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Ulf Sauerbrey: Spielen in der frühen Kindheit

Cover Ulf Sauerbrey: Spielen in der frühen Kindheit. Grundwissen für den pädagogischen Alltag. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2021. 114 Seiten. ISBN 978-3-17-034773-1. 26,00 EUR.

Reihe: Praxiswissen Erziehung.
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Thema

Das Buch vermittelt grundlegendes Wissen über das Spielen in der frühen Kindheit. Neben dieser Darstellung setzt es sich durchgehend mit dem Grundproblem jeder spielpädagogischen Praxis auseinander, dem Spannungsfeld zwischen „angeleiteten“ und „freien“ Spielarrangements.

Das Buch erscheint in der Reihe: Praxiswissen Erziehung.

Autor

Dr. Ulf Sauerbrey ist Professor für Kindheitspädagogik am Fachbereich Soziale Arbeit, Bildung und Erziehung der Hochschule Neubrandenburg.

Aufbau und Inhalt

Der Autor greift das Thema in zehn Kapiteln auf.

Im ersten Kapitel führt Sauerbrey in das Thema ein und stellt fest, dass es häufig eine Dichotomisierung Spielen und Lernen gibt und Fragen für die frühe Kindheit diskutiert werden, wie etwa nach der Zweckfreiheit des Spiels oder der pädagogischen Relevanz in Vorbereitung auf das Leben in der Gesellschaft. Das zweite Kapitel unterscheidet zwischen dem Spielen als subjektive Tätigkeit und dem Spiel als kulturelles Angebot von Spielhandlungen und/oder -materialien.

Im dritten Kapitel wird an die Fröbelpädagogik erinnert, die „Spielpflege“ als pädagogisches Konzept der frühen Kindheit sieht, die den Spieltrieb unterstützt. Die Spielpflege ist eine Handlungskunst, die von Fachkräften, aber auch Eltern erlernt und bewusst ausgeübt werden kann, entsprechend den Bedürfnissen und dem Entwicklungsstand des Kindes. Die Erwachsenen unterstützen durch „Spielgaben“.

Im vierten Kapitel werden jeweils kurz die Formen des kindlichen Spiels und ihre Einbettung in den Entwicklungsverlauf vorgestellt: Sensumotorische Spiele, Informations- und Explorationsspiele, Als-ob-Spiele, Konstruktionsspiele, Rollenspiele, Regelspiele.

Im fünften Kapitel fragt Sauerbrey, wie Dinge zu Spielzeug werden und stellt an einem Beispiel dar, wie vielfältig Dinge von den Kindern genutzt werden können. Andererseits können auch Erwachsene durch gezieltes Anbieten das Spiel beeinflussen.

Das sechste und siebte Kapitel befassen sich mit Orten, an denen Kinder spielen. Es geht darum, welche Orte, drinnen oder im Freien Kinder als Spielorte wählen bzw. welche Spielorte arrangiert und zur Verfügung gestellt werden.

Im achten Kapitel (Spielen in Krippe und Kindergarten) beschäftigt sich der Autor zuerst mit der Rolle des Spiels in den Bildungsplänen der Bundesländer und anschließend mit der Rolle der Gruppe beim kindlichen Spiel.

Das neunte Kapitel setzt sich mit den „Neuen Medien“ auseinander und geht den Fragen des Nutzens oder der gesundheitlichen Gefahren (zu) früher Mediennutzung und der Vermittlung von Medienkompetenzen nach.

Im abschließenden zehnten Kapitel diskutiert Sauerbrey das spielpädagogische Grundproblem, das Spannungsfeld zwischen pädagogisch-didaktischer Inanspruchnahme des Kinderspiels und dem freien Spiel und ordnet neuer empirische Befunde ein.

In einem Nachwort würdigt Johanna Hopfner das Buch und fasst den Inhalt prägnant zusammen.

Diskussion

Spielen und Lernen sind kein Widerspruch. Kindliche Spielentwicklung ist kein bloßer Reifungsprozess, sondern ein Prozess des lernenden und spielenden Austauschs des Kindes mit seiner Umwelt und den darin vorgefundenen Spielmöglichkeiten. Sie wird durch kulturelle Einflüsse beeinflusst. So lässt sich die Botschaft des Buches zusammenfassen. Dies ist nicht neu, wie der Autor zu Recht feststellt. Forschungsbedarf besteht für die Altersgruppe der frühen Kindheit, u.a. für die Orte, an denen die Kinder spielen.

Kritisch sieht Sauerbrey die Mediennutzung, v.a. bei sehr jungen Kindern. Er betont zu Recht, dass z.B. Fingerspiele und Spiellieder durch Mediennutzung nicht ersetzt werden können. Die Nutzung digitaler Medien sollte besonders in den ersten beiden Lebensjahren überwacht werden, sie darf keineswegs die menschliche Interaktion in verbaler und körperlicher Hinsicht ersetzen. Die Spielentwicklung, die Entwicklung insgesamt, entfaltet sich in unmittelbarer Interaktion.

Zielgruppen

Fachkräfte in der beruflichen pädagogischen Praxis, aber auch Eltern, Studierende und die wissenschaftliche Fachöffentlichkeit

Fazit

Das Buch vermittelt kurz und prägnant Grundwissen über Spielen in der frühen Kindheit, für pädagogische Fachkräfte aber auch für Eltern. Spielen und Lernen sind keine Gegensätze.


Rezension von
Dr. Dipl.-Psych. Lothar Unzner
Leiter der Interdisziplinären Frühförderstellen im Landkreis Erding im Einrichtungsverbund Steinhöring
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Zitiervorschlag
Lothar Unzner. Rezension vom 13.10.2021 zu: Ulf Sauerbrey: Spielen in der frühen Kindheit. Grundwissen für den pädagogischen Alltag. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2021. ISBN 978-3-17-034773-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28552.php, Datum des Zugriffs 26.10.2021.


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