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Katherine Leith: Grundlagen ethischen Handelns in der Sozialen Arbeit

Rezensiert von Prof. Dr. Christian Philipp Nixdorf, 08.02.2022

Cover Katherine Leith: Grundlagen ethischen Handelns in der Sozialen Arbeit ISBN 978-3-943001-62-4

Katherine Leith: Grundlagen ethischen Handelns in der Sozialen Arbeit. Apollon University Press (Bremen) 2021. 2., korrigierte und aktualisierte Auflage. 616 Seiten. ISBN 978-3-943001-62-4. D: 54,90 EUR, A: 56,50 EUR.
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Autorin

Katherine Leith, Ph.D., LMSW, MPH, Certificate of Graduate Study in Aging, ist staatlich anerkannte Sozialarbeiterin mit langjähriger Erfahrung in Praxis und Lehre. Sie ist Dozentin für Soziale Arbeit und Öffentliches Gesundheitswesen sowie Direktorin für das Certificate of Graduate Studies in Aging an der Universität von South Carolina.

Thema

Im Buch wird der Frage nachgegangen, welche Bedeutung der Ethik in der Sozialen Arbeit zukommt. Die Autorin legt zentrale Theorien und Modelle ethischen Handelns dar und bereitet anhand von Fallbeispielen auf, welche Theorien von Professionellen im Sozialwesen als Orientierungshilfe für verantwortungsvolles Handeln aufgegriffen werden können. Das Lehrbuch arbeitet mit Merksätzen, Selbstüberprüfungsaufgaben und Zusammenfassungen, sodass Leser:innen ihr Wissen bei der Lektüre immer wieder rekapitulieren können. Im Werk wird aufgezeigt, warum Sozialarbeitende eine ethische berufliche Verantwortung tragen und wie sie davon Gebrauch machen können, wie sich praktische Handlungskonzepte der Sozialen Arbeit also mit ethischen Maximen verknüpfen lassen.

Aufbau und Inhalt

Das Werk ist 2020 im Apollon Verlag erschienen, bei dem es sich um den hochschuleigenen Verlag der Apollon Hochschule handelt, in dem neben einigen externen Forschenden vor allem Lehrende, Studierende, sowie Absolvent:innen der Apollon Hochschule publizieren. Der Verlagsschwerpunkt liegt auf der Publikation von Methoden- und Studienbüchern mit Schwerpunkt Gesundheits- und Sozialwirtschaft sowie Bildung und Weiterbildung.

Das Buch Grundlagen ethischen Handelns in der Sozialen Arbeit hat 615 Seiten und ist in 5 Kapitel mit zahlreichen Unterkapiteln unterteilt. Es handelt sich um ein Lehrbuch, das den Leser:innen neben Fachinformationen diverse Aufgaben zur Selbstüberprüfung bietet.

Das Buch beginnt mit einem Vorwort, in dem die Autorin die Frage aufwirft, „warum es im Hinblick auf die bereits bestehende Fülle von veröffentlichten Büchern über die Ethik in der Sozialen Arbeit nun noch ein weiteres solches Werk braucht“ (S. 9). Bezugnehmend auf den didaktischen Aufbau des Textes beantwortet sie das damit, dass der Unterschied zu anderen existierenden Werken darin liege, dass ihr Buch neben der Möglichkeit der Wissensaneignung auch ermögliche, dieses Wissen „mithilfe von Merksätzen, Selbstüberprüfungsaufgaben und Zusammenfassungen zu vertiefen und in jedem Kapitel selbstständig zu überprüfen“ (ebd.). Es geht der Autorin dabei nicht darum, eine einzig wahre „richtige“ Ethik zu postulieren, sondern darum, „eine für alle Beteiligten akzeptable Vorgehensweise zu formulieren, die die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt, aber zugleich innerhalb ethischer Parameter liegt“, betont Leith (ebd.). Wie das vonstattengehen soll, schildert die Autorin in der Einleitung des Textes. Ihr Buch „präsentiert eine ausführliche Diskussion zum Thema Ethik in der Sozialen Arbeit, indem es den grundlegenden Zusammenhang von Ethik und Sozialer Arbeit darstellt und ein konkretes Bezugssystem zwischen beiden Feldern entwirft“, schreibt Leith (S. 12). Es sei speziell ausgerichtet auf Studierende und Fachkräfte der Sozialen Arbeit, die „sich nicht nur für einzelne Klientengruppen einsetzen, sondern auch Veränderungen für breitere Bevölkerungsschichten erreichen wollen“ (ebd). Die ethischen Dilemmata, die in der Sozialen Arbeit auftreten, gelte es als Chance zu sehen und gleichzeitig die Einrichtungen und Kommunen zu stärken, in denen Sozialarbeitende tätig sind. Davon, wie das möglich ist, welche Hürden es dabei gibt und wie konstruktiv sowie unter Bezugnahme auf welche Theorien mit diesen umgegangen werden kann, handelt Katherine Leiths Lehrbuch.

Im ersten, 82 Seiten umfassenden Kapitel, das mit Fokus Soziale Arbeit überschrieben ist, gibt die Autorin einen kurzen Überblick über die historische Entwicklung und die geschichtlichen Wurzeln der Sozialen Arbeit vom frühen Mittelalter bis heute (S. 14 ff.). Sie beschreibt, dass der historische Kontext bedeutsam für die Ausprägung und Beurteilung der Professionalisierung der Sozialen Arbeit gewesen sei und auch für deren ethische Verankerung eine zentrale Rolle gespielt habe. Leith verdeutlich, wer maßgebliche Wegbereiter:innen der Sozialen Arbeit in Deutschland und international waren. Sie stellt Persönlichkeiten wie Alice Salomon, Mary Richmond und Jane Addams vor, die wichtige Impulse für die Entwicklung professioneller Soziale Arbeit lieferten (S. 44 ff.). Darüber hinaus geht Leith auf die Bedeutung des systemischen Ansatzes ein, der sich „in der Sozialen Arbeit inzwischen fest etabliert“ habe (S. 67). Ferner befasst sich die Autorin auch mit den Spezifika dessen, was eine Profession auszeichnet (S. 73 ff.). Sie setzt sich mit der seit Jahrzehnten geführten Debatte auseinander, ob und warum die Soziale Arbeit im klassischen professionssoziologischen Sinne (k)eine Profession sei. Ferner stellt Leith die Bedeutung der advokatorischen Funktion (Advocacy) heraus und legt dar, dass der Sozialen Arbeit die konfliktträchtige, Aufgabe zukommen, „sich gegen genau das System zu stellen, das sie hervorbrachte. Diese Art von Advocacy-Arbeit, auch »Anwaltschaftlichkeit« genannt, ist die Interessenvertretung für Menschen ohne politische Stimme und kann als Kernthema der Sozialen Arbeit verstanden werden“, schreibt Leith (S. 87). Im letzten Teil des ersten Kapitels nimmt sie sich dann noch der Bedeutung von Fachtermini in der Sozialen Arbeit an, die der Profession (so sie eine ist) zu eigen seien, aber in der Interaktion mit Klient:innen auch ethische Fragen aufwerfen, da sie die Ausgrenzung nicht Eingeweihter bewirken können.

Im zweiten Kapitel mit dem Titel Fokus Ethik, welches 88 Seiten umfasst, definiert die Autorin zunächst den Begriff der Moral (S. 109 ff.), geht auf die Spezifika dessen ein, was „Werte“ auszeichnet (S. 115) und reflektiert, ob es so etwas wie universelle Werte gäbe, die alle Menschen kultur- und epochenübergreifend teilen (S. 123 ff.). Definitorisch befasst Leith sich auch mit dem Normen-Begriff (S. 138 ff.), bevor sie darlegt, wie und warum es dazu kommt, dass Normen eingehalten oder missachtet werden. Im Anschluss daran beleuchtet die Autorin die Begriffe Ethik, Menschenwürde und Menschenrechte (S. 145 ff.), wobei sie u.a. Bezug nimmt auf das deutsche Grundgesetz wie auch auf internationale und europäische Erklärungen zu den (universellen) Menschenrechten. Leith führt aus, dass die Ethik, die sich „mit gutem und schlechtem menschlichen Handeln und Verhalten“ befasse, ein Zweig der Philosophie sei (S. 174). Sie wolle „genauer bestimmen, was gutes, schlechtes, richtiges oder falsches Handeln oder einen guten, schlechten, ehrenhaften oder verwerflichen Charakter im Menschen ausmacht und wie dies in Erfahrung zu bringen ist“ (ebd.). Die Autorin geht auf unterschiedliche ethische Disziplinen ein (S. 175 ff.) und nimmt eine Differenzierung von allgemeiner und angewandter Ethik, deskriptiver, normativer, deontologische und teleologische Ethik, Individual-, Institutionen-, Sozial- und Bereichsethik vor. Sie legt umfassend dar, was darunter jeweils zu verstehen ist und wie diese Ethiken zueinander in Bezug stehen.

Leith setzt sich ebenfalls mit den Zielen der Ethik auseinander. Sie schreibt, dass „sich die grundsätzlichen, allgemein für erstrebenswert befundenen Ziele allen ethischen Denkens und Handelns mit den Grundprinzipien überschneiden, die den Menschenrechten und dem Gedanken der sozialen Gerechtigkeit zugrunde liegen“ (S. 191). Was die Soziale Arbeit anbelangt, ließen sich drei Ziele definieren. „Gerechtigkeit ist eines dieser Ziele. Die zwei anderen Ziele sind Allgemeinwohl, d.h. Solidarität, und Autonomie“ (ebd.). Auch diese Begrifflichkeiten werden von der Autorin definiert. Im letzten Teil des Kapitels tätigt sieeinen Aufruf zu mehr sozialem Mut (S. 194 ff.) und schildert, dass „die Beziehung zwischen der Sozialen Arbeit und der Sozialpolitik auch heute noch immer eine ambivalente“ sei, da es nach wie vor um „bestehende Machtstrukturen und -verhältnisse und darum [geht], wie diese zum Wohle des Einzelnen und der Gemeinschaft verändert werden sollen und können“ (S. 195). Sozial Arbeitende benötigten, so ist die Autorin überzeugt, Zivilcourage im Alltag. Sie bräuchten „Gerechtigkeitssinn, Einfühlungsvermögen und Empathie“, aber auch „Kenntnisse von Rechten, Gesetzen und die differenzierte Wahrnehmung von Machtverhältnissen“ (ebd.). Sozialarbeitende müssten sich in ihrem professionellen Agieren darüber im Klaren sein, „wie sie zugunsten sowohl ihrer gegenwärtigen als auch aller zukünftigen Klient/​innen Situationen beeinflussen können, die oft zu banal und unbedeutend scheinen, um wahrhaftig bedeutungsvolle politische Auswirkungen zu erzielen“, schreibt die Autorin (S. 196). Zivilcourage sei dafür essenziell. Es gehen, so ist sie überzeugt, „um die alltägliche Bereitschaft, in unspektakulären Situationen für das eigene Wohl und das Wohl anderer sowie für die fundamentalen Werte des gleichberechtigten und gleichberechtigenden Zusammenseins einzutreten“ (ebd.). Das sei oft unangenehm und unbequem, aber ein ethisches Gebot, dem Sozialarbeitende verpflichtet seien.

Fokus Ethik in der Sozialen Arbeit lautet der Titel des dritten, 89 Seiten umfassenden Kapitels, in welchem die Autorin konkretisiert, warum – und wie – der Ethik nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch eine zentrale Rolle in der Sozialen Arbeit zukommt. Die Ethik liefere „gewissermaßen die Basis, auf die sich die Soziale Arbeit stütz“ schreibt Leith (S. 208), die Eisenmann (2012, S. 11) mit folgenden Worten zitiert: „Dadurch, dass die Soziale Arbeit eine Human- oder Menschenrechtsprofession ist, kann sie sich all die ethischen Grundsätze, wie auch die Werte und Normensetzungen, die für das menschliche Zusammenleben in einer Gesellschaft, für die zwischenmenschliche Beziehungen Gültigkeit besitzen, für ihr eigenes Verständnis und Handeln nutzbar machen.“ Der Gegenstand Sozialer Arbeit sei die Bearbeitung, Linderung und Lösung sozialer Probleme, es gäbe aber schlichtweg „kein soziales Problem, das nur unter Bezug auf eine einzige Disziplin beschrieben und erklärt werden könnte“ (S. 208). Die Soziale Arbeit stelle ihr Wissen bereit, um die Welt zum Positiven zu verändern. Eine berufsspezifische Ethik sei zwecks der „Entwicklung der professionellen Identität unentbehrlich, weil sie die Auseinandersetzung mit der Frage nach »richtigem« Handeln und nach der Quelle ethischer Begründung und Reichweite“ ermögliche (ebd.). Im Anschluss an diese Darlegungen erläutert die Autorin, dass und warum Soziale Arbeit eine Menschenrechtsprofession, und mithin mehr als nur eine Dienstleistung, sei (S. 210). Sie spricht von einer „dienstleistenden Menschenrechtsprofession“ (S. 224) und schreibt, dass diese sich als reflektierende Praxis (S. 241) konstituieren müsse.

Des Weiteren setzt sich Leith umfassend mit der Rolle der Berufsverbände der Sozialen Arbeit und mit deren Ethikkodizes auseinander (S. 261 ff.). Sie stellt den klientenzentrierten Empowerment-Ansatz als einen möglichen Lösungsansatz für viele soziale Konflikte heraus und beschreibt die Notwendigkeit, konstruktiv mit Konflikten umzugehen (S. 289 ff.). Dabei rekurriert die Autorin u.a. auf die neun Stufen der Konflikteskalation nach Friedrich Glasl (2013), der „win-win“, „win-lose“ und „lose-lose“-Möglichkeiten der Konfliktbearbeitung unterscheidet. Ebenfalls nimmt Leith Bezug auf die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg (2016) wie auch auf das Wirken von Carl R. Rogers (1972), der den Ansatz der nicht-direktiven Beratung entwickelt hat. Als eine Möglichkeit, auch schwierige Konflikte zu lösen, benennt Leith den ethisch vertretbaren Kompromiss. „Grundwerte lassen keine Kompromisse zu, da sie als absolut gelten“, meint die Autorin (S. 297). Zugleich seien diese aber widersprüchlich. Sie zwängen „zur Wahl des vorzugwürdigeren Wertes. Wer sich hier auf einen Kompromiss einlässt, um zu einer ethisch plausiblen, der Situation angemessenen Entscheidung zu gelangen“, agiere ethisch integer, schildert Leith (ebd.). Sie ist überzeugt, dass Sozialarbeitende, „die zu sehr auf ihre professionelle Rolle als »sozial Arbeitende(r)« fixiert sind“, nicht wirklich in der Lage seien, „kompetent für die Bedürfnisse ihrer Klient/​innen einzutreten“ (S. 297 f.). Das sei so, weil es je nach Situation nötig sein könne, „dass sie Aufgaben übernehmen, die nicht in das traditionelle sozialarbeiterische Handlungsrepertoire fallen – soweit sie nicht ethische, organisatorische und rechtliche Parameter verletzen“ (S. 298). Ihre Darlegungen in diesem Kapitel zusammenfassend erklärt die Autorin, dass die Diskussion um die ethischen Grundlagen der Sozialen Arbeit „schnell etwas esoterisch wirken und die Frage aufwerfen [kann], was das alles nun konkret mit der täglichen sozialarbeiterischen Praxis zu tun hat“ (S. 302). Das beantwortet sie damit, dass es letztlich um die Frage „Wie soll ich handeln?“ gehe. Ethisch kompetente Soziale Arbeit müsse in der Lage sein, das klar zu beantworten – bezugnehmend auf eine ethische Basis.

Im vierten Kapitel, das 84 Seiten umfasst und mit Fokus ethisches Handeln betitelt ist, geht es genau darum. Die Autorin reflektiert hier, wie Sozialarbeitende ethisch gut vertretbare Entscheidungen treffen können, die mitunter erheblichen Einfluss auf das Leben ihrer Klient:innen nehmen. Auch geht sie auf das für Soziale Arbeit konstitutive doppelte Mandat von Hilfe und Kontrolle ein, das von Silvia Staub-Bernasconi und anderen weiterentwickelt wurde zum Trippel-Mandat aus Hilfe, Kontrolle und Berufsethik (S. 307 ff.). Einen großen Teil des Kapitels machen die Darlegung ethischer Dilemmata in der Sozialen Arbeit aus (S. 325 ff.). Leith erklärt, was darunter zu verstehen sei, warum Dilemmata entstehen und wie Sozialarbeitende damit umgehen können. Im Rahmen dessen rekurriert sie auf ethische Entscheidungsmodelle (S. 372 ff.), die sie erläutert. Konkret benennt sie das Drei-Stufen-Modell nach Hermann Alois Baum, die sieben ethischen Prinzipien nach Frederick G. Reamer, die Ethical Screens nach Ralph Dolgoff, Donna Harrington und Frank Loewenberg, das Sechs-Schritte-Modell nach Heinz Eduard Tödt, das Vier-Phasen-Modell nach Verena Tschudin sowie das ethische Entscheidungsmodell nach Kathleen McNamara. Trotz dessen, dass sie von der Nützlichkeit solcher Ethikmodelle überzeugt ist, betont die Autorin indes, „dass Ethikmodelle zwar durchaus hilfreich sein können für die ethische Urteilsbildung, dass ihnen aber auf keinen Fall »blind« vertraut werden darf. Ethische Urteilsbildung bedarf immer der bewussten, situationsgebundenen Reflexion“, gibt Leith zu bedenken (S. 393). Sie betont, dass oft „Interessen und Anträge der jeweiligen Mandanten miteinander kollidieren und zu ethischen Dilemmata für diejenigen führen können, die mit der Umsetzung beauftragt sind: die professionellen Akteure der Sozialen Arbeit“ (S. 396).

Ethische Dilemmata entstünden, wenn mehrere Zielstellungen aufgrund divergenter Wertesysteme miteinander in Konkurrenz treten, schreibt Leith. Das geschehe „auf allen drei sozialökologischen Ebenen auf – Mikro-, Meso- und Makroebene“ (ebd.). Auf der Mikro-Ebene, in der Interaktion von Sozialarbeitenden mit ihren Klient:innen, „ergeben sie sich oft aus dem Potenzial zum paternalistischen Verhalten seitens der professionellen Akteur/​innen »im besten Interesse« ihrer Klient/​innen“ (ebd.). Auf der Meso-Ebene existierten widersprüchliche Aufforderungen zu Effektivität und Effizienz in den sozialen Einrichtungen, welche die Fachkräfte vielfach als kontraproduktiv bzgl. ihres ethische Selbstverständnisses erlebten. Auf der Makro-Ebene wiederum müssten Sozialarbeitende „das Klientenwohl mit dem Allgemeinwohl ausbalancieren“ (ebd.). Zusammenfassend konstatiert die Autorin, dass es mitunter schwierig sei, ethische Dilemmata zu erkennen und zu durchschauen. Dessen müssten sich Sozialarbeitende bewusst sein, weshalb sie im Studium dafür sensibilisiert werden sollten. Sie müssten „zu bewusster ethischer Reflexion bereit sein, um ihre Entscheidungsfindung ethisch untermauern zu können“, schreibt Leith (S. 396). Dazu stünden ihnen diverse ethische Entscheidungsmodelle zur Verfügung, welche die Autorin vorstellt, erläutert und ergänzt.

In Fokus Soziale Arbeit und ethische Kompetenz, dem fünften und letzten Kapitel, das mit 118 Seiten am längsten ist, setzt sich Leith intensiv damit auseinander, wie ethisches Handeln in der alltäglichen, konkreten Praxis der Sozialen Arbeit umgesetzt werden kann. Die Autorin stellt das Konzept der ethischen Kompetenz vor und benennt mit Supervision und Fallbesprechung zwei Schlüsselstrategien zur Förderung ethischer Kompetenz. Leith geht zunächst auf die Strengths-Perspektive ein (im deutschsprachigen Raum »Ressourcenorientierung« genannt), durch welche Fähigkeiten statt Defizite in den Fokus gerückt werden (S. 435). Bei der Strengths-Perspektive gehe es „nicht darum, Ursachen von Problemen zu linden oder Interventionen auf Probleme auszurichten oder eine stigmatisierende Terminologie zu verwenden. Das Ziel ist, zu wissen, wie Menschen Schwierigkeiten begegnen, im Hier und Jetzt“, schildert Leith (S. 443). Sie erläutert, was es mit der Unterscheidung von Strengths (Stärken) und Capabilities (Fähigkeiten) auf sich hat, worin die Unterschiede liegen und welche Relevanz die Unterscheidung für die Soziale Arbeit habe. Darüber hinaus geht Leith auf das Modell der Salutogenese von Aaron Antonovsky (1979) wie auch auf Ausführungen von George Libman Engel ein, die den Blick dafür weiteten, dass, um Menschen in Not wirklich „zu verstehen und helfen zu können, es unerlässlich ist, gleichzeitig die biologischen, psychologischen und sozialen Dimensionen ihrer Lebensumstände zu berücksichtigen“ (S. 451). Es gehe darum, schildert Leith, „wie gut Menschen ihre eigenen Stärken mobilisieren können, um Problemen »Widerstand« zu leisten“, wobei sich unter Stärken sämtliche individuellen, sozialen und kulturellen Faktoren subsumieren ließen, „die es Menschen erleichtern, Stressoren erfolgreich zu bewältigen und somit zum Erhalt oder zur Verbesserung ihrer Gesundheit beitragen“ (S. 452). Für Sozialarbeitende sei es hilfreich, über diese salutogetischen Faktoren Bescheid zu wissen, da dann gezielt nach ihnen gesucht werden könne (Anmerkung des Rezensenten: Ein herausragendes Beispiel für Salutogenese findet sich in dem 1946 erschienenen Werk Man’s Search For Meaning von Viktor E. Frankl, dem Begründer der Logotherapie).

Im weiteren Verlauf des Kapitels benennt Leith mehrere Strategien für ethisches soziales Arbeiten (S. 458 ff.), die sie erneut auf unterschiedlichen Ebenen (Mikro-, Meso- und Makroebene) verortet. Im letzten Teil des Kapitels legt sie den Fokus auf Fragen der ethischen Sozialen Arbeit der Zukunft, indem sie auf gesellschaftliche Wandlungsprozesse eingeht, mit denen sich Gesellschaften weltweit konfrontiert sehen. Diese nähmen Einfluss darauf, wie Soziale Arbeit sich gestalte, wer Anspruch auf soziale Unterstützung haben wird und wie sich dieser Anspruch durchsetzen lasse. „Spätestens seit der Weltwirtschaftskrise knapp eine Dekade nach der Jahrtausendwende […] steht fest, dass die Welt von heute eine »Un-Welt« ist: ungewiss, unsicher, unruhig, unbeständig – unbezahlbar“, meint die Autorin (S. 483). Eine neue Prekarisierung erstrecke „sich jetzt auch auf die Mitte der Gesellschaft, sowohl durch umfassende Prekarisierungstendenzen in der Arbeitswelt als auch durch immer weiter steigende Lebensunkosten“, schildert Leith (S. 484). Ebenso führe der Abbau öffentlicher Sozialleistungen (etwa im Kontext der »Hartz IV« Umsetzung) zu steigender Verunsicherung, sozialer Entsicherung und sozialem Abstieg auch von Menschen, die sich vormals zur Mitte der Gesellschaft zählten und eher selten zum Klientel der Sozialen Arbeit gehörten. Die Risiken, denen sich die Menschen heute immer mehr ausgeliefert fühlten, seien „eine Folgeerscheinung des gesellschaftlichen Wandels“, schreibt die Autorin bezugnehmend auf Darlegungen des 2015 verstorbenen Soziologen Ulrich Beck, der in den 1980er Jahren den Begriff der »Risikogesellschaft« geprägt hat. Diese Risikogesellschaft wandele sich heute zur VUKA-Informationsgesellschaft, in der Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität das Leben der Menschen ebenso bestimmten wie das Streben nach mehr Individualisierung. Das alles wirke sich auf die Soziale Arbeit aus, denn ebenso „wie das heutige Leben schlechthin unter dem Zeichen der Globalisierung steht, so kann auch die Soziale Arbeit sich dieser Entwicklung nicht entziehen“ (S. 507). Das neoliberale Credo sei, so schließt Leith dieses Kapitel, dass es nicht mehr darum gehe, „Lösungen für Probleme der Gemeinschaft zu linden“, vielmehr gelte heute jede:r als seines/​ihres Glückes Schmied:in. (S. 510). Wer schlecht schmiede habe Pech und sei sich mit seinen/​ihren Problemen selbst überlassen. Das führe zu einem noch stärkeren Gefühl der Randlosigkeit und rufe die Soziale Arbeit auf den Plan, die darauf professionell – und das heißt: ethisch reflektiert – zu reagieren habe.

Leith beendet ihre Darlegungen mit einer Schlussbetrachtung, in der sie die wichtigsten Erkenntnisse dessen, was sie in ihrem Lehrbuch thematisiert, nochmals zusammenfasst. „Ein integraler Aspekt ethischen sozialen Arbeitens ist, zur Schaffung einer gerechten Gesellschaft beizutragen, indem es Inklusion und Egalität aller Menschen fördert und fordert, vor allem derer, die dies nicht selbst können. Die Soziale Arbeit fungiert also als Bindeglied, sie kann eine Brücke schlagen, über die diejenigen den Weg in die Gemeinschaft in den können, die zuvor vom gemeinsamen Leben ausgeschlossen waren“ postuliert Leith (S. 514). Ebenso sei die Soziale Arbeit aber auch „ein Produkt der vorherrschenden sozialpolitischen, -wirtschaftlichen und -kulturellen Strömungen des jeweiligen gesellschaftlichen Systems, durch das sie ihre Legitimation erst erhält“ (ebd.) Sie sei dadurch auch ein Akteur der Implementierung und Aufrechterhaltung staatlicher Sozialpolitik, diene somit also nicht nur der Unterstützung, sondern auch der Kontrolle. Es komme daher oft dazu, dass die Soziale Arbeit „mit Forderungen und Aufträgen konfrontiert wird, die ihrem professionellen und ethischen Mandanten widersprechen. Es braucht viel sozialen Mut und Beharrlichkeit, diesen Begehrlichkeiten nicht nachzugeben und den Menschenrechten treu zu bleiben“, meint die Autorin (ebd.). Zu guter Letzt macht sie deutlich, dass sozial tätig zu sein immer auch bedeute, politisch aktiv zu sein. Die Soziale Arbeit habe einen politischen Auftrag, da sie sich dazu aufgerufen sehe, die Lebensverhältnisse ihrer Klient:innen zu beeinflussen, erklärt Leith (Anmerkung des Rezensenten: Siehe dazu den 2013 erschienenen Sammelband Soziale Arbeit als kritische Handlungswissenschaft von Wolfram Stender & Danny Kröger). Daher dürften sich Sozialarbeitende nicht scheuen, politisch aktiv zu werden. Den Schlussbetrachtungen der Autorin nach folgt ein fast 100-seitiger Anhang, in dem Leser:innen Bearbeitungshinweise zu den im Buch aufgelisteten Übungen und Lösungen der Aufgaben zur Selbstüberprüfung ebenso finden wie ein Abkürzungsverzeichnis, ein Glossar und ein Sachwortverzeichnis.

Diskussion

Was lässt sich zum Buch Grundlagen ethischen Handelns in der Sozialen Arbeit nun festhalten? Für wen ist es geschrieben, wie ist es im Fachdiskurs zu verorten und inwieweit kann das Werk empfohlen werden? Dazu kann der Rezensent folgendes festhalten:

Zielgruppe, Formalia und Verständlichkeit: Das Buch richtet sich, wie die Autorin selbst schreibt, in erster Linie an Studierende und Fachkräfte der Sozialen Arbeit. Lehrende an Fach(Hoch)schulen, die Seminare zu den ethischen Grundlagen Sozialer Arbeit leiten, profitieren dank der vielen Fallbeispiele im Text ebenfalls von der Lektüre. Die gesamte Aufmachung des Lehrbuches ist sehr gut und kann als vorbildlich hervorgehoben werden. Die Autorin formuliert stets verständlich, was in Anbetracht der komplexen Thematik herausfordernd ist und auf ein professionelles Lektorat schließen lässt. Manch andere Autor:innen, die ebenfalls zur Ethik in der Sozialen Arbeit publiziert haben, können sich daran durchaus ein Beispiel nehmen. Was die Formalia anbelangt, machen es die gewählte Serife-Schrift und der hinreichend große Zeilenabstand leicht, das Buch trotz des Umfangs von über 600 Seiten schnell durchzulesen. Zum guten Verständnis des Inhalts trägt ebenfalls bei, dass das Werk viele farbliche Schaubilder enthält, die den Fließtext ergänzen und das dort Geschilderte noch greifbarer machen. Besonders lernförderlich ist, dass der Fließtext oft um Einschübe ergänzt wird, in denen wichtige Informationen zusammengefasst, Definitionen gegeben, Übungen aufgelistet und Beispiele für das Dargelegte geboten werden. Ebenfalls lernförderlich ist, dass jedes Kapitel mit einer Zusammenfassung dessen eingeleitet wird, was Leser:innen darin erwartet. Dass das Buch über ein Glossar verfügt, in dem diverse Begriffe erläutert werden, ist ebenfalls positiv. Zum Lerngewinn trägt zu guter Letzt auch bei, dass sich im Anhang mögliche Antworten auf die in den Kapiteln gestellten Übungsaufgaben finden, sodass Leser:innen, die aktiv mit dem Werk arbeiten, ihren Lernfortschritt überprüfen können.

Verortung im Fachdiskurs: Wie die Autorin im Vorwort selbst schreibt, existieren unzählige an deutschsprachigen (und noch weite mehr an englischsprachigen) Fachbüchern, in denen Ethik in der Sozialen Arbeit beleuchtet und auf moralische Dilemmata sowie auf Herausforderungen eingegangen wird. Aktuelle im deutschsprachigen Raum zu nennende Veröffentlichungen zu der Thematik sind Gunzelin Schmid Noerr & Rudolf Bieker mit ihrem Buch Ethik in der Sozialen Arbeit (2018), Verene Begemann et al. mit Soziale Arbeit als angewandte Ethik (2016), Thomas Schumacher mit seinem Lehrbuch der Ethik in der Sozialen Arbeit (2013) Hans-Ulrich Dallmann mit Ethik in der Sozialen Arbeit (2013). Katherine Leiths Grundlagen ethischen Handelns in der Sozialen Arbeit (2020) ist allerdings deutlich umfangreicher (aber auch redundanter und mitunter weitschweifiger) als die genannten Werke. Leiths didaktische Herangehensweise ist indes besser, wobei vor allem das Werk von Dallmann (2013) ähnlich gut geschrieben, aber weniger ausführlich, ist. Summa summarum bereichert Katherine Leith mit ihrem Werk eindeutig den Fachdiskurs. Studierenden und Lehrenden kann ihr Lehrbuch klar empfohlen werden.

Kritik: Obgleich es sich beim hier rezensierten Werk insgesamt um ein wirklich gutes Lehrbuch handelt, gibt es auch Kritikpunkte, die aufzugreifen für eine etwaige Neuauflage überlegenswert wären. Zu nennen ist vor allem, dass das Buch viele Redundanzen erhält. Diverse Punkte, die in einem vorherigen Kapitelteil (oder auch nur wenige Seiten zuvor) schon dargelegt wurden, werden in der ein oder anderen Weise später erneut aufgegriffen. Es kann sein, dass das Absicht ist, denn Redundanz kann lernförderlich sein, es fiel dem Rezensenten aber einfach auf, dass er diverse Ausführungen der Autorin zu gewissen Punkten mehrfach an unterschiedlichen Stellen im Buch fand. Des Weiteren ist es so, dass die Autorin auf enorm viele Themenkomplexe eingeht, von denen einige mit Ethik in der Sozialen Arbeit wenig zu tun haben – oder zu haben scheinen (wie etwa die Darlegungen zum Konfliktmanagement oder die Ausführungen zur VUKA-Welt). Leith schlägt zwar früher oder später die Brücke, stellt also einen Bezug zum eigentlichen Thema ihres Buches her, es passierte dem Rezensenten aber mehrfach, dass er die Ausführungen der Autorin zwar in methodischer und philosophischer Hinsicht interessant fand, sich aber fragte, was diese jetzt mit Ethik in der Sozialen Arbeit zu tun haben. Viele andere Lehrbücher zu der Thematik umfassen 160 bis 230 Seiten. Leiths Buch umfasst 615 Seiten. Aus Sicht des Rezensenten hätte das Werk um ca. 100 Seiten gekürzt werden können, ohne dass die Argumente der Autorin dadurch weniger stichhaltig gewesen wären.

Ein Kritikpunkt ist aus Sicht des Rezensenten auch, dass die Autorin sich zwar umfassend mit Ethik in der sozialarbeiterischen Praxis befasst, sie die Ethik in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Theorien und Praxis der Sozialen Arbeit aber unthematisiert lässt. Wünschenswert wäre gewesen, zumindest ein Unterkapitel auch dem Themenkomplex der Forschungsethik in der Sozialen Arbeit zu widmen, also darauf einzugehen, wie Befragungen, Datenerhebungen, teilnehmende Beobachtungen etc. von Fachkräften der Sozialen Arbeit ethisch angemessen durchgeführt werden können und auf welche potenziellen Fallstricke dabei zu achten ist (Anmerkung des Rezensenten: Wer daran interessiert ist, dem kann der 2021 erschienene Sammelband Forschungsethik in der Sozialen Arbeit von Julia Franz & Ursula Unterkofler empfohlen werden). Nicht wirklich kritikwürdig, aber hervorhebenswert ist zu guter Letzt, dass der Preis des Buches mit 54,90 € ziemlich hoch liegt. Dass kein Verlag, der kostendeckend arbeiten muss, ein Fachbuch von über 600 Seiten für 20 € anbieten kann, wenn es ein Nischenthema behandelt, ist klar. Ein Preis von über 50 € dürfte aber für viele Studierende unerschwinglich sein. Das ist insofern schade, als das Werk sich leider nicht in jeder Bibliothek an Hochschulen findet, die einen Studiengang der Sozialen Arbeit anbieten. Ein geringerer Preis wäre der weiteren Verbreitung des Buches, die sehr zu begrüßen wäre, sicher zuträglich.

Abschließendes Urteil: Soziale Arbeit ist eine helfende Profession. Diverse Fachexpert:innen, allen voran Silvia Staub-Bernasconi, vertreten sogar die These, dass es sich dabei um eine genuine Menschenrechtsprofession handele. Man kann das disputieren, aber kaum jemand dürfte abstreiten, dass Helfen den Kern Sozialer Arbeit ausmacht. Das professionell zu leisten und das eigene (Nicht-)Handeln anderen gegenüber begründet vertreten zu können, ist ohne umfassende theoretische Fundierung, die einen ethischen Bezugsrahmen beinhaltet, nicht denkbar. Ob die ethische Grundlage des eigenen professionellen Handelns nun auf religiösen, parareligiösen, philosophischen oder sonst wie gearteten Überzeugungen basiert, ist sekundär. Die Inspirations- und Bezugsquellen für richtiges Handeln, derer sich Menschen bedienen, sind schließlich unterschiedlich. Was ethisches Agieren ausmacht, ist auch kulturell geprägt. Was aber kulturübergreifend (relativ) gleich bleibt, ist, dass es ein Anspruch der Sozialen Arbeit ist, ethisch zu handeln. Das ist Teil des Selbstverständnisses von Sozialarbeitenden. Dies freilich kann zu Spannungen und Widersprüchen führen, da es bedeutet, sich zwecks Unterstützung von Klient:innen und zwecks Aufrechterhaltung eines moralischen Ideals bestehenden Vorgaben ggf. zu widersetzen und sich »unbequem« zu machen. (Angehende) Sozialarbeitende müssen das wissen. In Katherine Leiths Buch werden sie damit gut vertraut gemacht.

Die Auseinandersetzung mit den Grundlagen der Ethik in der Sozialen Arbeit, der sich die Autorin in ihrem Lehrbuch annimmt, ist für die Profession der Sozialen Arbeit essenziell. Die Lektüre von Leiths Buch kann Studierenden der Sozialen Arbeit ebenso empfohlen werden wie Lehrenden und berufserfahrenen Fachkräften. Das Werk eignet sich als Informationsquelle für Klausuren oder Hausarbeiten, kann aber auch eine Grundlage für Diskussionen in Hochschulseminaren bilden. Darüber hinaus kann das Buch in der beruflichen Weiterbildung und Begleitung des Handelns von Sozialarbeitenden zum Einsatz kommen. Es kann als Inspirationsquelle und Nachschlagewerk für reflektiertes ethisches Handeln dienen. Viele Sozialarbeitende tauschen sich in Supervisionen, kollegialen Beratungen und Coachings schließlich über ethische Fragen, Dilemmata und Belastungen in ihrer Arbeit aus. In diesen Kontexten kann die Bezugnahme auf Grundlagen ethischen Handelns in der Sozialen Arbeit von Nutzen sein. Es gibt in der Sozialen Arbeit diverse Herausforderungen. Die voranschreitende Ökonomisierung, die Zunahme sozialer Ungleichheit, die Vereinzelung und Exkludierung nicht mehr »wettbewerbsfähiger« (oder -williger) Menschen und das Erstarken rechtspopulistischer Kräfte sind nur einige Beispiele unter vielen. Wer sie als Sozialarbeiter:in angehen und dem Anspruch auf ethisches Handeln dabei gerecht werden will, muss sich irritierbar halten und das eigene Vorgehen stets selbstkritisch reflektieren. Das ist und bleibt die Grundlage dafür, gerecht handeln zu können. Katherine Leith reflektiert das auf überzeugende Weise. Sie gibt (angehenden) Sozialarbeitenden mit ihrem Buch eine lesenswerte Informations-, Inspirations- und Orientierungsquelle an die Hand.

Fazit

Katherine Leith hat ein sehr gut geschriebenes Lehrbuch verfasst, das es dank der durchdachten didaktischen und inhaltlichen Aufbereitung einfach macht, sich intensiv mit der ethischen Fundierung und mit ethischen Dilemmata in der Sozialen Arbeit auseinanderzusetzen. Das Werk ermöglicht angehenden wie auch erfahrenen Sozialarbeitenden, das eigene Handeln unter ethischen Gesichtspunkten selbstkritisch zu reflektieren und so eine professionelle Haltung zu entwickeln bzw. zu erhalten. Das macht die Lektüre lesenswert.

Rezension von
Prof. Dr. Christian Philipp Nixdorf
Sozialwissenschaftler, Diplom-Sozialarbeiter/-pädagoge (FH), Sozial- und Organisationspädagoge M. A., Case Management-Ausbilder (DGCC), Systemischer Berater (DGSF), zertifizierter Mediator, lehrt Soziale Arbeit und Integrationsmanagement an der Hochschule der Wirtschaft für Management (HdWM) in Mannheim.
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Es gibt 36 Rezensionen von Christian Philipp Nixdorf.

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Zitiervorschlag
Christian Philipp Nixdorf. Rezension vom 08.02.2022 zu: Katherine Leith: Grundlagen ethischen Handelns in der Sozialen Arbeit. Apollon University Press (Bremen) 2021. 2., korrigierte und aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-943001-62-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28982.php, Datum des Zugriffs 27.11.2022.


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