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Dieter Dohmen (Hrsg.): Generation Corona?

Cover Dieter Dohmen (Hrsg.): Generation Corona? Wie Jugendliche durch die Pandemie benachteiligt werden. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2021. 302 Seiten. ISBN 978-3-7799-6546-6. D: 24,95 EUR, A: 25,60 EUR.
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Thema

Der Titel Buches ist Programm. Die Autor*innen legen ein umfassendes Werk zur Pandemie Corona vor, das einen für Wissenschaft sehr aktuellen Blick auf Kinder, Jugendliche und deren Eltern in Bezug auf Kita, Schule, Übergang zu und von Ausbildung und Beruf wirft, um individuelle und Institutionelle Faktoren in Hinsicht auf Bildungsungleichheit wie Gesundheit und Wohlbefinden wissenschaftlich ergründen zu können. Ob es eine „Generation Corona“ gibt, klären die beiden Herausgeber in einem abschließenden Ausblick. 

Autor*innen

Neben den beiden Herausgebern haben 51 Autor*innen an dem Buch mitgearbeitet. Sie entstammen der qualitativen und quantitativen Gesundheits-, Sozial-, Bildungs-, Erziehungs- und Kindheitsforschung. Forschungsstrategisch arbeiten sie an der interdependenten Schnittstelle von Kindern, Jugendlichen, Eltern und Institutionen zu Gesellschaft, Politik und Wirtschaft.

Aufbau

Einleitung und Überblick sind klassisch angelegt. Allgemeine Rahmendaten werden mit der besonderen Situation von Kindern und Jugendlichen konfrontiert. Die Phasen der Pandemie werden so weit wie möglich einbezogen, um Änderungsfaktoren im Verhalten von Kindern, Jugendlichen, Familien und Bildungsinstitutionen erfassen zu können.

Die Beiträge des Buches sind in vier Themenbereiche gegliedert: Pandemie bezüglich Familie und Kita, Einfluss auf Unterricht und Lernverhalten, Auswirkungen auf Passagen Schule, Ausbildung, Beruf sowie Folgen für Gesundheit und Wohlbefinden. Eine kommentierte Zusammenfassung u.a. zur Frage „Wird es eine Generation. Corona geben?“ schließt den Sammelband.

Inhalt

Ohne in Pauschalurteile und Vorurteile zu verfallen gehen alle Autor*innen letztlich der Frage nach, ob, wie die Herausgeber im Vorwort schreiben, die „Metapher Generation Corona“ tragfähig ist. Sie beugen einer Etikettierung und inflationären Umgangsweise mit dem Begriff vor. Nachhaltige Stigmatisierungen werden vermieden, sodass ein klares wissenschaftliches Bild zu ‚Generation oder Nicht-Generation Corona‘ entsteht.

Im ersten Abschnitt des ersten Themenbereichs ‚Pandemie, Familie, Kita‘ kritisiert Wido Geis-Thöne das zu späte Eingreifen von Politik während des ersten Lockdowns, was im zweiten offensichtlich besser ausfällt, doch bereits alte und neue gesellschaftliche Schieflagen mitgeschleppt werden. Familien mit Problemen im häuslichen Umfeld, darunter Alleinerziehende, Familien mit Migrationshintergrund, bildungsferne Familien, Mehrkindfamilien und Familien mit Sozialleistungen im Hintergrund zählen statistisch wie qualitativ zu den Verlierer*innen. 

Der Beitrag von Alexandra Langmeyer, Thorsten Naab et al verfasst, fokussiert „Kind sein in Zeiten von Corona“. Corona als plötzlich Gekommenes verändert extrem die Lebenswelt von Kindern, weil kaum Face to Face Kommunikation möglich bleibt, weshalb neue Formen von medial vermittelter Kommunikation erschlossen werden müssen. Kinder von Eltern mit systemrelevanten Berufen konnten häufiger auf familiäre Netze zurückgreifen. Notwendigkeit und Möglichkeit sind dabei die Antipoden. Die frühkindliche Bildung traf Corona am härtesten, weil keine Konzepte für das häusliche Verbleiben vorliegen. Eine zwar bekannte Veränderung zeigt sich noch drastischer im Medienverhalten. Kinder aus Bildungshaushalten nutzen eher die Bildungsfunktion von Computern, während das bildungsfernen Kindern das Spiel im Vordergrund steht. In beiden Gruppen bilden fehlende Sozialkontakte ein höheres Risiko, das, wenn es manifest werden sollte, bildungspolitisch aufgefangen werden müsste.

„Befunde zur häuslichen und institutionelle Lernumwelt während der Schließung von Kindertageseinrichtungen“ von Elisa Oppermann, Franziska Cohen et al lautet der letzte Artikel im ersten Themenschwerpunkt. Die Autor*innen stellen eine (Teil-) Studie der Otto-Friedrich-Universität Bamberg vor. Lernumgebungen von Kindern stehen im Fokus häuslicher Bildungsaktivitäten während des Lockdowns. Eine zentrale Frage betrifft die mögliche Kompensation von institutioneller Bildung. Deutlich ist, dass nie ein komplettes Auffangen möglich ist. Gute Unterstützungssysteme gerade für benachteiligte Familien müssten erfolgen. Bei der Untersuchung von Kontakten zwischen Kindern und Kitas wurde deutlich, dass die Kitas (organisatorischen) Kontakt zu den Eltern aufgenommen haben, doch Regelmäßigkeit im Sinne von Bildungspartnerschaften finden sich sehr selten. 

Der zweite Themenbereich beginnt mit einem Artikel von Nele McElvany, Chantal Lepper et al zum „Unterricht während der Corona-Pandemie“. Die Autor*innen weisen auf eine bis dahin nicht gekannte Situation hin, dass die Schüler*innen in häuslicher Selbstorganisation – auch bei Unterstützung durch ihre Eltern – kaum digitale Erfahrungen besitzen. Die Ausstattung der Schulen mit den digitalen Medien ist selbst zum zweiten Lockdown noch unzureichend, konzeptorientierter Distanzunterricht oft unbekannt. Eine neue Form sozialer Eingebundenheit musste zudem erschlossen werden. Trotzdem gibt es vielfach positive Wertungen von beiden Seiten, obwohl in einigen Fächern durchaus Lerndefizite auftraten.

„Wie gehen deutsche Schulen mit der Corona-Krise um“ legt Werner Klein im nächsten Beitrag mit dem Schulbarometer dar. Vom 9. – 15. Dezember 2020 wurde eine Online-Befragung unter 1015 Lehrer*innen durchgeführt, die repräsentativ angelegt ist. Eine eindeutige Antwort auf die Ausgangsfrage lässt sich nach Aussage des Verfassers nur schwer geben, weil viele Probleme an Schulen sehr different auftreten. Gymnasien verfügen über eine bessere digitale Ausstattung als andere Schultypen. Nur ein Drittel der Lehrkräfte hat eine ausreichende Internetverbindung zu Hause und soziale Erfordernisse bei Schüler*innen blieben unberücksichtigt. Hingegen wird vielfach learning by doing positiv für selbstorganisiertes Lernen gewertet. Hybrid- und Fernunterricht zeigen sich als autodidaktischer digitaler Schnellkurs mit einem erweiterten professionellen Habitus. Die aufgelaufenen Lernrückstände während der Lockdowns bleiben die kritischste Größe, die es aufzuarbeiten gilt.

Den Blick, den Werner Klein auf das deutsche Schulbarometer geworfen hat, nehmen Stephan Gerhard Huber, Christoph Helm et al zudem für Österreich und die Schweiz auf. Positive oder negative Auswirkungen fallen sehr unterschiedlich zwischen den Schüler*innen aus. Autonomie und Selbstständigkeit, familiäre Unterstützung stehen auf der positiven Seite, während Prüfungsangst, Verlust der Tagesstruktur und sozialer Kontakte negativ in die Waagschale fallen. Eine Korrelation zwischen Positiva und Negativa zeigt sich bei jüngeren im Vergleich zu älteren Schüler*innen, weil sich mit zunehmendem Alter eine höhere Autonomie von Persönlichkeit und Lernverhalten entwickelt. Im Erfahren von positiver Selbstwirksamkeit liegt der Schlüssel.

Lernausfälle und bildungspolitische Maßnahmen analysieren Ludger Wößmann, Vera Freundl et al, indem sie sich die Frage stellen: „Wie haben die Schulkinder die Zeit der Schulschließungen verbracht?“ So haben sich die Lernzeiten von täglich 7,4 Stunden auf 3,6 Stunden nahezu halbiert. Die freigewordene Zeit wird insbesondere von leistungsschwächeren Schülern mit medialem Konsum verbracht. Eltern gehen davon aus, dass ihre Kinder weniger als sonst gelernt hätten, obwohl sie sich mehr mit ihnen schulisch befassten. Weit über die Hälfte der Schulkinder hatten nur einmal pro Woche digitalen Unterricht. Individuelle Gespräche fanden kaum statt, während altbekannte Arbeitsblätter das häufigste Lernmedium darstellten. Auch bei diesem Punkt zeigt sich wieder ein deutliches Gefälle von Akademikerkindern zu bildungsfernen Kindern. Abschließend bemerken die Autor*innen, dass volkswirtschaftliche und bildungspolitische Konsequenzen aus der Pandemie gemeinsam gedacht werden müssten.

„Die Auswirkungen von Schulschließungstagen auf standardisierte Testergebnisse“ benennen Marc-André Chénier, Joana Elisa Maldonado, Kristof de Witte ihre quantitative Forschung zur Pandemie. Obwohl weltweit bekannt ist, dass Schulschließungen enorme individuelle und gesellschaftliche Kosten mit sich führen, stehen sie nicht im Mittelpunkt der Regierungsstrategien. Ein Negativbeispiel zur flächendeckenden Schulschließung: Bei einer breit angelegten Untersuchung (6. Klassen in flämisch-katholischen Schulen) in Flandern zeigen sich wohl auf den ersten Blick nicht zu erwartende Ergebnisse. Die Mathematiknoten bleiben in etwa gleich, während in der in der Schule gesprochene Sprache kontinuierlich Defizite virulent werden. Dies betrifft insbesondere benachteiligte Schüler. Das Ergebnis mag in anderen Staaten nicht so gravierend sein, doch ohne das Engagement politischer Entscheidungsträger dürfte sich diese Diskrepanz noch weiter vertiefen. Weltweit lässt sich feststellen, dass viele Negativa bei Schulschließungen – zwar in breiter Heterogenität – auffällig sind.

Der Beitrag von Mathias Huebener, Laura Schmitz et al „Familiale, individuelle und institutionelle Einflussfaktoren auf Bildungsungleicheiten“ stellen zunächst fest, dass Bildungsungleichheiten durch den Lockdown verstärkt werden, weil der „Equalizer“ kollektiver Lernprozess fehlt. Wenn zudem familiale Ressourcen kaum oder nicht vorhanden sind und Schule als Integrationsort entfällt, verstärken sich Ungleichheiten. Die digitale Ausstattung und Nutzung greift auf beiden Seiten in das Geschehen ein.

Burghard Jungkamp und Kai Maaz legen die Empfehlungen der FES-Kommission „Gleiche Chancen für alle Kinder und Jugendlichen schaffen“ dar. Nach der Chronologie eines „Echtzeit-Experiments“ folgt die noch nicht eingelöste Chancengleichheit in Schule und Unterricht, die weiterhin angegangen werden muss. Die Lehren aus der Pandemie bedeuten neben dem Plan A einen Plan B und C zu entwickeln, um Schüler*innen Sicherheit und Orientierung zu vermitteln. Systemrelevanz, Disparitäten, Strukturen, Gestaltung, Schwerpunktsetzung, Förderung, gemeinsame Lernzeit, Ungleiches als Gleich zu verstehen, Digitalisierung, notwendige Kompetenzen, Lernpatenschaften sowie Lehrer*innenfortbildung (und mehr) bilden die eher internen Felder gleicher Chancen. Gesellschaftliche Risikolagen unterbinden zudem möglichen Bildungserfolg.

Der dritte Themenbereich beginnt mit „Homeschooling, Digitalisierung und Bildungsgerechtigkeit“ von Christina Anger und Axel Plünnecke. In den MINT-Berufen herrschen aufgrund des konjunkturellen Einbruchs weniger personelle Engpässe. Der demographische Ersatzbedarf sowie eine konjunkturelle Erholung nach Corona zeigen einen großen Bedarf auf. Wenn heute nicht Gegenmaßnahmen getroffen werden, geht insbesondere die bildungsferne Gruppe der Schüler*innengeneration verloren. In Dänemark wird seit rund 20 Jahren die Digitalisierung betrieben, sodass flexibel z.B. auf Corona regiert werden kann. Was in Deutschland fehlt ist ein systematischer Aufbau der Digitalisierung in Schulen, dazugehörige Konzepte und entsprechend geschulte Lehrer*innen.

Dieter Dohmen befasst sich in seinem Artikel „Der Übergang Schule – Ausbildung: Das Nadelöhr wird enger“ mit der zunehmenden Akademisierung von Berufen und den Konsequenzen daraus. Auf der einen Seite fallen klassische Ausbildungsberufe wegen der Höherqualifizierung weg, auf der anderen Seite führt die derzeitige Pandemie zu einer weiteren Abwärtsspirale für bildungsferne Jugendliche, weil sie den Ansprüchen des Ausbildungsmarktes nicht genügen.

Den vierten und letzten Themenbereich eröffnen Ulrike Ravens-Sieberer, Anne Kamann et al mit „Psychische Gesundheit und Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen während der COVID-19 Pandemie“. Kritische Lebensereignisse – wie COVId-19 – führen durchaus zu psychischen Belastungen. Die COPSY-Studie, welche die Autor*innen mit Entlehnungen der BELLA-Studie in den Blick nehmen, wurde für Kinder und Jugendliche entwickelt, um deren Ressourcen und Belastungen während der Pandemie in den Blick nehmen zu können. Die Studie gibt wesentliche Hinweise auf die Betroffenheit von sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen. Auch der Versorgung dieser vulnerablen Gruppe fand Eingang, weil u.a. deren subjektiven Sicht erhoben wird.

Den letzten Beitrag im Hauptteil des Buches „Jugend und Corona in Deutschland und Österreich: Junge Menschen im Lockdown“ haben Simon Schnetzer, Klaus Hurrelmann et al beigesteuert. Die für die Conclusionen herangezogenen Daten entstammen der Studie „Junge Deutsche 2021“, bei der 14- bis 39-Jährige befragt wurden. Positiv lässt sich der Studie entnehmen, dass die Masse der Jugendlichen (2/3) sich während der Pandemie lernbezogen adäquat verhält. Negativ lässt sich konstatieren, dass sich etwa ein Drittel in der Transition von Schule Beruf befindet und keinen bruchlosen Übergang in das Erwerbsleben erreicht. aufgrund vielfältiger Faktoren verschlechtern. Die Befunde zeigen mehr Positives auf, als in der Öffentlichkeit transportiert wird. Trotz allem: Ein Drittel befindet sich in Perspektivlosigkeit.

Eine Zusammenfassung und Einordnung der im Buch dargelegten Inhalte und der Themenstellung des Buches nehmen Dieter Dohmen und Klaus Hurrelmann vor. Die Autoren wenden sich gegen eine inflationäre Verwendung der Klassifizierung „Generation Corona“. Dieser Begriff lasse sich nur trennscharf verwenden, wenn „(…) sich grundlegendere und nachhaltige strukturelle Einschränkungen bzw. Verschlechterung der Zukunftschancen einer größeren Gruppe von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen identifizieren lassen und diese ganz überwiegend auf die Umstände während der Corona-Pandemie zurückzuführen sind.“ (S. 277). Die Befunde aus diesem Buch zu sozialen Unterschieden, Qualifikationseinschränkungen, Zukunftschancen, Position der Eltern, strukturellen Überforderung der Bildungsinstitutionen inklusive digitaler Ausstattung, digitalen Kompetenzen der Lehrer*innen, familiäre Rahmenbedingungen und Lernchancen entsprechen dieser Definition. Sprachbezogene, pädagogisch-fachliche Kompetenzen von Schüler*innen, Lehrer*innen und Eltern fließen in die genannten Kriterien entsprechend ein. Die Bildungshierarchie abbildend waren Gymnasien aufgrund von ausgeprägteren Selbstbildungsprozessen der Schüler*innen indirekt besser vorbereitet. Corona hat milieubezogen negativ verstärkende Konsequenzen für das Übergangssystem Schule-Ausbildung-Beruf, dass bei weiterer Spreizung von Qualifikationen Jugendlicher noch mehr zum Auffangbecken für Gescheiterte wird. Corona beschleunigt diesen Prozess zur „Generation Corona“.

Diskussion

Die Artikel fallen anspruchsvoll aus und zeigen ein breites Verständnis zu einer sehr jungen gesellschaftlichen Herausforderung. Bestechend fällt die Vielseitigkeit der Zugänge zur Pandemie Corona aus. Diese Zugangsweise führt immer zu relativen Widersprüchen, weil die Wertsetzung der Ausgangsdisziplin, wenn sie mit anderen konfrontiert wird, die Ursprungslogik fortsetzt. Dohmen und Hurrelmann konfrontieren sich in der Zusammenfassung kurz damit. Corona zeigt, dass unser bisheriges Wissen nicht ausreicht und wir mit offenen Wissenskonzepten arbeiten müssen. Darüber ergibt sich für das Buch ein relatives Dilemma. Warum Corona einen weltweiten Siegeszug antreten konnte, bleibt ein Mysterium. Einerseits wird Digitalisierung gefordert, andererseits kann ihre Schuld durch das Forcieren eines immer mehr beschleunigten Weltmarkts an der Ausbreitung der Pandemie wie auch der Erwerbslosigkeit von Jugendlichen nicht gänzlich geleugnet werden. Eine notwendige Kritik an diesem Buch liegt in seiner defensiven Einbindung. Bildung könnte Standards setzen, die im Sinne der Menschen sind und nicht von ökonomischen Prozessen und zufälligerweise von Corona abhängen. Wir müssten uns fragen, welche Fehler haben wir gemacht, damit überhaupt jemand arbeitslos wird. Wenn wir die Kinder- und Menschenrechte ernst nehmen wollen, müssen wir dieses Denktabu angehen. Nicht die „Generation Corona“, also die noch beschleunigter Ausgegrenzten, ist das Problem, sondern, die, die gestrig im Heute Denkblockaden leben. Da liegt das eigentliche Generationenproblem, weil weite Teile des Bildungs- und Arbeitsmarktes sakrosankt und damit vermachtet sind. So haben wir die Zukunft bereits hinter uns.

Fazit

Ein beindruckend aktuelles Buch, dass fundierte Beiträge aufnimmt, die zudem sehr gut zusammengebunden werden. Für Menschen aus der der Vielfalt des Bildungsbereichs bildet dieses Buch eine sehr gute Grundlage, um sich in den Komplex Corona wissenschaftlich einlesen zu können oder aspektbezogen Schlüsse zu ziehen. Auch für Praktiker*innen in Kitas und Schule, Kinder- und Jugendhilfe sind die Themen treffend und übersichtlich aufbereitet und bilden eine hervorragende Basis für aktuelle Konzeptentwicklungen. So absurd es auch klingen mag: Das ist eines der Bücher, die in Politik- und Wirtschaft zur Pflichtlektüre gehören sollten, um dem Hören-Sagen zu entfliehen und Substanz zu atmen. Verstehen fußt sehr wesentlich auf der Kernkompetenz Lesen. Managen steht heute ganz oben … mit welchem Inhalt? „Generation Corona“ verschafft allen Jugendlichen, insbesondere dem Drittel der Ausgegrenzten eine wissenschaftlich fundierte Stimme, die nur dann erklingt, wenn wir sie erhören wollen. Über das Buch hinaus bleibt es wichtig, den Reparaturbetrieb für Ausgegrenzte in eine Gesellschaft für alle zu wandeln. Gebt ihnen die Angel und nicht die Schuppen vom Fisch.


Rezension von
Prof. Dr. Lutz Finkeldey
Professor für „Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit - Jugendhilfe“, Verstehenssoziologe, Fakultät für Soziale Arbeit und Gesundheit an der „Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst“ (HAWK) - Fachhochschule Hildesheim, Holzminden, Göttingen, Standort Hildesheim
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Zitiervorschlag
Lutz Finkeldey. Rezension vom 16.08.2021 zu: Dieter Dohmen (Hrsg.): Generation Corona? Wie Jugendliche durch die Pandemie benachteiligt werden. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2021. ISBN 978-3-7799-6546-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28634.php, Datum des Zugriffs 22.09.2021.


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