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Benno van Aerssen, Christian Buchholz: Das große Handbuch Digitale Transformation

Rezensiert von Prof. Dr. Paul Brandl, 24.06.2022

Cover Benno van Aerssen, Christian Buchholz: Das große Handbuch Digitale Transformation ISBN 978-3-8006-6582-2

Benno van Aerssen, Christian Buchholz: Das große Handbuch Digitale Transformation. 222 Methoden und Instrumente für mehr Wandlungsfähigkeit im Unternehmen. Verlag Franz Vahlen GmbH (München) 2022. 512 Seiten. ISBN 978-3-8006-6582-2. 79,00 EUR.
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Die Herausgeber

Benno van Aerssen ist Querdenker, Visionär, Innovator, Trainer und Autor. Er hat einen 12‑jährigen Erfahrungsschatz im internationalen Innovationsbusiness in ganz Europa, Nord- und Südamerika mit über 1.200 Innovationsprojekten und großem methodischem Wissen. Er arbeitet seit 1996 mit virtuellen Lernwelten unter anderem für VW, Vodafone und Allianz. Seit 2007 ist er mit seinem „Atelier für Ideen“, als Innovationscoach, Berater und Querdenker für Unternehmen und Marken tätig. 2009 erscheint das Buch „Revolutionäres Innovationsmanagement“, 2013 veröffentlicht er „Innovationdigging“ zum zielgerichteten erschliessen von Ideensuchfeldern, 2014 folgt „Inspiration on the job“. 2016 gründet er mit Christian Buchholz das verrocchio Institute for Innovation Competence und bietet Innovationsforschung, Design Thinking und offenen Seminarangebote an. 2019 gibt er „Das große Handbuch Innovation“ heraus. Impulsvorträge und Lehraufträge an verschiedenen Hochschulen sind weitere Facetten seines Wirkens.

Christian Buchholz arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Management-Trainer, Speaker und Unternehmensberater rund um die Themen Innovation, Führung und Change. Als vierfacher Gründer kennt er die Herausforderungen von Startups wie auch die Gedankenwelt von Großkonzernen. Er arbeitete bereits in 21 unterschiedlichen Ländern mit unterschiedlichsten Unternehmen, Kulturen und Branchen. Seinen Erfahrungsschatz hat er in mehreren Büchern zum Thema Innovation eingebracht – sein Lieblingsthema. Ein regelmäßiger Newsletter, Impulsvorträge bis hin zur Keynote vor 2.000 Teilnehmern wecken die Neugier in 21 Ländern. Aktuell steckt seine ganze Leidenschaft in seinem langjährigen Unternehmen educando GmbH (www.educando.de), wo er die Kunden mit einem internationalen Team bei der Entwicklung einer leistungsfähigen Innovations- und Unternehmenskultur unterstützt. Als Gründer des verrocchio Institute (www.verrocchio-institute.com) leitet er gemeinsam mit Benno van Aerssen einen internationalen Innovations-Think-Tank mit dem Ziel Innovationswissen weltweit zu sammeln, anzureichern und weiterzugeben. Bekanntestes Produkt ist wohl die weltweit größte Sammlung von Innovationsmethoden, das Florence Innovation Project (www.ask-flip.com). Als Gründer des verrocchio Institute (www.verrocchio-institute.com) leitet er gemeinsam mit Benno van Aerssen einen internationalen Innovations-Think-Tank, mit dem Ziel Innovationswissen welt zu sammeln, anzureichern und zu weiterzugeben. 

Nicolas Burkhardt absolvierte eine breite akademische Ausbildung in Deutschland, Island und der Schweiz sowie zuletzt im MBA Programm der Henley Business School in UK. Er steht für die Studienfächer Innovation, Change und Leadership und ist Gründer bzw. Geschäftsführer der Kopfspringer GmbH, einer strategischen Beratungsgesellschaft mit Fokus auf Geschäftsmodellinnovationen, Digitalisierung und Transformationsprozessen. Er ist Autor und Keynote Speaker auf diversen Konferenzen und Business Foren. Von 2008–2012 widmete sich Prof. Burkhardt der „Lebenshilfe für Afrika“ und forcierte die Errichtung eines schulischen Waisendorfes in Monduli, Tansania. Er ist Co-Initiator und Mitglied der Jury des Wirtschaftswoche-Quantensprung-Awards, der HR-Garage sowie des Round Table Innovationsmanagements. In seiner langjährigen Tätigkeit in der Industrie verantwortete er den Aufbau diverser Innovationseinheiten in verschiedenen, international operierenden Gesellschaften. Er ist gemeinsam mit seinem Team Gewinner des Preises für Digitale Transformation im Großunternehmen.

Darüber hinaus sind weitere 11 AutorInnen im Innovationsteam rund um die Erstellung des Handbuches mit 222 Methoden und Instrumenten für mehr Wandlungsfähigkeit beteiligt. Sie werden mit ihren Stellungnahmen weiter unten dem Punkt Digitale Transformation – 360° genannt.

Thema und Zielsetzung

Es braucht schlanke, pragmatische und strukturierte Vorgehensweisen und Methoden, um Projekte für die digitale Zukunft in kürzeren Zyklen zu realisieren und somit auch anlass- und aktualitätsbezogen am Markt Produkte oder Services platzieren zu können. Jede der 222 Methoden und Instrumente wird Schritt für Schritt erklärt und um zusätzliche Informationen wie Hinderniseffekte, Praxisschlaglichter und Transformationswirksamkeit erweitert. Das Buch soll zum unverzichtbaren Begleiter von Mitarbeiter*innen und Entscheider*innen werden, die sich gerade auf den Weg in die digitale Transformation machen oder bereits mitten drinnen befinden und eine Erweiterung ihres methodischen Wissens anstreben.

Der Digital Transformation Canvas steht am Beginn als Überblick und soll helfen, Initiativen und Projekte schnell, ganzheitlich und zielführend zu modellieren. Im Kern werden damit 10 erfolgskritische Tätigkeitsfelder und grundlegende Transformationselemente übersichtlich dargestellt.

Typische Hindernisse, die das Weiterkommen behindern oder ganz zum Erliegen bringen, werden nach ihrer Wirkung untersucht und in 44 häufig auftretende Digitalisierungshindernisse – gereiht nach Häufigkeit – klassifiziert.

Weiters sind in diesem Buch 50 Mindset Cards versteckt, die dem Leser spannende Denkimpulse bieten sollen. Reflexion der eigenen Haltung ist ein wesentlicher Schlüssel für das Gelingen der Projekte zur digitalen Transformation.

Die Vielfalt des Buches lässt sich auf mehreren Wegen ergründen:

  1. Einfach mal stöbern
  2. Der Transformationsindex
  3. Methoden nach Alphabet mit Transformationsindex
  4. Methoden nach Hinderniseffekten gruppiert

Inhaltlicher Überblick

Am Anfang steht der Digital Transformation Canvas mit seinen 10 erfolgskritischen Tätigkeitsbereichen. Anwendungsszenarien sind

  • die Analyse von anstehenden bzw. durchgeführten digitalen Transformationsprojekten (ex post und ex ante)
  • der Vergleich und Benchmarking derartiger Projekte
  • die Ideenfindung bei Initiativen und Projekten
  • die Entwicklung derartiger Initiativen und Projekten
  • die Präsentation von Transformationsprojekten
  • das konsequente Alignment in digitalen Transformationsprojekten, beginnend bei den Initiativen und natürlich innerhalb der Projekte

Für jede/n Mitarbeiter*in an Transformationsprojekten sind zumindest zwei „Fokusflughöhen“ zu unterscheiden. Darunter verstehen die Autor*innen das Arbeiten auf unterschiedlichen gedanklichen Höhen eines Projektes, beginnend auf der strategischen Ebene und auch auf niedrigerer, operativer Ebene – abhängig von der Unternehmensgröße und der jeweiligen Aufgabenstellung. Damit können unterschiedliche Sichtweisen und damit auch Antworten generiert werden.

Fokustätigkeiten

Alle 10 Basisbausteine des Transformation Canvas haben somit die gleiche Relevanz und Wichtigkeit – die Reihenfolge des Befüllens mit Inhalten ist somit beliebig. Der Digital Transformation Canvas wirft zunächst den Blick weit in die Zukunft und ist der eigentliche Treiber für die Veränderungen. Dazwischen gibt es noch eine Reihe gezielt einsetzbarer, weil zuordenbarer Methoden. Die Themenfelder des Digital Transformation Canvas strukturieren das (nethodische) Denken und Handeln:

  • Leading: Wie soll der Auftrag aussehen?
  • Connecting: Wie wollen wir uns mit externem Wissen und Partner*innen verknüpfen bzw. verbinden?
  • Organizing: Wie wollen wir uns in der digitalen Transformation organisieren?
  • Talking: Wie soll die interne und externe Kommunikation aussehen?
  • Growing: Wie wollen wir die Transformationsbereitschaft, die -kompetenz und die -möglichkeiten herstellen?
  • Scanning: Wie identifizieren wir die Potenzialfelder bzw. Prozesse, die wir transformieren wollen?
  • Earning: Wie soll die Art und Weise der Wertschöpfung aussehen?
  • Scaling: Wie und wann skalieren wir für mehr Erfolg und Nachhaltigkeit?
  • Exploiting: Wie nutzen wir die bereits vorhandenen Potenziale an Ausstattung und Mitarbeiter*innen am besten aus?
  • Exploring: Wie soll die Art und Weise unserer Ideenfindung und der kreativen Arbeit in den einzelnen Projektteilen aussehen?

Aussagen der Autor*innen zum Thema „Digitale Transformation“ ermöglichen einen 360°- Rundblick für die Leser*innen. Diese manchmal etwas provokant formulierten 15 Schlaglichter sollen die Leser*innen zur Reflexion anregen bzw. auch zu neuem Denken und damit zu neuen Ideen inspirieren:

  • Die Ideenreichtumsfalle (Benno van Aerssen): „Wenn Sie einen Scheißprozess digitalisieren, dann haben sie anschließend einen scheiß digitalen Prozess“
  • Kekse und digitale Verantwortung (Nicolas Burkhardt)
  • Digitale Transformation passiert im Kopf und nicht in einer App (Christian Buchholz)
  • Alles ganz einfach und ziemlich kompliziert (Stephanie Bretz)
  • Auf nach Digitalien (Benjamin Brüser)
  • Das 1x1 der agilen digitalen Transformatzion (Sabina Lammert)
  • Das Yin und Yang von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft (Tobias Scharrikow)
  • Die Dekomposition des digitalen Elefanten (Jan Hermann)
  • Kleine Schritte (Beate Sommer)
  • Warum die digitale Transformation menschlich ist und keinen Aufschub duldet? (Dirk Kossey)
  • Wie nähere ich mich digitalen Themen? (Göran Göhring)
  • Die Wolkenkuckucksheimfalle (Benno van Aerssen)
  • Digitale Transformation oder (Problem-)Lösungen neu denken (David Sauer)
  • Digitale Transformation heißt Transformation der Kultur (Valerie Wacker)
  • Durchstarten in die neue Welt: Digital, Performant, Menschlich (Thomas Schönhoff)

Auf etwa 550 Seiten wird eine schwer überblickbare Sammlung von 222 Methoden dargestellt. Sie können nach den zwei oben kurz beschriebenen Kriterien „Baustein Transformation“ (P1-P10) und den „44 Hinderniseffekte“ selektiert werden – der Fokus wird so erleichtert. Dies ist zwar in der analogen Form des Buches etwas mühsam. Wesentlich bequemer ist die Suche nach gewünschten methodischen Anregungen über das Innovation Wiki des Verrocchio Institute for Innovation Competence (siehe Code im Buch) selektiert werden.

Diskussion

Einfach die methodischen Anregungen der Reihe nach durchlesen und einsetzen ist schlicht zu wenig, es braucht schon etwas Erfahrung zumindest im Moderations- und Trainingsbereich als Background. Dann ist dieses Buch bzw. wesentlich besser der Zugriff auf das Innovation Wiki eine echte Bereicherung. Apropos Filter zum Suchen: Analog ist das Buch gewichtig und hinsichtlich der Suchfunktionen nicht ganz so einfach zu handhaben. Digital beeindrucken die beiden eingangs beschriebenen Filter mit einmal 10 Tätigkeitsfeldern aus dem Transformation Canvas und 44 Hinderniseffekten – nach Bedeutung gereiht – als trennscharfe Auswahlkriterien. Sie sind für die Leser*innen eine sehr hilfreiche Unterstützung, da sie mit einem Mausklick auf eines oder mehrere der gewünschten Kriterien fokussieren.

Ein Selbstlernprogramm kann genauso zusammengestellt werden wie ein Programm für eine Selbstlerngruppe. Zudem öffnet der Link zum Innovation Wiki einen riesigen Fundus an methodischen Anregungen und Materialien. Je nach Erfahrung wird man auch die ein oder andere Methode unter bekannten, ähnlichen oder neuen Namen finden. Jede Methode ist strukturiert und übersichtlich dargestellt. Es liegt dann an den Leser*innen, die detailliert beschriebenen Methoden an die eigene Trainings- bzw. Projektsituation anzupassen. Allerdings erweist sich die Auseinandersetzung mit einschlägigen Experten als schlicht unersetzbar, um über den eigenen Zaun schauen zu können.

Fazit

Auf Grund der Vielzahl der über das Verrocchio Institute for Innovation Competence zur Verfügung stehenden Methoden kann nicht nur ein/e Einsteiger*in entlang der Bausteine zur Transformation gezielt Methoden für die eigene Anwendung selektieren. Mit dem zweiten Kriterium der 44 Hinderniseffekte kann jedenfalls noch gezielter anwendungsorientiert selektiert werden. Einen guten Überblick zu den Anwendungsbereichen bekommt man durch die vorhergehende Lektüre des Digital Transformation Canvas, wobei eine weiterführende Literatur zum Thema „digitale Transformation“ im Bereich der Geschäftsmodelle durchaus empfehlenswert erscheint. Das Buch regt jedenfalls zur weiteren und intensiveren Auseinandersetzung mit Methoden aber auch Inhalten zum Thema an.

Rezension von
Prof. Dr. Paul Brandl
war Professor für Organisationsentwicklung und Prozessmanagement, Berater für die Optimierung von Prozessen bei sozialen Dienstleistungen und Neugestaltung von sozialen Dienstleistungen insbesondere aus Sicht der KlientInnen und der Digitalisierung sowie dem prozessbasierten Qualitätsmanagement (pQMS extended®)
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Es gibt 99 Rezensionen von Paul Brandl.

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Zitiervorschlag
Paul Brandl. Rezension vom 24.06.2022 zu: Benno van Aerssen, Christian Buchholz: Das große Handbuch Digitale Transformation. 222 Methoden und Instrumente für mehr Wandlungsfähigkeit im Unternehmen. Verlag Franz Vahlen GmbH (München) 2022. ISBN 978-3-8006-6582-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28888.php, Datum des Zugriffs 03.07.2022.


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