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Rolf Schwarz (Hrsg.): Sportbezogene Sozialarbeit mit Kindern und Jugendlichen

Rezensiert von Prof. Dr. Ulf Gebken, 29.03.2022

Cover Rolf Schwarz (Hrsg.): Sportbezogene Sozialarbeit mit Kindern und Jugendlichen ISBN 978-3-7799-6393-6

Rolf Schwarz (Hrsg.): BasKIDball - sportbezogene Sozialarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2021. 107 Seiten. ISBN 978-3-7799-6393-6. D: 14,95 EUR, A: 15,40 EUR.
Organisationen: iSo – Innovative Sozialarbeit gGmbH (Hrsg.), Dirk Nowitzki-Stiftung (Hrsg.)
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Thema

Die sportbezogene Sozialarbeit spielt im sportwissenschaftlichen bzw. sportpädagogischen Diskurs bisher eine nachrangige Rolle. Umso erfreulicherweise ist es, dass Rolf Schwarz, die innovative Sozialarbeit gGmbH sowie die Dirk Nowitzki-Stiftung sich an einen Leitfaden eines innovativen Basketballprojektes gewagt haben: BasKIDball in der offenen Sporthalle.

Aufbau und Inhalt

Die 106-seitige Handreichung ist wie folgt aufgebaut:

Im ersten Teil stellen die Herausgeber allgemeine Informationen über das im Jahr 2007 in Bamberg gestartete und an inzwischen 20 Standorten umgesetzte Projekt „BasKIDball“ zusammen. Das Projekt tragende Netzwerk setzt sich aus dem Basketballverein Brose Bamberg, Dirk Nowitzki, seinem persönlichen Coach Holger Geschwindner bis zur ING Bank zusammen.

Das vorgestellte Konzept umfasst:

  • Werte und Ziele von BasKIDball
  • Umsetzungsmethoden zu den gesetzten Zielen
  • Strukturelle Rahmenbedingungen
  • Praktische Vorgaben und Informationen zur Durchführung von BasKIDball
  • Material und Formulare.

Wofür steht BasKIDball? Kindern und Jugendlichen wird die Möglichkeit gegeben, in „Offenen Sporthallen“ niedrigschwellig und zu regelmäßigen Zeiten Basketball zu spielen. Über das regelmäßige Angebot hinaus organisiert BasKIDball überregionale, integrative Camps und Standorttreffen, Qualifizierungsangebote für Betreuer*innen sowie themenbezogene Events.

Das Kapitel 3 dreht sich um die Programmatik von BasKIDball. Es orientiert sich an dreizehn Werten, für die die Herausgeber abgeleitete Ziele und Beispiele für die Umsetzung formulieren. Dabei agieren Humanität, Parteilichkeit und Bildung als verbindendes Gerüst. Sie werden u.a. durch Werte wie Respekt, Integrität und Offenheit ergänzt.

In Kapitel 4 erläutern die Herausgeber am Beispiel des Frankfurter Stadtteils Gallus die Netzwerk- und Kooperationsstrukturen sowie die Aufgaben der lokalen Partner. Als „Motor“ des Projektes fungiert die Koordinierungsstelle. Das Aufgabenspektrum umfasst die allgemeine Organisation, die pädagogischen Beratung, die Standortberatung, die Finanzierung und das Kostencontrolling, das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit sowie die Evaluation des Projektes. Insbesondere das Leistungstableau im Arbeitsbereich „Marketing und Öffentlichkeitsarbeit“ verdeutlicht, wie detailliert dieses Projekt geplant, umgesetzt und ausgewertet wird.

BasKIDball steht aber vor allem für eine Vision: An möglichst vielen Standorten in Deutschland soll die Sporthalle mindestens zweimal die Woche, an einem festen Ort, zu einer festen Uhrzeit für mindestens 90 Minuten geöffnet werden. Für diese Vision werden Standortstandards dokumentiert (Seite 53), die eine Grundlage für das Qualitätsmanagement sowie die standortbezogene Jahresevaluation bilden. Neben der Zusammensetzung, der Anzahl an Teilnehmer:innen, die Zahl der insgesamt erreichten Kinder und Jugendlichen, werden aber auch qualitative Aspekte, die von interessanten Entwicklungen bis hin zu emotional- berührenden Ereignissen reichen, dokumentiert.

Das Kapitel 5 stellt die Mitarbeiter:innen von BasKIDball vor. Das multiprofessionell zusammengesetzte Team setzt sich aus einer Standortleitung, pädagogischen Fachkräften, dem sportlichen Betreuungspersonal und weiteren Teammitgliedern zusammen. Die Heterogenität des Projektes soll sich auch in der Mitarbeiterschaft widerspiegeln.

Das anschließende, sehr kurz gehaltene Kapitel 6 stellt die „Golden Rules“ von BasKIDball vor. Sie umfassen die kostenlose und freiwillige Teilnahme, das gemeinsame Erleben von Ereignissen, den respektvollem Umgang untereinander sowie die partizipative Mitgestaltung der Jugendlichen im Projekt. Sie bilden das Fundament für das Zusammenspiel in der Sporthalle, grundlegend und wesentlich für eine erfolgreiche Durchführung.

Das Herzstück dieses Buches stellt das Kapitel 7 dar: Die Umsetzung von BasKIDball – Angebote und Veranstaltungen.

Die Ausführung startet mit einer Darstellung von Merkmalen, die dem Konzept der „offenen Sporthalle“ zugrunde liegen. Diese Merkmale beziehen sich auf verschiedene Bereiche, wie beispielsweise die allgemeinen Hallen- und Spielregeln, grundlegende pädagogische und didaktische Handlungsleitlinien und der Darstellung des Aufbaus eines beispielhaften BasKIDball-Nachmittages. Darüber hinaus gibt das Kapitel einen Überblick über essenziele Aspekte und die Struktur der BasKIDball-Camps, der Standorttreffen, der Bildungsreisen und der Möglichkeit, als BasKIDball-Assistant bei dem Projekt mitzuwirken. Selbst das regelmäßige Mitarbeiter:innentreffen greift die Handreichung auf und beschreibt dessen wichtige Funktion.

Das Buch schließt mit einer exemplarischen Darstellung einer Neugründung eines Standortes (Kapitel 8) und den nicht zu unterschätzenden rechtlichen, datenschutz- und versicherungsrelevanten Aspekten.

Diskussion

Mit diesem gemeinschaftlich erstellten Konzept haben die Herausgeber Pflöcke in die konzeptionelle Entwicklung von sportbezogener Sozialarbeit mit Kindern und Jugendlichen geschlagen. Es ist zu erkennen, dass das Werk aus der Erfahrung von 14 Jahren BasKIDball schöpft. Durch gewonnenes Erfahrungswissen gelingt es den Herausgebern, die zahlreichen Hilfestellungen für die Umsetzung lesefreundlich in die Handreichung einzubinden. „Man bekommt Lust“, einen Standort selbst zu gründen. Die Konzeption ist durch Erfahrungen und Erkenntnisse in der Praxis entstanden und ist nicht aus der Theorie heruntergebrochen. Aus der Praxis entsteht die Theorie.

Natürlich gibt es auch Krittelei: Gewünscht hätte ich mir einen Blick auf die Zielgruppe der Mädchen, die Diskussion und auch auf die Probleme und Grenzen des Projektes. Umso gespannter bin ich, ob die Herausgeber diese Aspekte bei einer Neuauflage bzw. einer Erweiterung des Buches aufgreifen werden. Diese könnte auch den Blick auf die immer wiederkehrende Frage der Sportpolitik richten: Wie vielen Kindern und Jugendlichen gelingt es durch das Projekt in einem Sportverein Mitglied zu werden? Auch bin ich neugierig mehr zu erfahren, wer denn, wie oft und wann an der offenen Sporthalle teilnimmt. Diese Hinweise seien erlaubt.

Fazit

Den Herausgebern ist es gelungen, ein großartiges Projekt mit seinem enormen Potenzial und vielschichtigen Aspekten fundiert zu beschreiben. Die Lektüre sollte für all diejenigen, die sich in der sportbezogenen Sozialarbeit engagieren, zu einer Pflichtlektüre werden.

Rezension von
Prof. Dr. Ulf Gebken
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Zitiervorschlag
Ulf Gebken. Rezension vom 29.03.2022 zu: Rolf Schwarz (Hrsg.): BasKIDball - sportbezogene Sozialarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2021. ISBN 978-3-7799-6393-6. Organisationen: iSo – Innovative Sozialarbeit gGmbH (Hrsg.), Dirk Nowitzki-Stiftung (Hrsg.). In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28682.php, Datum des Zugriffs 02.10.2022.


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