorwegzunehmen. Dabei wird der reiche Erfahrungsschatz von Jacob spürbar.

Fazit

Ein überaus anschauliches und eindrückliches Praxisbuch für Therapeutinnen und Therapeuten im Erwachsenenbereich, die sich moderne und innovative Therapiemethoden aneignen bzw. diese vertiefen möchten, aber durchaus auch eine Bereicherung für die Elternarbeit in den verschiedenen Arbeitsfeldern des psycho-sozialen Bereichs.


Rezension von
Dr. Philipp Thaler
Pädagoge an der Frühförderung Kinderhilfe Treuchtlingen / Verein für Menschen mit Körperbehinderung Nürnberg e.V., psychologischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut in Ausbildung am IVS Fürth
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Zitiervorschlag
Philipp Thaler. Rezension vom 20.09.2021 zu: Gitta Jacob: Auf der Gefühlsebene. Emotionsfokussierte Techniken effektiv und zielorientiert einsetzen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2021. ISBN 978-3-621-28806-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28526.php, Datum des Zugriffs 17.10.2021.


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