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Michael Noack: Soziale Arbeit und Einsamkeitsregulation

Rezensiert von Prof. Dr. Jeannette Bischkopf, 05.08.2022

Cover Michael Noack: Soziale Arbeit und Einsamkeitsregulation ISBN 978-3-7799-6684-5

Michael Noack: Soziale Arbeit und Einsamkeitsregulation. Subjektives Einsamkeitserleben erkennen und verstehen. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2021. 126 Seiten. ISBN 978-3-7799-6684-5. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR.
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Thema

Der Band stellt die Ergebnisse der Studie KoKon (Kontaktgestaltung vor und während der Kontaktbeschränkungen) und ein neues Konzept der Einsamkeitsregulation mit Bezug zur Sozialen Arbeit vor.

Entstehungshintergrund

Das Buch basiert auf der Studie KoKon, die im Sommer 2020 am Social.Concepts-Institut des Fachbereichs Sozialwesen der Hochschule Niederrhein durchgeführt wurde. Ziel der Studie war es, mittels einer Onlinebefragung den Zusammenhang zwischen Kontaktgestaltung, Einsamkeit und den durch die Covid-19-Pandemie auferlegten Kontaktbeschränkungen mittels einer quantitativen Erkundungsstudie zu ermitteln. Darüber hinaus wird das Thema Einsamkeit als aktuelles gesellschaftlich relevantes Thema aufgegriffen.

Autor

Prof. Dr. Michael Noack ist Professor für Methoden der Sozialen Arbeit mit dem Schwerpunkt Gemeinwesenarbeit/​Quartiermanagement am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Niederrhein und Mitglied des Institutsrates des dortigen Instituts für Forschung und Entwicklung in der Sozialen Arbeit (SO.CON).

Aufbau

Nach einer Einleitung wird zunächst diskutiert, was unter Einsamkeit zu verstehen ist. Einsamkeitsregulation wird anschließend in Kapitel 2 ausgehend von verschiedenen Perspektiven erläutert. In Kapitel 3 werden zentrale Befunde und daraus abgeleitet die konkreten Fragen der vorliegenden Studie erläutert, bevor die Erhebungs- und Auswertungsmethoden der Studie in Kapitel 4 dargestellt werden. Kapitel 5 werden die Ergebnisse der Studie beschrieben, in Kapitel 6 deren Interpretation. Im Kapitel 7 wird das entwickelte Modell der Einsamkeitsregulation auf Kontexte Sozialer Arbeit bezogen. Ein Ausblick und Literaturverzeichnis beenden den Text.

Inhalt

Die Einleitung gibt die zentralen Argumente und den Aufbau des Buches wieder. Im ersten Kapitel wird in Abgrenzung zu sozialer Isolation besonders die Unterscheidung zwischen freiwilligem und unfreiwilligem Einsamkeitserleben getroffen sowie die Bewegung zwischen diesen beiden Polen als bewusste und unbewusste Einsamkeitsregulationen beschrieben. In Kapitel 2 wird diskutiert, welche Schlüsse sich u.a. aus folgenden Perspektiven für das Verständnis von Einsamkeitsregulation ziehen lassen: das Gesundheitskontinuum nach Antonovsky, konstruktivistische Ansätze sowie Einsamkeit als Gefühl. Verschiedene Fokussierungen werden weiterhin auf Mikro-, Meso- und Makroebene verortet sowie deren Wechselwirkungen thematisiert. Die Entwicklung politischer Maßnahmen zur Einsamkeitsbekämpfung werden kritisch diskutiert am Beispiel der britischen „Einsamkeitspolitik“. Im Kapitel 3 wird anhand von Untersuchungsergebnissen dargelegt, wie Einsamkeit meist untersucht wird, welche rasante Entwicklung die Einsamkeitsforschung genommen hat und welche zentralen Befunde bekannt sind. Weiterhin werden die zentralen Forschungsfragen abgeleitet und den verschiedenen Ebenen (Makro, Meso-, und Mikroebene) zugeordnet. Schließlich wird Einsamkeit in Kontexten Sozialer Arbeit verortet. Im Kapitel 4 wird das Forschungsdesign der Studie KoKon detailliert vorgestellt, die (statistischen) Analysen und Ergebnisse in Kapitel 5. In Kapitel 6 werden Bereiche der Einsamkeitsregulation datenbasiert entwickelt, z.B. Lebenszufriedenheit, Krisenerfahrung, Beziehungsqualität und Gesundheit und im anschließenden Kapitel werden Möglichkeiten für die konkrete Soziale Arbeit dargestellt. Das Buch ist mit einem abschließenden Fazit und einem 8-seitigen Literaturverzeichnis beendet.

Diskussion

Das Buch vermittelt anhand einer Erkundungsstudie einen Eindruck von der Komplexität des Einsamkeitsbegriffs. Um diesem gerecht zu werden, wird anhand der Einteilung in Mikro-, Meso- und Makroebene und unter Zuhilfenahme interdisziplinärer theoretischer Zugänge (einschließlich der Unterteilung in freiwillig/​unfreiwillig und bewusst/​unbewusst) eine Matrix von Zugängen vorgestellt. Der Text verdeutlicht, warum Einsamkeitsregulation nicht nur verhaltensbezogen z.B. durch Beratung angegangen werden kann. Vielmehr ginge es darum, „Lebensverhältnisse zu gestalten, damit Menschen in Krisenzeiten und prekären Lebenslagen nicht zusätzlich unter unfreiwilliger Einsamkeit leiden.“ (S. 28). Besonders hervorzuheben ist die Darstellung auch sehr komplexer und theoretischer Zusammenhänge anhand konkreter Beispiele aus der Sozialen Arbeit und die Entwicklung von Anregungen für die Umsetzung spezifischer und unspezifischer Interventionen.

Fazit

Das Buch enthält einen sehr dichten, forschungsbezogenen Überblick zum Thema Einsamkeit und bietet damit einen hervorragenden Einstieg in das Thema. Es ist aufgrund der detaillierten Studienbeschreibung nicht nur forschungsmethodisch interessant und beispielhaft, sondern bietet auch eine Übersicht über mögliche konkrete einzelfall-, gruppen- und gemeinwesenbezogene Interventionen in der Sozialen Arbeit.

Rezension von
Prof. Dr. Jeannette Bischkopf
Fachhochschule Kiel, Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit
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Es gibt 6 Rezensionen von Jeannette Bischkopf.

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Zitiervorschlag
Jeannette Bischkopf. Rezension vom 05.08.2022 zu: Michael Noack: Soziale Arbeit und Einsamkeitsregulation. Subjektives Einsamkeitserleben erkennen und verstehen. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2021. ISBN 978-3-7799-6684-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28842.php, Datum des Zugriffs 13.08.2022.


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