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Angelika Prentner: Bewusstseinsverändernde Pflanzen von A - Z

Rezensiert von Prof. Dr. med. Klaus-Dietrich Stumpfe, 27.09.2005

Cover Angelika Prentner: Bewusstseinsverändernde Pflanzen von A - Z ISBN 978-3-211-23524-9

Angelika Prentner: Bewusstseinsverändernde Pflanzen von A - Z. Springer (Berlin) 2005. 270 Seiten. ISBN 978-3-211-23524-9. 29,80 EUR. CH: 51,00 sFr.
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Thema

In den letzten Jahrzehnten ist es klar geworden, wie im Gehirn die Funktionen der Nerven ablaufen. Weiterhin sind die psychopharmakologischen Medikamente entwickelt worden, mit denen es möglich ist, die Hirnfunktionen zu beeinflussen. Es ist zu wenig bekannt, dass viele Pflanzendrogen, die das Bewusstsein verändern, schon seit Jahrtausenden von den Heilern zu therapeutischen Zwecken eingesetzt worden sind. Diese Stoffe werden heute immer noch im Bereich der stoffgebundenen Abhängigkeiten konsumiert. In dem letzten Jahrzehnt werden derartige Substanzen auch wieder von der Medizin bei der Therapie benutzt, zum Beispiel Opium und Haschisch.

Autorin

Frau Dr. Prentner ist Pharmazeutin und hat sich längere Zeit in Südamerika aufgehalten. Dort hat sie den therapeutischen Einsatz derartiger Pflanzen bei indigen Heiler beobachtet. Das Buch ist aus einer Dissertation hervorgegangen.

Aufbau und Inhalt

Im ersten Teil werden auf fünfzehn Seiten die allgemeinen Grundlagen über die Einnahme und die Wirksamkeit der bewusstseinsverändernden Pflanzen dargestellt. Diese Pflanzen beeinflussen das Bewusstsein, in dem sie es entweder dämpfen, lähmen, eingrenzen oder anregen, stimulieren bzw. erweitern. Die Wirkungen werden in fünf Dimensionen aufgeteilt:

  1. Ozeanische Entgrenzung,
  2. Angstvolle Ich-Auflösung,
  3. Visionäre Umstrukturierung,
  4. Elementare halluzinatorische Phänomene und
  5. Wachheit- Vigilanz.

Die wichtigsten Fakten einer Sucht, der psychischen Abhängigkeit und der Toleranz werden anschliessend kurz beschrieben. Die einzelnen Themen werden kurz und knapp besprochen. Die Ausführungen können nur als eine stichwortartige Übersicht gewertet werden.

Der zweite Teil behandelt die einzelnen Pflanzen mit bewusstseinsverändernden Substanzen aus allen Erdteilen: 34 Kräuter, zwei Kakteen und drei Pilze. Die Pflanzen werden in den botanischen Merkmalen, dem Vorkommen, den Inhaltstoffen, der Verwendung und der Zubereitung aufgeführt. Ausführlich werden die körperlichern Wirkungen, der Einsatz in der Volksmedizin und manchmal auch die Symptome einer Überdosierung und durchzuführende Erste-Hilfe-Maßnahmen beschrieben. Die psychotropen Pilze sind der Peyote- und San-Pedro-Kaktus. Die Zauberpilze erfassen den Fliegenpilz, das Mutterkorn und den Teonanacatl. Auf acht Seiten finden sich bunte Abbildungen einiger Pflanzen.

Im Teil III als Anhang wird auf drei Seiten über die Aufklärung und Behandlung von psychischen Erkrankungen und die Dimensionen von Drogen-induzierten veränderten Bewußtseinszuständen diskutiert. Diese Zustände, die oben schon angeführt sind, beziehen sich überwiegend auf die Wirkungen von halluzinatorischen Substanzen. Sehr interessant ist das Gespräch mit einem südamerikanischen Schamanen über die Wirkungen und den Einsatz dieser Substanzen. Er kritisiert den Drang der Naturwissenschaft, alles zu erklären. Die Menschen wollen die Wirkung der Pflanzen untersuchen und erkennen dabei nicht die wirkliche Bedeutung und Botschaft der Pflanzen. "Wenn man nicht versucht, sie zu untersuchen und zu erklären, nutzt man die Pflanzen nur, ohne einen Grund dafür zu haben. Die Pflanze hat dabei die Kontrolle. Und man lässt es zu, dass die Pflanze die Kontrolle hatÉ Man kann die wahre Bedeutung nicht sehen, weil man nur versucht, zu verstehen. Denn wenn man die Pflanze, und das gilt für alle Pflanzen, in dieser Weise zu sich nimmt, verliert man die Momente, die Gefühle für die Dinge, die passieren, weil man darüber nachdenkt, wie und warum das passieren kann und nach Erklärungen sucht." Er schildert weiterhin seine eigenen Erfahrungen bzw. Erlebnisse mit den Drogen. Auf die Frage, wie gefährlich die Pflanzen seien, lacht er und sagt: "Jeder kann diese Pflanzen zu sich nehmen. Wichtig ist dabei nur, warum man sie nehmen möchte. Von der Einstellung zur Pflanze und den eigenen Beweggründen hängt die Wirkung ab ... Lässt man die Pflanze Lehrer sein oder möchte man selbst kontrollieren. Es gibt viele verschiedene Gründe, diese Pflanzen einzunehmen und daher auch viele verschiedene Resultate."

Das Literaturverzeichnis enthält 60 überwiegend deutsch-, aber auch englisch- und spanischsprachige Bücher zu dem Thema.

Diskussion

Die Beschreibungen der Pflanzen sind unterschiedlich lang, teilweise nur stichwortartig. Sie informieren als Basiswissen über die wichtigsten Wirkungen. Die am weitesten verbreitete Suchtpflanze Tabak bzw. die bewusstseinsverändernde Substanz Nikotin wird nicht besprochen. Insgesamt wird deutlich, dass diese Pflanzen seit Urzeiten von den Heilern in aller Welt bei Krankheiten zur Heilung eingesetzt wurden. Die volksmedizinischen Anwendungen werden ausführlich beschrieben.

Die Darstellungen der durch die Drogen hervorgerufenen Veränderungen des Bewusstseins werden zu kurz und unvollständig beschrieben, zumal heutzutage durch die neurobiologische Forschung viele Faktoren der Wirkung der Drogen schon bekannt sind. Die beschriebene Symptomatik beschränkt sich auf die Wirkungen von halluzinatorischen Substanzen. Eine ausführliche Darstellung der Veränderungen des Bewusstseins wäre nützlich gewesen.??

Zielgruppe

Das Buch ist allen Personen zu empfehlen, die sich für die Wirkungen der Suchtstoffe und deren therapeutischen Qualitäten interessieren. Für die Suchtberater und Drogenpolitiker dürfte es als Nachschlagewerk zur ersten Information sehr nützlich sein. Da die körperlichen Wirkungen bei Krankheiten ausführlich beschrieben werden, ist es auch als Information für "Kräuterheiler" wichtig. Für weitere Informationen sei auf die umfassende "Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen" von Christian Rätsch (At-Verlag, Aarau) verwiesen.

Rezension von
Prof. Dr. med. Klaus-Dietrich Stumpfe
Arzt für Psychiatrie
Fachhochschule Düsseldorf, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften, Lehrgebiet: Sozialmedizin und Sozialpsychiatrie

Es gibt 21 Rezensionen von Klaus-Dietrich Stumpfe.

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Zitiervorschlag
Klaus-Dietrich Stumpfe. Rezension vom 27.09.2005 zu: Angelika Prentner: Bewusstseinsverändernde Pflanzen von A - Z. Springer (Berlin) 2005. ISBN 978-3-211-23524-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/2879.php, Datum des Zugriffs 17.08.2022.


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