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Jürg Brühlmann, Denise F. Moser u.a.: Expertise sichtbar machen

Rezensiert von Philipp Schmid, 18.03.2022

Cover Jürg Brühlmann, Denise F. Moser u.a.: Expertise sichtbar machen ISBN 978-3-0355-1673-9

Jürg Brühlmann, Denise F. Moser, Mojca Žekar: Expertise sichtbar machen. Modeling mit MetaLog - Praxisausbildung inpersonenbezogenen Berufen. h.e.p.-verlag (Bern) 2020. 150 Seiten. ISBN 978-3-0355-1673-9. D: 22,00 EUR, A: 22,70 EUR, CH: 26,00 sFr.
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Thema

Praxissituationen sind ein entscheidender Lernort für die Ausbildung in personenbezogenen Berufen, in diesen authentischen Situationen steckt viel Potenzial für das Lernen. Gleichzeitig ist das Ausbilden in Anwesenheit von Klientinnen und Klienten anspruchsvoll, weil die Beziehungsgestaltung nicht durch Auszubildende gestört werden darf. Modeling mit Metalog ist ein Verfahren, um die Potenziale des Lernens in Praktika besser zu nutzen und die Qualität von Ausbildungssituationen zu erhöhen. Das Verfahren ermöglicht in zeit- und ressourcenschonender Weise, berufliches Handeln direkt in der Handlungssituation zu reflektieren und mit Professionswissen zu verknüpfen.

Das Buch richtet sich an ausbildende Fachpersonen in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Medizin, Therapie, Sozialarbeit und Betreuung. Bedingung für die Anwendung von Modeling mit Metalog sind eine hohe Expertise der ausbildenden Person sowohl in fachlicher und didaktischer Hinsicht sowie die Fähigkeit zur Eigenreflexion. Deshalb erweist sich Modeling mit Metalog als ein Ansatz, welcher auch über Ausbildungssituationen hinaus zur Professionalisierung oder zur Sicherung von Qualität beiträgt.

Entstehungshintergrund

Mit dem Buch wollen die Autorinnen und der Autor den durch sie entwickelten und über Jahre erprobten Ansatz des Modeling mit Metalog einem Publikum von Fachpersonen der Berufsausbildung zugänglich machen.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in neun Kapitel aufgeteilt.

Das einleitende Kapitel führt in das Buch ein und betont die Bedeutung einer qualitativ hochstehenden Praxisausbildung in personenbezogenen Berufen.

Im 2. Kapitel wird die Ausbildung von Studierenden und Fachpersonen in personenbezogenen Berufen thematisiert. Die Komplexität der situativen Flexibilität des Berufsalltags und die Implikationen für die Entwicklung einer professionellen Handlungskompetenz werden erörtert. Dabei wird auf die zentrale Rolle expliziten Wissens von Praxisausbildenden für die Begleitung von Menschen in Praktika hingewiesen. Im Kapitel wird dargestellt, wie Modeling mit Metalog das Reflektieren im Praxishandeln unterstützt und in seiner Funktionsweise einen einzigartigen Ansatz bietet, um implizites Wissen während des professionellen Handelns durch Verbalisierung zu explizieren, ohne dass es von Klientinnen als störend empfunden wird. So zeigt die Begleitforschung, dass dieses den Handlungsprozess verlangsamende Verbalisieren als angenehm registriert wird und mehrheitlich beruhigend und stressabbauend wirkt.

Kapitel 3 widmet sich dem Lernen von Fachpersonen. Es stellt den Cognitive Apprenticeship- Ansatz vor, auf welchem Modeling mit Metalog beruht, sowie dessen Weiterentwicklung zu einem Verfahren, bei welchem das Vorzeigen und Erklären in der Situation mit Klientinnen oder Klienten intensiviert und als Form des Reflektierens im Handeln hervorgehoben wird, wo eine Fachperson ihre Fachexpertise verbal expliziert. In einem Exkurs wird die Historie seit den 1990-er Jahren dargestellt, beginnend bei der Erfahrung, dass die Anwendung des Cognitive Apprenticeship-Ansatzes Irritationen ausgelöst und Weiterentwicklungen angestoßen hat.

Das 4. Kapitel stellt das Verfahren Modeling mit Metalog vor. Das Besondere an dem Verfahren ist, dass die Lernenden eine erfahrene Person beim professionellen Handeln in einer beruflichen Situation beobachten, wobei erstere ihr professionelles Wissen und ihre situative Performanz durch ein zeitgleiches Kommentieren und Erklären der Handlung für letztere nachvollziehbar macht. Es wird darauf hingewiesen, dass das Verfahren mit Übung und Erfahrung verbunden ist, dabei grundsätzlich erlernt werden kann. Außerdem wird klar, dass das Nutzen von Metalogen auch unabhängig von Ausbildungssituationen sinnvoll sein kann, weil diese auch als Instrument der Prozessgestaltung nützlich sind. Beispielsweise unterstützen Metaloge beim schulischen Unterricht die Beziehungsgestaltung und den lernförderlichen Dialog zwischen Lehrperson und Lernenden.

Kapitel 5 thematisiert die Bedeutung der Sprache in Ausbildungssituationen und bietet exemplarische Beispiele in Form von Satzbausteinen für verschiedene Metalog-Arten (z.B. Einschätzungen, Interpretationen, Entscheidungen). Es weist darauf hin, dass Metalog-Sätze über eine Veränderung der Stimme intoniert werden. Dies führt zu einer Verlangsamung des Handelns, schafft gleichzeitig eine weitere Form von Transparenz gegenüber Klienten und kann zu einer Qualitätsverbesserung in der Interaktion führen.

Kapitel 6 widmet sich der räumlichen Inszenierung von Beobachtenden in der Arbeit zwischen Fachperson und Klientin oder Klient mit Hinweisen und zu beachtenden Regeln, um die Situation möglichst wenig zu stören. Verschiedene Praxissituationen werden thematisiert und mit Grafiken dargestellt.

Das 7. Kapitel widmet sich der Verbindung von Modeling mit Metalog mit weiteren Ausbildungsmethoden. Es werden zusätzlich weitere Anwendungssituationen genannt, wie die Einarbeitung oder die Führung von Mitarbeitenden.

In Kapitel 8 wird ein Überblick über Studienergebnisse und Praxiserfahrungen zum Metalog-Verfahren gegeben. Die Ergebnisse sind unterteilt nach den Wirkungen auf Studierende, Fachpersonen der Ausbildung und Klienten.

Im abschließenden Fazit wird die Anpassung des Verfahrens in verschiedene berufliche Situationen hervorgehoben. Der Ausblick nennt Fragen und Felder für mögliche weiterführende oder vertiefende Untersuchungen zu Methode Modeling mit Metalog.

Das Buch hat einen umfangreichen Anhang mit über 30 Audio- und Videoclips zu authentischen und simulierten Settings sowie bestimmten Aspekten der Praxisanwendung, er gibt in einem FAQ-Teil Antworten auf häufig gestellte Fragen und schließt mit einem Glossar zu den zentralen Begriffen.

Diskussion

Das Buch eignet sich durch seine anschauliche und übersichtliche Gestaltung als praxisnahe Einführung in ein für das Lernen in der Praxis potentes Verfahren zur professionellen Entwicklung in personenbezogenen Berufen, indem es die Breite der Themen des Praxisfelds aufgreift, um das Verfahren Modeling mit Metalog darauf zu beziehen. Dies geschieht leserfreundlich und gut portioniert mit vielen Überschriften und kurzen Textabschnitten. Theoretische Bezüge werden dabei hergestellt. In dieser Aufmachung kann das Buch als Lehrbuch genutzt werden, um Anwendenden – Lehrenden wie Studierenden – in kompakter Weise das Verfahren vorzustellen und ihnen eine Handlungsanleitung zu geben, welche sie bei der Umsetzung in der Praxis unterstützt. Es ist insbesondere vorstellbar, das Buch für Studierende in Praktikumsphasen zu nutzen. Hierbei sind die vielen illustrierenden Skizzen zur räumlichen Inszenierung mit genauen Angaben zu Positionen und Ausrichtungen nützlich. Für die Ausbildung von Lehrpersonen sind die Beispiele einer Unterrichtsplanung mit möglichen Metalog-Aussagen interessant (Tabelle auf S. 71), weil sie unmittelbar genutzt werden können. Die im Buch eingeflochtenen Exkurse und die Statements von Dozierenden zu ihren Metalog-Erfahrungen geben Lesenden weitere Einblicke und Informationen. Über Ausbildungssituationen hinaus regt das Buch zu einer innovativen und ressourcenschonenden Methode an, mit welcher Menschen in personenorientierten Berufen ihr professionelles Handlungsrepertoire gezielt erweitern können, um einerseits ihr Handeln auch unter Druck zu reflektieren und andererseits implizites Wissen für sich zugänglich zu machen. Dabei wird klar, dass der Weg bis zur Expertise über das Buch hinaus intensiven Austausch mit erfahrenen Personen und Training erfordert.

Fazit

Das Buch bietet in kompakter und kurzer Form eine praxisnahe Einführung in das Verfahren Modeling mit Metalog, welches sich auf dem Ansatz des Cognitive Apprenticeship heraus entwickelt hat und insbesondere für die Ausbildung in personenbezogenen Berufen des Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesens einen innovativen, ressourcenschonenden und wirksamen Ansatz für eine qualitativ hochstehende Praxisausbildung am Lernort Arbeitsplatz darstellt. Darüber hinaus wird deutlich, dass Modeling mit Metalog auch eine Erweiterung des professionellen Handlungsrepertoires von Fachpersonen darstellt, um die explizite Reflektion während des Handelns zu ermöglichen. In seiner ausgewogenen und kompakten Aufbereitung ist das Buch Interessierten als Einführung sehr zu empfehlen, die Nutzung als Lehrbuch ist denkbar.

Rezension von
Philipp Schmid
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Es gibt 2 Rezensionen von Philipp Schmid.

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Zitiervorschlag
Philipp Schmid. Rezension vom 18.03.2022 zu: Jürg Brühlmann, Denise F. Moser, Mojca Žekar: Expertise sichtbar machen. Modeling mit MetaLog - Praxisausbildung inpersonenbezogenen Berufen. h.e.p.-verlag (Bern) 2020. ISBN 978-3-0355-1673-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28659.php, Datum des Zugriffs 09.08.2022.


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