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Lena Spitzer, Holger Grötzbach u.a.: FATMA 2.1

Cover Lena Spitzer, Holger Grötzbach, Julia Kaiser, Maxine Klink, Norina Lauer: FATMA 2.1. Fragebogen zur Erfassung von Aktivitäts- und Teilhabezielen im Sinne der ICF bei Menschen mit Aphasie - Handanweisung. Schulz-Kirchner Verlag (Idstein) 2021. 2021. Auflage. 16 Seiten. ISBN 978-3-8248-1293-6. D: 45,00 EUR, A: 46,30 EUR.
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Thema

FATMA 2.1 ermöglicht Menschen mit Sprach- und Sprechstörungen Therapieziele zu formulieren. Dies ist mithilfe des Fragebogens zur Erfassung von Aktivitäts- und Teilhabezielen beim Menschen mit einer Aphasie gut durchführbar

AutorInnen

Lena Spitzer leitet seit 2018 den Arbeitskreis Aphasie.

Holger Grötzbach ist Leiter der Abteilung Sprachtherapie der Asklepios Klinik Schaufling. Schwerpunktmäßig befasst er sich mit neurologisch bedingten Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen.

Julia Kaiser arbeitet seit 2018 in einer logopädischen Praxis und auf der Stroke-Unit einer Akutgeriatrie. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind die Behandlungen von Aphasien, Dysphagien und Kognitiven Dysphasien

Maxine Klink ist seit 2021 u.a. Lehrlogopädin am Universitätsklinikum Regensburg. Dort lehrt sie in den Fachbereichen kindliche Aussprache, Redefluss und neurologische Störungsbilder.

Norina Lauer ist Professorin an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg. Dort leitet sie den ausbildungsintegrierenden Bachelorstudiengang Logopädie.

Entstehungshintergrund

Die Publikation ist u.a. mithilfe der Datenerhebung von Personen mit Aphasie im Rahmen der Bachelorarbeit von Schmidt (2016) an der Hochschule Fresenius in Idstein entstanden

Aufbau

  1. Theoretischer Hintergrund
  2. Zielgruppe
  3. Material
  4. Durchführung und Instruktion
  5. Hilfestellungen
  6. Abbruchkriterien

Inhalt

Die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) ist die Basis für FATMA 2.1. Erreicht werden soll:

  1. die sprachlichen Aktivitäten von Therapiebeginn an zu verbessern, was zu einer Förderung der Teilhabe führt;
  2. dass die Konzentration auf die Teilhabe und die Aktivitäten dem Top-down-Zielsetzungsprozess entsprechen, „in dem Teilhabeziele langfristige Therapieziele darstellen, von denen die mittelfristig zu erreichenden Aktivitätsziele abgeleitet werden“ (S. 5).

Zur Zielgruppe von FATMA 2.1 zählen Menschen mit einer Aphasie. Der Einsatz sollte nach Möglichkeit in der postakuten Phase, also etwa einen Monat nach dem Ereignis, erfolgen.

Über FATMA 2.1 erfolgt eine partizipative Zielsetzung, die einer paternalistischen Zielsetzung, in der also die therapeutischen Ziele ausschließlich vom Therapeuten erfolgen, diametral gegenübersteht. Über die partizipative Zielsetzung kann einem vorzeitigen Therapieabbruch begegnet werden. Auch wird die Zufriedenheit von Therapierten und Therapeuten gesteigert.

Die Basis von FATMA 2.1 sind die Teilhabekapitel der ICF.

Jedes Teilhabekapitel enthält drei prototypische Aktivitäten. „Zu jeder von ihnen gibt es ein Foto und einen Aussagesatz mit fett gedruckten Schlüsselwörtern, um die jeweilige Aktivität zu verdeutlichen und das Verständnis der Patient*innen zu sichern“ (S. 7).

Über eine vierstufige Bewertungsskala kann die Relevanz der jeweiligen Aktivität für die Teilhabe des jeweiligen Individuums angezeigt werden.

Diskussion

Aufgrund meiner eigenen Betroffenheit und dem Kennen von Logopäden mit einer Behinderung im handmotorischen Bereich ist der Kartensatz zur Priorisierung nicht barrierefrei handhabbar. Dieser muss, da immer mehrere Karten auf einem Blatt sind, ausgeschnitten werden. Eine Perforierung, die das Ausdrücken der Karten erlaubt, wäre hier m.E. geeigneter gewesen.

Interessant ist der Hinweis, „dass schwerer betroffene Patient*innen gegenüber leichter betroffenen Patient*innen eher Aktivitäten aus den Bereichen Selbstversorgung, Kommunikation und Mobilität priorisieren“ (S. 12) und andere Bereiche weniger im Fokus haben. Interessant ist das, weil es u.U. Bereiche sind, die einer langdauernden und umfänglichen Therapie bedürfen, um selber z.B. wieder bei ALDI ein Pfund Butter kaufen und sich damit eine Stulle bestreichen zu können, an einer politischen Diskussion teilnehmen zu können oder wieder ohne Hilfsmittel gehen zu können.

Der Protokollbogen ist ein gutes Instrument, um hier die Priorisierung der Therapieziele durch Ankreuzen sichtbar zu machen und zusätzlich Angaben in leeren Spalten zu den jeweiligen Teilhabebereichen hinzuzufügen, was vorher nicht genannt wurde, aber dennoch eine sehr hohe Bedeutung für den Betroffenen aufweist. Auch wenn die Gefahr besteht, dass ein Patient beim Teilhabereich Lernen und Wissensanwendung in der leeren Spalte angibt „Es ist mir wichtig, dass ich laufen kann“, was ja eigentlich zum Teilhabebereich Mobilität gehört, kann der Therapeut das im Nachhinein korrigieren oder aber einen Sinn in der Aussage erkennen, weil das Laufen derzeit, z.B. aufgrund der gegenwärtigen Fortbewegung im Rollstuhl, nicht möglich ist. Das Laufen will so dann wieder erlernt sein!

Fazit

FATMA 2.1 ist eine sehr gute Methode, um die interessierenden Ziele der Menschen mit Aphasie zu erkunden. Anderenfalls läuft das logopädische Angebot auf ein Ziel hinaus, das den Betroffenen gar nicht interessiert und für ihn aus unterschiedlichen Gründen belanglos ist.

Das Instrument FATMA 2.1 ist – auch wenn es zunächst u.a. von Logopädinnen für Logopäden konzipiert worden ist, m.E. auch für andere Therapien und für den Schulunterricht anwendbar, Menschen mit Aphasie haben ja nicht nur Logopädie, sondern vielleicht auch Physio- und Ergotherapie oder eben auch Schule. So kann dann auch der Klientenzentrierung, die auf Betätigungsorientierung setzt, begegnet werden.

Literatur

Schmidt, A.-K.: Bewertung der Repräsentativität der Items des ‚Fragebogens zur Erfassung von Aktivitäts- und Teilhabezielen im Sinne der ICF bei Menschen mit Aphasie‘. Hochschule Frisenius, Idstein 2016, BA-Thesis.


Rezension von
Dr. Carsten Rensinghoff
EUTB beim Malteser Hilfsdienst e.V.
Homepage www.teilhabeberatung.de/beratung/malteser-hilfsdien ...
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 24.09.2021 zu: Lena Spitzer, Holger Grötzbach, Julia Kaiser, Maxine Klink, Norina Lauer: FATMA 2.1. Fragebogen zur Erfassung von Aktivitäts- und Teilhabezielen im Sinne der ICF bei Menschen mit Aphasie - Handanweisung. Schulz-Kirchner Verlag (Idstein) 2021. 2021. Auflage. ISBN 978-3-8248-1293-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28822.php, Datum des Zugriffs 17.10.2021.


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