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Rüdiger Trimpop (Hrsg.): Psychologie der Arbeitssicherheit und Gesundheit

Rezensiert von Prof. Dr. Hans-Jürgen Balz, 13.05.2022

Cover Rüdiger Trimpop (Hrsg.): Psychologie der Arbeitssicherheit und Gesundheit ISBN 978-3-89334-649-3

Rüdiger Trimpop (Hrsg.): Psychologie der Arbeitssicherheit und Gesundheit. Gewalt in der Arbeit verhüten und die Zukunft gesundheitsförderlich gestalten! 21. Workshop – Ergänzungsband. Asanger Verlag (Kröning) 2021. 135 Seiten. ISBN 978-3-89334-649-3. D: 19,00 EUR, A: 19,60 EUR.
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Thema

Trotz der These vom Ende der Arbeitsgesellschaft kommt der Erwerbsarbeit weiterhin eine zentrale Funktion für die soziale Einbindung, die Identität, die Gestaltung der Tagesstruktur und individuelle Kompetenzentwicklung zu. Die konkrete Ausgestaltung der Struktur, der Inhalte und der Entlohnung von Erwerbsarbeit ist jedoch ein gesellschaftliches Streitthema. Dies auch deshalb, da Arbeit in Zeiten der Corona-Pandemie und des damit verbundenen verstärkten Homeoffice zusätzliche Anforderungen und psychische Belastungen beinhalten. Einen Indikator für die Zunahme beruflicher Belastungen und Gefährdungspotentiale für die Gesundheit bereits im Vorlauf der Pandemie liefert die Statistik der Krankenkassen in der der Anteil psychischer Erkrankungen in den letzten 20 Jahren relativ kontinuierlich zugenommen hat (s. DAK Psychoreport 2020).

In diesem Kontext liefert das vorliegende Buch – eine Publikation des Fachverbandes Psychologie der Arbeitssicherheit und Gesundheit (PASiG) - einen wichtigen Beitrag. Insbesondere ist die Anzahl empirischer Studien zu aktuellen Themen des Arbeitsschutzes, der Gesundheitsförderung und der Veränderungen im Arbeitskontext im Zuge der Corona-Pandemie noch relativ gering. Die Workshop-Tagung - Grundlage der vorliegenden Publikation - stellt Beiträge von Praxisfeldvertreter*innen und Forscher*innen zu den Themen Arbeitssicherheit, Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz, Gewaltprävention in der polizeilichen Praxis, innovative Führungskonzepte und Unterstützung, Beratung und Aufsicht am Arbeitsplatz im Kontext der Corona-Pandemie vor.

Entstehungshintergrund

Das Buch, Ergänzungsband zum 21. Workshop Psychologie der Arbeitssicherheit und Gesundheit im Mai/Juni 2020, erscheint in der Workshop-Reihe des Fachverbandes Psychologie der Arbeitssicherheit und Gesundheit (PASAG) im Asanger Verlag. Es bindet zahlreiche namhafte Hochschullehrer, Wissenschaftler*innen und Praxisvertreter*innen verschiedener Arbeitsbereiche (Polizei, IT-Bereich, Logistikbranche, Pharmaindustrie, Hochschulen u.a.) ein und liefert aktuelle Ergebnisse empirischer Studien aus angrenzenden Fachgebieten. Der besondere Vorzug des Ergänzungsbandes liegt nach Aussage der Herausgeber darin, dass hier Beiträge, die für den Hauptband nicht rechtzeitig fertig gestellt worden sind und zusätzliche aktuelle Beiträge beispielsweise zum Thema Corona-Pandemie aufgenommen wurden.

Aufbau und Inhalt

Der Workshop-Ergänzungsband umfasst insgesamt 25 Beiträge aus 13 Arbeitskreisen der Online-Tagung. Die Beiträge sind recht unterschiedlich lang und konzentrieren sind z.T. auf die Wiedergabe zentraler Ergebnisse empirischer Studien. Andere Beiträge richten sich auf die Literaturschau zu Studien beispielsweise zur Wirksamkeit arbeitsweltbezogener Gesundheitsförderung und Prävention und wieder andere stellen betriebliche Projekte bzw. Evaluationen beispielsweise zur Kultur der Prävention, zum Krisen-Coaching während der Corona-Pandemie oder zur digitalen Lehre an Hochschule vor. Die Beiträge sind jeweils sehr institutions-, themen- bzw. methodenspezifisch und erhalten ihre Verbindung durch die Zielsetzung des Fachverbandes und der Workshop-Reihe im Asanger-Verlag. Die Beiträge wurden jeweils durch Fachvertreter*innen gegengelesen (peer-reviewed).

Es finden sich zu 9 Arbeitskreisen jeweils nur ein Ergänzungsbeitrag zu den Workshop-Programm in dem Buch. Dies sind drei Arbeitskreise mit verschiedenen Aspekten zur Digitalisierung (Gefahren, Chancen 4.0 und Überblick), 2 Arbeitskreise mit dem Schwerpunkt Führung und Organisation (Verfahren und Schulung, Überblick), zur Aus- und Weiterbildung, Mobilität, Transport und Verkehr, Psychische Störungen nach Arbeitsunfällen und Gewalt am Arbeitsplatz: Traumatisierungen und Gefährdungsbeurteilungen.

Ausführlicher möchte ich hier auf die Themenfelder der ausführlicher dokumentierten Arbeitskreise 3 (Gesundheitsförderung und Gesundheitsschutz: Überblick), Arbeitskreis 4 (Polizei: Gewaltprävention in polizeilichen Einsatzsituationen) und den beiden Arbeitskreisen 29 und 37 zur Corona-Pandemie (29: Unterstützung, Beratung, Aufsicht sowie 37: Maßnahmen und Wirkungen) eingehen.

Im Arbeitskreis 3 „Gesundheitsförderung und Gesundheitsschutz“ finden sich Kurzbeiträge beginnend mit einer Literaturschau zur Wirksamkeit der arbeitsweltbezogenen Gesundheitsförderung und Prävention (Barthelmes u.a.), zum betrieblichen Eingliederungsmanagement (Giesert u.a.) und von Joost zur Psychosomatik der Erkältung. Die ersten beiden Beiträge stellen kurze Zusammenfassungen der gehaltenen Vorträge dar und können so am ehesten als Verweiswissen zum Weiterlesen in den angefügten Publikationen dienen. Im Beitrag zur Psychosomatik der Erkältung diskutiert der Autor aus einer biologischen, psychologischen und sozialen Perspektive mögliche Einflussfaktoren auf das Erkältungsgeschehen im Kontext der menschlichen Psyche.

Der Arbeitskreis 4 „Polizei: Gewaltprävention in polizeilichen Einsatzsituationen“ umfasst drei empirische Beiträge zur Praxis polizeilicher Deeskalation (Lorei), zur sozialen Unterstützung von Polizisten (Lorei) und zur Berufseignung von Bewerber*innen bei der Polizei (Nettelnstroth u.a.). Die Beiträge beschränken sich jeweils auf einige zentrale Ergebnisse und enthalten zentrale Empfehlungen und weiterführende Literaturhinweise.

Die Beiträge im Arbeitskreis 29 „Unterstützung, Beratung, Aufsicht“ setzten sich mit der Verbesserung der Teamarbeit in Krisenstäben durch die Anwendung des Stab-Action-Review (SAR; Holtz u.a.), der Covid-19-Arbeitsschutzverordnung (Nachreiner), Herausforderungen beim Homeoffice im Kontext der Grenzgestaltung und der Work-Life Balance (Schneider u.a.)  und dem Aufsichtshandeln der hessischen Arbeitsschutzbehörde während der Corona-Pandemie (Splittgerber & Flake) auseinander. Es sind jeweils empirische Arbeiten, die den Leser*innen interessante Teilaspekte zu arbeitsweltbezogenen Herausforderungen, Veränderungen und Interventionen im Kontext der Covid-Pandemie näherbringen.

Im Arbeitskreisen 37 werden 6 empirisch fundierte Beiträge zum Umgang bzw. zur Bewältigung der Auswirkungen der Corona-Pandemie vorgestellt. Der erste Beitrag gibt die Ergebnisse eines Radfahrtrainings in der Ferienbetreuung an Grundschulen (Dareth) wieder. Es folgen Ergebnisse einer Studierenden- und Dozierendenbefragung zur digitalen Lehre an der Hochschule Furtwangen (Dittler u.a.). Der nächste Beitrag stellt Befunde einer Studie zur Umsetzung der betrieblichen Arbeitsschutzregeln und die Analyse von Best Practice Beispielen unter Bedingungen der Covid-Pandemie vor (Eickholt u.a.). Im Weiteren werden die Ergebnisse eine Online-Befragung zu den Folgen der Kurzarbeit für die physische und mentale Gesundheit unter Berücksichtigung des Einflusses von Affekten und Erholungsmöglichkeiten beschrieben (Spieß & Zimber). Der nächste Beitrag geht auf die Evaluationsergebnisse einer Online-Intervention mit dem Programm „Res-Up!: Resilienz – unkompliziert und persönlich!“ ein (Trimpop & Willutzki) und abschließend wird die Konzeption und Ergebnisse aus den Rückmeldung der Teilnehmenden am Krisen-Coachings der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienste und Wohlfahrtspflege vorgestellt.

Das Autor*innenverzeichnis beschließt den Ergänzungsband.

Zielgruppen

Das Buch richtet sich an Fachleute in den Bereichen Arbeitsschutz, Gesundheitsförderung, an Arbeits- und Organisationspsychologen aus Theorie und Praxis. Es wird ein Einblick in sehr verschiedene empirische Studien und Evaluationen von betrieblichen Maßnahmen zum Arbeitsschutz, zur Gesundheitsförderung und -prävention gegeben.

Die Publikation ist m.E. ein gewinnbringender Beitrag im Psychologiestudium, wenn es um Teilfragen des Arbeitsschutzes und der Gesundheitsförderung geht. Im Seminarkontext sollten darüber hinaus jedoch im Einzelfall die ausführlichen Studienergebnisse und relevante Grundlagenliteratur herangezogen werden. In diesem Sinne können zahlreiche Beiträge als Verweiswissen und als erster Einblick in die jeweiligen Studien dienen.

Diskussion

Als Ergänzungsband zum 21. Workshop des Fachverbandes Psychologie der Arbeitssicherheit und Gesundheit (PASAG) beinhaltet das Buch wichtige Beiträge zum Arbeitsschutz und zur Gesundheitsförderung in konkreten institutionellen bzw. betrieblichen Kontexten. Insbesondere die Studienergebnisse zu betrieblichen Interventionen und Unterstützungsangeboten im Zusammenhang der Corona-Pandemie erscheinen mir sehr informativ und geben weitergehende Denkanstöße. Die Kürze einiger Beiträge gibt lediglich einen ersten Blick und sagt z.T. wenig über die methodische Qualität der jeweiligen Studien. Hier ist dann ein Studium der ausführlichen Projektberichte notwendig.

Der Adressatenkreis des Buches schließt Fachvertreter*innen im Arbeitsschutz, in der Gesundheitsförderung, in der Arbeits- und Organisationspsychologie ein. Die Leser*innen erhalten einen Einblick in sehr verschiedene betriebliche Maßnahmen in unterschiedlichen Branchen (Polizei, IT-Bereich, Logistikbranche, Pharmaindustrie, Hochschulen u.a.). Es wäre m.E. sehr hilfreich, wenn am Schluss ein zusammenführendes Resümee der Herausgeber*innen stehen würde.

Fazit

Das Buch liefert einen Einblick in Fragen des Arbeitsschutzes, der Gesundheitsförderung, -prävention und der gesundheitsförderlichen Organisationsgestaltung. Die Leser*innen erhalten Zugang zu themenspezifischen empirischen Studien zu betrieblichen Maßnahmen in Zeiten von Corona – einem expliziten Workshop-Schwerpunkt.

Wie zahlreiche Tagungs-Publikationen kann hier die Fachdiskussion des online-durchgeführten Workshops nur begrenzt wiedergegeben werden. Für die zahlreichen Praxisvertreter*innen und Referent*innen ist dies – zusammen mit dem sehr viel umfangreicheren 1. Band des 21. Workshops – ein wichtiges Nachschlagewerk. Anderen Fachleuten in den Bereichen Arbeitsschutz, Gesundheitsförderung, für Arbeits- und Organisationspsychologen gibt es einen Einblick in aktuelle Studien und innovative Maßnahmen/Programme, Anregung sich bei Interesse weitergehend mit den ausführlichen Projektberichten zu beschäftigen.

Rezension von
Prof. Dr. Hans-Jürgen Balz
Dozent für Psychologie (Schwerpunkte Diagnostik und Beratung) an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum
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Es gibt 40 Rezensionen von Hans-Jürgen Balz.

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Zitiervorschlag
Hans-Jürgen Balz. Rezension vom 13.05.2022 zu: Rüdiger Trimpop (Hrsg.): Psychologie der Arbeitssicherheit und Gesundheit. Gewalt in der Arbeit verhüten und die Zukunft gesundheitsförderlich gestalten! 21. Workshop – Ergänzungsband. Asanger Verlag (Kröning) 2021. ISBN 978-3-89334-649-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28579.php, Datum des Zugriffs 23.05.2022.


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