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Johannes Krause, Thomas Trappe: Hybris

Rezensiert von Dr. Barbara Mahmoud, 11.05.2022

Cover Johannes Krause, Thomas Trappe: Hybris ISBN 978-3-549-10031-8

Johannes Krause, Thomas Trappe: Hybris. Die Reise der Menschheit: Zwischen Aufbruch und Scheitern | Von den Autoren des SPIEGEL-Bestsellers »Die Reise unserer Gene«. Propyläen Verlag (Berlin) 2021. 352 Seiten. ISBN 978-3-549-10031-8. D: 24,00 EUR, A: 24,70 EUR, CH: 27,50 sFr.
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Thema

Die Autoren zeigen in ihrer Veröffentlichung auf, welche Chancen und Risiken in der Menschheitsgeschichte bis zu Homo sapiens bestanden haben und aktuell weiterhin bestehen. Als eine bedeutsame Grundlage ihrer Argumentation nutzen sie Erkenntnisse aus der Archäogenetik.

Autoren

Professor Johannes Krause ist seit 2020 Direktor am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig und Spezialist für die Analyse von DNA zur Erklärung historischer Epidemien und menschlicher Wanderungsbewegungen.

Thomas Trappe ist Journalist und schreibt beim Berliner Tagesspiegel unter anderem über wissenschaftliche Themen. Beide Autoren veröffentlichten 2019 zusammen Die Reise unserer Gene.

Aufbau

Die Autoren gliedern ihr Buch in folgende Kapitel:

  • Prolog
  • Kapitel 1 Labormenschen
  • Kapitel 2 Hunger
  • Kapitel 3 Planet der Affen
  • Kapitel 4 Apokalypse
  • Kapitel 5 Durchmarsch
  • Kapitel 6 Zauberwald
  • Kapitel 7 Eliten
  • Kapitel 8 Hinter dem Horizont
  • Kapitel 9 Steppenhighway
  • Kapitel 10 Homo hybris
  • Dank
  • Anmerkungen
  • Quellen
  • Bildnachweis
  • Register

Inhalt

Im Prolog nennen die Autoren die gegenwärtigen Herausforderungen, die der Menschheit gegenüberstehen, nachdem ihre Entwicklungsgeschichte sie nach Jahrhunderttausenden durch genetische Überlebenserfolge und Sackgassen geführt hat:

  • Klimawandel,
  • Pandemie(n),
  • Überbevölkerung,
  • drohender Kollaps der Ökosysteme und
  • die Gefahren globaler kriegerischer Auseinandersetzungen.

Das Kapitel Labormenschen stellt die Wissenschaft der Archäogenetik und ihre Bedeutung für die menschliche Abstammungslehre vor. In einem Schaubild wird der Stammbaum des Menschen dargestellt, wobei zwischen den als gesichert betrachteten und den als (noch) ungesicherten Verbindungen der einzelnen Vorfahren unterschieden wird.

Hunger befasst sich mit dem Zeitraum von vor mehr als 100 000 Jahren bis vor ungefähr 20 000 Jahren. Beschrieben werden die in diesem Zeitraum herrschende Eiszeit, Hungersnöte, Esssitten, Bestattungsrituale und Kulturtechniken, die aufgrund von Fundstücken im europäischen Raum abgeleitet werden.

Thema von Planet der Affen ist die für den langen Zeitraum von vor 10 Millionen Jahren bis etwa vor 500 000 Jahren angenommene Vielzahl von Menschenaffenarten, die den afrikanischen Kontinent und Eurasien besiedelten. Viele Urmenschenformen in Afrika sorgten für eine genetische Vielfalt, die zur Entstehung und Verbreitung des Homo erectus und zur Entwicklung des modernen Menschen beitrugen.

Im Kapitel Apokalypse, das den Zeitraum von vor ungefähr 1 Million Jahren bis vor 50 000 Jahren umfasst, werden die Hemmnisse aufgeführt, die Homo erectus und Homo sapiens bei ihrer Ausbreitung begegneten.

Durchmarsch zeigt auf, wie im Zeitraum von vor weniger als 200 000 Jahren bis vor ungefähr 10 000 Jahren durch die Wanderungs- und Ausbreitungswellen des modernen Menschen die Menschenarten des Neandertalers und des Denisovaners in eine evolutionäre Sackgasse gerieten. Im Zuge ihrer Ausbreitung sorgte die stetige Überjagung durch den modernen Menschen weltweit für das Aussterben zahlreicher Tierarten. Der moderne Mensch entwickelte so effiziente Jagd- und Tötungstechniken, die zur Ausrottung von großen Teilen der jeweils einheimischen Tierwelt führten. Als Beispiele werden Australien und Neuseeland angeführt.

Das Kapitel Zauberwald beschäftigt sich mit der Ausbreitung des modernen Menschen von vor ungefähr 75 000 Jahren bis etwa vor 45 000 Jahren. Südostasien und Australien mit ihren damaligen Eigenheiten werden beschrieben. Ein weiteres Thema ist die Domestizierung des Wolfes in Eurasien und seine Nutzung als Jagdgefährte.

Eliten beinhaltet die Darstellung der Zentren der Domestikation von Wildpflanzen und Wildtieren, nachdem der moderne Mensch sich auf globaler Ebene vor ungefähr 10 000 Jahren nach seinem Sammler- und Jägerdasein der Landwirtschaft zugewandt hat. Die Entwicklung der Sesshaftigkeit und die landwirtschaftliche Lebensweise waren die Grundlage der neolithischen Expansion. Als Folge ergab sich ein rasanter Bevölkerungsanstieg.

Das Kapitel Hinter dem Horizont ist der weiteren Expansion des modernen Menschen in den letzten 15 000 Jahren bis vor etwa 500 Jahren gewidmet. Die Ausbreitung der Landwirtschaft findet vom chinesischen Festland aus über die japanischen Inseln und über Taiwan hinaus durch die „austronesische“ Expansion als Eroberung der pazifischen Inselwelt statt. Die Erschöpfung der natürlichen Ressourcen führte zu weiteren Besiedlungen.

Auf dem Steppenhighway drangen vor ungefähr 5000 Jahren bis vor etwa 500 Jahren Reitervölker aus der asiatischen Steppe nach Europa und bis nach China vor. Da in der Kargheit der Steppe kein Ackerbau möglich war, entwickelten sich Nomadenkulturen, die durch Viehzucht und durch die Domestizierung von Pferden groß wurden. Durch den Steppenhighway, den verschiedene Reitervölker nutzten, entwickelten sich durch die Steppeneinwanderungen nach Europa Handelsbeziehungen. Auch wurde die Steinzeitpest auf diesem Weg verbreitet.

Homo hybris nennen die Autoren den Entwicklungsstand des heutigen Homo sapiens. Dieses Kapitel befasst sich mit den letzten 500 Jahren Menschheitsgeschichte. Bevölkerungsexplosionen, durch verschiedene Epidemien und Pandemien verursachte Bevölkerungsschwünde sowie deren Folgen werden thematisiert. Der Homo sapiens sei durch sein einzigartiges und effektiv genutztes Gehirn in die Lage gekommen, seine Lebensgrundlage, den Planeten und die ihn schützende Hülle, irreversibel zu schädigen.

Diskussion

Homo hybris von Johannes Krause und Thomas Trappe ist ein Überblick über die bis heute bekannte und die vermutete Menschheitsgeschichte, die sich auf Erkenntnisse aus der Archäogenetik stützt. Diese Wissenschaft fundiert auf Fundstücken von Knochen, Zähnen und Haaren, in denen DNS über lange Zeiträume konserviert werden kann. Zur besseren Veranschaulichung dieser langen Zeiträume und der vielfachen Spuren des (vor)menschlichen Lebens haben die Autoren den einzelnen Kapiteln grafische Zeitschienen vorangestellt, die illustrieren, auf welche Zeitpunkte einzelne Fundstücke archäogenetisch zurückdatiert werden können und Entwicklungen in der Menschheitsgeschichte eingetreten sind. Ergänzende Anmerkungen und in den Text eingefügtes Bildmaterial sowie erläuternde Exkurse erleichtern das Lesen für interessierte „Laien“, die in einem umfangreichen Quellenverzeichnis weitere Anregungen zur Vertiefung der Thematik finden können.

Darüber hinaus zeigen die Autoren die Kehrseite der Entwicklung des modernen Menschen auf. Seine (genetische) Durchsetzungsfähigkeit gegenüber den anderen Menschenarten habe auch zu den aktuellen Problemen geführt. Anders als die Neandertaler und die Denisovaner, die beispielsweise ein Gleichgewicht zwischen Nahrungsangebot und Bevölkerungsumfang eingehalten hatten, sei ein spezifisches Merkmal des modernen Menschen sein zuweilen maßloser Expansionswille.

Fazit

Johannes Krause und Thomas Trappe führen die Lesenden in ihrem Buch Homo hybris durch einen langen Zeitraum der Menschheitsgeschichte. Ausgehend von Erkenntnissen der Abstammungsanalyse stellen sie einen Bezug zu den häufig selbst verursachten aktuellen, existentiellen Problemen des Menschen des 21. Jahrhunderts, des Homo hybris, her.

Rezension von
Dr. Barbara Mahmoud
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Es gibt 21 Rezensionen von Barbara Mahmoud.

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Zitiervorschlag
Barbara Mahmoud. Rezension vom 11.05.2022 zu: Johannes Krause, Thomas Trappe: Hybris. Die Reise der Menschheit: Zwischen Aufbruch und Scheitern | Von den Autoren des SPIEGEL-Bestsellers »Die Reise unserer Gene«. Propyläen Verlag (Berlin) 2021. ISBN 978-3-549-10031-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28893.php, Datum des Zugriffs 24.09.2022.


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