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Gabriele Moos, André Peters: BWL für soziale Berufe

Cover Gabriele Moos, André Peters: BWL für soziale Berufe. Eine Einführung. UTB (Stuttgart) 2021. 3., aktualisierte Auflage. 156 Seiten. ISBN 978-3-8252-5626-5. D: 27,00 EUR, A: 27,80 EUR, CH: 34,70 sFr.

Reihe: UTB - 3120. Soziale Arbeit.
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Thema

Mit dem Einzug exemplarischer Begrifflichkeiten wie denen der „Effizienz“, „Kosten- Nutzen- Analyse“ sowie „Sozialwirtschaft“ gewinnt die prozesshafte Verwirtschaftlichung in der sozialen Arbeit zunehmend an Bedeutung und steht damit an zentraler Stelle eines zeitgemäß- professionellen Unternehmensmanagements. Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre sind demzufolge aus dem sozialen Kerngeschäft nicht mehr wegzudenken und bedürfen einer sektorangemessenen Implementierung. Ausgehend von dem sozialarbeiterischen Grundgedanken der Ressourcenorientierung, Wertschätzung und Vielfalt gilt es, in KlientInnen weniger einen Wirtschaftsfaktor, als vielmehr ein Individuum zu sehen. Die Brückenbildung zwischen betriebswirtschaftlichen Konstrukten und der Notwendigkeit „schwarzer Zahlen“ auf der einen und fachlich- sozialarbeiterischen Angelpunkten auf der anderen Seite kann als eine der wohl größten Herausforderungen des 21. Jahrhundert bezeichnet werden.

Die Monografie von Moos und Peters zielt auf die Einführung in Grundlagenwissen zu folgenden Bereichen ab: Rechnungswesen, Controlling, Strategisches Management, Risikomanagement, Finanzierung, Personalmanagement, Qualitätsmanagement als auch Marketing und thematisiert damit die wesentlichen Dimensionen der Betriebswirtschaftslehre im Kontext der sozialen Arbeit. Insgesamt 71 Abbildungen und 25 Tabellen tragen zum visuellen Inhaltsverständnis der Lesenden bei. Das einführende Lehrbuch richtet sich vorrangig an Studierende sowie Führungskräfte sozialwirtschaftlicher Unternehmen (S. 12).

Autor und Autorin

Prof. Dr. Gabriele Moos studierte Volkswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt „Management sozialer Dienstleistungen“ und ist in der Lehre an der Fachhochschule Koblenz, RheinAhrCampus Remagen im Bereich der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften tätig.

Dipl. Kaufmann André Peters studierte Wirtschaftswissenschaften und ist Vorstand des Diakonischen Werk der Evangelischen Landeskirche in Baden e.V. und Geschäftsführer der Diakonie Baden- Württemberg gGmbH.

Aufbau und Inhalt

1. Vorwort zur dritten Auflage

Mit diesem literarischen Werk richten Moos und Peters den Fokus auf die grundlegende Einführung der Lesenden in die Elementarkenntnisse der modernen BWL im Feld sozialer Unternehmen. Ausgehend vom Einzug betriebswirtschaftlicher Theorien und Konstrukte in den Sozialbereich, sehen die Autoren die Auseinandersetzungsverantwortung mit Kennzahlen und Wirtschaftszahlen beim modernen Führungsmanagement. Sie zielen auf die Darstellung verbindender Fragestellungen und grenzen sich von konkreten Anwendungsproblemstellungen bewusst ab (S. 11).

2. Das Wirtschaften von sozialen Organisationen

Moos und Peters legen den Grundsatz der Mittel- und Ressourcenknappheit für die nachfolgenden Kapitelinhalte fest (S. 14). Sie erläutern die wesentlichen Produktionsfaktoren wie Arbeit, Betriebsmittel und Werkstoffe. Ergänzend dazu wird der Mensch als dispositiver Faktor und gleichzeitig Zentralelement wirtschaftlich- unternehmerischen Handelns betrachtet. Die Verfasser verorten Effektivität und Effizienz neben der Wirtschaft, besonders auch im sozialen Arbeitsfeld, und stellen überblicksartig die verschiedenen Charakteristika sozialer Dienstleistungen, wie beispielsweise Immaterialität oder Subjektivität, dar (S. 16).

3. Rechnungswesen

Dem Rechnungswesen zugrunde liegen Geld- und (Dienst-)Leistungsströme. Den Autoren zufolge bilden sich auch Sozialunternehmen durch betriebswirtschaftliche Kennzahlengrößen und Daten ab. Weiter wird eine Unterscheidung zwischen dem internen (1. Kosten- Leistungs- Rechnung, 2. Finanzrechnung) und externen (1. Buchführung, 2. Gewinn- und Verlustrechnung, 3. Bilanz) Rechnungswesen getroffen (S. 18 ff.). Es werden Bezüge zu verschiedenen Investitionsarten hergestellt und Stichwörter, wie beispielsweise Konkurs, laden zu fortführenden Eigenrecherchen ein. Auf die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung wird im Überblick eingegangen, tiefergehende Hintergründe bedürfen breiterer Literaturarbeit. Des Weiteren findet eine Differenzierung verschiedener Kostenarten (Einzel- und Gemeinkosten, fixe und variable) und Erlösen sowie der Kostenarten-, -träger- und -stellenrechnung statt (S. 27 ff.). Zudem werden der Zweck und die Zielsetzung der Kostenrechnung aufgezeigt. Die von den Verfassern hergestellten Bezüge, zum Beispiel zur Unternehmenswirtschaftlichkeit, sind praxisnah und 1:1 übertragen auf Sozialunternehmen. Abbildungen und prägnante Merksätze unterstützen das Inhaltsverständnis der Lesenden.

4. Controlling

Ausgehend vom Autorenverständnis des Controllings als Unternehmensführung zur „Wahrnehmung ihrer strategiebildenden, planenden, steuernden, koordinierenden und kontrollierenden Angelegenheiten“ (S. 42) stellen die Herausgeber den späten Einzug dessen in soziale Berufssettings dar. Das operative Controlling wird von ihnen als Instrument zur Effizienzsteigerung und Erschließung neuer Erfolgspotenziale abgebildet, während beim operativen Controlling die Wirtschaftlichkeitssicherstellung an zentraler Stelle steht. Es werden praxisnahe Bezüge hergestellt, wie beispielsweise zur Sozialraumorientierung, bedeutende Aspekte wiederholt und in ansprechenden Tabellen visualisiert. Moos und Peters verorten das Berichtswesen als Controlling- Element und beschreiben die Wichtigkeit der elektronischen Berichtsausgabe, besonders im sozialen Dienstleistungsbereich (S. 48). Sie trennen qualitative und quantitative Kennzahlen voneinander (S. 52) und verdeutlichen die Etablierungsnotwendigkeit betriebswirtschaftlicher Kennzahlen für die Repräsentation sozialarbeiterischer Unternehmen. Der Controlling- Kreislauf sowie die tabellarische Darstellung verschiedener Controlling- Planungs- Prozesse (S. 66) tragen beispielhaft zur Textnachvollziehbarkeit bei.

5. Strategisches Management

Die wesentliche Zielsetzung des strategischen Managements sehen die Autoren besonders in der dauerhaften Existenzsicherung sozialer Unternehmen, welches sich aus der Summe aller strategiebezogenen Leitungsaufgaben zusammensetzt und deren Relevanz diese vermehrt betonen (S. 67). Moos und Peters grenzen verschiedene Strategien zur 1. Spezialisierung und 2. Diversifikation ab und beziehen im Zuge dessen beispielsweise die Vier- Felder- Matrix (Marktanteil und relativer Marktwachstum, S. 70) mit ein. Diese wenden sie auf eine Einrichtung aus dem Bereich der Behindertenhilfe an und stellen prägnante Bezüge zu sozialen Berufsfeldern her. Des Weiteren erfolgt die schlagzeilenartige Berücksichtigung aktueller (Umwelt-)Einflüsse, welche auf den sozialen Dienstleistungsbereich einwirken, zum Beispiel der Fachkräftemangel oder grundlegende Qualitätsbestrebungen. Damit stehen die einzelnen Kapitel in Korrelation zueinander (s. Kapitel Personalmanagement, Qualitätsmanagement). Das Kapitel schließt mit der Formulierung von branchenspezifischen Strategiezielen, zum Beispiel für den KlientInnenbereich.

6. Risikomanagement

In der Vorbeugung, Identifikation und Bewältigung von Risiken und nicht genutzten Chancen sehen die Herausgeber die Funktion und gleichzeitige Zielsetzung eines sozialunternehmerisch ausgerichteten Risikomanagements (S. 83 f.). Sie stellen einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Vermögens-, Ertrags- und Finanzlagen- Gefährdung und damit der Unternehmensexistenz her und geben den Lesenden Einblicke in die Bereiche des internen Überwachungssystems (1. interne Revision, 2. internes Kontrollsystem), Controllings und Frühwarnsystems und visualisieren die Inhalte mit übersichtlichen, klar strukturierten Tabellen und an sozialen Handlungsfeldern orientierten Risikomanagement- Prozessabläufen, beispielsweise für eine fehlerhafte Betreuung (S. 84 ff.). 

7. Finanzierung

Dieses Kapitel behandelt neben den Aspekten des Eigen- und Fremdkapitals das Mezzanine- Kapital (S. 103), wie auch Kriterien zur Kreditvergabe durch Banken an Sozialunternehmen (S. 94 ff.). Die Autoren identifizieren eine grundsätzliche Zunahme der fremdkapitalbasierten Finanzierung und thematisieren Aspekte der qualitativen und quantitativen Rating- Verfahren. Sie ermöglichen zudem einen Kurzeinblick in alternative Finanzierungsformen, wie beispielsweise Stiftungen oder „Public Social Private Partnership“ (S. 99 f.).

8. Personalmanagement

Neben den einzelnen Elementen der Personalplanung (S. 107) werden zusätzlich Strategien zur Personalgewinnung und dem Personalmarketing veranschaulicht und beispielsweise die Faktoren des Könnens und des Wollens als Personalauswahl- Kriterien dargestellt (S. 111). Die Verfasser behandeln zudem die Schwerpunkte Personalfreisetzung und -gewinnung und verweisen ansatzweise auf die Arbeitsstrukturierungsmodelle des „Job enlargement“, „Job enrichment“ und „Job rotation“ (S. 117). Als Stichwort wird das „Lebenslange Lernen“ genannt (S. 120).

9. Qualitätsmanagement

Ausgehend von dem Gedanken, dass Qualität ein entsprechendes Managementsystem mit Standardisierungen und Kriterien bedarf, wenden sich Moos und Peters unter anderem den Dimensionen der Prozess-, Ergebnis- und Strukturqualität zu (S. 124). Sie verorten Qualitätsbestrebungen im Kontext zahlreicher Anforderungen und Bestimmungen wie beispielsweise die der Anforderungserfüllung der Kunden oder die Gesetzeseinhaltung. Das Kapitel umfasst die Kurzdarstellung des PDCA- Zyklus (Demming- Kreis, S. 126), der KVP (Kontinuierlicher Verbesserungsprozess), aber auch der DIN EN ISO 9000 ff. und ihrer acht Grundsätze (S. 127 f.) sowie der EFQM (European Foundation for Quality Management, S. 129 f.). Es verdeutlicht wesentliche, praxisnahe Implementierungsschritte für ein sozialunternehmerisches Qualitätsmanagementsystem (S. 131 ff.).

10. Marketing

Der thematische Zugang und Einstieg wird mit der Erläuterung der „4Ps“ des klassischen Marketings gestaltet (S. 134 ff.) und mit der Erweiterung zu den „7Ps“ (S. 145) sowie der Verdeutlichung des Stellenwertes des Personals als wesentliche Ressource in sozialen Berufen und einem Prozessbearbeitungsablauf beendet (S. 148). 

Diskussion

Mit ihrer Monografie „BWL für soziale Berufe“ legen Moos und Peters ein verständliches, alltagsrelevantes Einführungswerk vor, welches sich besonders an Studierende oder Personen mit Führungsaufgaben in sozialwirtschaftlichen Unternehmen richtet.

Der Kapitelaufbau folgt einer klaren, nachvollziehbaren Gliederung, lenkt die Lesenden durch die Buchinhalte und folgt einem logischen, roten Faden. Der strukturierte Kapitelaufbau unterstreicht deren Wechselbeziehung untereinander.

Zum inhaltlich-visualisierten Leseverständnis tragen maßgeblich zahlreiche Tabellen und Abbildungen bei, ebenso werden durch Piktogramme Merksätze von besonderer Relevanz gekennzeichnet. Sie zeichnen sich durch eine sehr verständliche Sprache aus und bieten den Lesenden die Möglichkeit, diese besonders nachhaltig zu verinnerlichen oder weiterführend, eigenständig zu bearbeiten. Vom Text heben sich zusätzlich einzelne, inhaltsgliedernde und -strukturierende Schlagwörter ab, welche die Gedankengänge der Lesenden steuern und die Suche nach bestimmten Passagen erleichtern.

Den Autoren gelingt der Anspruch, welcher bereits im Titel erhoben wird- die Verknüpfung und Implementierung von betriebswirtschaftlichen Dimensionen und Wissensbeständen in den Kontext sozialer Berufe und Unternehmen, stets unter der Berücksichtigung der spezifischen Charakteristika immaterieller Dienstleistungen des Tertiärsektors. Der Transfer betriebswirtschaftlicher Inhalte in soziale Handlungsfelder wird beispielsweise durch zahlreiche Musterdarstellungen und Prozessbeschreibungen sehr praxisnah von den Herausgebern realisiert und ermöglicht damit einen entsprechenden Einblick.

Das gesamte Werk ist in einer eingängigen Sprache verfasst, welche eine gute Ausgewogenheit zwischen Fachniveau und Alltagsverständnis aufweist. Die durchgehend aufgeführten Autorenbeispiele sind durch einen hohen Grad an Praxisrelevanz und Übertragbarkeit gekennzeichnet.

Moos und Peters kommen ihrem Vorwort nach, haben ein gelungenes Einführungs- und Grundlagenwerk verfasst und führen vereinzelt Themenaspekte nur schlagzeilenartig und an der Oberfläche bleibend aus, welche die Lesenden anregen, eigenständige, fortführende Literaturarbeit und Recherche zu betreiben und sich somit ein umfassendes Verständnis der BWL für soziale Berufe zu erarbeiten. Hierauf wirken sich insbesondere die zahlreichen, umfassenden Literaturempfehlungen der Autoren am Ende der jeweiligen Kapitel aus.

Moos und Peters richten diverse Appelle an die Leserschaft und räumen beispielsweise mit dem Gedankengebilde auf, dass es sich beim Controlling um reine Kontrolle handelt. Gleichzeitig verdeutlichen sie die Verständnisnotwendigkeit sozialwirtschaftlicher Unternehmen für eine sektorangemessene Verwirtschaftlichung.

Fazit

Die Monografie „BWL für soziale Berufe“ von Moos und Peters ist ein Grundlagen- und Einführungswerk, welches sich vorrangig an Studierende und Personen mit Führungsaufgaben in sozialwirtschaftlichen Unternehmen richtet. Es ermöglicht eine breite Gesamtschau über eine Vielzahl relevanter Aspekte, wobei inhaltlicher Tiefgang vereinzelt der Themendiversifikation weicht. Besonders der tatsächlich realisierte Sozialwirtschaftsbezug, zahlreiche weiterführende Literaturempfehlungen und die Praxisnähe begründen ebenso maßgeblich die Kaufempfehlung für dieses Werk.


Rezension von
Melina Lorenz
Sozialpädagogin und Sozialarbeiterin. Pädagogische Fachkraft in einer integrativen Kindertagesstätte. Studentin des weiterbildenden Masterstudiengangs „Kindheits- und Sozialwissenschaften“ der Hochschule Koblenz, in dessen Rahmen diese Rezension als Prüfungsleistung entstanden ist.
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Zitiervorschlag
Melina Lorenz. Rezension vom 16.07.2021 zu: Gabriele Moos, André Peters: BWL für soziale Berufe. Eine Einführung. UTB (Stuttgart) 2021. 3., aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-8252-5626-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28555.php, Datum des Zugriffs 05.08.2021.


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