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Kinderfreunde in Oberösterreich, Institut für Kinderrecht u.a. (Hrsg.): Handbuch Methoden der Kinder- und Jugendarbeit

Cover Kinderfreunde in Oberösterreich, Institut für Kinderrecht, Karl-Heinz Braun, Konstanze Wetzel, Bernd Dodesberger,Andrea Fraundorfer (Hrsg.): Handbuch Methoden der Kinder- und Jugendarbeit. Studien zur pädagogischen Entwicklungsforschung und Qualitätssicherung. Lit Verlag (Berlin, Münster, Wien, Zürich, London) 2005. 637 Seiten. ISBN 978-3-8258-8521-2. 39,90 EUR.
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Thema

Kinder- und Jugendarbeit -  ein großes Feld mit vielen unterschiedlichen Themen. Das vorliegende Handbuch möchte durch die Diskussion der allgemeinen und speziellen Grundlagen der Kinder- und Jugendarbeit Wege aufzeigen, wie man von theoretischen Annahmen hin zum praktischen Handeln gelangen kann. 

Aufbau

Das Handbuch ist so aufgebaut, dass jedes Kapitel im Grunde für sich steht. Man ist somit nicht gezwungen, das gesamte Handbuch durchzulesen. Der Aufbau der einzelnen Kapitel sieht so aus, dass es zu jedem Themenbereich zunächst eine umfassende Einführung gibt. Daran folgen dann Texte, die weitergehende Fragestellungen bearbeiten und auch Möglichkeiten zur Diskussion bieten sowie aufzeigen, wie man von theoretischen Annahmen hin zu einer praktischen Arbeit kommt, da zu jedem Themenbereich sich mehrere (aktuelle) Projektbeispiele finden.

Kapitel 1: Allgemeine Grundlagen der Kinder- und Jugendarbeit

Dieses Kapitel besteht insgesamt aus drei Unterkapiteln.

  • In dem ersten Text von Karl-Heinz Braun und Konstanze Wetzel geht es dabei allgemein um die Thematik der Bildungsaufgaben der Kinder- und Jugendarbeit. Sie gehen dabei der Frage nach, ob die heutige Kinder- und Jugendarbeit überhaupt eine bildungstheoretische Begründung braucht. Diese Frage wird im Verlauf des Textes dann positiv beantwortet und begründet. Weitere Bereiche, auf die hier eingegangen wird, sind die Positionierung der Kinder- und Jugendarbeit in der Lernbiografie als Bedingungen (formelles, nicht-formelles, informelles Lernen) und Verlaufsformen (im Alltag mitlaufendes, latentes, etc. Lernen) des Lernens sowie einer möglichen Lernförderung in der Kinder- und Jugendarbeit. Aus diesen theoretischen Ansätzen leiten sie Forderungen für die Kinder- und Jugendarbeit ab. Diese beinhalten unter anderem mehr Selbstständigkeit und Gleichwertigkeit in den sozialen Beziehungen, Widersprüche der schulischen Leistungsforderung bewältigen lernen, eine allseitige und allgemeine Bildung für alle Bevölkerungsschichten (insbesondere der Kinder- und Jugendarbeit) zu schaffen und alle Kinder und Jugendlichen als Zielgruppe der außerschulischen Bildung und Erziehung zu sehen.
  • Den zweiten Beitrag zu diesem Thema liefert Peter Pantucek, der sich mit den Lebensweltbezogenen Methoden in der Kinder- und Jugendarbeit als Handlungsorientierung und Anleitung beschäftigt hat. Er definiert dabei die Lebenswelt als eine subjektive Topografie, indem er die Welt von einem personalen Zentrum aus gesehen und gedeutet wissen will. Übertragen auf die Kinder- und Jugendarbeit bedeutet dies, dass diese mehr Lebensweltorientierung sowie ein Konzept der Annähung an die Lebenswelt benötigt. Unter Alltag versteht er die alltägliche Lebensführung, bzw. die Bewältigung des Alltags. Hier fordert er von der Kinder- und Jugendarbeit, dass diese in ihren Konzepten den Kindern und Jugendlichen eine Alltagsorientierung bieten soll. Im Verlauf seines Aufsatzes zu diesem Thema geht Pantucek auf die verschiedenen Forderungen ein, die sich für ihn aus dieser Aufschlüsselung in Handlungsorientierung und Handlungsanleitung ergeben.
  • Das letzte Unterkapitel von Bernd Dobesberger beschäftigt sich mit dem politischen Kontext der Kinder- und Jugendarbeit. Diese stellt er am Beispiel der Kinderfreunde Österreichs dar. Ausgangspunkt ist die Gründung der Arbeiterfreunde durch Anton Afritsch 1908 in Graz. Es wird durch den geschichtlichen Abriss deutlich, wie sich die Kinderfreunde aus der  Selbstinitiative der Arbeiterkinder zu einer umfassenden Bewegung mit vielfältigen Aktivitäten entwickelt haben. Dobesberger stellt ausführlich die Werte und Ziele der Kinderfreunde sowie die sich daraus ergebenen Forderungen an Politik und Wirtschaft dar. Des Weiteren werden hier sehr genau das Menschenbild und die Struktur bzw. Aufgaben der Kinderfreunde dargestellt. Das Ehrenamt stellt sich als Grundpfeiler der Organisation dar. Die Organisation verfügt über viele verschiedene Einrichtungen in den unterschiedlichsten Bereichen (Krabbelstuben, Kinderkultureinrichtungen, Erziehungsberatungsstellen, etc.). Netzwerkarbeit hat eine herausragende Bedeutung.

Kapitel 2: Spielpädagogik

Dieses Kapitel besteht insgesamt aus drei Unterkapiteln.

  • Im ersten Kapitel des zweiten Teils, der von Konstanze Wetzel verfasst wurde, geht es um die speziellen Grundlagen der Lebenspraxis und der Spielpraxis. Sie weist dem Spiel dabei eine wichtige Entwicklungsfunktion und das Lernen fördernde Funktion zu. Im späteren Leben werden die Spielformen dann in modifizierter Form ins Erwachsenenleben integriert. Als entwicklungspädagogische Merkmale werden hier folgende beschrieben:
    1. Spiel als Teil der symbolischen Reproduktion der Lebenswelt.
    2. Spiel als spezifische Konstruktion von sozialer Lebenspraxis.
    3. Spiel als lustvolle Wiederholung und bewusstmachende psychisch-soziale Konfliktverarbeitung.

    Für die Spielentwicklung und ihre pädagogische Förderung sollten hier folgende Grundsätze gelten: die Entwicklung der Kinder- und Jugendlichen sollte beachtet werden; ihre Entwicklungs- und Lernpotentiale sollten genutzt werden; die Spielförderung sollte als komplexe Aufgabe realisiert werden und es sollte eine systematische Sensibilität für die Spielerfahrungen und Wünsche entwickelt werden. Dabei gibt es sechs Stufen der Spielgenese, die sich durchaus überschneiden können:

    1. sensomotorische Spiele,
    2. Symbolspiele,
    3. Parallelspiele,
    4. Rollenspiele,
    5. Regelspiele und
    6. Lernspiele.
  • Das Unterkapitel von Anna Kapfer-Weixelbaumer beschreibt am Beispiel des Lebensraums Kinderhaus die verschiedenen kreativen und sozialen Prozesse, die das Spielen mit sich bringt. Dabei veranschaulicht sie unter anderem, wie diese Spielräume beschaffen sein sollten und welche Bedeutung das Spiel auch dem symbolischen und motorischen Spiel bemessen wird.
  • Das Kapitel von Daniela Pruner bezieht sich auch das Spielen in verbandlichen und offenen Kontexten. Sie geht dabei unter anderem auf die Bedeutung von angeleitetem und nicht angeleitetem Spielen ein, zeigt die Altersstufen der Spielentwicklung auf und beschreib die Prinzipien und Themen des Spielens.

Kapitel 3: Erlebnispädagogik

Dieses Kapitel gliedert sich in sieben Unterkapitel.

  • Im ersten Kapitel stellt Karl-Heinz Braun die speziellen Grundlagen der Erlebnispädagogik dar. Er geht darauf ein, dass die Erlebnispädagogik eine relevante eigenständige Strömung innerhalb der internationalen Reformpädagogik mit einer Konzentration auf die formelle Bildung und außerschulische Kinder- und Jugendarbeit ist. Dabei stellt er unter anderem fest, dass in der Erlebnispädagogik Ereignis-, Erlebnis- und Erfahrungsbeziehungen explizit und implizit aus dem Alltag herausgehoben werden und dabei immer auf die einzelne Person selbst bezogen sind.
  • In dem Text von Robert Hömsten, Richard Krisch und Michael Wild geht es um das Thema Bewegung und Sport in der städtischen Jugendkultur. Sie beschreiben dabei zwei von den Kinderfreunden durchgeführte Projekte (dem Bau einer Mini-Ramp und die Verankerung von Streetplay) und die gemachten Erfahrungen damit.
  • Im dritten Unterkapitel von Franz Ryzner wird ebenfalls ein 2003 durchgeführtes Projekt beschrieben. Hier geht es um das Thema "Ohne Geld durchs Waldviertel", wo Jugendliche innerhalb eines Ferienprojektes ohne Geld 5 Tage lang Ferien gemacht haben und dabei ihre Verpflegung durch künstlerische Auftritte in verschiedenen Gemeinden gesichert haben.
  • Das vierte Unterkapitel von Gabriele Preißl und Hannes Zweimüller handelt vom Thema Ferienfreizeiten. Hier wird sehr anschaulich beschrieben, was die Kennzeichen dieser Kurzzeiteinrichtung sind und was eine Ferienfreizeit für psychische Prozesse in Gang setzen kann (bei Teilnehmern und Betreuern). Außerdem werden hier Regeln geboten, das Lernen vor pädagogischer und sozialer Überforderung und Überlastung zu schützen.
  • Der Text von Martin Krejcarek behandelt das Thema Erfahrungsraum Natur- und Umweltbildung in Verbindung mit Erlebnispädagogik. Dabei macht er deutlich, dass auch der Lernort Natur von großer pädagogischer Bedeutung sein kann.
  • Das Kapitel von Gerald Koller handelt von Risiko- und Rauschkompetenzen. Hier geht es darum, dass die Erlebnispädagogik auch einen sinnvollen Umgang mit dem Rausch (z.B. Rausch der Gefahr etc.) vermitteln kann. Grundlage hierbei ist das so genannte Risflecting.
  • Das letzte Kapitel zu diesem Thema beschäftigt sich mit dem Abenteuerspielplatz als ein en komplexen Erfahrungs- und Gestaltungsraum. Gerd Predhofer stellt hier dar, wie ein optimaler Abenteuerspielplatz aussehen kann, wie sich das Phänomen Abenteuerspiellatz entwickelt hat und was seine Ziele heute auf individueller, sozialer und kultureller Ebene sein sollen.

Kapitel 4: Gruppenpädagogik

Dieses Kapitel gliedert sich in vier Unterkapitel.

  • Zunächst werden wieder die speziellen Grundlagen, diesmal von Titus Simon, dargestellt. Er beschreibt hier anschaulich die Bedeutung und Funktion der offenen Jugendarbeit für die Arbeit mit verschiedenen Gruppen, geht u. a. auf das breite Spektrum sozialer Gruppenarbeit ein und gibt wichtige Hinweise für den Umgang mit Gruppen.
  • Andreas Posch beschreibt in seinem Kapitel die verbandliche Gruppenentwicklung. Dies bezieht er auf die Kinderfreunde. Er geht dabei u. a. davon aus, dass eine Kindergruppe für das Bestehen einer langfristigen Organisation wie den Kinderfreunden von Nöten ist, da Kinder so früh wie möglich an die Gruppenarbeit herangeführt werden sollen, um ihnen so recht früh ein Orientierungsangebot für ihre weiteren Hantlungen und Einstellungen (und dann auch späteren Handlungen) zu geben.
  • Der Beitrag von Petra Flieger berichtet über eine Freizeit mit Kindern mit und ohne Behinderung berichtet. Sie vermittelt dabei ihre Erfahrungen mit dieser Art von Gruppe und gibt Tipps und Ratschläge.
  • Im Abschlusskapitel geht es um eine von den Kinderfreunden durchgeführte Aktion.  Doris und Günter Streicher beschreiben hier, wie die Kinderfreunde versucht haben, sozialen Ausgrenzungsprozessen entgegen zu wirken und berichten in diesem Zusammenhang von ihrem Projekt.

Kapitel 5: Kulturarbeit

Dieses Kapitel gliedert sich in sechs Unterkapitel.

  • Auch hier werden wiederum zunächst die speziellen Grundlagen dieses Themas verdeutlicht.
  • Heinz Wagner geht der Frage nach, ob Kunst als Kultur wirklich nur brotlose Kunst oder vielleicht doch ein bisschen mehr ist. Er zeigt dabei, was die Beschäftigung  mit Kultur für soziale und psychische Prozesse auslösen kann und wie die Pädagogik sich den Bereich der Kunst für ihre Arbeit (als Unterstützung) zu Nutzen machen kann.
  • Im zweiten Kapitel beschreiben Iris Radler und Edgar Forster ein Kindergartenprojekt, welches in Salzburg durchgeführt wurde. Dieses Projekt hatte als Zielsetzung neue Wege in de Vermittlung von Kunst, Architektur und Bildung zu erkunden und dabei u. a. auf pädagogischer Ebene die schöpferische Erkundung an der eigenen Lebenswelt zu unterstützen.
  • Im Kapitel zum Thema Medienkompetenz zeigt Christiana Stieger, dass Medien von kommerziellen Interessen dominiert sind. Dies hat zur Folg, dass für viele Gruppen eine weitere Ausgrenzung stattfindet, weil sie u. U. nicht die Möglichkeit haben, die neuen Medien zu nutzen und dadurch ein Ausgrenzugsprozess stattfindet. Die Autorin beschreibt, wie man diesem Problem entgegenwirken kann.
  • Der Text von Andreas Baumgartner und Roland Schwandner nimmt Bezug auf die UN-Konvention zum Thema Rechte des Kindes. Dort heißt es, dass jedes Kind das Recht auf volle Beteiligung am kulturellen und künstlerischen Leben hat. Sie setzen sich hier mit der Thematik Theater für Kinder und mit ihnen auseinander. Sie zeigen, weshalb Theaterspielen oder die Teilhabe an einem kindergerechten Theaterstück für Kinder und Jugendliche wichtig sein kann.
  • Das letzte Kapitel zu dieser Thematik beschäftigt sich mit der so genannten Fest-Kultur. Gerald Keller stellt hier dar, was ein Fest bedeuten kann (Fest als Zustimmung zur Welt oder Fest als Widerspruch und Exzess), welche Wirkungen damit verbunden sein können und was eine bewusst gestaltete Festkultur alles bewirken bzw. verstärken kann.

Kapitel 6: Sozialraumaneignung

Dieses Kapitel gliedert sich in vier Unterkapitel.

  • Den Auftakt zu diesem Kapitel liefert wiederum ein Grundlagenkapitel. Richard Krisch beschäftigt sich hier mit den speziellen Grundlagen sozialräumlicher Perspektiven in Hinblick auf die Jugendarbeit. Er geht dabei davon aus, dass sich das Selbstverständnis und die pädagogische Ausrichtung der offenen Jugendarbeit verändert haben mit der Folge, dass die offene Jugendarbeit in diesem pädagogischen Konzept in ein unmittelbares Verhältnis zum sozialräumlichen Umfeld, dem Stadtteil und den Lebensräumen von Kindern und Jugendlichen gesetzt wird. Unter anderem beschreibt Krisch den Stellenwert der sozialräumlichen Aneignung und Methoden zur sozialräumlicher Jugendarbeit.
  • Daniela Pruner durchleuchtet für ihren Aufsatz "Junge Menschen erkunden und gestalten ihren Lebensraum" die neueren Debatten um die Modernisierung der Jugendarbeit, in denen auch der "Sozialraum-Ansatz" eine zentrale Rolle spielt. In diesem Rahmen berichtet sie von zwei Projekten, die von den Kinderfreunden zu diesem Thema durchgeführt worden sind.
  • Im dritten Unterkapitel zu diesem Thema gibt Richard Krisch Einblick in ein von den Jugendzentren der Stadt Wien durchgeführtes Projekt zur Berufsorientierung.
  • Im Abschlusskapitel zeigt Daniela Pruner, wie sich Kinder und Jugendliche an öffentlichen Entscheidungen beteiligen können. Sie belegt dabei die möglichen Stufen der Mitbestimmung und gibt Qualitätskriterien für eine partizipative pädagogische und politische Kinder- und Jugendarbeit.

Kapitel 7: Menschenrechtsbildung

Dieses Kapitel gliedert sich in fünf Unterkapitel.

  • Zunächst stellt Karl-Heinz Braun die Menschenrechte als Bedingung und Inhalt des politischen-kulturellem Lernens vor. Er sieht in der Menschenrechtsbildung eine zentrale Bildungsaufgabe der Kinder- und Jugendarbeit im Rahmen der Allgemeinbildung. Er verweist auf Problemfelder und Widersprüche, die mit diesem Thema verbunden sind.
  • Daniela Pruner stellt in ihrem Kapitel eine Untersuchung der Kinderfreunde vor, die im Rahmen eines Aktionstages die Wünsche und Forderungen zum Thema "Was soll sich für die Kinder und Jugendlichen und Österreich verbessern?" erhoben wurde. Ausgangspunkt für den Aktionsplan ist ein vom Österreichischen Bundesministerium für sozial Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz verfasster nationaler Aktionsplan.
  • Dagmar Hörmandinger-Chusin  beschreibt das Recht auf ein gewaltfreies Miteinander und soziale Gerechtigkeit als Arbeitsgrundlage der Kinderschutzzentren. Sie beschreibt dabei zunächst Arten von Gewalt, welche Auswirkungen sie für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen bedeuten können, aber auch, welche Schutzmechanismen dagegen entwickelt wurden. Des Weiteren stellt sie das so genannte Kinderschutzzentrum vor.
  • Daniela Pruner beschreibt am Beispiel der Kinderfreunde Internationale Begegnungen als ein politisch-kulturelles Lernfeld.  Sie beschäftigt sich dabei mit der internationalen Arbeit demokratischer Kinder- und Jugendorganisationen sowie deren Ziele. Des Weiteren stellt sie ein Projekt vor, das im Sommer 2004 als "peace camp" durchgeführt wurde.
  • Den Abschluss zu diesem Themengebiet führt Silke Schmidhumer. Sie beschreibt die Kinder und Jugendlichen in politischer Aktion bei einer so genanten Kindsparade, womit sich die Kinderfreunde für die Achtung und Durchsetzung der Kinderrechte einsetzten.

Kapitel 8: Geschlechtssensible Pädagogik

Dieses Kapitel gliedert sich in vier Unterkapitel.

  • Die Einführung zu diesem Themenbereich wurde von Edger Forster und Felicitas Thiel verfasst. Sie beschreiben dabei die kulturellen Konstrukte im Kontext einer zweigeschlechtlichen Ordnung und beschreiben ausgehend von dieser Entwicklung die Grundsätze, Probleme und Zielsetzungen von Mädchen- bzw. Jungenarbeit.
  • Iris Radler beschäftigt sich in ihrem Aufsatz mit den Dimensionen geschlechtssensibler Kleinkindpädagogik und skizziert ihre mögliche praktische Umsetzung. Ihr Ausgangspunkt ist dabei der, dass bereits Kleinkinder durch Prägung aus der Umwelt eine Vorstellung von ihrem Geschlecht und dem damit verbundenen Verhalten haben. Die Entwicklung des Kleinkindes ist jedoch eng an die schulische Entwicklung geknüpft. Für die spätere Entwicklung bedeutet dies, dass diese Vorstellungen im Auge behalten werden müssen, um eine Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen gewährleisten zu können.
  • Teresa Lugstein beschreibt die Vernetzung von Mädchen- und Burschenarbeit. Sie zeigt auf, warum Räume für Mädchen und Jungen wichtig sind, aber auch, warum gerade dabei die Vernetzung ein wichtiger Baustein ist. Sie gibt Anregungen, wie die Vernetzungsarbeit aussehen kann.
  • Gernot Rammer stellt eine Kampagne der Kinderfreunde mit dem Titel "Papa aktiv" vor, womit Vätern die Beteilung am Erziehungsprozess der Kinder ermöglicht werden soll.

Kapitel 9: Netzwerkarbeit

Dieses Kapitel gliedert sich in fünf Unterkapitel.

  • Die Speziellen Grundlagen, die Peter Pantucek hier vorstellt, beschäftigen sich unter anderem mit den verschiedenen Arten von Netzwerkarbeit sowie den Lebens- und Zugangschancen, die diese Art von Arbeit mit sich bringt.
  • Im zweiten Kapitel stellt Günther Lab Eltern-Kind-Zentren als soziale Ressource vor. Er beschreibt hier die Aufgaben, Ziele sowie Angebote der Zentren.
  • Gabriela Wall beschreibt die Vernetzung zwischen Basisgruppen, Handlungsfeldern und Institutionen. Danach stellen Vernetzung einen Versuch dar, die Isolation der einzelnen Basisgruppen, Handlungsfelder und Institutionen in der Kinder- und Jugendarbeit zu überwinden, ohne dabei die relative Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit einzuschränken oder zu gefährden. Ihre Darstellungen verdeutlicht sie am Beispiel der Kinderfreunde Mühlenviertel in Oberösterreich.
  • Manfred Forster gibt einen Einblick, wie die Öffnung der  Institutionen das Lebensumfeld der Kinder und Jugendlichen bereichern kann. Er beschreibt dabei als Problem, dass es derzeit vorwiegend Abgeschlossenheit statt soziale Offenheit gibt, und geht der Frage nach, wie eine Entwicklung im Hinblick auf eine offene Kinder- und Jugendarbeit aussehen kann und welche Ziele damit verbunden sind.
  • Das Abschlusskapitel hier stammt von Andrea Wahl. Sie beschreibt am Beispiel den Mühlenviertels in Oberösterreich, wie ein konstruktives und perspektivreiches Zusammenwirken von staatlichem und bürgerschaftlichen Handeln aussehen kann und sollte.

Kapitel 10: Sozialmanagement

Dieses Kapitel gliedert sich in drei Unterkapitel.

  • Das erste Kapitel zu diesem Themenbereich startet wiederum mit den speziellen Grundlagen. Cornelia Bader beschäftigt sich mit der Frage, was überhaupt Management und Sozial bedeutet und spannt dann den Bogen zur Erläuterung von Sozialmanagement
  • Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit Kinder- und Jugendverbänden als lernenden Organisationen. Bernd Dobesberger skizziert unter anderem die quantitativen Entwicklungen der Kinderfreunde von 1999-2004 sowie das organisatorische Selbstverständnis der Kinderfreunde und ihrer Ziele.
  • Den Abschluss bildet das Kapitel von Elke Wagner, in dem sie die Erfahrungen, Wünsche und Ziele ehren- und hauptamtlicher Mitarbeiter in einem Kinder- und Jugendverband darstellt.

Kapitel 11: Qualitätsmanagement

Dieses Kapitel gliedert sich in vier Unterkapitel.

  • Im Grundlagenkapitel, das von Karl-Heinz Braun, Bernd Dobesberger und Susanne Pollinger geschrieben wurde, geht es um die pädagogische Qualitätsentwicklung als kommunikativer Problemlösungsprozess. Vorgestellt werden hier unter anderem acht Grundsätze des Qualitätsmanagements sowie strukturelle Entwicklungsaufgaben der Kinder- und Jugendarbeit.
  • Erich Wahl beschreibt im zweiten Kapitel die Zielvereinbarung als Medium der Entwicklungsarbeit.
  • Im dritten Kapitel geht Iris Radler der Frage nach, welche Rolle das eigene Geschlecht für die Qualität der Arbeit hat und wie es erreicht werde kann, dass nicht eine Prägung einer Institution oder Gruppe  in die eine oder andere Richtung überwiegt. Hilfreich hierfür können Fortbildungen sein, die hier vorgestellt werden.
  • Das letzte Kapitel von Jürgen Einwanger beschäftigt sich mit der Zertifizierung nicht formaler Bildungsangebote. Es wird dargestellt, was für eine Bedeutung ein Zertifikat ha(haben kann), aber auch was getan werden muss, um eine Zertifizierung vom Standart her zu halten.

Diskussion

Die Texte in dem vorliegenden Handbuch sind relativ leicht verständlich geschrieben, so dass man sich schnell in das jeweilige Themengebiet einarbeiten kann.  Die Autoren kommen selbst aus der Praxis, was eine Übertragung auf die eigene Arbeit erleichtert und trotzdem Raum für eigene weiterführende Ideen lässt. Außerdem wird hier ein sehr interessanter Einblick in die Arbeit und Grundlagen des Vereins Kinderfreunde in Oberösterreich gegeben, was leider aus dem Titel nicht sofort hervorgeht. Auf der anderen Seite sind die vorgestellten Beispiele sehr interessant, die alle in der Praxis erprobt wurden und damit eine anschauliche Verbindung von Theorie und Praxis liefern.

Zielgruppen

Adressaten dieses Handbuches sind alle, die sich mit der Thematik Kinder- und Jugendarbeit näher beschäftigen möchten und neue Ideen für ihre Arbeit suchen. Wer außerdem die Kinderfreunde in Österreich näher kennen lernen möchte, findet in diesem Handbuch eine wertvolle Grundlage, da alle diskutierten Themen immer auf die Arbeit des Vereins bezogen werden. Generell bietet das Handbuch anschaulich einen Rundblick für alle die einen Einstieg in das Thema  offene Kinder- und Jugendarbeit suchen.

Fazit

Das Handbuch Methoden der Kinder- und Jugendarbeit bietet für den Leser einen umfassenden und anregenden Überblick.


Rezension von
Larissa Fath


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Zitiervorschlag
Larissa Fath. Rezension vom 31.01.2006 zu: Kinderfreunde in Oberösterreich, Institut für Kinderrecht, Karl-Heinz Braun, Konstanze Wetzel, Bernd Dodesberger,Andrea Fraundorfer (Hrsg.): Handbuch Methoden der Kinder- und Jugendarbeit. Studien zur pädagogischen Entwicklungsforschung und Qualitätssicherung. Lit Verlag (Berlin, Münster, Wien, Zürich, London) 2005. ISBN 978-3-8258-8521-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/2877.php, Datum des Zugriffs 22.04.2021.


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