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Andrea Schiff, Hans-Ulrich Dallmann: Ethik in der Pflege

Cover Andrea Schiff, Hans-Ulrich Dallmann: Ethik in der Pflege. UTB (Stuttgart) 2021. 238 Seiten. ISBN 978-3-8252-5587-9. D: 24,90 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 32,50 sFr.

Reihe: Pflege studieren.
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Thema

Verantwortungsvolle Pflege ist ohne ethische Reflexion nicht möglich. Es erfordert ethische Kompetenz, sich in herausfordernden Situationen zu orientieren und pflegerisches Handeln begründen zu können. Mit diesem utb-Band „Ethik in der Pflege“ eröffnet der Reinhardt Verlag die Lehrbuchreihe „Pflege studieren“.

Autor:innen

Prof. Dr. Andrea Schiff lehrt Pflegewissenschaften am Fachbereich Gesundheitswesen an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen in Köln.

Prof. Dr. Hans-Ulrich Dallmann lehrt Ethik am Fachbereich Sozial- und Gesundheitswesen an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft in Ludwigshafen.

Entstehungshintergrund

Nach jahrelangen Beobachtungen zum Thema Belastungen im Pflegebereich, in denen die psychischen Arbeitsbedingungen beforscht wurden, die mit den Auseinandersetzungen mit Krankheit und Pflege und deren Folgen für die Pflegenden einhergehen, wird heute das Augenmerk vermehrt auf die Folgen der ethischen Belastungen eingegangen. Dieses Buch zur Ethik in der Pflege ist in den Monaten der COVID-19-Pandemie entstanden, vor allem auch, weil das Thema Triage zum vorrangigen Thema in der klinischen Versorgung wurde.

Bei der Abfassung des Buches haben Schiff und Dallmann auf frühere Vorarbeiten zurückgegriffen. Sie verfolgen in diesem Lehrbuch den Ansatz, in die Ethik der Pflege einzuführen und die wichtigsten Themen und Begriffe zu erläutern. Sie führen damit die Lernenden an ihre eigene Urteilkraft heran und schulen sie darin, ihr professionelles Verhalten möglichst gut zu begründen.

Aufbau und Inhalt

Das Buch stellt in den ersten beiden Kapiteln allgemeine ethische Grundlagen vor:

Kapitel 1 befasst sich mit Elementen der Ethik, die von ethischer Orientierung in der Pflege (Ethik und Lebensführung, Perspektiven ethischer Reflexion, Sprache der Bewertung) über ethische Kompetenz (Wahrnehmen, Bewerten und Beurteilen…), ethische Methoden (Methoden der Urteilsfindung und deren institutionelle Formen), bis zu ethischen Prinzipien in der Pflege (Prinzipien, Normen und Handlung, Autonomie…) reichen. Diese Elemente werden in Bezug zu Orientierungsfragen und Orientierungsmittel in kleinen abgegrenzten Unterkapiteln erörtert, immer wieder eingebettet in philosophische Gedanken und hergeleitet aus berufspolitischen Entwicklungen. Schiff und Dallmann stellen dabei als ein leitendes Prinzip die unterschiedlichen Perspektiven der ersten (der Pflegenden), zweiten (der Patienten) und dritten Person (Außenperspektive) dar, die unterschiedliche Zugänge zu ethischen Fragen ermöglichen.

Kapitel 2 hat die Dimensionen menschlicher Existenz zum Thema, auf der Grundlage, dass Pflege und ethische Orientierung auf einem expliziten oder impliziten Verständnis der menschlichen Existenz basieren. Es behandelt die Leiblichkeit, die Leibphänomenologie in der Pflege, weiter ausgeführt an den Begriffe Subjekt, Personen, Identität – die wiederum anhand der o.g Perspektiven in dem Bereich der Pflege beleuchtet werden. Das führt zu der besonderen Bedeutung von Sinnhaftigkeit, an denen sich Personen in ihrer Lebensführung orientieren, und die in Krisensituationen, besonders im Umgang mit Sterben und Tod virulent werden.

In Kapitel 3 werden die Dimensionen, in denen sich die Pflege bewegt dargestellt. Diese reichen vom einzelnen Menschen bis zur Gesellschaft und den für sie typischen ethischen Herausforderungen in den einzelnen Bereichen. Ausgehend von den Dimensionen der zu pflegenden Person (Autonomie, Lebensorientierung…) über die pflegende Person (Kompetenzen, Verantwortung…) zu dem Feld der Profession (Kammern, Berufskodex, neue Technologien, Handeln in Grenzsituationen…), der Institution (Macht, Konflikte, Loyalität…) bis zur Gesellschaft (Migration, Politik…) wird ein weiter Bogen gespannt.

Kapitel 4 befasst sich mit ethischen Reflexionen in den unterschiedlichen Kontexten der Pflege: Notfallpflege, Intensivpflege (Sterben, Hirntod…), Pflege in der frühen Kindheit und Jugend (Risikoschwangerschaft, Neonatologie…), Pflege in der eigenen Häuslichkeit, Stationäre Altenhilfe, Pflege von Menschen mit Demenz, am Lebensende, in der Psychiatrie und von Menschen in prekären Lebenslagen (Obdachlosigkeit…). Ausgangspunkt der Diskussion für die einzelnen Bereiche bildet die jeweilige Forschungslage. Ein Fokus bei allen liegt immer auf der Personen- und Angehörigenorientierung.

Alle Kapitel sind in 20 und mehr kurze übersichtliche Unterkapitel aufgeteilt, die wiederum alle versehen sind mit Definitionen, Übungs- und Reflexionsfragen, Online-Lösungen für Selbststudium, die zur gemeinsamen Diskussion anregen sollen.

Diskussion

Aufgrund der übersichtlichen Gliederung vermitteln die unterschiedlichen Kapitel ein strukturiertes umfassendes Wissen über dieses große, immer wichtiger werdende Feld in unserem Gesundheitswesen, gerade in dieser Zeit, in der die langandauernde CORONA -Pandemie unser aller Leben verunsichert und in Unordnung gebracht hat.

Dies Buch, auch wenn es als Lehrbuch erscheint, ist darüber hinaus ein lohnendes Nachschlagewerk oder Handbuch. Es ist äußerst informativ, sich auch nur mit einzelnen Kapiteln oder Abschnitten zu beschäftigen. Es kann große Hilfestellungen und Informationen bereithalten, auch für Angehörige von betroffenen Menschen, die daraus erfahren können, wie gut sie eine geeignete wertschätzende und nicht-wertende Information in ihrem sicher oft schweren Alltag unterstützen kann.

Fazit

Dieses Buch ist ein Lehrbuch, es vermittelt das nötig Wissen, stellt typische Problembereiche der Pflege dar und übt in sinnvollen Beispielen Praxisanwendungen ethischer Grundlagen. Besonders wertvoll erscheint der Rezensentin das Eingebundensein dieses Themas Ethik in die vielfältigen gedanklichen historischen Zusammenhänge, die unsere abendländische Kultur ausmachen. Es basiert neben aktueller Forschung auf Wissen von Philosophen (von Platon über Kant, Schopenhauer bis Heidegger) und Gelehrten anderer Provinienz (Max Weber, Habermas, Böhme …), die sich mit ethischen Fragen auseinandergesetzt haben, sowie über die Entwicklungen in Gesundheitspolitik, politischer und medizinischer Ethik.


Rezension von
Dr. sc. mus. Monika Nöcker-Ribaupierre
Dipl. Musiktherapeutin DMtG, Vice President der International Society for Music in Medicine ISMM.
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Zitiervorschlag
Monika Nöcker-Ribaupierre. Rezension vom 15.09.2021 zu: Andrea Schiff, Hans-Ulrich Dallmann: Ethik in der Pflege. UTB (Stuttgart) 2021. ISBN 978-3-8252-5587-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28562.php, Datum des Zugriffs 29.11.2021.


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