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Beate Jaquet (Hrsg.): Vom Träumen und Aufwachen

Rezensiert von Mandy Kretzschmar, 19.09.2022

Cover Beate Jaquet (Hrsg.): Vom Träumen und Aufwachen ISBN 978-3-8497-0361-5

Beate Jaquet (Hrsg.): Vom Träumen und Aufwachen. Drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2021. 350 Seiten. ISBN 978-3-8497-0361-5. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR.
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Thema

Im Rahmen der DGSF- Jahrestagung am 09. November 2019 (Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie e.V) wurde das „davor“ und „danach“ der „friedlichen Revolution“, „30 Jahre Mauerfall“, näher beleuchtet. Im Rahmen der Tagung beleuchteten Expert*innen das Phänomen Mauerfall und führen sie mit unterschiedlichen Perspektiven aus Beratung, Coaching, Supervision und Therapie zusammen. Dabei entstanden u.a. Beiträge aus dem Konzept der systemischen Achtsamkeit, Gedanken zum Populismus, Einblicke aus der Arbeit mit dem Wertequadrat, systemische Biografiearbeit, Demokratiebildung, persönlicher Erfahrungen.

HerausgeberInnen

Die Herausgeberinnen und der Herausgeber sind Beate Jaquet, Christine Ziepert und Matthias Ohler.

Beate Jaquet ist Ing., Dipl.-Medizin-Pädagogin, Dipl.-Sozialarbeiterin. Sie ist Systemische Supervisorin (SG), Systemische Familientherapeutin (DGSF), Systemischer Coach und Supervisorin (DGsP), Systemische Aufstellerin, zptn-Zertifikat B „Psychotraumatologie und Traumatherapie“, Fachberaterin für betriebliches Gesundheitsmanagement, Lehrsupervisorin. Beate Jaquet ist Leiterin Systemisches Institut Naumburg.

Christine Ziepert absolvierte das Studium der Religions- und Gemeindepädagogik, Gemeindepädagogin, ist Dipl.-Sozialarbeiterin, Supervisorin (DGSv), Systemischer Coach und systemische Dozentin (DGsP), Systemaufstellerin (DGfS), Lehrsupervisorin und Lehrbibliodramaleiterin. Außerdem ist Christine Ziepert Referentin am Institut SINN in Naumburg. Sie leitet seit 2009 eine eigene Praxis für Supervision, Coaching und Systemaufstellung.

Matthias Ohler hat das Studium der Philosophie und Linguistik absolviert. Er ist Systemischer Berater, Musiker. Mattias Ohler ist Geschäftsleiter des Carl-Auer Verlages, Geschäftsführer der Auer & Ohler GmbH Heidelberger Kongressbuchhandlung und Leiter der Carl-Auer Akademie im Carl-Auer Verlag. Weiterhin ist er Dozent und Ausbilder in eigenen Weiterbildungsreihen und an Hochschulen, Kliniken sowie Weiterbildungsinstituten und Mitbegründer des Ludwig-Wittgenstein-Instituts.

Weitere Autoren dieses Buches setzen sich aus einer Vielzahl von Expert*innen zusammen, u.a. aus den Bereichen Coaching, Pädagogik, Supervision, Heilpraktiker, Politologie, Psychotherapie, Religion, Sozialwissenschaften, Ökonomie, Medizin.

Entstehungshintergrund

Im Rahmen der Jahrestagung 2017 zum Thema „Von der Neutralität zur Parteilichkeit – Systemiker*innen mischen sich ein“ entstand nach inspirierenden Vorträgen von Valeska Riedel, Stephan Marks und Jochen Schweitzer die Idee, dass „wo“ und „wie“ sich Systemiker*innen einmischen können, abzubilden. In der Planung sollten möglichst unterschiedliche Perspektiven einen Raum finden, um sich mit dem „davor“ und „danach“ des historischen Ereignisses 1989 auseinanderzusetzen.

Im Hinblick auf die unterschiedlichen systemischen Methoden (systemisch- konstruktivistisch, systemisch-phänomenologisch, hypnosystemisch), entstand ein gemeinsamer Austausch systemischer Verbände. Mitwirkende Akteure dabei waren:

  • Deutsche Gesellschaft für Systemaufstellungen (DGfS)
  • Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie e.V.
  • Deutsche Gesellschaft für systemische Pädagogik e.V.
  • Carl-Auer Akademie
  • sysTelios-Klinik
  • Deutsche Gesellschaft für Supervision und Coaching e.V.

Der Beitrag von Irene Misselwitz wirft einen psychoanalytischen Blick auf die Zeit der DDR, der „alten“ BRD und beeindruckte die Herausgeber*innen mit dem Thema „Vom Träumen und Aufwachen“. Daraus resultierte der Wunsch eine Brücke zwischen der Jahrestagung und der Veröffentlichung dieses Buches zu schlagen.

Aufbau

Nach einem kurzen Vorwort von Beate Jaquet und Christine Ziepert ist das Buch in drei Teile unterteilt:

  • Teil 1: Während der Tagung
  • Teil 2: Nach der Tagung
  • Teil 3: Während der Tagung

Der Abschluss des Buches bildet das Nachwort von Matthias Ohler.

Inhalt

Das Buch beschreibt die Gedanken und Perspektiven um die DGSF-Jahrestagung am 09. November 2019 und beginnt mit dem Thema „Scham – die tabuisierte Emotion“, welche universell, elementar, schmerzhaft und existenziell ist. Stephan Marks erläutert das bewusste und unbewusste Vermitteln von Scham und kristallisiert drei Eigenschaften heraus:

  • Die Entwicklung beginnt sehr früh
  • Entscheiden ist der erste Blickkontakt
  • Die Transgenerationale Qualität

Stephan Marks äußert, dass jeder Mensch Scham kennt, aber sie individuell unterschiedlich ist und aus den verschiedenen Familiengeschichten resultiert. Im Vortrag von Stephan Marks endet mit den Worten: „Erst ein bewusster Umgang mit Scham eröffnet die Möglichkeit, dass die jeweilige Arbeit mit Menschen in würdevoller Weise geschehen kann.“ (S. 85). Weiterführend wurde es in persönlichen Berichten zur eigenen deutsch-deutschen Familiengeschichte einiger Referent*innen aufgegriffen und im Rahmen der verschiedenen Herkunftssysteme beleuchtet. Referent*innen beschreiben „innere Bewegungen und Gedanken“, Kindheitserinnerungen, Rituale, Hoffnungen der Verwandten auf Wiedervereinigung Deutschlands.

Zweidrittel des Buches bilden Beiträge und Gedanken zur Jahrestagung ab. Herzstück der Jahrestagung war ein Gesprächsforum, welche von Anna Hoff und Ansgar Röhrbein in sechs Kapiteln moderiert wurde:

  • Diese Mauer wird fallen – Hoffnung und Zuversicht
  • Darüber wird (nicht) gesprochen
  • Es reicht! Was bringt der Mensch ins politische Handeln?
  • Gemeinsam in der Vielfalt
  • Welche Sprache braucht Demokratie?
  • Wir in der Welt – Vorbild oder was?

Die Herausgeber*innen bekamen von den Teilnehmer*innen eine besondere Atmosphäre gespiegelt, die aus der erstmaligen gemeinsamen Förderung der Berufsverbände und der Vielzahl an Menschen mit unterschiedlich biografischen, generationellen, geografischen, konzeptionellen und methodischen Bezügen resultierte. Das Thema des Mauerfalles halte bei allen Beteiligten sehr nach, sodass es im Buch mit Reflexionen, auch zur Corona-Pandemie, abgebildet wurde.

Diskussion

Beate Jaquet, Christine Ziepert, Matthias Ohler haben aus ihrer Erfahrung der DGSF- Jahrestagung und nachhallenden Gedanken einiger Kolleg*innen dieses Buch zusammengestellt. Beim Durchlesen ist der persönliche Bezug des Themas sehr veranschaulicht und durch die Methoden gerahmt, aber nicht dominiert. Deutlich wurde die Tiefe, Komplexität des gesellschaftlichen Spannungsverhältnisses zwischen und Ost und West. Das Thema ist selbst nach 30 Jahren noch nicht verdaut und benötigt Begleitung und Fachwissen, um die Prozesse zu verstehen. Weiter war es den Organisator*innen wichtig eine starke Vernetzung der Fachverbände zu schaffen, was beim Lesen deutlich geworden ist.

Fazit

Ein wirklich lesenswertes Buch mit Beiträgen, Foren und Interviews über mehr als die Reflexivität der nunmehr über 30 Jahre zurückliegenden Zusammenführung von Ost- und Westdeutschland. Darin enthalten sind Denkanstöße, Erzählungen und inspirierende methodische Zugänge.

Rezension von
Mandy Kretzschmar
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Es gibt 8 Rezensionen von Mandy Kretzschmar.

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Zitiervorschlag
Mandy Kretzschmar. Rezension vom 19.09.2022 zu: Beate Jaquet (Hrsg.): Vom Träumen und Aufwachen. Drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2021. ISBN 978-3-8497-0361-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28663.php, Datum des Zugriffs 26.09.2022.


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