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Verband der PsychotherapeutInnen beider Basel (Hrsg.): Innensicht

Rezensiert von Prof. Dr. med. Hanns Rüdiger Röttgers, 26.08.2022

Cover  Verband der PsychotherapeutInnen beider Basel (Hrsg.): Innensicht ISBN 978-3-89334-638-7

Verband der PsychotherapeutInnen beider Basel (Hrsg.): Innensicht. Was Sie schon immer fragen wollten – PsychotherapeutInnen antworten. Asanger Verlag (Kröning) 2020. 145 Seiten. ISBN 978-3-89334-638-7. D: 24,50 EUR, A: 25,20 EUR.
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Thema

Das Buch fasst Stellungnahmen, die Mitglieder des VPB in einer regionalen Zeitung über mehrere Jahre auf Anfrage von Menschen vor allem im Vorfeld der Entscheidung für eine Psychotherapie verfasst haben, zusammen. Es möchte sich explizit von den nicht-professionellen, oft belächelten „guten Ratschlägen“ der „Briefkastentante“ aus Illustrierten absetzen.

Herausgeber und Autoren

Der Herausgeber des Buches ist die psychotherapeutischen Berufsvereinigung der Region Basel (Schweiz), die Autoren eine Gruppe von vor allem psychoanalytisch/​tiefenpsychologisch orientierten Therapeutinnen und Therapeuten.

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich nach dem Geleitwort in 67 Einzelkapitel mit jeweils einer anonymisierten, teils redigierten/​komprimierten Anfrage und einer Stellungnahme sowie ein Nachwort. Im Anschluss finden sich Kurzporträts der Autoren.

Die Anfragen decken ein weites Spektrum psychiatrischer Diagnosen ab, die nicht immer als solche genannt werden, sondern teils aus dem konkreten Fragehintergrund zu schließen sind. Neben Fragen aufgrund eigenen Leidens finden sich auch viele bewegende Schilderungen, die die Problematik Angehöriger beinhalten, des weiteren auch (jenseits eines im eigentlichen Sinne therapeutischen Kontextes) Fragen der allgemeinen Lebensgestaltung, Fragen der Erziehung, des Lebenssinns, ja sogar des Umgangs mit einem als beängstigend-übergriffig empfundenen Jugendamt.

Formale Aspekte

Das Buch trägt den Charakter einer Sammlung von Briefwechseln; eine fachlich-inhaltliche Klammer haben die Herausgeber nicht vorgesehen. Die Texte sind hochdeutsch verfasst. Wie in einem Buch aus der Schweiz erwartbar, finden sich allerdings etliche terminologische Besonderheiten, die sich meist erschließen lassen.

Diskussion

Da, wo therapeutische Einschätzungen und Ratschläge gegeben werden, spiegeln diese die vorwiegend analytische Ausrichtung der Autoren wider. Das ist selbstverständlich völlig legitim, hier fehlt aber für ein Laienpublikum der Hinweis, dass das Antwortspektrum eben nur einen Teil des psychotherapeutischen Realität abbildet.

Das Buch enthält eine Fülle illustrativer Kasuistiken, die die Perspektive der anfragenden Personen, die fachliche Interpretation der jeweiligen antwortenden Therapeuten und ggfs. deren Empfehlungen enthalten. Einige sprachliche und/oder vor dem Hintergrund der regionalen Schweizer Situation zu verstehende Besonderheiten sind für eine Nichtschweizer Leserschaft durchaus interessant, bei originär schweizerischen Begriffen wie „Gotte“ (Patenonkel) hätte der Verlag eine hochdeutsche Übersetzung integrieren sollen.

Für ein Fachpublikum ist das Buch uneingeschränkt als Einblick in Lösungs- und Kommunikationsstrategien anderer Kollegen zu empfehlen; ob Laien, gerade Hilfesuchende, ohne weitere Orientierung davon profitieren können, ist weniger sicher, da eine Einordnung der jeweiligen Kasuistik jenseits des methodischen Rahmens der Antwort fehlt. Manche Fallkonstellationen wären z.B. aus lernpsychologisch-verhaltenstherapeutischer Perspektive anders zu lösen gewesen.

Immer aber, und das ist ein Verdienst des Buches, scheint eine interessierte, verstehende, wertschätzende, therapeutisch realistisch-optimistische, vor allem aber entängstigende Haltung der Autoren durch. Wenn damit Hemmschwellen vor der Kontaktaufnahme mit psychotherapeutischen und psychiatrischen Institutionen und Fachpersonal gesenkt werden, ist das Buch ein Gewinn.

Fazit

Das Buch vermittelt einen niederschwelligen, etwas unsystematischen, im besten Sinne schweizerisch-sympathischen Einblick in Arbeits- und Denkweisen vor allem tiefenpsychologisch arbeitender Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Der Zugang über anonymisierte Publikumsanfragen ist originell, ein Hauptverdienst das durchgängig entdramatisierende und sehr wertschätzende Vorgehen. Sollten Menschen Ängste vor einer Psychotherapie haben, kann dieses Buch dazu beitragen, diese abzubauen.

Rezension von
Prof. Dr. med. Hanns Rüdiger Röttgers
Politikwissenschaftler (M.A.) und Mediziner (Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Öffentliches Gesundheitswesen, Umweltmedizin), Lehrgebiet Gesundheitswissenschaft und Sozialmedizin, Leiter des Masterstudiengangs Therapie, Förderung, Betreuung (Clinical Casework) – Psychosoziale Hilfen für gesundheitlich gefährdete, erkrankte und behinderte Menschen, Fachbereich Sozialwesen, Fachhochschule Münster.
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Es gibt 10 Rezensionen von Hanns Rüdiger Röttgers.

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Zitiervorschlag
Hanns Rüdiger Röttgers. Rezension vom 26.08.2022 zu: Verband der PsychotherapeutInnen beider Basel (Hrsg.): Innensicht. Was Sie schon immer fragen wollten – PsychotherapeutInnen antworten. Asanger Verlag (Kröning) 2020. ISBN 978-3-89334-638-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28580.php, Datum des Zugriffs 26.09.2022.


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