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Helmut Hildebrandt, Rolf Stuppardt (Hrsg.): Zukunft Gesundheit

Rezensiert von Alisa Hemberger, Dr. Christian Heidl, 02.01.2023

Cover Helmut Hildebrandt, Rolf Stuppardt (Hrsg.): Zukunft Gesundheit ISBN 978-3-86216-845-3

Helmut Hildebrandt, Rolf Stuppardt (Hrsg.): Zukunft Gesundheit - regional, vernetzt, patientenorientiert. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2021. 563 Seiten. ISBN 978-3-86216-845-3. D: 69,99 EUR, A: 72,00 EUR.
Reihe: Gesundheitswesen in der Praxis.

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Herausgeber

Neben seiner Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender der OptiMedis AG befasst sich Dr. h. c. Helmut Hildebrandt insbesondere mit der Konzeption und Entwicklung regionaler Gesundheitssysteme sowie mit deren Umsetzung in deutschen, aber auch europäischen Regionen.

Rolf Stuppart ist Inhaber der Beratungsforma StuppardtPartner und zudem Herausgeber der unabhängigen Zeitschrift WELT DER KRANKENVERSICHERUNG.

Ergänzt wird der Herausgeberband von Beiträgen zahlreicher Autoren aus gesundheitsrelevanten Bereichen, wie beispielswiese der stationären und ambulanten Gesundheis- und Pflegeversorgung oder der Krankenkassen.

Zielgruppe

Dieser Herausgeberband richtet sich an Akteure, die im Bereich der Gesundheitspolitik tätig sind, aber auch an diejenigen, die als Verantwortliche im Gesundheitswesen mit wichtigen Entscheidungen konfrontiert werden. Zudem ist es auch für Studierende aus dem Gesundheitswesen bzw. -management interessant, da sie wertvolle Impulse für eine Neuausrichtung hin zu einer integrierten Versorgung gewinnen können.

Aufbau

Die Struktur des Bandes ist in drei (große) Abschnitte aufgeteilt. Der erste Abschnitt „Aufschlag“ befasst sich mit der Weiterentwicklung der Integrierten Versorgung mit einer anschließenden Diskussion seitens der Autoren. Im anschließenden zweiten Abschnitt „Repliken wie auch Ergänzungen“ kommen Akteure aus der Wissenschaft, der Politik und der Praxis zu Wort. Der letzte Abschnitt „Spezifische Positionierungen“ behandelt die Sichtweise der Akteure aus der Pflege, der ambulanten und stationären Versorgung, des Apothekenwesens und der Krankenkassen. Ebenso wird die Finanzierung und die Rolle der Digitalisierung thematisiert. Jedes einzelne Unterkapitel beginnt mit einem kurzen Abstract und schließt mit einem Verweis auf die darin zitierte Literatur.

Inhalt

In der Einleitung erarbeiten Autoren aus verschiedenen Gesundheitsbereichen einen konkret umsetzbaren Vorschlag für die Erzielung einer Gesundheitsversorgung, die nachhaltig, bedarfsgerecht, fair, integriert sowie in eine wachsende Zahl von Regionen eingebunden ist. Dabei werden verschiedene Aspekte, wie die Digitalisierung oder eine nachhaltige Finanzierung, beleuchtet und aktuelle Begebenheiten, wie die Vielfalt der Krankenkassen oder eine Detailregulation auf nationaler Ebene, berücksichtigt. Zudem werden Hemmnisse, Stolpersteine, aber auch Lösungsansätze für eine regionale, patientenorientierte und nachhaltige integrierte Versorgung aufgelistet. Des Weiteren wird ein Blick in andere Länder geworfen und darauf aufbauend mögliche Maßnahmen in Deutschland entwickelt. Am Ende der Einleitung wird ein Vorschlag für das oben genannte Ziel im Sinne innovativer Gesundheitsregionen inklusive vier Grundelemente entwickelt sowie kritische Faktoren beleuchtet.

Repliken und Ergänzungen

Der nächste Abschnitt gliedert sich in fünf Unterkapitel.

Unter „With a little help from my friends! Ausbau der Integrierten Versorgung – Rolle und Möglichkeiten von Gesundheitsregionen nutzen und stärken“ werden Gesundheitsregionen als Treiber für integrierte Versorgungsstrukturen mit den spezifischen Arbeitsfeldern Versorgung, Digitalisierung und Arbeit (i.S.v. Fachkräftesicherung) dargestellt. Voraussetzungen für funktionierende Gesundheitsregionen liegen in einer patientenorientierten, integrierten und digital gestützten Versorgungsstruktur.

Im zweiten Unterkapitel „Integrierte Versorgung X.0 – Wer küsst Dornröschen wach?“ werden integrierte Versorgungsmodelle in den USA, aber auch in Deutschland (z.B. Ärztenetze oder gesetzliche Unfallversicherung) benannt. Auch hier werden die Bedingungen für eine regelhafte integrierte Versorgung mit Hindernissen und Lösungsvorschlägen dargelegt. Zudem wird auf den zunehmenden Paradigmenwechsel von einer einrichtungsbezogenen Sichtweise zu einer Perspektive eines kooperativen Systems eingegangen.

Unter der Überschrift „Gesundheitskompetenz und Pandemie-Resilienz: Die Lehren aus der Corona-Pandemie: Öffentliches Gesundheitsmanagement und bürgerschaftliche Selbstorganisation ausbauen“ werden Reinventing Organizations und Reinventing Politics als systemische und politische Führungskulturen vorgestellt. Unter Berücksichtigung der Corona-Pandemie werden Lehren bzgl. der bürgerschaftlichen Selbstorganisation und des öffentlichen Gesundheitsmanagements gezogen.

„Regionale Versorgung in der Pädiatrie: Innovative Lösungsansätze am Beispiel Mecklenburg-Vorpommern“ befasst sich mit demografischen Entwicklungen sowie daraus resultierende Auswirkungen in der ambulanten und stationären Versorgung. Als Praxisbeispiel wird hier die pädiatrische Versorgungslage in ländlichen Gebieten Mecklenburg-Vorpommers genannt und möglichen Lösungsmöglichkeiten entwickelt. Zudem werden diesbezügliche innovative Versorgungskonzepte in der Pädiatrie, wie Tandempraxen und digitalen Konzepte, insbesondere in den Bereichen der Telemedizin, aufgezeigt.

Das Unterkapitel „Innovationstreiber Regionalisierung“ betrachtet unter einer historischen Gesichtsweise die Umsetzung und Implementierung von Innovation im deutschen Gesundheitswesen und zeigt Herausforderungen für zukünftige Entwicklungen auf. Zudem wird die Regionalisierung als Innovationstreiber dargestellt und ein Leitbild einer integrierten Regionalisierung für eine neue, agile Gesundheitskultur entwickelt.

Spezifische Positionierungen

A Krankenkassen

Der dritte Abschnitt stellt spezifische Positionierungen in den Fokus und beginnt dabei mit der Positionierung von Krankenkassen.

Im Kapitel „Kooperation und Integration – eine unendliche Geschichte“ werden Defizite im momentanen zergliederten Versorgungssystem mit Ansätzen zur Überwindung der Sektorengrenzen angegeben. Zudem werden Arten von vertraglich vereinbarten Versorgungsformen, verschiedene Modelle in der Versorgungswelt und Bausteine einer neuen Regelversorgung thematisiert.

In „Patientenversorgung – Gutes bewahren, Neues wagen“ wird aus Sicht einer Krankenkasse Erfahrungen aus bisherigen indikationsbezogenen Konzeptionierungen sowie die Implementierung bzgl. § 140a-Verträgen geschildert. Zudem erfolgt ein historischer Blick zurück bisherige Gesetzesinitiativen, eine Diskussion bzgl. wettbewerblicher Herausforderungen sowie die Bedeutung des Innovationsfonds. Ebenso wird der Zusammenhang zwischen Digitalisierung und Gesundheitskompetenz erklärt und die historische Entwicklung integrierter Versorgungsmodelle von einem reinen Marketinginstrument zur regionalen Versorgungsverbesserung aufgezeigt.

Möglichkeiten und Grenzen für sektorenintegrierende Versorgungsmodelle und die Auswirkungen spezieller Entwicklungen für eine zukünftige Versorgung mit Gesundheitsleistungen werden anschließend in „Versorgungsmodelle der Zukunft: Ambulant-stationäre Zentren in einer regional organisierten Versorgung“ thematisiert. Des Weiteren werden Implikationen für zukunftsfähige Versorgungsmodelle, wie Bündelung von Arztpraxen und Kliniken in ambulant-stationäre Zentren, gezogen und mittels SWOT-Analyse bzgl. einer regional organisierten Versorgung als zukunftsfähiges Versorgungsmodells weiterausgeführt. Eine weitere Grafik visualisiert zudem neue Wege der sektoralen Gliederung bzgl. einer regional organisierter Versorgung mittels ambulant-stationären Zentren sowie bzgl. überregional organisierte Regelversorgung mittels Klinik der Regel- und Maximalversorgung. Als weiterer Bestandteil wird durch das Unternehmenslebenszyklus / Lebenszykluskonzept auch die Marktteilnehmer thematisiert.

Erkenntnisse auf regionale Versorgungsprojekte aus Sicht der AOK Nordost stehen im nächsten Unterkapitel „Gesundheit ist ein lokales Produkt – mehr Regionalität wagen!“ im Vordergrund. Daniele Teichert (Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost) beantwortet dabei die Frage, ob eine nachhaltige Regelversorgung auf regionaler Ebene ein Widerspruch in sich ist. Dabei wird die aktuelle Versorgungsrealität im Gesundheitswesen aufgrund der sektoralen Trennung sowie das Innovationsprojekt der AOK Nordost „Strukturmigration im Mittelbereich Templin“ mit zentralen Lessons Learned erläutert.

B Interprofessionalität/Pflege/​Fachberufe

Das Unterkapitel „Community Health Nursing – Wege für eine Etablierung in Deutschland“ verortet zunächst das Community Health Nursing in Deutschland und zeigt Aufgaben und Tätigkeiten mit betroffenen Rechtsgebieten auf. Es wird deutlich, welche Voraussetzungen für praktische Perspektiven nötig sind und dass es neue Ansätze in Berufsrecht und Kommunalrecht (Landespflegegesetze) bedarf.

„Warum die Integrierte Versorgung in der Ausbildung beginnen sollte – und was damit erreicht werden kann: Vom Silolernen zum Labor für eine neue Versorgung“ erarbeitet ausgehend einer Ist-Analyse der Ausbildung in der momentanen Versorgung einen Reformvorschlag für eine nachhaltig integrierte Versorgung, welche das bisherige Silo-Denken aufbrechen soll. Dabei werden Ursachen für den bisherigen Status-Quo der bisherigen Ausbildung aufgezeigt sowie entsprechende Lösungsansätze, beispielsweise im Bereich des Staatsexamens.

Anschließend erfolgt im nächsten Unterkapitel „Integrierte Versorgung als regionale Regelversorgung und die Strukturreform PFLEGE und TEILHABE – Zwei Strategien mit kompatiblen Zielen und Bausteinen“ ein Perspektivwechsel. Es steht nun die Pflege im Vordergrund, die sich überwiegend auf den Sozialraum und die Subjektivierung konzentriert. Infolgedessen werden die Strukturreformen PFLEGE und TEILHABE jeweils mit Bausteinen erklärt und in Beziehung zum Konzept der Integrierten Versorgung als regionale Regelversorgung gestellt.

C Ambulante Zusammenschlüsse / Zentren / Apotheken

„Regionale Versorgung hat schon begonnen: Geschäfts-, Betriebs- und Organisationsmodelle der Versorgung in der Region“ betrachtet Geschäfts-, Betriebs- und Organisationsmodelle der Versorgung in der Region. Als Beispiele regionaler Betriebsmodelle werden das Case-Management und Lotsenprojekte, regionale Trägerschaften, Blended Care in der Region, ambulant-stationäre Versorgungsverbünde sowie regionale Präventionsangebot aufgelistet. Die regionale Versorgung wird zudem aus der Mikro-, Meso- und Makroebene mittels einer Tabelle visualisiert. Als Ansatz wird der Shaved-Savings-Ansatz vorgestellt, der ein aktives Management der Versorgung in einer Region mit korrespondierende Organisations- und Betriebsmodelle verbindet.

Anschließend werden im nächsten Unterkapitel „Patientenzentrierte regionale Versorgungskonzepte aufbauen: Relevante Ansätze, deren Potenzial und Herausforderungen“ Herausforderungen, Probleme und Lösungsansätze patientenzentrierter regionaler Versorgungskonzepte beleuchtet. Hierbei wird ein Werkzeugkasten für die Gestaltung einer patientenzentrierten Versorgung entwickelt, der als Instrumente unter anderem Fallmanagement, Digitalisierung, Vergütung, Organisation und MGT enthält. Zudem wird ein Ursachen-Wirkungs-Diagramm der zentralen Faktoren für eine sektorenübergreifenden Versorgung mittels Ishikawa-Diagramm aufgezeigt.

Unter Berücksichtigung der mangelnden qualitativ hochwertigen Versorgung chronisch kranker Menschen befasst sich das Unterkapitel „Sektorenübergreifende und interprofessionelle Versorgung – Verantwortungsanachronismus vs. Versorgungsanforderungen: Voraussetzungen für eine moderne Gesundheitsversorgung“ mit der Neuausrichtung hin zu einer verbesserten Versorgungslage. Es wird dargelegt, welche Zielvorgaben hierfür erreicht werden müssen, welche zuständigen Akteure im Gesundheitswese verantwortlich sind und wie sich Geschäftsmodelle ändern müssen.

Ein weiterer Perspektivenwechsel findet im Unterkapitel „Die Rolle der Apotheken in der integrierten, vernetzten und regionalen Versorgung: Fallbeispiel Corona-Krise“ statt. Unter Berücksichtigung der Corona-Krise werden die Funktionen der Versorgungsapotheken genannt, namentlich die Informations-/​Beratungs-/​Kommunikationsfunktion und die Präventionsfunktion bzgl. der Bereitstellung von Schnelltests sowie von Desinfektionsmitteln. Anschließend werden weitere Aufgaben außerhalb der Corona-Krise aufgezeigt und ein Ausblick auf die zukünftige Rolle der Versorgungsapotheken geworfen.

D Krankenhaus / Qualität

In „Vergütung von Krankenhausleistungen: Wie geht es weiter?“ werden zunächst die Auswirkungen des Status-quo in der Krankenhausfinanzierung beschrieben und diesbezüglich die Notwendigkeit einer höheren Systemeffizienz erläutert. Als eine Möglichkeit wird die Ausweitung des aktuellen DRG-Modells um ein regionales Vorhaltebudget sowie Capitation-Modelle in Regionen mit einer gefährdeten Versorgungssicherheit genannt. Dafür werden die Stärken und Schwächen des DRG-Systems am Beispiel der Geburtshilfe gegenübergestellt sowie Möglichkeiten zur Stärkung des Systems, z.B. durch die Nutzung modernder Technologie, vorgestellt.

Im Unterkapitel „Integrierte Versorgung: Zwischen gesellschaftlicher Selbstverständlichkeit und ordnungspolitischem Niemandsland“ wird gezeigt, dass eine nachhaltige integrierte Versorgung nur erreicht werden kann, indem der regulative Rahmen erweitert wird, bestehende Vergütungsanreize reformiert sowie neue zukunftsfähige Technologien verankert werden. Es wird auf die Versorgungsplanung zwischen lokaler Verantwortung und nationalem Wettbewerb sowie auf negative Auswirkungen des Vergütungssystems auf (Einzel-)Leistungsvergütungen eingegangen. Als Hemmnisse einer sektorenübergreifenden Versorgung wird der Datenschutz zwischen mehreren Leistungserbringern, aber auch Arbeitnehmerüberlassungen und Bestechung im Gesundheitswesen aufgelistet.

Das Thema der Bedeutung eines begleitenden Qualitätsmanagements in einer „Integrierten Versorgung 2.0“ wird anschließend thematisiert. Es wird aufgezeigt, dass eine Weiterentwicklung des Qualitätsmanagements nötig ist und welche Voraussetzungen hierfür notwendig sind. Zuvor wird der Status-Quo in Deutschland bzgl. aktueller Entwicklungen im Gesundheitswesen und ein Ausblick auf die Zukunft gezeigt. Anschließend werden kurz bereits bestehende Qualitätsmanagements-Module in Deutschland vorgestellt sowie die Schnittstellenparameter PREMs und PROMs. Aufbauend darauf wird ein sektorübergreifendes Indikatorenset entwickelt, welches die vier Bereiche Erfahrungen der Patienten/​Betreuer, Behandlungskoordination/​Patientensicherheit, Prävention/Früherkennung sowie Risikopopulation mit jeweils dazu passenden Indikatoren umfasst. Am Ende wird unter Berücksichtigung des Blicks ins Ausland nach Schweden, Spanien und USA geworfen, Lessons Learned für Deutschland erarbeitet.

E Digitalisierung

„Digitalisierung als Therapie für eine leistungsfähige und kundenorientierte Gesundheitsversorgung“ steht als weiterer Beitrag im Fokus. Es findet eine Reflexion der heutigen Versorgungssituation auch in Hinblick auf die Corona-Pandemie statt. Ein Status-Quo der Versorgungsstruktur in Deutschland zeigt dabei die vielen Stärken aber auch Schwächen, insbesondere im Bereich der Digitalisierung, auf. Aufbauend darauf werden die Vorteile der Digitalisierung für Leistungserbringer, Krankenversicherungen und Patienten, aber auch die Bremsen und Lösungsansätze aufgelistet. Zum Schluss wird die Entwicklung der digitalen Revolution besonders in drei Bereichen beschrieben, namentlich die Verbesserung der Versorgungsqualität und Minimierung der Qualitätsunterschiede, der Ausbau von Versorgungsnetzen und die Etablierung von Markenmedizin sowie drittens die Rolle neuer Player als Anbieter bzw. Vermittler von Gesundheitsleistungen.

Die Frage „Warum Patientenportale elementare Bausteine für den Aufbau regionaler Versorgungsnetzwerke sind“ wird anschließend beantwortet. Dafür wird, auch vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie, auf die Herausforderung für durchschnittliche deutsche Kliniken eingegangen. Patientenportale und die Vernetzung von Kliniken einer Region zu einem Klinikverbund können insbesondere die Versorgungslandschaft in ländlichen Gebieten verbessern. Am Ende wird kurz auf die Finanzierungsmöglichkeiten für die Erreichung dieser Ziele eingegangen.

„Eine Integrierte Versorgung als nachhaltige Regelversorgung auf regionaler Ebene: Eine juristische Sicht unter Digitalisierungsaspekten“ wird anschließend thematisiert. Hierfür werden die Vorteile der Digitalisierung im Gesundheitswesen, jedoch auch diesbezügliche juristische Besonderheiten aufgezeigt. Als entscheidender Faktor für eine Integrierte Versorgung ist die Integration und der Ausbau digitaler Medizin genannt und diesbezüglich Vorteile und Besonderheiten, z.B. beim Primärarztmodell oder bei Praxisnetzen, gezeigt.

F Finanzierung

„‚Weiße Anleihen‘ als alternative Finanzierung für den Strukturwandel im Gesundheitswesen: Strukturelle Finanzierungslücke auflösen“ wird zu Beginn der Finanzierungssichtweise erläutert. Der Wandel im Gesundheitswesen wird mit Hintergründen, Ursachen und Folgen erläutert und weiße Anleihen als Möglichkeit für eine Reduzierung der Unsicherheit bei der unklaren und wenig verlässlichen Finanzierung der Investitionskosten erläutert.

„Erfolgspotenziale durch ein optimiertes Versorgungsmanagement: Von der Prädiktion von Hochkostenpatienten zur Populationsorientierung“ steht als Nächstes im Vordergrund. Zunächst wird hierfür der Begriff des Hochkostenpatienten geklärt und diesbezügliche Implikationen für das Versorgungsmanagement aufgezeigt. Es folgenden aktuelle Studien zur Prädikation von Hochkostenpatienten sowie eine Übersicht über Vor- und Nachteile der Hochrisikopatienten- vs. Populationsstrategie. Als Beispiele werden das Versorgungsmanagement von Hochkostenpatienten bei Kaiser Permanente sowie das Gesundes Kinzigtal (Populationsmodell) genannt.

G Blick über die Grenzen

„Erfolgsfaktoren für integrierte Versorgungsorganisationen in den USA: Ansätze für eine populationsorientierte Versorgung in Deutschland“ werden thematisiert. Neben Erfolgsfaktoren und die Bedeutung der Organisationskultur werden auch Voraussetzungen für den Erfolg gezeigt. Hierbei stehen insbesondere die Erläuterung der Schlüsselfähigkeiten, i.S.v. Datenanalyse und Nutzbarmachung der Versorgungsdaten, Population-Health-Management, Change-Management sowie Patientenmanagement im Vordergrund.

Am Ende des Herausgeberbandes folgt ein Fazit der Herausgeber ausgehend der Frage „Was nun, was tun?“. Es wird unter anderem erneut auf die drei Kernaspekte einer nachhaltigen integrierten Versorgung, namentlich regionalisiert, vernetzt, patientenorientiert, eingegangen und die Konzeption einer erfolgreichen integrierten Versorgung erstellt. Zudem wird auf die herausragende Bedeutung der Akteure vor Ort als wichtiger Treiber eingegangen.

Diskussion

Das deutsche Gesundheitswesen zeichnet sich derzeit noch durch eine starke Fragmentierung und Segmentierung der einzelnen Sektoren aus. Dieser Zustand birgt aufgrund eines Kommunikationsverlustes oftmals Nachteile für die Behandlung der Patienten, wie bspw. Doppelbehandlungen oder einer zu erhöhten Medikationsvergabe. Vereinzelt sind bereits einige Projekte und erste Schritte in Richtung einer integrierten Versorgung festzustellen, jedoch noch keine flächendeckende Ausbreitung. Zudem sind insbesondere regionale Aspekte seitens der Politik meist unterentwickelt. Dieser Sammelband zeigt die Herausforderung bezüglich einer Ausweitung dieser Entwicklung, allerdings auch erste ermutigende Praxisbeispielen.

Fazit

Durch die zahlreichen Beiträge namhafter Akteure wird deutlich, wie eine regionale, integrierte und interprofessionelle Versorgung nachhaltig gelingen kann. Es erfolgt keine einseitige Sichtweise der einzelnen Akteure, stattdessen werden verschiedene Perspektiven auf das Patientenwohl, die Digitalisierung und die Finanzierung beleuchtet. Insbesondere der Aspekte der Regionalität ist dabei von besonderer Bedeutung. Für die Zukunft des Gesundheitswesens ist eine neue Regelversorgung nötig, die patientenorientiert und vernetzt ist. Wie dies gelingen kann, erhält der Leser dank zahlreicher Hinweise und Impulse. Das Abstract zu Beginn jedes Kapitels ist hilfreich, die wichtigsten Kerninformationen auf einen Blick rasch zu erfassen. Der Anteil an Graphiken oder Diagrammen ist sehr gering und hätte für eine bessere Übersichtlichkeit gerne ausgeweitet können. Der Preis in Höhe von ca. 70 Euro ist mehr als angemessen.

Rezension von
Alisa Hemberger
M. Sc. Gesundheitsförderung
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Dr. Christian Heidl
Diplom-Pflegewirt (FH), MSc Dozent und Wissenschaftlicher Mitarbeiter SRH Wilhelm Löhe Hochschule für angewandte Wissenschaften Fürth, Forschungsinstitut IDC
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Zitiervorschlag
Alisa Hemberger, Christian Heidl. Rezension vom 02.01.2023 zu: Helmut Hildebrandt, Rolf Stuppardt (Hrsg.): Zukunft Gesundheit - regional, vernetzt, patientenorientiert. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2021. ISBN 978-3-86216-845-3. Reihe: Gesundheitswesen in der Praxis. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28783.php, Datum des Zugriffs 29.05.2024.


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