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Anja Mannhard, Wolfgang Hein: Krisenmanagement in der Kita

Cover Anja Mannhard, Wolfgang Hein: Krisenmanagement in der Kita. Praxishilfen, Übungen und Fallbeispiele – von Experten aus der Praxis. Verlag an der Ruhr (Mülheim an der Ruhr) 2021. 120 Seiten. ISBN 978-3-8346-5284-3. D: 15,99 EUR, A: 16,50 EUR.

Reihe: Leitungswissen kompakt.
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Thema

Das Buch bietet theoretische und praxisorientierte Inputs zur Krisenbearbeitung in Kindertageseinrichtungen. Anhand von acht Fallbeispielen stellt die Autorin mögliche Kriseninterventionsstrategien vor. Darüber hinaus zeigen die Autoren auf, wie man kontraproduktive Denkmuster bewältigt und ein Team die Herausforderungen von Krisen und Veränderungen als Entwicklungschancen für sich nutzen kann.

AutorIn oder HerausgeberIn

Anja Mannhard arbeitet als Logopädin, Autorin und Illustratorin. Sie ist geprüfte Personalfachkauffrau, Ausbilderin der IHK, Lehrlogopädin, personenzentrierte Beraterin, Referentin. Arbeitete viele Jahre in eigener logopädischer Praxis, in der Aus- und Weiterbildung pädagogischer und logopädischer Fachkräfte, leitete Kindertageseinrichtungen und war als Kindergartengeschäftsführerin tätig.

Wolfgang Hein war pädagogischer Leiter einer Einrichtung der Erziehungshilfe, Dozent, Leiter einer Fachschule für Sozialwesen, Mitglied der Geschäftsführung eines Bildungsträgers und als Supervisor und Fortbildner tätig.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist neben einem Geleitwort und einem Nachwort in sechs Kapitel mit Unterkapitel in unterschiedlicher Länge aufgeteilt. In jedem Kapitel finden sich Praxistipps, Übungen zur Reflexion und Literaturempfehlungen.

Im „Geleitwort“ zeigt Wolfgang Hein auf, dass Krisen zum menschlichen Leben dazu gehören und wir allein schon entwicklungsbedingt typische Krisen und Entwicklungsaufgaben bis ins hohe Alter zu bewältigen haben. Er weist darauf hin, dass es neben Mut zur Veränderung auch die Selbstreflexion braucht und ein Schritt zur Lösung die Aktivierung professioneller Unterstützung sein kann. Das vorliegende Buch, so der Autor, kann eine solche Hilfe sein.

Anja Mannhard behandelt in Kapitel eins „Krise und Intervention“ die Kennzeichen einer Krise, den Krisenverlauf und wie Krisen bearbeitet werden können. Krisen stellen Leitungen und Teams vor Herausforderungen. Es gibt Krisen, die kommen unerwartet, andere bahnen sich an und sind vorherzusehen. Zunächst beschreibt die Autorin den typischen Verlauf von Krisen, bevor sie auf die Handlungskompetenzen eingeht, die zur Bearbeitung von Krisen hilfreich sind und über die Leitungen verfügen sollten. Im Anschluss daran fasst die Autorin wichtige Schritte zur Krisenbearbeitung zusammen, die sie im weiteren Verlauf des Kapitels näher ausführt. Um Krisen produktiv zu bearbeiten, lädt die Autorin mit Fragen und Übungen zur Selbstreflexion und zur Reflexion im Team ein.

Kapitel zwei „Unproduktive Denkmuster überwinden“, setzt sich mit negativen Denkmustern innerhalb eines Teams auseinander, die durch verschiedene Faktoren entstehen. Damit Teams den negativen Denkkreislauf überwinden, benennt die Autorin verschiedene Übungen, die Teams wieder zu positiven Erfahrungen führen und die Ressourcen eines Teams in den Blick nehmen.

In Kapitel drei „Fallbeispiele der Krisenintervention“ werden insgesamt acht Fallbeispiele besprochen. Jedes Fallbeispiel enthält Tipps, Informationen zur Teamarbeit und Strategien zur Krisenintervention. In den Fallbeispielen werden die Themen fehlendes Personal, Depression eines Teammitglieds, Kindeswohlgefährdung, Krisen durch Corona, Aufsichtspflichtverletzung, Mobbing, die Leitung zwischen Träger und Team sowie ökologische Herausforderungen behandelt.

Im vierten Kapitel „Veränderungen aktiv gestalten“, zeigt die Autorin auf, dass Veränderungen durch Krisen auch Entwicklungschancen beinhalten. In Übungen erfahren die Leser*Innen, was sie tun können, um in Krisen Chancen zu entdecken und Veränderungen aktiv zu gestalten.

In Kapitel fünf „Bruchstellen in Stärken verwandeln“ verbindet Anja Mannhard das Thema Krise mit dem Aspekt der Achtsamkeit als Haltung. Im weiteren Verlauf des Kapitels stellt sie die Methode Kintsugi vor und überträgt diese auf die Teamarbeit. Sie ermutigt damit, die Herausforderung der Krise anzunehmen „und das Wesentliche wie Wertvolle aus der (bisherigen) Zusammenarbeit (neu) zusammenzufügen“ (S. 94) und Veränderungen als Wachstumsprozesse zu gestalten.

Das sechste Kapitel „Sind Krisen wirklich unumgänglich? Gedanken über Krisenprävention“ hat Wolfgang Hein verfasst. Er beantwortet zunächst die Frage, ob wir uns präventiv auf Krisen vorbereiten können, oder ob wir diesen, wenn sie sich anbahnen, ausgeliefert sind. Im Anschluss empfiehlt er für ein aktives Risikomanagement, sich im Team mit verschiedenen Krisenszenarien auseinanderzusetzen und die Lösungen zu dokumentieren.

Im „Nachwort“ stellt die Autorin noch einmal heraus, dass Krisen Chancen sind, durch die ein Team stärker zusammenwächst.

Diskussion

In kompakter Form geben die Autoren theoretische Impulse und Praxishilfen zum Krisenmanagement. Sie legen offen dar, dass Krisen erst einmal unangenehm sind, verunsichern und es auch Zeit und Abstand braucht, um wieder klar denken zu können. Sie machen jedoch auch deutlich, welche Wachstumspotenziale und Entwicklungschancen in der erfolgreichen Krisenbewältigung stecken. Auch wenn diese Chancen zu Beginn einer Krise aufgrund unproduktiver Denkmuster erst einmal nicht wahrgenommen werden können. Anhand der Fallbeispiele bekommt der/die Leser*in mögliche Kriseninterventionsstrategien. Im Fallbeispiel der Kindeswohlgefährdung geht die Autorin nicht auf die bekannten Verfahrensweisen ein, sondern auf die emotionalen Auswirkungen der Teammitglieder. Die meines Erachtens in der Fachliteratur zu wenig beachtet werden. Mit den Übungen, Reflexionsfragen und Praxistipps ermutigen die Autoren die Leser*innen, sich selbst und das eigenen Handeln zu hinterfragen und sich im Team aktiv mit Veränderungen und Herausforderungen auseinanderzusetzen. Auch wenn es erst einmal seltsam anmutet, sich präventiv mit unterschiedlichen Krisenszenarien zu beschäftigen, wie es Wolfgang Hein vorschlägt, und Musterlösungen zu dokumentieren, kann dies doch zu einer gewissen Gelassenheit und Achtsamkeit im Umgang mit Krisen führen, wenn diese eintreten.

Fazit

Jeder von uns erlebt größere und kleinere Krisen, mal können wir gut damit umgehen, mal sind wir wie gelähmt. Die Autoren möchten mit diesem Buch Leitungen und Teams helfen, Krisen bereits im Vorfeld zu erkennen, diese anzunehmen, aktiv und konstruktiv mit Krisen umzugehen sowie die Chancen zu sehen, die in Krisen stecken. Alles in allem ist ihnen dies mit dem gut verständlich geschriebenen und praxisorientierten Buch durchaus gelungen.


Rezension von
Alexandra Großer
Diplom-Pädagogin, Erzieherin
Homepage www.impulsundbegleitung.de
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Zitiervorschlag
Alexandra Großer. Rezension vom 05.10.2021 zu: Anja Mannhard, Wolfgang Hein: Krisenmanagement in der Kita. Praxishilfen, Übungen und Fallbeispiele – von Experten aus der Praxis. Verlag an der Ruhr (Mülheim an der Ruhr) 2021. ISBN 978-3-8346-5284-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28723.php, Datum des Zugriffs 17.10.2021.


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