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Karsten Münch (Hrsg.): Einklang und Vielstimmigkeit

Cover Karsten Münch (Hrsg.): Einklang und Vielstimmigkeit. Internationale Psychoanalyse Band 15. Psychosozial-Verlag (Gießen) 2020. 322 Seiten. ISBN 978-3-8379-2985-0. D: 27,90 EUR, A: 28,70 EUR.

Reihe: Ausgewählte Beiträge aus dem "International journal of psychoanalysis" - Band 15.
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Thema

Gegenwärtige Fragen der Psychoanalyse, u.a. die Bedeutung des Ödipuskomplexes angesichts veränderter Familienkonstellationen.

Herausgeber und Autoren

  • Karsten Münch (Hg.) ist Dr. der Medizin und Diplompsychologe und als Psychoanalytiker (DPV/IPA, DGPT) und Facharzt für Innere Medizin und Psychosomatik in eigener Praxis tätig. Interessenschwerpunkte sind Psychosomatik und Konzeptualisierungen von Angst und Scham.
  • Ruggero Levy ist Psychoanalytiker und Professor für Kinder-, Jugendlichen- und Erwachsenenpsychotherapie in Porto Alegre (Brasilien).
  • Thomas H. Ogden ist Psychoanalytiker und Supervisor des Psychoanalytic Institute of Northern California.
  • Giuseppe Civitarese, MD, PhD, IPA ist Lehr- und Kontrollanalytiker der italienischen psychoanalytischen Gesellschaft (SPI).
  • Francis Grier ist Lehranalytiker und Supervisor der britischen psychoanalytischen Vereinigung.
  • Bruce Fink ist lacanianischer Psychoanalytiker und Kontrollanalytiker in Frankreich.
  • Sara Flanders ist Supervisorin und Lehranalytikerin der britischen psychoanalytischen Gesellschaft.
  • Kenichino Okano ist Lehr- und Kontrollanalytiker am psychoanalytischen Institut in Tokyo und Professor für klinische Psychologie an der International University of Health and Welfare in Tokyo.
  • Vittorio Lingiardi ist Psychiater und Psychoanalytiker und Professor für dynamische Psychologie an der Sapienza Universität in Rom, Nicola Carone ist Psychoanalytiker und Assistenzprofessor für Entwicklungspsychologie an der Universität Pavia/​Italien.
  • David Tuckett ist Lehranalytiker der British Psychoanalytic Society und leitet das Centre for the Study of Decision-Making Uncertainty am University College in London.
  • Haydée Faimberg ist Lehranalytikerin und Supervisorin der Pariser psychoanalytischen Gesellschaft und der argentinischen psychoanalytischen Vereinigung, und Donald Campbell ist Lehranalytiker der britischen psychoanalytischen Gesellschaft.

Übersetzer

  • Isolde Böhme ist Psychoanalytikerin (DPV/IPA, DGPT) und Gruppenanalytikerin.
  • Irene Bozetti ist Diplompsychologin und Psychoanalytikerin (DPG, IPV,DGPT).
  • Harald Kamm ist Dr. rer. biol. Hum., Diplompsychologe und Psychoanalytiker.
  • Anna-Katrin Oesterle-Stephan ist Diplompsychologin und niedergelassene Psychoanalytikerin (DPV/IPA/DGPT). und Lehranalytikerin für Kinder- und Jugendlichen Psychotherapie.
  • Thomas Reitter ist Facharzt für psychotherapeutische Medizin und Psychoanalytiker (DGP, IPA, DGPT) und Gruppenanalytiker.
  • Richard Rink ist Psychologe und Ausbildungskandidat der DPV.
  • Stefanie Sedlacek, Dr. Phil, Dipl.-Psychologin, und Psychoanalytikerin (DGP, DGPT, IPA), M.A. der New Yorker University.
  • Timo Storck, Dipl.-Psychologe und Professor für klinische Psychologie und Psychotherapie.
  • Gudrun Wolber ist Dipl.-Psych. Und Psychoanalytikerin (DGP/IPA, DGPT).

Entstehungshintergrund

Nachdenken über gegenwärtige Fragen der Psychoanalyse.

Aufbau

Nach einen Vorwort von Georg Bruns, einer Einleitung von Karsten Münch und einem Überblick ‚100 Jahre International Journal of Psychoanalysis‘ von Dana Birksted-Breen folgen zwei große Abschnitte mit den Themen I Vielstimmigkeit und II Klassische Konzepte in neuen Kontexten.

Das Buch schließt mit einem Nachruf auf Anne-Marie Sandler, einem Anhang, Informationen über den Herausgeberbeirat und einem Sachregister.

Inhalt

Georg Bruns weist im Vorwort (5 Seiten) auf die Spannbreite der inhaltlichen Ausrichtung hin, die sich in der Themenvielfalt zeigt, die die wichtigsten Strömungen aufweist. Karsten Münch erläutert in der Einleitung (13 Seiten), dass es sich um 11 Artikel aus dem International Journal of Psychoanalysis handelt, die 2018/19 veröffentlicht wurden und einen Eindruck von der Vielfalt psychoanalytischer Denkrichtungen und Arbeitsweisen geben.

Dana Birksted-Been beschäftig sich mit dem Thema ‚100 Jahre International Journal of Psychoanalysis‘ (9 Seiten) mit vielen interessanten Zitaten und Literaturhinweisen.

I Vielstimmigkeit

Ruggero Levy: Die Polyfonie der Psychoanalyse heute. Die vielfältigen Sprachen des Menschen. (24 Seiten) – Übersetzer Irene Bozetti

Manche Analysen enden dort, wo andere beginnen, mit dem Erwerb einer Sprache, die die Suche nach Erregung durch die Suche nach dem Objekt ersetzt (Fallanalyse). Nach einem Exkurs über den Symbolbegriff in der Philosophie und Psychoanalyse beschäftigt sich Levy als Analytiker damit, dass das analytische Paar an Grenzen stößt, wenn Patienten keine Mentalisierungsfähigkeit ausgebildet haben und die nicht symbolisierten Gefühle nur konkret ausdrücken können. Er erwähnt die ‚Polyfonie der Sprachen‘ (Musik, Poesie, Theater). Die negative Fähigkeit des Analytikers, das Nichtverstehen auszuhalten und nach einer gemeinsamen (bilderreichen) ästhetischen Sprache zu suchen, eröffnet auch bei diesen Patienten einen Zugang zu der Komplexität menschlicher Gefühle. Deshalb wird Kandidaten empfohlen, nicht nur theoretisches, sondern auch künstlerisches Wissen (Kunst, Literatur, Theater) zu erwerben.

Thomas H. Ogden: Das Gefühl des Realen. Über Winnicotts »Die Frage des Mitteilens und des Nicht-Mitteilens führt zu einer Untersuchung gewisser Gegensätze«. (25 Seiten) – Übersetzer Richard Rink

Ogden geht auf die Idee von Winnicott ein, dass das zentrale Paradoxon in der Kommunikation mit subjektiven Objekten sei, dass es eine Katastrophe (verletzender als eine Vergewaltigung) sei, im Kern des Selbst gefunden als auch nicht gefunden/​gesehen zu werden. Das zeige sich in zwei verschiedenen Formen des Mitteilens: 1) abwehrender Rückzug als Reaktion auf Verletzungen dessen, was das Kern-Selbst schützt, 2) der Zustand der »incommunicado« Isolation, der das gesunde Selbst auszeichnet und schützt (Kontaktaufnahme und Rückzug). Die Ursache des »Incommunicado« sieht Winnicott in der frühen Umweltmutter (Einssein, ‚Sackgassenkommunikation‘), später abgelöst durch Übergangsphänomene und reife Objektbeziehungen.

Am Ende seines Textes kommt Winnicott auf die Sprache der Poesie zu sprechen, die die Grenzen der Sprache zu überschreitet und das Unsagbare deutet. Die Begriffe »subjektives Objekt« und »objektiv wahrgenommenes Objekt« werden von Winnicott zum Schluss nicht mehr erwähnt. Stattdessen schreibt er über das Kern-Selbst: »An dieser Stelle wird Schweigen mit Kommunikation gleichgesetzt und Unbewegtheit mit Bewegung.« Eine Kommunikation die weder verbal noch non-verbal sei, deute auf das kreative Mysterium des Seins, das für jeden von uns im Kern»absolut persönlich« ist.

Giuseppe Civitarese: Das Konzept der Zeit in Bions »Eine Theorie des Denkens«. 24 Seiten. – Übersetzer Isolde Böhme

Nach Bion wird ‚Zeit‘ zu ‚gelebter Zeit‘ durch die Erfahrung der Einheit/​Trennung mit der Mutter oder der vorhandenen oder nicht vorhandenen Brust (Befriedigung und Versagung). Er unterscheidet Konzeption, Benennung und Gedanke, die sich unterscheiden wie Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit. Über die Mutter wird Zeitlichkeit in den Körper des Säuglings eingeschrieben. Konzeption und Gedanke sind Spuren einer Vergangenheit und Zukunft, Projektionen ausgehend von der Gegenwart. Diese ist ein Name und ein Prozess (z.B. der

Bezug auf Vergangenheit und Zukunft). Civitarese sieht in Bions ‚Eine Theorie des Denkens‘ psychoanalytisch eine zeitgemäße und anspruchsvolle Theorie der Zeitlichkeit, dargestellt mit den Begriffen »Brust, keine Brust, at-one-ment, Konzeption, Gedanke, Name und projektive Identifizierung«. Zeit werde menschlich von Geschichte bestimmt und durch Sprache vermittelt, im Unterschied zum Zeitbegriff in der physikalischen Welt.

Francis Grier: Musikalität im Behandlungszimmer. (38 Seiten)

Anhand einer Fallgeschichte beschreibt der Autor die ‚Allgegenwart der musikalischen, – nicht metaphorischen, sondern im wörtlichen Sinne musikalischen – Dimension in der Begegnung zwischen Analysand und Analytiker (nach einer ausführlichen Darstellung der Literatur zum Thema). Er berichtet, wie er mit Unbehagen auf die Stimme einer Patientin reagierte und Schuldgefühle entwickelte. Das änderte sich, als er mit Patientin ‚in angemessener Weise‘ darüber sprach. Er entdeckte das Kindliche in ihrer Stimme, das in der Übertragung die gute Beziehung zu ihrem Vater in ihrer Kindheit ausdrückte. Der Wunsch, ein Kind zu bleiben, hinderte sie aber am Erwachsenwerden. Musik im Behandlungszimmer liefere zwar keine ‘harten Fakten‘, aber eine Atmosphäre emotionaler Kreativität.

Bruce Fink: Über den Wert des Lacan’schen Ansatzes in der psychoanalytischen Praxis. (28 Seiten)

In der Tradition von Lacan gibt es verschiedene Schulen. Fink stützt sich auf klinische Beispiele in der Literatur, seine Supervisionspraxis und Gespräche mit Analysanden auch anderer psychoanalytischer Richtungen. Lacanianer arbeiten mit Psychotikern (Gefahr des Zusammenbruchs des Ich) anders als mit Neurotikern, da diese über ein funktionsfähiges Unbewusstes verfügen. Sie machen auch keinen Gebrauch mit der Reverie als Gegenübertragung, da diese vor allem etwas mit einem selbst zu tun hat. Affekte der Patienten stellen meist bei Neurosen ein ‚moralisches Versagen‘ dar, und die Abwehr verhindert eine Erkenntnis über sich selbst.

Das ‚Urgestein der Kastration‘ bedeutet für ihn: dass Erklärungen niemals erschöpfend sind, dass es keine perfekte Harmonie zwischen Menschen gibt, dass niemand vollständige Antworten für die Zukunft hat und die Zeit auf der Erde begrenzt ist. Lacanianer ermutigen Patienten, eigene Forderungen zu deuten; sie legen ihnen nur wenig eigene Worte in den Mund und versuchen zu erkennen, wie sich das Unbewusste im Sprechen ausdrückt. Der zeitliche Rahmen ist flexibel und sinnvoll (Unterbrechung von pathogenen Denk- und Verhaltensmustern) und der Gebrauch der Couch kann hinausgeschoben werden. Der Patient wird ermutigt, eigene Deutungen zu erarbeiten.

Sara Flanders: Entgegnung auf Bruce Fink. (15 Seiten)

Flanders kritisiert, dass Fink nicht zusammenhängend über eine Behandlung berichtet und eine ‚Amerikanisierung‘ von Lacan beschreibt. Eine radikale Unterscheidung zwischen neurotisch und psychotisch, wie von Fink beschrieben, gibt es nicht. Auch gibt es affektives Wissen in der Gegenübertragung, wenn Affekte vom Patienten verleugnet werden. Eine zeitlich offene Gestaltung des Settings verhindert möglicherweise das Zusammenspiel zwischen Analytiker und Patient zu verstehen; doch kann auch die Regelmäßigkeit der Sitzungen vom Patienten missbraucht werden.

Bei Lacan führe der analytische Prozess zu einer Abschwächung der Fiktionen des Ich und eröffne einen Zugang zum eigenen und entfremdeten Begehren. Frühe Abhängigkeiten würden jedoch in der analytischen Arbeit durch Regression bearbeitet, was zu einer Stärkung des Ich führe.

II Klassische Konzepte in neunen Kontexten.

Kenichiro Okano: Nicht-Ausdruck, Passivität und der Ödipus in Japan. (17 Seiten)

Okano berichtet über transkulturelle Erfahrungen. Scham scheint zentral für die japanische Mentalität zu sein. Es gibt ein Cluster von Neurosen mit sozialphobischen Anteilen. Kulturelle Werte verstecken sich oft hinter einer Maske. Tabus des Nichtanschauens, des Verheimlichens, des Enthüllens und Verhüllens zeigen sich auch in japanischen Volksmärchen. Das Subjekt taucht sprachlich meist nicht oder versteckt auf. Weicht man damit auch ödipalen Konfrontationen aus? Nicht die Angst vor Bestrafung (Kastration) dominiert, sondern eine versöhnende Mutter-Kind-Beziehung. Im Konzept Amaé geht es um das Erspüren gegenseitiger Bedürfnisse, das Sich-kümmern wird zu einer Vorbedingung des Überlebens in der Gemeinschaft. In der Familie sind Väter nicht dominant und kontrollierend gegenüber den Ehefrauen, und auch nicht kastrierend gegenüber ihren Kindern (verhüllter Phallus). Die strafende Instanz wird eher durch eine Gruppe der Gesellschaft repräsentiert (dazu klinisches Material).

Vittorio Lingiardi & Nicola Carone: Die Herausforderung des Ödipus in sich verändernden Familien. Geschlechtsidentifizierungen und Zugang zur Herkunft in gleichgeschlechtlichen Elternfamilien bei Fortpflanzung mithilfe von Dritten. (26 Seiten)

Angesichts veränderter Familienkonstellationen geht es den Autoren um die ‚ödipale Komplexität‘ unabhängig von den anatomischen Gegebenheiten der Eltern. Die kindliche Entwicklung durchläuft nicht nur Präödipales und Ödipales, sondern auch Beziehungserfahrungen mit den Eltern und deren verinnerlichten Objektrepräsentanzen. Solche Prägungen sind nicht notwendig durch das Geschlecht oder die sexuelle Orientierung vorherbestimmt. Entscheidend ist der Dritte, der in den Familienroman eintritt, Fragen nach der Herkunft unterstützt und gleichzeitig damit die Entdeckung des ‚Vaters in der Mutter und der Mutter im Vater‘. Kinder aus solchen Familien bilden ebenfalls komplexe Vorstellungen des Selbst, des eigenen Geschlechts und das des anderen.

David Tuckett: Übertragung und Übertragungsdeutung neu betrachtet. Weshalb ein sparsames Modell in der Praxis nützlich sein könnte. (27 Seiten)

Tuckett stellt eine ‚sparsames‘ Modell der klinischen Praxis der Objektbeziehungstheorie vor und beschreibt ein spezifisches Verständnis von freier Assoziation, Widerstand und Übertragung. Indem dem Patienten bewusst gemacht wird, wie er den Analytiker unbewusst wahrnimmt, sieht Tuckett einen ‚Grundstein für eine tiefgreifende Veränderung‘, anstelle eines Fokus auf unbewusste Verhaltensweisen inner- und außerhalb der Sitzung. (Ein Anhang mit 16 Übertragungsdeutungen)

Diskussion

Für alle, die psychoanalytisch arbeiten und theoretisch interessiert sind, ein hoch interessantes, nicht leicht zu lesendes, aber sehr anregendes Buch. Die differenzierten Beiträge – mit vielen Literaturhinweisen – zeigen auf einem hohen theoretischen Niveau die Vielfalt der Entwicklungen in der Psychoanalyse. Einige Beiträge sind fokussiert auf veränderte Gesellschafts- und Familienbeziehungen, z.B. in dem Hinweis auf die vielfältigen Identifizierungsangebote, die Kindern auch in veränderten Familienkonstellationen gemacht werden (Vittorio Lingiardi & Nicola Carone).

Die Vielstimmigkeit – Polyfonie – führt jedoch, was zu wenig zum Ausdruck kommt, auch zu Dissonanzen und Kontroversen: Am Beispiel aus Japan (Kenichiro Okano) wird z.B. die Gültigkeit des theoretischen Modells ‚Ödipuskomplex‘ infrage gestellt und auf die, auch in der klassischen Theorie vernachlässigte Rolle der Mutter im Ödipusdrama hingewiesen. Dieser Beitrag zeigt, wie sehr unsere theoretischen Modelle kulturell geprägt und nicht allgemeingültig sind. Ebenso kontrovers könnte diskutiert werden, ob nur Übertragungsdeutungen auf den Analytiker bleibende Veränderungen bringen (David Tuckett), insbesondere da dem Analytiker gerade auch in konflikthaften Zweierbeziehungen oft die Rolle des Dritten zufällt, der das symbiotische Paar aus seinen Verstrickungen löst und neue Erfahrungen ermöglicht.

Das Buch regt sehr zu einer kritischen Auseinandersetzung an, vielleicht auch aus dem Bedürfnis des Lesers heraus, die Vielstimmigkeit auf ihre lauten und leisen Töne, ihre Brüche und Widersprüche zu überprüfen. In den Niederungen der alltäglichen Praxis, die in den Beiträgen etwas zu kurz gekommen ist (wenig Fallbeiträge), wird mit jedem neuen Patienten auch das überlieferte Wissen des Analytikers infrage gestellt. So ist z.B. davon auszugehen, dass immer schon jedem Kind in der Mutter der Vater und im Vater die Mutter als verinnerlichte Repräsentanzen begegnet sind, mithin auch generative Fixierungen, die in einem Prozess Generationen übergreifender Identifizierungen entstanden sind.

Da es sich um übersetzte Beiträge handelt, wird auch deutlich, dass diese – aus unterschiedlichen Kulturen – auch in der Verarbeitung von Konflikten Differenzen aufweisen und deshalb ein dogmatisches Festhalten der Vielfalt kultureller Unterschiede und Traditionen nicht gerecht wird. Kontroversen (Bruce Fink/Sara Flanders) könnten in einem nächsten Band stärker berücksichtig werden.

In einigen Fällen, z.B. bei dem Beitrag über Winnicott (Thomas H. Ogden), Bion (Giuseppe Civitarese) und Lacan (Bruce Fink/Sara Flanders), empfiehlt es sich, zunächst das Original zu lesen.

Besonderer Dank gilt den Übersetzern.

Fazit

Für psychoanalytisch Arbeitende ein sehr anregendes Buch, das allerdings auf einem hohen theoretischen Niveau dem Leser Geduld und Zeit abverlangt. Es bringt die ‚Vielstimmigkeit‘ zum Ausdruck, ist aber auch durch dieses – inhaltlich gesehen – unverbundene Nebeneinander unterschiedlicher Themen auch etwas anstrengend zu lesen.


Rezension von
Prof. Dr. Gertrud Hardtmann
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Zitiervorschlag
Gertrud Hardtmann. Rezension vom 20.10.2021 zu: Karsten Münch (Hrsg.): Einklang und Vielstimmigkeit. Internationale Psychoanalyse Band 15. Psychosozial-Verlag (Gießen) 2020. ISBN 978-3-8379-2985-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28804.php, Datum des Zugriffs 28.11.2021.


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