Suche nach Titel, AutorIn, RezensentIn, Verlag, ISBN/EAN, Schlagwort
socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Uwe Bettig, Mona Frommelt u.a. (Hrsg.): Digitalisierung in der Pflege

Rezensiert von Alisa Hemberger, 11.02.2022

Cover Uwe Bettig, Mona Frommelt u.a. (Hrsg.): Digitalisierung in der Pflege ISBN 978-3-86216-826-2

Uwe Bettig, Mona Frommelt, Helene Maucher, Roland Schmidt, Günter Thiele (Hrsg.): Digitalisierung in der Pflege. Auswahl und Einsatz innovativer Pflegetechnologien in der geriatrischen Praxis. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2021. 156 Seiten. ISBN 978-3-86216-826-2. D: 44,99 EUR, A: 46,30 EUR.
Reihe: Gesundheitswesen in der Praxis
Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.

Kaufen beim socialnet Buchversand

Herausgeber*innen

  • Prof. Dr. Bettig arbeitet seit 2007 als Professor für Betriebswirtschaft und Management gesundheitlicher und sozialer Einrichtungen an der Alice Salomon Hochschule Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind unter anderem die Existenzgründung, das Personalmanagement und neue Versorgungsformen im Gesundheitswesen.
  • Frau Frommel wirkt neben ihrer Tätigkeit als geschäftsführende Direktorin der Hans-Weinberger-Akademie an Forschungsprojekten im Pflegebereich mit.
  • Frau Maucher übernimmt seit 2020 die Leitung der Unternehmensstrategie Pflege der Sana Klinik AG und ist zudem seit 2013 die Pflegedirektorin der Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm GmbH.
  • Herr Schmidt lehrt seit 2003 als Professor an der Fakultät Sozialwesen der Fachholschule Erfurt mit dem Lehrgebiet Gerontologie und Versorgungsstrukturen und ist des Weiteren Mitglied der Bundeskonferenz zur Qualitätssicherung im Gesundheits- und Pflegewesen.
  • Herr Thiele ist seit 2018 als Professor für Non-Profit-Management an der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften Berlin tätig. Dabei fokussieren sich seine Schwerpunkte auf dem Arbeitsmarkt Pflege, die Sozial- und Pflegeökonomie sowie die Pflegewirtschaftslehre.

Zielgruppe

Dieses Buch spricht zunächst Akteure aus dem stationären und dem ambulanten gerontologischen Sektor an, die eine offene Einstellung gegenüber dem Einsatz von Pflegetechnologien besitzen. Diese erhalten durch das Vorstellen pflegebezogener Assistenzsysteme Ansätze, wie sich der Pflegealltag für diese, aber auch für ihre zu Pflegenden leichter gestaltet werden kann. Außerdem liefert das Buch Impulse für Forschende im Bereich gerontologischer Technologien, da bereits existierende Ansätze inklusive möglicher Hürden und Lösungsmöglichkeiten vorgestellt werden.

Aufbau

Dieses Buch enthält acht Kapitel, wobei jedes mit einem Abstract beginnt und mit einem Literaturverzeichnis endet. Ebenfalls werden zu Beginn die wichtigsten Schlagworte mit dem Hinweis auf die entsprechende Seitenzahl im Kapitel aufzeigt.

Vorwort

  1. Das PPZ Berlin als Teil des Clusters „Zukunft der Pflege“
  2. FreTiP- Ein Instrument für (ethische) Reflexionsprozesse
  3. Anforderungen an eine elektronische Pflegekurve bei Einsatz intelligenter Technologien in der geriatrischen Pflege
  4. Auswahl und Einführung von Pflegetechnologien in Einrichtungen der Pflegepraxis
  5. Innovative Technologien in der Pflege
  6. Prozessdarstellung als Grundlage für die gesundheitsökonomische Betrachtung
  7. Zukunft der Pflege schon heute beginnen
  8. Digitales Patientenportal

Stichwortverzeichnis

Herausgeber- und Autorenverzeichnis

Inhalt

Im ersten Kapitel wird zunächst das Verbundprojekt der Pflegepraxiszentren, welches vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, sowie dessen Ziele vorgestellt. Ein Schwerpunkt liegt hierbei auf das Pflegepraxiszentrum Berlin.

Das darauffolgende zweite Kapitel stellt FreTip, ein Instrument für (ethische) Reflexionsprozesse, als zunächst vorläufige Version unter anderem mit seiner Konzeption, seinen Zielen, ethisch relevante Dimensionen und einem Ausblick vor. So sollten beispielsweise ethische Aspekte immer im Zusammenhang mit den Rahmenbedingungen und dem Alltag der Pflegenden und der zu Pflegenden betrachtet werden. Als Ziele stehen die Anregung und die Unterstützung von Reflexionsprozessen bei der Anwendung von digitalen Pflegeinnovationstechnologien in der Praxis und die Berücksichtigung der Perspektiven der Pflegenden und zu Pflegenden im Vordergrund. Die Flexibilität wird beispielsweise durch den Einsatz von Fragen, statt einer starren Checkliste gewährleistet und die Niedrigschwelligkeit durch die Integration von Alltagserfahrungen in der Pflege in ethische Dimensionen erzielt. Diese umfassen die Selbstbestimmung, Selbstständigkeit und Privatheit.

Im Mittelpunkt des dritten Kapitels steht die Dokumentation in der Pflege – mit besonderem Hinblick auf die Überführung der Pflegekurven in digitale Lösungen – im Fokus. Vorgestellt wird ein Anforderungskatalog an eine elektronische Pflegekurve, als dessen Basis eine qualitative Studie mittels leitfadengestützten teilstrukturierten Interviews sowie eine Literaturanalyse diente. Insgesamt konnten acht Anforderungen festgehalten werden, die sich auf sicherheitsbezogene und allgemeine technische Anforderungen, die Arbeitsorganisation, Pflegeprozesse, die Datenverarbeitung, das Recht und Richtlinien, die Interprofessionalität, Kommunikation mit Dritten und Wirtschaftlichkeit beziehen. Dargestellt wird dieser Katalog als Tabelle mit Oberpunkten, wie z.B. Anforderungen für Pflegeprozesse, und dazu passenden Unterpunkten, z.B. der sofortige Zugriff auf hinterlegte Assessments. Zudem werden auch Herausforderungen und Hürden dargestellt, wie die Finanzierbarkeit der Pflegeinnovationstechnologie (PIT), fehlende technische Schnittstellen oder Datenschutzbestimmungen in Deutschland.

Die Auswahl und Einführung von Pflegetechnologien in akut- und langzeitstationären Einrichtungen der pflegerischen Versorgung stellen eine kritische Phase dar. Denn die Art der Umsetzung entscheidet über das Scheitern oder den Erfolg bei der Nutzung von Pflegetechnologien. Im vierten Kapitel werden daher drei Perspektiven in Hinblick auf die Einführung von Pflegetechnologien beleuchtet. Es handelt sich dabei um die Sicht professionell Pflegender, der Einrichtung sowie der angebotsseitigen Marktbetrachtung. Neben Erfolgsfaktoren und Hemmnissen werden auch Lösungsstrategien aufgezeigt. Es zeigt sich, dass die Übereinstimmung zwischen Nutzenversprechen und der Nutzenerwartung sowie die Akzeptanz für professionell Pflegende entscheidende Faktoren sind. Führt eine neue Technologie trotz scheinbarer Arbeitserleichterung zu einem Mehraufwand für die Mitarbeiter, so wird diese nur kurzzeitig genutzt. Daher muss die Einrichtung für einen erfolgreichen Auswahl- und Einführungsprozess zunächst eine Bedarfserfassung und zugehörige Produktauswahl treffen. Die damit getroffene Vorentscheidung muss allerdings durch die Mitarbeiter partizipiert werden, bevor die Technologie tatsächlich nachhaltig und dauerhaft genutzt werden kann. Am Ende des Kapitels folgen kurze Handlungsempfehlungen für eine erfolgreiche Implementierung, wie beispielsweise die Förderung der Technikkompetenz oder die Evaluation der Pflegetechnologien.

Innovationstechnologien im Rahmen der Harninkontinenz stehen im fünften Kapitel im Vordergrund. Dabei werden Systeme und Funktionsweise vor der Miktion (Harnausscheidung), als auch nach der Miktion vorgestellt. Als Pflegeinnovationstechnologien vor der Miktion werden der SENS-U Blasensensor für Kinder von 6 bis 12 Jahren sowie DFree aus Japan für Erwachsene beschrieben. Als Technologien nach der Miktion werden das Wear&Care-System, Texible Wisibi, der MediSens-Sensor sowie AssistMe, als Start-up eines digitalen Assistenzsystems für Pflegeheime, erläutert. Anschließend geht das Kapitel auf die Machbarkeitsstudien ein, in der zunächst die Kriterien einer Technikauswahl erhoben werden, wie zum Beispiel die Verfügbarkeit oder eine hohe Usability. Danach werden die Durchführung und die Ergebnisse von DFree in der klinisch geriatrischen Versorgung, DFree personal in der ambulanten Versorgung und Wear&Care im Pflegewohnheim geschildert. Im Fokus der jeweiligen Studien steht sowohl die Machbarkeit der technischen Umsetzung des Technologieeinsatzes, als auch die Akzeptanz der PIT durch die Studienteilnehmer.

Durch die Einführung neuer Technologien verändern sich die Pflegeprozesse. Das sechste Kapitel befasst sich infolgedessen mit dem Prozessbegriff, der Prozessdarstellung, der Methodik sowie der Hypothesenbildung. In diesem Zusammenhang wird auch auf die Unterscheidung einer deduktiven Forschung von Haupt- und Teilprozessen im Sinne einer Literaturrecherche und einer induktiven Vorgehensweise mittels individueller Betrachtung eingegangen. Als Kernprozesse dieses Kapitels werden Dekubitusprophylaxe, Vitalzeichenkontrolle, Blutzuckermanagement, Sturzprophylaxe, Förderung der Harnkontinenz und Wandering-/​Lauftendenzmanagement dargelegt und jeweils als Prozess visualisiert.

Im vorletzten siebten Kapitel werden Geschäftsmodelle bezüglich der Finanzierung von Pflegeinnovationstechnologien in der Praxis erläutert. Dafür wird zunächst kurz der Begriff Pflegeinnovationstechnologie definiert, bevor auf diesbezügliche Herausforderungen in der geriatrischen Pflege hingewiesen wird. Dabei wird der Markt nach unterschiedlichen Versorgungsformen, wie die vollstationäre Langzeitpflege, Betreutes Wohnen, Seniorenwohngemeinschaften und Häuslichkeit aufgeteilt. Zudem wird kurz auf die Methodik der Geschäftsmodelle hinsichtlich acht Aspekte eingegangen, die beispielsweise Schlüsselressourcen oder Kundenbeziehungen umfassen. Nachdem im ambulanten Bereich bisher kein etabliertes Geschäftsmodell, jedoch einige Pilotprojekte existieren, wird das Projekt des Pflege@Quartiers der GESOBAU AG in Berlin sowie ALADIEN für Zuhause der Evangelischen Heimstiftung GmbH vorgestellt. Die Geschäftsmodelle im stationären Sektor können sich entweder direkt an die Entlastung der Pflegenden, als auch der zu Pflegenden wenden und im Sektor des Service-Wohnens wird kurz auf das Modell der AAL-Systeme erläutert. Als Letztes Projekt wird die Smart Nursing Alliance der NursIT GmbH beschrieben, die zu einer Entlastung der Pflegenden sowie für eine erhöhte Sicherheit für diese sowie die zu Pflegenden sorgt.

Das letzte Kapitel gibt zunächst eine kurze Einführung in das Krankenhauszukunftsgesetz. Anschließend erfolgt eine Darstellung der Einrichtung des Qualitätsmanagements unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Schnittstellen und der Notwendigkeit eines strukturierten Einwilligungsmanagements. Als Letztes Teilkapitel wird die Verfügbarkeit und Plugin-Funktionen sowie die Serverstruktur vorgestellt. So beziehen sich die technischen Voraussetzungen auf die Verfügbarkeit und die Server-Architektur und weitere Voraussetzungen sind ein Datenbanksystem, eine Software-Architektur und eine IT-Sicherheit. Zudem werden Chancen und Nutzen für Anwender aufgezeigt.

Diskussion

Durch die fortschreitende Technologisierung und Digitalisierung gewinnen auch digitale Lösungen im Pflegebereich zunehmend an Bedeutung. Insbesondere Krankheitsbilder, wie Diabetes, Demenz oder Kontinenz, die eine hohe Anzahl an Pflegeprozess-Schritten benötigen, profitieren von dieser Entwicklung. Ein wichtiger Schritt bei der Entwicklung ist es jedoch, die Sichtweise der Pflegenden und zu Pflegenden einzubeziehen sowie auch die technischen Voraussetzungen zu überprüfen. Wird dies unterlassen, so besteht die Gefahr, dass Technologien trotz objektivem Nutzen bei den Betroffenen keine Anwendung finden.

Fazit

Das Buch bietet einen gelungenen Einblick in digitale Lösungsmöglichkeiten der Krankheitsbilder Demenz, Dekubitus, Kontinenz, Mobilität und Diabetes. Dabei werden nicht nur die Forschungs- und Entwicklungsgeschichte vorgestellt, sondern auch konkrete Technologien vorgestellt. Durch die Verwendung von Abbildungen, Grafiken und Tabellen werden diese visuell gut aufbereitet. Forschende können somit Impulse bezogene auf ihre eigene Forschung und die Entwicklung neuer Produkte erhalten. Pflegende beziehungsweise zu Pflegende können Pflegeinnovationstechnologien für eine Erleichterung des Alltags und eine erhöhte Sicherheit nutzen. Es bleibt festzuhalten, dass das PPZ ein sinnvolles Projekt darstellt, da durch dieses (innovative) digitale Lösungen im Pflegebereich gefördert werden können. Trotz der zahlreichen Inputs verschiedener Autor*innen, ist der Preis etwas zu hoch.

Rezension von
Alisa Hemberger
M. Sc. Gesundheitsförderung
Mailformular

Es gibt 12 Rezensionen von Alisa Hemberger.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Alisa Hemberger. Rezension vom 11.02.2022 zu: Uwe Bettig, Mona Frommelt, Helene Maucher, Roland Schmidt, Günter Thiele (Hrsg.): Digitalisierung in der Pflege. Auswahl und Einsatz innovativer Pflegetechnologien in der geriatrischen Praxis. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2021. ISBN 978-3-86216-826-2. Reihe: Gesundheitswesen in der Praxis. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28797.php, Datum des Zugriffs 20.05.2022.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht