Suche nach Titel, AutorIn, RezensentIn, Verlag, ISBN/EAN, Schlagwort
socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Sabine Mecking, Manuela Schwartz u.a. (Hrsg.): Rechtsextremismus - Musik und Medien

Rezensiert von Prof. Stefan Müller-Teusler, 26.04.2022

Cover Sabine Mecking, Manuela Schwartz u.a. (Hrsg.): Rechtsextremismus - Musik und Medien ISBN 978-3-8471-1327-0

Sabine Mecking, Manuela Schwartz, Yvonne Wasserlos (Hrsg.): Rechtsextremismus - Musik und Medien. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2021. 376 Seiten. ISBN 978-3-8471-1327-0. D: 55,00 EUR, A: 57,00 EUR.
Reihe: Schriften zur politischen Musikgeschichte - Band 2
Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.

Kaufen beim socialnet Buchversand

Anlass des Buches

Die Grundlage ist eine interdisziplinäre Tagung in 2018 in Rostock zum Thema Rechtsextremismus, Musik und Medien gewesen.

Herausgeberinnen

  • Prof. Dr. Sabine Mecking ist Professorin für Landes und Zeitgeschichte an der Philipps-Universität Marburg.
  • Prof Dr. Manuela Schwartz Er ist Professorin für Historische Musikwissenschaft an der Hochschule Magdeburg-Stendal und Rektorin dieser Hochschule.
  • Prof. Dr. Yvonne Wasserlos ist Professorin für historische Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik und Theater Rostock.

Aufbau des Buches

Das Buch ist in 4 inhaltliche Abschnitte unterteilt und enthält noch einen umfangreichen Anhang. Das Buch beginnt mit einer Mischung aus Programmatik und Einleitung der 3 Herausgeberinnen. Den Buchtitel aufgreifend gehen sie zuerst auf den Begriff Rechtsextremismus ein, leiten dann über zu dem Komplex Musik und Rechtsextremismus, um dann im dritten Abschnitt dieses Beitrages zu den einzelnen Aufsätzen überzuleiten. Da die Tagung in 2018 gewesen ist, nehmen sie auch die Diskurse seitdem bis zum Erscheinen des Buches in einem Kapitel noch einmal extra auf. Diese Hinführung zum Thema ja mit 20 Seiten Umfang ist an sich eher ungewöhnlich, weist jedoch deutlich auf die Ausrichtung dieses Buches hin und ist sehr gelungen.

Der erste große Abschnitt dieses Buches ist überschrieben mit Historie, Narrative und Methodik. Wolfgang Benz zeichnet in dem Aufsatz: „Rechtsextremismus in Deutschland. Entwicklungen und Strömungen seit 1945“ komprimiert und dicht die Entwicklung nach 1945 die Post nach. Er zeigt auf, wie sich die Neonazi-Szene entwickelte und geht auf die neue Rechte ein, deren große Klammer Rechtsextremismus als Gesinnung ist, was insbesondere zu Beginn der 90er Jahre an den vielfältigen Übergriffen auf Menschen deutlich wird.

Sabine Mecking lenkt den Blick auf die Musik und geht auf die vielfältigen Stile des mit Musik untersetzten Rechtsextremismus ein. Die hohe Relevanz von Musik wurde und wird von Rechtsextremisten in verschiedener Form zur Verbreitung und Untermauerung Ihre Ideologie genutzt. Dabei zeigt sich ein weiter Bogen von völkischen Liedermacherin bis hin zu hartem Rechtsrock. Anhand von diversen Beispielen zeigt sie auf, wie bestimmte Ideologien, Moden und Musik ineinandergriffen. Dazu kommen auch noch verbreitete Videos, die das alles noch einmal untermauern. Sie problematisiert auch die Ambivalenz der Musik, denn „zumindest theoretisch kann jede Musikrichtung rechtsideologisch aufgeladen werden. Rechtsextreme Musik entsteht in der Regel erst in Kombination mit dem ideologischen Gehalt ihrer Texte so wie im Aufführungs- und Rezeptionskontext“ (S. 60 f.).

Thomas Pfeiffer erweitert den Fokus, indem er in seinem Beitrag “Rechtsextremismus als Erlebniswelt. Musik, Symbolik, Bildsprache“ aufgreift, welche Faszination im Hinblick auf eine kulturelle Identität auch dahintersteht. Das verdeutlicht er anhand von 2 Entwicklungen nämlich dem neonazistisch geprägten Kampfsport wie der Identitären Bewegung. Er zeigt dabei das weitreichende Facettentum der Symbolik auf, die bestimmte ideologische Momente transportieren. Anhand von verschiedenen Fotos, die hier beschrieben werden, zeig er auch auf, welche Botschaften diese Bilder transportieren.

Manuela Schwartz geht in ihrem Artikel auf die schwierige Forschung der Musikpraxis und -rezeption im Rechtsextremismus ein. Sie zeigt auf, dass die häufig in den Raum gestellte These, rechtsextreme Musik sei der Einstieg, sich nicht belegen lässt. Weiterhin spricht sie an, wie schwierig auch Forschungen diesem Kontext sind und wie man zu nachprüfbaren Erkenntnissen kommt. Sie erweitert das Spektrum auch hin zu symphonischer Musik. „Klassische national-romantische, komplexe instrumental besetzte sinfonische, monumentale Musik oder andere Arten von Kunstmusik haben in Form von Verweisen in Titeln von Musikwerken, im Namen von Gruppen oder in der Praxis bei der musikalischen Gestaltung von Auf- und Trauermärschen, Demonstrationen, bei kulturellen Lesungen oder in Privatveranstaltungen ihren Platz und ihre Bedeutung“ (S. 108). Mit der aufgezeigten Bandbreite des Themas schließt die Autorin diesen Beitrag mit dem Hinweis, dass die musikalische Vielfalt in dem Kontext von Rechtsextremismus noch entdeckt werden muss.

Der zweite große Abschnitt dieses Buches ist überschrieben mit Ambivalenz, Perzeption und Medien. Jan Philipp Sprick erläutert in seinem vergleichsweise kurzen Beitrag die Ambivalenz der Musik im Kontext rechtsextremistischer Propaganda. Am Beispiel von Hip-Hop und am Beispiel eines Liedermachers zeigt er auf, wie bekannte Lieder, Melodien und Texte umgewidmet wurden.

Yvonne Wasserloos geht in ihrem Beitrag auf die Nutzung des Mainstreams durch die Rechtsextremen ein. Damit meint sie zum Beispiel (bekannte) Filmmusik, die bisher bestimmten Szenen in bestimmten Filmen zugeordnet war, nun auf einmal zur Untermalung bzw. Inszenierung in anderen Kontexten verwendet wird. „Mit Fashwave […] wird das jüngste Musikgenre diskutiert, das sich dezidiert in der rechtsextremen Szene und genuin für sie entwickelte. Fashwave inkorporiert erstmals einen rechten ‚Sound‘ und stellt somit eine exklusive Musik für politische Zwecke und Einflussnahmen dar. So ist dieses Genre in Form Kontext unabhängiger Musik der Nutzung von zumeist kontextgebundener Musik machen bei den Identitären gegenüber zu stellen“ (S. 122). Sie beschreibt eine Typologie der Musikclips der Identitären, die natürlich zu unterschiedlichen Zwecken eingesetzt werden. Dieses neue musikalische Genre kommt zu weiten Teilen aus den USA. Es beruht auf der Alt-Right -Bewegung. Mit der musikalischen Untermalung, die ohne Texte auskommt, sondern deren Melodien und Klänge zur Inszenierung bestimmter bildlicher Botschaften genutzt werden können, wird eher ein Anschluss ah an die sogenannte gesellschaftliche Mitte gesucht. Parallel dazu geht eine Ästhetik einher, die auch das heroische, nordische besonders hervorhebt. „Die gegenwärtigen Artikulationsformen der rechtsextremen Szene ziele nicht mehr in erster Linie auf deutliche Statements durch Sprachlichkeit in textgebundener Musik ab. An ihre Stelle tritt mit Filmmusik und Fashwave Instrumental- bzw. elektronische Musik, die in Verbindung mit Bildlichkeit ihre Wirkung entfaltet. Das rationale der Sprache wird durch das Affekthafte, auf das emotionale Abzielende und Ambivalente einer genuin Musiksprache ersetzt“ (S: 150). Das ist natürlich alles nur möglich, weil das Internet als Plattform hier unendlich viele Möglichkeiten des Zugriffs und der Verwendung bietet.

Portale wie YouTube sind aus dem Musikgeschehen nicht mehr wegzudenken. Georg Brunner stellt in seinem Beitrag Untersuchungen zu YouTube vor, inwieweit die Plattform direkt und indirekt zur Verbreitung von rechtsextremer Propaganda beiträgt. Anhand von Untersuchungen auf Zugriffszahlen auf bestimmte Akteure, aber auch Kommentierungen und die Bildsprache wurden etliche Videos gefunden, die erst in der Interpretation bzw. im Kontext von Decodierungen als rechtsextrem zu gelten haben, damit aber eben auch eine lange Verweildauer haben. Zudem ist vieles nicht offensichtlich und die Menge ist einfach unüberschaubar. Die Herstellung und Produktion der Videos verlangen keinen technisch hohen Aufwand und sind somit auch von Amateuren leicht gestaltbar. „Besondere Aussagekraft kommt im Kontext der Rezeption neben der Anzahl der Klicks oder positiven Bewertungen den Kommentaren zu. […] So wird deutlich, dass auch Videos, die auf den ersten Blick eigentlich keine politische Ausrichtung haben, von den Rechten indirekt vereinnahmt werden“ (S.S. 182). YouTube trägt damit erheblich zur Verbreitung von rechtsextremer Musik bei, was noch einmal besonders problematisch wird, wenn es um Musik geht, die textlich mit rechten Phrasen provoziert, aber nicht eindeutig dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen ist (z.B. Frei.Wild).

Christoph Schulze greift in seinem Beitrag auf, was in einigen vorangegangenen Artikeln auch schon angeklungen ist: die Erweiterung des musikalischen Spektrums der Neonazis um Rap und Hip-Hop, was nicht nur musikalische Aspekte aufweist, sondern auch auf neue Kulturformen hinweist. In diesem Kontext sind die ‚Autonomen Nationalisten‘ zu nennen, die sich in ähnlicher Manier wie die Linksautonomen organisierten (daher auch die Verwendung von ‚Autonom‘) und auch bestimmtes Vokabular übernahmen. Dazu kam ein ähnliches Auftreten (schwarze Vermummung) sowie Ziele, die den Linksautonomen Blöcken erst einmal ähnlich waren (absolute Systemopposition, massive Auseinandersetzung mit der Obrigkeit). In diesem Zusammenhang tauchte Rap als Musik auf, die textlich die ‚Ziele‘ und das Selbstverständnis noch untermalten. Hinzu kamen noch Lebensstilelemente wie Körperkult (Kampfsport), eintreten gegen Tierversuche und anderes mehr. Auch wenn die Autonomen Nationalisten als Gruppierung an Bedeutung verloren haben, so sind die Stilelemente und die Übernahme von Denkweisen und Sprachmustern aus anderen Kontexten nach wie vor kulturell relevant.

Eine Band, die in diesen polarisierenden Kontext aufgrund ihrer Symbolik und mancher Textpassagen gehört, ist Rammstein. Fabian Bade geht der Frage nach, wie durch Journalismus eine Rezeption erfolgt, die dadurch eine Form von Deutungskultur übernimmt. Dass Rammstein mit Texten und Symboliken provoziert, ist bekannt und bewusstes Stilmittel der Band. Bade zeigt am Beispiel verschiedener Artikel aus der Presse auf, wie die Coverversion von ‚Stripped‘ (Depeche Mode) interpretiert und eingeordnet wird. Am Beispiel des Liedes ‚Deutschland‘ zeigt Bade auf, wie einerseits eine Nähe zu Neonazis denkbar ist (die das auch gerne aufgriffen und entsprechend kommentierten), wie es andererseits aber auch als Kritik und überzogener Spott interpretiert werden kann. Neben den Texten spielen bei Rammstein die Videos immer eine besondere Rolle, weil in der Bildsprache viel Symbolik transportiert wird. Dabei greift Rammstein auch auf Schnipsel aus NS-Kontexten zurück, die genau diese Interpretationen zulassen. Damit verbunden ist die Frage, inwieweit ehemals eindeutiges Propagandamaterial der Nazis (und als solches auch zurückzuweisen) inzwischen als Stilmittel kultur- und salonfähig geworden ist.

Der dritte Abschnitt ist mit Rezeption, Wirkung und politische Bildung überschrieben. Michaela Glaser geht der vieldiskutierten Frage nach, ob rechtsextreme Musik ein Einstiegsportal für die politische Ausrichtung ist. Dabei untersuchte sie diese Frage aus Sicht der Konsumentinnen und Konsumenten. Grundsätzlich ist nach dieser Studie (mit begrenzter Aussagekraft aufgrund des Samples) ein direkter Zusammenhang von Musik als Einstiegsweg in Rechtsextremismus nicht nachweisbar, aber natürlich kann Musik mit entsprechenden Inhalten diesen Weg unterstützen und forcieren, wozu aber schon im Vorfeld Sympathien für Rechtsextremismus vorhanden sein müssen. Was -wenig überraschend, aber noch einmal bestätigend- die Studie noch einmal belegt, ist die identitätsstiftende Funktion dieser Musik – sowohl für das Individuum (Subjekt) als auch für die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Szene. Aber einige Jugendliche gaben auch an, dass die Musik für sie eine Ventilfunktion hat, ohne dass sie sich der Szene zugehörig fühlen.

Im Kontext des (wiedererstarkten) Neonazismus bekommt politische Bildung einmal mehr ein besonderes Gewicht. Gudrun Heinrich geht retrospektiv der Frage nach, wie „‘Rostock-Lichtenhagen 1992‘ als Lerngegenstand der politischen Bildung“ verstanden werden kann. Ausgehend von einem allgemeinen Verständnis politischer Bildung und die Frage der Vermittlung und Rezeption analysiert sie, wie das (entsetzliche) Geschehen in Rostock heute von Schülerinnen und Schülern bewertet wird. Sie weist darauf hin, dass „der Unterricht nie wertfrei sein darf. Bezugspunkte sind Grund- und Menschenrechte und die grundlegenden Prinzipien der Demokratie“ (S. 257), was trotz und innerhalb dieser Normativität bedeutet, Spannungen und Meinungspluralität zuzulassen.

Weil Versatzstücke rechter Ästhetik und Symbolik auch längst Art von Alltagskultur ist bzw. Einzug in diese gefunden hat, stellt sich auch die Frage, wie sich dieses in dem üblichen Musikschulunterricht aufgegriffen und thematisiert werden kann. Dabei geht es um die ganze Bandbreite der rechten Musik und nicht im den vordergründig eindeutig zu identifizierenden Rechtsrock, wie Jan-Peter Koch in seinem Beitrag aufgreift. Die sublimen Botschaften sind es, die solche Musik problematisch machen, weil in den Texten viele Anspielungen enthalten sind, insbesondere wenn dieses auch noch mit anderen positiv besetzten Inhalten assoziiert wird (z.B. Filmen). „Die Texte der Ideologieträger bedienen sich der den Jugendlichen vertrauen und von ihnen akzeptierten Musiksprache. Genau das macht den Rechtsrock so gefährlich, wenn er seinen Rassismus, seine Fremdenfeindlichkeit und seine Gewaltverherrlichung nicht offen zeigt (wie bei den Zillertaler Türkenjägern), sondern ihn subkutan in das Gewand aktueller Rockmusik kleidet (wie bei Absurd)“ (S. 271). Es setzt ein doch relativ breites eigenes Wissen voraus, dieses zu erkennen und als solche Botschaft zu entlarven. Auch wäre eine fächerübergreifende Thematisierung in diesem Kontext sehr lohnenswert (Lektüre im Deutschunterricht, Filme, Kunstunterricht etc.).

Oliver Krämer beschließt den dritten Teil dieses Buches mit einem Essay über Musik an sich und fokussiert sich dabei auf die neuere, jüngere Musik. Dabei geht es zum einen um die verschiedenen Ausrichtungen, in die sich Musik ordnen ließe (Struktur, Geräusch, Klang in seinen Facetten, Improvisation etc.) Zum anderen geht es aber auch um die Emotionalität bzw. um die Hörenden, die Musik auf sich wirken lassen: „Letztendlich geht es darum, als Subjekt die Kontrolle über den Kontrollverlust zu behalten, also einerseits tiefes Erleben zuzulassen, ohne im Vorhinein sagen zu können, wo es uns hinführen wird, und andererseits im Nachhinein zu reflektieren, was in Momenten des Mitgenommenseins durch Musik, in solchen Momenten des Ergriffenwerdens mit uns und in uns vor sich geht“ (S. 294). Die von dem Autor benannten Musikbeispiele (von Anton Webern, Karlheinz Stockhausen, Helmut Lachenmann, John Cage und andere) sind herausfordernde Stücke, die sich durch intensives Hören auch erst einmal erschlossen werden müssen.

Der vierte Teil des Buches geht quasi auf den Anlass des Buches zurück, nämlich auf die Tagung „Rechtsextremismus – Musik und Medien“ vom Januar 2018. Hier sind das Podiumsgespräch sowie die Anmerkungen einiger Zuschauenden aufgezeichnet, was am 20.01.2018 stattfand. Diverse der hier in diesem Band versammelten Autorinnen und Autoren geben hier ihre Statements ab (so sind wohl manche Aufsätze Ausarbeitungen der ursprünglichen Vortragstitel), aber es sind auch Menschen dabei, die nicht mit einem Aufsatz vertreten sind. Im Wesentlichen geht es in sprachlicher Form um die Inhalte dieses Buches, was aber gut nachvollziehbar und durch das Gespräch lebendig wirkt.

Der fünfte und letzte Teil des Buches ist lapidar mit ‚Verzeichnisse‘ betitelt, ist aber sehr wertvoll als Quelle und zur schnellen Orientierung. In den ganzen Aufsätzen sind die Quellen immer in Fußnoten angegeben, hier sind alle genutzten Publikationen noch einmal alphabetisch zusammengestellt. Dazu kommt eine eigene Rubrik für Online-Quellen und Plattformen. Was dieses Verzeichnis noch so wertvoll macht, ist das Register, das differenziert ist nach Namen und Begrifflichkeiten, nach Orten und nach Titeln.

Diskussion

Das Buch greift das wirklich weite Spektrum der rechtsorientierten Musik auf und es gelingt sehr gut, die vielen Facetten in den Beiträgen abzubilden. Es wird deutlich, wie schwierig Abgrenzungen vorzunehmen sind, aber auch wie notwendig es ist, differenzierte Diskussionen und Auseinandersetzungen zu führen. Gerade im Hinblick auf so manche Stil- und Spielarten (Symbolik, Sprache, Ästhetik) ist der Diskurs erst recht notwendig, um so manche sublimen Botschaften als solche zu enttarnen und der Popularisierung von rechten Inhalten bewusst zu begegnen. Insbesondere Jugendliche müssen verstehen lernen, dass so manche Musik eben nicht nur Musik ist, sondern differenzierte Botschaften enthält. Die einzelnen Artikel können für sich gelesen werden, aber der große Kontext erschließt sich erst, wenn das Buch insgesamt durchgearbeitet wird. Für eilige Menschen könnte die Transkription der Podiumsdiskussion zumindest das Spektrum und die Reichweite deutlich werden. Was etwas irritiert, ist der Titel des Buches, denn die Medien (hier natürlich die sozialen Medien) kommen kaum vor. YouTube und Journalismus werden (gut) aufgegriffen und diskutiert, aber andere Plattformen wie Instagram, TikTok etc. fehlen. Auch wenn ein Buch nicht alles aufgreifen und abbilden kann, wären zumindest Hinweise der Herausgeberinnen darauf sinnvoll gewesen (so fehlen diese Plattformen auch im Register). Aber natürlich ist das Internet, das überhaupt erst solche Möglichkeiten bietet, als Medium und als Raum insgesamt umfassend aufgegriffen.

Fazit

Die Herausgeberinnen haben hier ein sehr fundiertes, umfassendes Buch vorgelegt, dass mit Sicherheit als Standardwerk zu bezeichnen ist und gut gelungen ist. Die Beiträge zeigen immer wieder neue Aspekte bzw. Fokusse auf und so ergeben sich auch keine Redundanzen. Für Menschen, die beruflich mit Jugendlichen unter sozialen Aspekten zu tun haben, ist dieses Buch ein Fundus und eine hervorragende Quelle. Für Studierende im Bereich Musik (zumindest im Bereich Musikpädagogik) wird es ein Muss sein. Auch wenn das Musikbusiness schnelllebig ist und Bands verschwinden und neue kommen, so wird das Buch in seinen grundsätzlichen Aussagen seine Wirkung als Handbuch und Standardwerk behalten.

Rezension von
Prof. Stefan Müller-Teusler
Website
Mailformular

Es gibt 78 Rezensionen von Stefan Müller-Teusler.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Stefan Müller-Teusler. Rezension vom 26.04.2022 zu: Sabine Mecking, Manuela Schwartz, Yvonne Wasserlos (Hrsg.): Rechtsextremismus - Musik und Medien. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2021. ISBN 978-3-8471-1327-0. Reihe: Schriften zur politischen Musikgeschichte - Band 2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28931.php, Datum des Zugriffs 24.05.2022.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht