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Dietrich Eggert, Christina Reichenbach: Diagnostische Inventare

Cover Dietrich Eggert, Christina Reichenbach: Diagnostische Inventare. Motorik (DMB), auditive Wahrnehmung (DIAS), Raum-Zeit-Wahrnehmung (RZI), Selbstkonzept (SKI). Verlag modernes lernen Borgmann GmbH & Co. KG. (Dortmund) 2021. 288 Seiten. ISBN 978-3-8080-0865-2. D: 39,80 EUR, A: 41,00 EUR, CH: 64,50 sFr.
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Thema

Eggert/​Reichenbach versammeln in ihrer Publikation vier bekannte Diagnostische Inventare – und das sind:

  • DMB: Diagnostisches Inventar motorischer Basiskompetenzen
  • DIAS: Diagnostisches Inventar auditiver Alltagshandlungen
  • RZI: Raum-Zeit-Inventar
  • SKI: Selbstkonzeptinventar

Über diese Diagnostischen Inventare können Veränderungsmöglichkeiten von Menschen beschrieben werden.

Autor*innen

Dietrich Eggert war an der Leibniz Universität Hannover Professor für Sonderpädagogische Psychologie am Institut für Sonderpädagogik.

Christina Reichenbach ist Professorin für Heilpädagogik an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum.

Entstehungshintergrund

Für die vorliegende Publikation ist im Bereich der Diagnostik die Veränderung von Denkgewohnheiten verantwortlich, als da wären:

  • aktuell die Förderdiagnostik, die – qualitativ – die Förderbedürfnisse eines Menschen beschreibt
  • früher die Leistungsbewertung, die über standardisierte quantitative Messungen erfolgt.

Aufbau

  1. Veränderungen im diagnostischen Denken
  2. Entwicklungen, Grundgedanken und Handhabung Diagnostischer Inventare
  3. Wahrnehmung
  4. DIAS – Diagnostisches Inventar auditiver Alltagshandlungen
  5. RZI – Raum-Zeit-Inventar
  6. DMB – Diagnostisches Inventar motorischer Basiskompetenzen
  7. SKI – Selbstkonzeptinventar

Inhalt

Die Förderdiagnostik beschreibt, als qualitative Methode, die individuellen Förderbedürfnisse. Hier hebt sich die Förderdiagnostik von der quantitativen Diagnostik ab, deren Herzstück die Leistungsbewertung ist, die durch standardisierte Verfahren erfolgt. Durch diese veränderte Diagnostik soll Menschen mit Behinderung ein möglichst normales Leben ermöglicht werden. Die dargestellte Förderdiagnostik orientiert sich an der entwicklungspsychologischen Tatsache der lebenslangen Entwicklung eines Menschen. Das Ziel einer Förderdiagnostik ist die Einheit von Diagnostik und Therapie, die über eine ganzheitliche Betrachtung der Person, die individuellen Veränderungen im Lebenslauf im Blick hat. Die Förderdiagnostik erfolgt ressourcenorientiert.

Für die Förderdiagnostik ist der öko-systemische Ansatz grundlegend, dem es um die Vernetzung der Elemente und die ganzheitliche dynamische Sichtweise geht. „Das Denken in Systemzusammenhängen ist die grundlegende Perspektive, auf die sich ein systemdiagnostisches Vorgehen stützt“ (S. 15).

Über diagnostische Inventare können qualitative Beobachtungen durchgeführt und verschiedene Verhaltensrepertoires eingeschätzt werden. Erreicht werden soll das Verstehen und Interpretieren eines individuellen Entwicklungsstandes. „Jede Diagnostiksituation ist gleichzeitig eine Fördersituation und umgekehrt können in jeder Fördersituation neue diagnostische Erkenntnisse gewonnen werden“ (S, 39).

Für die Anwendung Diagnostischer Inventare hat die Zone der nächsten Entwicklung eine hohe Bedeutung. Die Zone der nächsten Entwicklung beschreibt „wie ein Kind sich in der Zusammenarbeit mit anderen Menschen entwickelt“ (S. 54).

Zum Erfassen der Umwelt und für sämtliche Lernvorgänge ist die Wahrnehmung, die in den meisten Fällen multisensorisch erfolgt, in der Entwicklung bedeutsam. Wahrnehmungsbeeinträchtigungen beeinflussen somit die Entwicklung. Vermisst wird in diesem Zusammenhang eine einheitliche Definition von Wahrnehmungsstörung und international anerkannte Kriterien dafür. Problematisch ist die Verwendung des Begriffs Wahrnehmungsstörung im Zusammenhang mit Entwicklungsauffälligkeiten.

Beim Diagnostischen Inventar auditiver Alltagshandlungen (DIAS) handelt es sich um ein Hilfsmittel für die Arbeit im Vor- und Grundschulbereich. Es dient zum frühzeitigen Erkennen von auditiven Wahrnehmungsbeeinträchtigungen bei Kindern und deren Förderung.

Für das Raum-Zeit-Inventar (RZI) wird festgestellt, dass die Zeitwahrnehmung nicht isoliert von der Raumwahrnehmung betrachtet werden, denn die Zeit ist der Raum in Bewegung und der Raum eine Momentaufnahme der Zeit. „Die Raum-Zeit-Entwicklung markiert einen entscheidenden Schritt in der Entwicklung des Kindes hin zur Aneignung der Schriftsprache und der Mathematik“ (S. 125). Sinnvoll erscheint die Erfassung der Raum-Zeit-Wahrnehmung bei etwa 5- bis 8-jährigen Kindern im Schuleingangsbereich.

Das Diagnostische Inventar motorischer Basiskompetenzen (DMB) befasst sich mit Gelenkigkeit, Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Gleichgewicht.

Beim Selbstkonzeptinventar (SKI) handelt es sich um ein Instrument, welches immer mehr an Bedeutung gewinnt. In vielen Fällen führen schlechte schulische Leistungen bei den Betroffenen zu einer negativen Vorstellung über sich selbst.

Das Selbstkonzept beeinflusst den Menschen über die gesamte Lebensspanne und es beeinflusst zukünftige Erfahrungen, sowie die Aufnahme und Bewertung neuer Informationen. Aus diesem Grund soll Kindern so früh wie möglich eine positive Selbstkonzeptentwicklung ermöglicht werden.

Diskussion

Die Diagnostik mit qualitativen Methoden ist vorzugsweise zu verwenden, da über standardisierte Testverfahren immer nur eine Momentaufnahme erfolgt, die oft tagesformabhängig ist. Für die diagnostizierende Person bedeutet die Nutzung von Diagnostischen Inventaren einen Mehraufwand, der oft nicht angemessen honoriert wird, weil beispielsweise die Auswertung nicht, wie es bei standardisierten Tests der Fall ist, schablonenartig erfolgt. Die Auswertung lässt subjektive Eindrücke und Interpretationen des Diagnostikers zu. Und hier liegt m.E. auch die Gefahr, weil das Subjektive dann auch u.U. die Lebenskarriere der diagnostizierten Person negativ beeinflussen kann.

Fazit

In der besprochenen Publikation stellen die Autorin und der Autor vier klassische Diagnostische Inventare in komprimierter Form vor. Über ein Download können Aufgaben und Diagnostische Menüs im Internet abgerufen werden.

Pro Inventar wird sich mit:

  • der Beschreibung des Entwicklungsbereichs
  • der Bedeutung des Inventars für die Entwicklung
  • den Definitionsansätzen
  • dem Handlungsmodell
  • den bisher erfolgten Studien
  • weiteren diagnostischen Verfahren
  • weiteren Fördermöglichkeiten

befasst.


Rezension von
Dr. Carsten Rensinghoff
EUTB beim Malteser Hilfsdienst e.V.
Homepage www.teilhabeberatung.de/beratung/malteser-hilfsdien ...
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 22.10.2021 zu: Dietrich Eggert, Christina Reichenbach: Diagnostische Inventare. Motorik (DMB), auditive Wahrnehmung (DIAS), Raum-Zeit-Wahrnehmung (RZI), Selbstkonzept (SKI). Verlag modernes lernen Borgmann GmbH & Co. KG. (Dortmund) 2021. ISBN 978-3-8080-0865-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28836.php, Datum des Zugriffs 28.11.2021.


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