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Jutta Weimar: Mini-Handbuch Facilitation

Rezensiert von Katharina Meyer, 21.03.2022

Cover Jutta Weimar: Mini-Handbuch Facilitation ISBN 978-3-407-36757-0

Jutta Weimar: Mini-Handbuch Facilitation. Mit Online-Materialien. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2021. 169 Seiten. ISBN 978-3-407-36757-0. D: 24,95 EUR, A: 25,60 EUR.
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Thema

Im Kern befasst sich das Werk mit einer konkreten Methode: der Facilitation. „Facilitation ist eine Art, mit Menschen zu arbeiten und wird genutzt, um den Ablauf und Prozess von erfolgreichen Treffen, Workshops oder Konferenzen sicherzustellen. Facilitation ermöglicht die Herausbildung von Kontakt, Fokus und Verbindlichkeit in Gruppen“ (18). Dabei werden vor allem die spezifische Gesamtprozessgestaltung als auch Gelingenheitsfaktoren und potenzielle Herausforderungen herausgearbeitet.

Autorin

Jutta Weimar ist nach eigenen Aussagen bereits seit über 20 Jahren als Facilitatorin (international zertifiziert), Trainerin und Coach tätig. Sie ist Inhaberin der Facilitation Academy (sieben Partner:innen) in Berlin und bildet derzeit dort und zusätzlich in München in einem Modulstrukturrahmen zukünftige Facilitator:innen aus. Die Ausbildung ist als Bildungsurlaub anerkannt. Ihre Bewertung bei Google Rezensionen ist 5,0 (9 Bewertungen) und ihre Referenzen sind in unterschiedlichen Branchen weit gestreut (Stand 2022-02-16). Für Interessierte aus dem Non-Profit-Bereich, oder auch Menschen in besonderen Lebenslagen bietet sie auf Anfrage Vergünstigungen an. Weitere Informationen lassen sich auf ihrer Homepage unter https://www.facilitation-academy.de/ finden.

Entstehungshintergrund

Die Autorin legt grundsätzlich zwei Argumente für die Entstehung ihres Buches vor: Zum Ersten formuliert sie, dass Facilitation und die konkrete Methodik und der entsprechende Gesamtprozess bisher im deutschsprachigen Raum nicht ausführlich beschrieben wurden. Daher existieren ihrer Recherche nach lediglich vereinzelte Methoden oder Konzepte, was den Anspruch an ein Minihandbuch ihrerseits aufkommen ließ. Zum Zweiten möchte sie ihre 20-jährige Erfahrung und das daraus resultierende Praxiswissen mit einbringen, um Interessierten innerhalb der Methode auch potenzielle Stolpersteine und entsprechende Lösungsansätze näherzubringen.

Aufbau

Der Aufbau ist klar und deutlich strukturiert. Nach einem Vorwort (9-11; 2 Seiten) wird zunächst eine knappe Einführung in die Entstehung der Begrifflichkeit „Facilitation“ gegeben, als auch eine Abgrenzung im Hinblick auf andere Methoden (14-31; 17 Seiten) geleistet. Danach geht sie auf die grundlegende Perspektive lebendiger Systeme ein (34-44; 10 Seiten), woran sie mit dem größten Kapitel, den Grundsätzen der Methode, anschließt (46-89; 43 Seiten). Den zweitgrößten Teil des Mini-Handbuchs nimmt der Gesamtprozess der Methode ein (92-132; 40 Seiten), woran sich ein ausführlicher Teil zur Thematik von Dialogen anfügt (134-162; 28 Seiten). Abschließend gibt sie kurz Informationen für Interessierte in Form von Literaturempfehlungen und Möglichkeiten zur Ausbildungsannahme (164-167; 3 Seiten) und schließt mit dem obligatorischen Quellenverzeichnis ab.

Inhalt

Teil 1

Zunächst bildet die Autorin eine Abgrenzung von Facilitation zu anderen Methoden, in welcher sie die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu anderen Disziplinen herausarbeitet (Moderation, Prozessberatung, Training und Beratung und Coaching). Eine Unterscheidung zwischen Inhalt und Prozess wird eingeführt, wobei der oder die Facilitator:in für den Prozess, die anderen Mitwirkenden für den Inhalt zuständig sind. Rollenklarheit, Transparenz und Neutralität beschreibt sie dabei als unabdingbare Basis in der Begleitpraxis. Anschließend geht sie auf die Vor- und Nachteile von internen, aber auch externen Facilitator:innen ein und beschreibt 18 Kernkompetenzen (Qualitätsrichtlinien) der internationalen Mitgliedsorganisation für Facilitator:innen ein. Abschließend grenzt sie nochmals die Methode ein und ab. Dabei diskutiert sie fünf (Fehl)Annahmen wie, bspw. „Facilitation ist vor allem der Einsatz von Methoden“ (29) und fasst auf der letzten Seite des Kapitels die facilitative Haltung kurz und knapp zusammen.

Teil 2

Dieser Teil beschäftigt sich mit der Einbettung der Methode in die Rahmung eines organisationalen Blickwinkels aus der Perspektive lebendiger sich selbstorganisierender Systeme und stellt die Kernkomponente des Begleitens (nicht Moderierens) in den Mittelpunkt der Methodik.

Teil 3

In diesem Kapitel geht es um die acht Grundsätze der Arbeitsweise, wobei jedem Grundsatz ein knappes Unterkapitel zugeordnet wird. Die Grundsätze sind: „Konzentration auf Beziehungen und Prozesse, Prinzipien und Metaphern statt Regeln, Entwicklung von Zielen, Zusammenwirken unterstützen, Konflikte als Chance verstehen, Komplexität adäquat begegnen, Emergenz ermöglichen [und, Anmerkung K.M] wir selbst sind das wichtigste Werkzeug“ (46). Beendet wird der Teil durch ein kleines Kapitel, welches Tipps für die nächste Veranstaltung unter der Perspektive der vorherig ausgeführten Grundsätze der Arbeitsweise bietet.

Teil 4

Dieser Teil beschreibt den vollständigen Prozess der Methode – vom Erstkontakt zum Follow-up. Dabei wird auch auf potenzielle Herausforderungen, die innerhalb der einzelnen Prozessschritte auftauchen können, eingegangen, indem praktische Beispiele und deren produktiver und lösungsorientierter Umgang präsentiert werden. Dabei profitiert der oder die Leser:in vor allem sichtlich von den Praxiserfahrungen der Autorin, welche anschaulich in ihre Ausführungen eingebunden werden.

Teil 5

Im abschließenden, inhaltlich fokussierten Kapitel geht die Autorin vor allem auf den Dialog ein, den sie von anderen Gesprächsformen (Diskussion/​Debatte, Alltagsgespräch) abgrenzt und präsentiert unterschiedliche dialogische Methoden.

Teil 6

Das sehr kurze Abschlusskapitel offeriert abschließend weitere Literatur- und Quellenangaben und zusätzliche Informationen für Interessierte an der Ausbildung zum oder zur Facilitator:in.

Diskussion

Das vorgelegte Werk der Autorin Jutta Weimar ist stringent aufgebaut sowie einfach und verständlich verfasst, jedoch an den notwendigen Stellen wissenschaftlich fundiert. Es ist mit zahlreichen ansprechenden Illustrationen bestückt und mit Tabellen sinnhaft strukturiert. Der Inhalt ist logisch aufgebaut. Besonders besticht das Mini-Handbuch durch die Verquickung von theoretischen als auch praxisbezogenen „how to handle situations“ Beispielen, die ambitionierten Leser:innen einen Einblick in die Herausforderungen, aber zugleich die mögliche Handhabung derer geben. Diese Komponente macht das Buch zu einem passender Allrounder bezüglich der Methode.

Das Kapitel 5 hat sicherlich für einige Lesenden seine Daseinsberechtigung, wäre aber m.E. nicht notwendig gewesen und hätte Platz für andere Fragestellungen schaffen können, wie bspw. den Ausblick und die kritische Würdigung der Methode in unterschiedlichen Bereichen: Die Methode erfordert Zeit. Zeit ist eine Ressource, welche im sozialen Bereich bspw. kaum bis gar nicht aufgrund unterschiedlicher Faktoren vorhanden ist. Dabei hätte eine kurze kritische Auseinandersetzung mit solchen etwaigen Herausforderungen diskutiert werden können, gerade weil die Autorin ihre Referenzen auf ihrer Homepage auf unterschiedlichste Branchen bezieht. Ein Einblick aus ihrer Praxisperspektive wäre sicherlich gewinnbringend gewesen, lässt sich aber sicherlich in einem potenziellen Nachfolgewerk aufgreifen. Zusätzlich ist die Bezeichnung der Publikationsform als „mini-handbuch“ eher irreführend, da der Inhalt weniger einem engen lexikalischen Verständnis entspricht. Zusammenfassend sollen diese Aussagen jedoch als Anregungen dienen und keine grundsätzlichen Kritikpunkte darstellen, da die Autorin sicherlich Gründe für ihre Ein- und Aussparungen hatte.

Fazit

Das „mini-handbuch“ Facilitation von Jutta Weimar ist ein übersichtliches, logisch strukturiertes und auf die elementaren Kernpunkte der Methode heruntergebrochenes, aber dennoch detailliertes und in leichter und ansprechender Sprachverwendung verfasstes Werk, welches Potenzial hat vielen interessierten Leser:innen branchenübergreifend Einblicke in die Rahmung, aber auch in den genauen Gesamtprozessablauf der Methode zu geben.

Rezension von
Katharina Meyer
M.Ed./ B.Ed. Berufliche Bildung Sozialpädagogik, B.A. Pädagogik
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Es gibt 8 Rezensionen von Katharina Meyer.

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Zitiervorschlag
Katharina Meyer. Rezension vom 21.03.2022 zu: Jutta Weimar: Mini-Handbuch Facilitation. Mit Online-Materialien. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2021. ISBN 978-3-407-36757-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28598.php, Datum des Zugriffs 26.09.2022.


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