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Miriam Lotze, Katharina Wehking (Hrsg.): Diversität, Partizipation und Benachteiligung im Hochschulsystem

Rezensiert von Prof. Dr. sc.hum. Nina Fleischmann, 12.09.2022

Cover Miriam Lotze, Katharina Wehking (Hrsg.): Diversität, Partizipation und Benachteiligung im Hochschulsystem ISBN 978-3-8474-2518-2

Miriam Lotze, Katharina Wehking (Hrsg.): Diversität, Partizipation und Benachteiligung im Hochschulsystem. Chancen und Barrieren für traditionelle und nicht-traditionelle Studierende. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2021. 273 Seiten. ISBN 978-3-8474-2518-2. D: 33,00 EUR, A: 34,00 EUR.
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Thema

Von 100 Kindern aus Akademikerfamilien beginnen statistisch gesehen 79 ein Hochschulstudium. Bei Nicht-Akademiker Familien schaffen gerade einmal 27 von 100 Kindern den Sprung an eine Hochschule. Diesen Befund des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung von 2018 wird im Kontext von Chancengleichheit in der Hochschulbildung häufig zitiert. Doch was bedeutet Chancengleichheit wirklich? Welche Indikatoren zeigen sich auf welche Art und Weise? Wie kann den Barrieren entgegengetreten werden? Um diese Fragen geht es in diesem Buch.

Herausgeber

Miriam Lotze und Katharina Wehking sind wissenschaftliche Mitarbeiterinnen am Institut für Erziehungswissenschaft (Fachgebiet Berufs- und Wirtschaftspädagogik) der Universität Osnabrück. Für diesen Sammelband hat das Herausgeberduo 26 Autor*innen gewonnen.

Aufbau

Auf 273 Seiten werden 12 Beiträge dargelegt. Alle Beiträge berichten aus Projekten, die in der Förderlinie „Wege ins Studium öffnen“ des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur umgesetzt wurden.

Inhalt

Lotze und Wehking ordnen im ersten Beitrag ihr Buch ein. Durch die Partizipation einer Studierendenschaft mit mehr Heterogenität steigt die Diversität an Hochschulen an. Gleichzeitig entsteht ein Spannungsfeld zwischen eben dieser Partizipation und der nach wie vor bestehenden Benachteiligung der nicht-traditionell Studierenden. Sie zeigen auf, was unter traditionell und nicht-traditionell Studierenden sowie unter Diversität, Partizipation und Benachteiligung im Hochschulsystem verstanden wird. Andrea Bührmann beschreibt in ihrem Beitrag die Implementierung von Diversitätsstrategien an der Universität Göttingen auf der Basis der reflexiven Diversitätsforschung. Sie argumentiert hier entlang der These, dass ein Mehr an (soziokultureller) Vielfalt die Chancen der Hochschulen auf ein Mehr an Exzellenz signifikant befördern könnte.

Lisa Rosen diskutiert theoretisch-konzeptionell Bildungsteilhabe auf der Basis von Intersektionalität und Diskriminierung vor dem Hintergrund von Zugehörigkeitsordnung. Internationalisierung und Verwettbewerblichung sind mit ungleichen Teilhabechancen (politisch) verbunden. Kristin Fricke und Team stellen das Projekt Brückenschlag+ vor. Digitale modularisierte Informations- und Lernangebote richten sich an Studierende ohne akademische Vorbildung oder mit Fluchthintergrund. Dabei setzt das Projekt auf niedrigschwellige Angebote in Social Media und einer Lernplattform, der Schaffung von Identifikationsfiguren und der der Unterstützung bei der Informationsbeschaffung. Zudem wird aus einem Mentoringprogramm für strukturell benachteiligte Studierende berichtet. Evamaria König und Anika Werner betrachten peermentorielle Angebote der Initiative ArbeiterKind.de, hier vor allem im Kontext der Coronapandemie und in dieser Zeit entstehende digitaler Angebote. Das Zitat „Die stabilsten Brücken bewähren sich schließlich erst in den stürmischsten Zeiten“ illustriert dies anschaulich. Ebenso an dieser Initiative angeknüpft ist das Projekt „Talentscouting in der Region“, welches an Schulen informiert, ein Seminarfach anbietet und Talentscouting betreibt. CHOICE+ der TU Braunschweig unterstützt auf mehreren Wegen First-Choice-Studierende auf ihrem Bildungsweg. Franziska Drewes resümiert die bisherigen Erfahrungen zu den hochschulischen Maßnahmen für Studierende mit Fluchterfahrung. Barbara Schwarz und Team stellen das digitale Tool Study IQ vor, welches die Unterstützungsmaßnahmen bündelt, damit das passende Angebot gut aufgefunden werden kann. Eine besondere Zielgruppe, die sogenannten Care Leaver werden im Beitrag von Dorothee Kochskämper und Team in den Fokus gerückt. Im letzten Beitrag geht es um Mentoringinitiativen für weibliche Nachwuchswissenschaftlerinnen und ihre akademischen Karrierewege.

Diskussion

Die Auseinandersetzung mit Diversity in der Hochschullehre erfordert eine aktive Auseinandersetzung, Beharrlichkeit und Konfliktfreude – die sich lohnt: von einem Hochschulalltag, in dem alle ohne Angst lehren und lernen können, profitieren alle. Dabei geht es im Kontext der Hochschule über die gesellschaftlich schützenswerten Kategorien des AGG ethnische Herkunft, Geschlecht, Weltanschauung, Behinderung, Alter und sexuelle Identität hinaus. Insbesondere die Vielfalt in Bildung und (sozialer) Herkunft zeigen sich in den beschriebenen Projekten in diesem Sammelband. Hervorzuheben ist dabei die gelungene Mischung aus theoretischen Ansätzen und praktischer Umsetzung. Deutlich wird, wo Forschungslücken sind und wo angeknüpft werden kann. Einige Beiträge nehmen Bezug auf die Umstände und Wirkungen der Coronapandemie. Hier ist es sicher interessant, wie sich Ansätze, die sich im Kontext der Pandemie ergeben haben wie z.B. digitale Formate, zukünftig verstetigen lassen oder neue Zugangswege bieten können.

Der Kontext der Projekte ist regional in Niedersachsen zu verorten. Für andere Bundesländer gilt es zu prüfen, wie weit die Befunde auf die eigene Bildungspolitik und Rahmenbedingungen übertragbar sind.

Fazit

Diversität spielt im Hochschulsystem eine essentielle Rolle. Dieses Buch zeigt das Spannungsfeld zwischen Partizipation und Benachteiligung für traditionelle und nicht-traditionelle Studierende sowie Anknüpfungspunkte für Forschende und mit dem Thema beauftragte Personen in Hochschulen. Für Hochschullehrende sind Diversityaspekte aktueller denn je, da sich die Wahrnehmung zu den Diversitydimensionen geändert hat. Mit Reflexion und Sensibilität sind wichtige erste Schritte getan, die zweiten Schritte folgen dann in der Umsetzung und dafür ist dieses Buch eine wichtige Hilfe.

Rezension von
Prof. Dr. sc.hum. Nina Fleischmann
Hochschule Hannover Fakultät V - Diakonie, Gesundheit und Soziales
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Es gibt 78 Rezensionen von Nina Fleischmann.

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Zitiervorschlag
Nina Fleischmann. Rezension vom 12.09.2022 zu: Miriam Lotze, Katharina Wehking (Hrsg.): Diversität, Partizipation und Benachteiligung im Hochschulsystem. Chancen und Barrieren für traditionelle und nicht-traditionelle Studierende. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2021. ISBN 978-3-8474-2518-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28945.php, Datum des Zugriffs 26.09.2022.


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