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Birte Friedrichs, Nikola Poitzmann: Kartenset Demokratiepädagogik für Jugendliche

Rezensiert von Prof. Dr. René Börrnert, 26.09.2022

Cover Birte Friedrichs, Nikola Poitzmann: Kartenset Demokratiepädagogik für Jugendliche

Birte Friedrichs, Nikola Poitzmann: Kartenset Demokratiepädagogik für Jugendliche. Partizipativ, konfliktfähig und kreativ. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2021. 31 Seiten.

Bindeart: Karten

Format: 25,3 x 17,9 x 2,898

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Thema

Schule aber auch Soziale Arbeit stehen im Auftrag, bei jungen Menschen eine demokratische Grundhaltung auszubilden. Wie aber kann das ohne pädagogische Zwänge gelingen? Neben der aufklärenden Prävention via Bildung sind partizipative Methoden eine angemessene Form, das Thema über Alltagsbezüge zu vermitteln. Diese lebensweltbezogene Anwendung kann über aktive Mitgestaltung von Schüler:innen deren Selbstwirksamkeitserfahrung erhöhen. Die individuelle Auseinandersetzung mit sozialen Kompetenzen wie Konfliktlösung, mit Werten und Rechten kann zu einem guten Miteinander beitragen.

Autorinnen und Entstehungshintergrund

Dr. Birte Friedrichs ist Gymnasiallehrerin (Deutsch, evangelische Religion, Darstellendes Spiel) und arbeitet im Hessischen Bildungsministerium im Projekt „Gewaltprävention und Demokratielernen“ (GuD). Außerdem ist sie Dozentin für Weiterbildungen in schulpädagogischen Kontexten.

Nikola Poitzmann arbeitet im Hessischen Bildungsministerium im Projekt „Gewaltprävention und Demokratielernen“ (GuD) und im Bereich „Bildungssprache Deutsch und schulische Integration“. Zudem gibt sie Fortbildungen zu den Themen Sexualisierte Gewalt, Demokratiepädagogik und Diversity.

Das Kartenset entstand im Rahmen der Zusammenarbeit der Autorinnen im oben genannten Projekt. Konkreter äußerer Anlass waren die antisemitisch motivierten Attentate in Halle/​Saale (2019) und Hanau (2020). Demokratiepädagogisch knüpft das Set an Materialien von Birte Friedrichs an, die sie bereit zum Thema „Klassenrat“ veröffentlicht hat („Praxisbuch Klassenrat“ und „Praxisbox Klassenrat für die Sekundarstufe“; Beltz Verlag). Beide Autorinnen sehen Demokratieerziehung als fächerübergreifende Querschnittsaufgabe im Schul- und Unterrichtsalltag: „Es geht dabei weniger um eine theoretische Beschäftigung mit Demokratie (das auch), sondern im Zentrum um die Ermöglichung vielfältiger Erfahrungen mit Demokratie durch Partizipation“ (Booklet, S. 3).

Aufbau und Inhalt

Die 56 Karten, die sich in Praxis-, Info-, Material- und Methodenkarten gliedern, umfassen folgende Themenbereiche, die für Demokratiepädagogik von Bedeutung sind: Was ist Demokratie?, Kinder- und Jugendrechte, Wahl der Klassensprecher*innen, Demokratisch kommunizieren und die Karten mit den Arbeitsmethoden. Entwickelt wurde das Kartenset für den Unterricht in fächer- und klassenübergreifenden Projekten ab Sekundarstufe I, der allgemeinbildenden und beruflichen Schulen sowie für die außerschulische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. 

Die Autorinnen sind sich dessen bewusst, dass sich bei den vielfältigen Anforderungen im Unterricht oft zu wenig Zeit findet, Partizipation in dem Maße umzusetzen, wie es gefordert ist. Sie bieten daher universell anwendbare Didaktiken. Auf den Karten sind klare Herangehensweisen und Ansätze formuliert. So finden sich für die jeweiligen Übungen auf den einzelnen Karten in einem ersten Block der angedachte Zeitrahmen, die Zielgruppe, die Sozialform (z.B. Gruppenstärke) und das notwendige Arbeitsmaterial. Sodann werden Grundidee und Ablauf erläutert. Diese Beschreibungen der Lehr-/​Lerneinheiten und die Methoden-Bausteine werden ergänzt um Anleitungen für Kommunikationsanlässe, vielfältiges Hintergrundwissen (z.B. Zitatsammlungen) und zahlreiche Ideen für praktische Umsetzungen im Alltag.

Diskussion

Aktueller denn je gilt der demokratische Bildungsauftrag nicht mehr nur für Lehrer:innen und Schulpädagog:innen, sondern auch für Fachkräfte in der Sozialen Arbeit – von der Schulsozialarbeiterin bis zur Politischen Bildung, die sogar bis in die Jugendsozialarbeit Einzug hält (vgl. Keller u.a. 2020). Zahlreiche Fachbücher geben Hinweise zu entsprechenden Didaktiken und Methoden. Viele dieser Texte werden über die Bundes- und Landeszentralen für Politische Bildung sogar kostenfrei abgegeben. Der praktische Gebrauchswert dieser Materialien ist dabei vielfältig wie die dort präferierten Themenfelder. Insofern legen Friedrichs und Poitzmann kein neuartiges Material vor.

Der Anspruch der beiden Autorinnen ist es, Materialien zu erarbeiten, die sich ohne Aufwand einsetzen lassen. Diesem Anspruch werden sie gerecht. Die Karten sind schon auf den ersten Blick ansprechend und offenbaren eine Vielfalt an Themen, Methoden und Querverweisen, die ein großes Spektrum abbilden und tatsächlich einen niedrigschwelligen Zugang zum Thema ermöglichen.

So ist es beispielsweise die Übung „Schlechtes Zuhören“ („Demokratisches Kommunizieren“, 01), die über einen ersten spaßigen Zugang aufzeigt, was die dann relevante Methode „Aktives Zuhören“ letztendlich bedeutet. Die Grundidee wird folgendermaßen beschrieben: „Es macht Spaß, sich ‚schlecht‘ zu benehmen – der Einstieg in das Thema ‚Aktives Zuhören‘ ist daher motivierend, denn er beginnt mit Negativbeispielen. Zugleich werden durch diese ‚Kopfstandmethode‘ wesentliche Bedingungen guten Zuhörens deutlich. Diese werden im zweiten Schritt erarbeitet und eingeübt“ (ebenda). Gerade im Freizeitbereich können Soziale lediglich über freiwillige Beteiligung und ansprechende Kontexte für Kinder und Jugendliche einen Zugang zum großen und diffusen Thema „Demokratie“ erzielen. Dabei kann das vorliegende Kartenset mit seinen Vorschlägen sehr gut unterstützen.

Fazit

Das Kartenset bietet zahlreiche Methoden und sehr gute Anregungen, um Demokratieförderung im schulischen Alltag praxis- und lebensweltbezogen umzusetzen. Zugleich ist es eine sehr gute Handreiche als Impulsgeber für Fachkräfte der Sozialen Arbeit, die in themenrelevanten Arbeitsfeldern unterwegs sind.

Literatur

Keller, A. u.a. (Hrsg.): Politische Bildung und Jugendsozialarbeit gemeinsam für Demokratie. Neue Wege der Primärprävention. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2020.

Rezension von
Prof. Dr. René Börrnert
Prof. Dr. phil., Diplom-Pädagoge (Sozialarbeitswissenschaft), Fachhochschule des Mittelstands (Rostock)
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Es gibt 24 Rezensionen von René Börrnert.


Zitiervorschlag
René Börrnert. Rezension vom 26.09.2022 zu: Birte Friedrichs, Nikola Poitzmann: Kartenset Demokratiepädagogik für Jugendliche. Partizipativ, konfliktfähig und kreativ. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2021.

Bindeart: Karten

Format: 25,3 x 17,9 x 2,898

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über Beltz Verlag. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29001.php, Datum des Zugriffs 29.11.2022.


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