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Thomas Kaspar, Stephan Hebel (Hrsg.): Heile Welt

Cover Thomas Kaspar, Stephan Hebel (Hrsg.): Heile Welt. 32 Ideen für ein Leben nach Corona. Societäts-Verlag - Mediengruppe Frankfurt FSM Redaktion GmbH (Frankfurt am Main) 2021. 206 Seiten. ISBN 978-3-95542-404-6. D: 15,00 EUR, A: 15,50 EUR.
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Thema und Entstehungshintergrund

Die Beiträge sind als Serie von kurzen Zeitungsartikeln unter dem Titel „Die Welt nach Corona“ in der Frankfurter Rundschau ab Ende März 2020 erschienen. Hier wurden sie als Sammelband abgedruckt. Ziel war es, für Leser*innen Zeichen zu setzen, dass die Pandemie als Signal verstanden werden sollte, Fehlentwicklungen zu korrigieren, die durch Corona meist nicht entstanden waren, aber sichtbarer wurden. Die Texte sollten zugleich verdeutlichen, wie nicht nur politisch Verantwortliche, sondern jede und jeder aufgerufen ist, sich für langfristige grundsätzliche Veränderungen einzusetzen.

Herausgebende

Thomas Kaspar ist Chefredakteur der Frankfurter Rundschau. Stephan Hebel ist Redakteur der Frankfurter Rundschau und Publizist.

Aufbau und Inhalt

Der Sammelband umfasst 32 Beiträge mit einer durchschnittlichen Länge von sechs Seiten. Das Spektrum der insgesamt 49 Autor*innen reicht von Journalist*innen, Autor*innen und Wissenschaftler*innen, über Unternehmer*innen und Künstler*innen bis zu Politiker*innen und zu freiberuflich oder hauptamtlich tätigen Vertreter*innen der Zivilgesellschaft. Zu allen Autor*innen gibt es am Ende kurze biographische Angaben.

Alle Beiträge widmen sich knappen Beschreibungen oder Analysen unterschiedlicher Herausforderungen der Gegenwart und es werden Forderungen oder punktuell Reformvorschläge formuliert, teilweise auch programmatisch Eckpunkte für Neuordnungen skizziert.

Um einige Beispiele für bereichsübergreifende Beiträge zu nennen:

  • Daniela von Pfuhlstein, Sprecherin der Organisation Gemeinwohl-Ökonomie für Deutschland, erläutert, wie Gemeinwohl-Ökonomie Modell zur Transformation der Wirtschaftsordnung sein kann und geht in ihrem Überblick z.B. auf Programme (Nachhaltigkeitsziele der VN), Instrumente (Gemeinwohl-Bilanz) und politische Modellregionen (Höxter) ein.
  • Thomas Gebauer, ehemaliger Sprecher von Medico International, schlägt als Schritte auf dem Weg zu einer Weltsozialpolitik unter anderem einen internationalen Vertrag über essenzielle Arzneimittelentwicklung und eine völkerrechtliche Festlegung von Arbeits- und Sozialstandards vor.

Viele andere Beiträge sind konkret auf bestimmte Bereiche bezogen. So plädiert etwa

  • die Schulleiterin Susanne Gölitzer für Schulen als Lernlabore, in denen Schüler*innen über ihr Lernen mitentscheiden können;
  • die Professorin für Geschlechterforschung der TU Berlin Sabine Hark skizziert mit Verweis auf Erfahrungen wechselseitiger Unterstützung und Praktiken der Fürsorge ein erweitertes, solidarisches Verständnis moderner Lebensformen und Netzwerke;
  • der Journalist Oliver Herwig hebt mit Blick auf Home-Office-Erfahrungen ebenso Gefahren (Überwachung) wie Chancen (Gebäudeplanung) hervor;
  • der Chirurg und Publizist Bernd Hontschik fordert im Interview von Stephan Hebel über die Corona-Politik unter anderem, das Gesundheitssystem vorrangig im Sinn der Gemeinnützigkeit zu ordnen.

Diskussion

Der Corona-Pandemie und unmittelbaren Lehren daraus sind nur einige wenige Beiträge gewidmet. In der Regel wird die Corona-Krise einer Reihe von Krisen zugerechnet. Der Tatbestand grundsätzlicher systemischer Herausforderungen wird als Ausgangspunkt für Kritik und Forderungen genommen; sehr viele Beiträge zielen auf alternative Vorschläge zu kapitalistischen Wirtschaftsordnungen oder „neo-liberalen“ Mustern und auf grundsätzliche soziale bzw. ökologische Transformation.

Insofern lässt sich sagen, dass es den Herausgebern gelungen ist, Beiträge mit ähnlicher Stoßrichtung für unterschiedlichste Bereiche und Ebenen zu versammeln und zu verdeutlichen, wie viele gesellschaftliche Gruppen schon längst dabei sind, Reformideen und -pläne für konkrete Neuausrichtungen unseres Zusammenlebens auszuarbeiten und zu diskutieren.

In formaler Hinsicht ist ärgerlich, dass die Herausgeber für die Veröffentlichung weder ein Vorwort noch eine Einleitung verfasst haben. So erfährt man aus dem Buch selbst nicht einmal, dass hier schon gedruckte Artikel einer Zeitungsserie vorliegen.

Da keiner der Beiträge rein tagespolitisch ist, lesen sich die Beiträge für allgemein interessierte Leser*innen auch nach gut einem Jahr ihres Erscheinungsdatums mit viel Gewinn. Auch lässt sich das Buch im Sinn eines großen Fundus von Impulsen und Ideen beispielsweise für öffentlichkeitswirksame Tagungen bis hin zu Aktionen, Ausstellungen oder Bildungsveranstaltungen nutzen.

Fazit

Ursprünglich für eine sehr breite Leserschaft gedacht, bietet das Buch reichhaltige Anregungen und inspirierende Vorschläge für alle, die Interesse an Debatten, Konzepten und Maßnahmen für dauerhaft tragfähige Veränderungen unserer Gesellschaften haben.


Rezension von
Dr. Petra Schmidt-Wiborg
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Zitiervorschlag
Petra Schmidt-Wiborg. Rezension vom 10.09.2021 zu: Thomas Kaspar, Stephan Hebel (Hrsg.): Heile Welt. 32 Ideen für ein Leben nach Corona. Societäts-Verlag - Mediengruppe Frankfurt FSM Redaktion GmbH (Frankfurt am Main) 2021. ISBN 978-3-95542-404-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28701.php, Datum des Zugriffs 22.09.2021.


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