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Mona Chollet: Hexen

Rezensiert von Dr. phil. Christina Maiwald, 11.05.2022

Cover Mona Chollet: Hexen ISBN 978-3-96054-230-8

Mona Chollet: Hexen. Die unbesiegte Macht der Frauen. Edition Nautilus Verlag (Hamburg) 2020. 288 Seiten. ISBN 978-3-96054-230-8. D: 18,00 EUR, A: 18,50 EUR.
Übersetzt von Birgit Althaler
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Thema

„Die Hexenverfolgungen stellten einen Krieg gegen Frauen dar, dessen Auswirkungen bis heute spürbar sind. Frauen, die unabhängig lebten, keine Kinder hatten oder einfach alt geworden waren, liefen zurzeit der Renaissance Gefahr, verfolgt und verbrannt zu werden. Das Bild von Frauen ist durchaus auch heute noch von negativen Stereotypen geprägt – entstanden in einer Geschichte, die ohne und gegen Frauen geschrieben wurde. Mona Chollet macht auf 288 Seiten die Hexerei zu einer großen feministischen Metapher und die Hexe zu einem begeisternden Vorbild selbstbestimmter Weiblichkeit“ (angelehnt Buchrücken).

Autorin

„Mona Chollet, 1973 in Genf geboren, lebt in Paris. Sie hat Literatur in Genf und Journalismus in Lille studiert und bei ‚Charlie Hebdo‘ und für Arte Radio gearbeitet. Heute ist sie Redakteurin bei ‚Le Monde diplomatique‘. Sie ist Verfasserin der Bücher ‚Beauté fatale. Les nouveaux visages d’une aliénation féminine‘ (2012) und ‚Chez soi. Une odyssée de l’espace domestique‘ (2015)“ (Nautilus Verlag).

Entstehungshintergrund

Das Buch, aus dem Französischen übersetzt von Birgit Althaler, erschien in der Deutschen Erstausgabe im März 2020 im Hamburger Edition Nautilus Verlag. Über 180.000 verkaufte Exemplare sind in Frankreich zu verzeichnen und in Deutschland lag bereits im Dezember 2020 eine 2. Auflage vor. Das Buch ist im Rahmen des Förderprogramms des Französischen Außenministeriums, vertreten durch die Kulturabteilung der französischen Botschaft in Berlin, erschienen.

Aufbau

Die Erbinnen ‒ Einleitung

  1. Ein eigenständiges Leben ‒ Die Geißel weiblicher Unabhängigkeit,
  2. Der Wunsch nach Unfruchtbarkeit ‒ Kinderlosigkeit als Option,
  3. Gipfelrausch ‒ Das Bild der „schrumpligen Alten“ zerstören,
  4. Die Welt auf den Kopf stellen ‒ Krieg der Natur, Krieg den Frauen.

(Quelle: Inhaltsverzeichnis)

Inhalt

Nachfolgend werden aus den vielschichtigen, facettenreichen vier Kapiteln nur einige Aspekte und Themen für diese Rezension herausgegriffen. Die Einleitung informiert u.a. darüber, dass Hexenverfolger damals von der „weiblichen Sexualität zugleich besessen und verängstigt“ waren (S. 23).

1. Kapitel: Ein eigenständiges Leben ‒ Die Geißel weiblicher Unabhängigkeit

Im ersten, sehr breit gefächerten Kapitel stellt Mona Chollet Einzelschicksale von Frauen verschiedener Länder, Epochen, mit unterschiedlichem Familienstand, aber auch Hautfarben vor.

Sie beschreibt verschiedenartige Lebensentwürfe und erwähnt, dass unverheiratete Frauen, womöglich Abenteurerinnen und/oder Freigeister, Hassfiguren waren. Frauen sollten verheiratet, „schwach und schutzbedürftig“ (S. 59) sein, was auch dem Staat zugutekam, denn somit waren geringere staatliche Ausgaben für diese Frauen fällig, da ein Ehemann für die Frau sorgte (S. 55).

Demgegenüber beschreibt Chollet ausführlich die „Institution Mutterschaft“, welche als Klotz am Bein gesehen werden konnte. Sie selbst spart auch nicht mit Kritik an der Ehe an sich (S. 97), da dann den Frauen wenig Muße gegeben sei, sich zu verwirklichen.

Die heterosexuelle Familienmutter wird von der Autorin ausführlich als „aufopfernde Dienerin“ beschrieben, die als Furie oder schlechte Mutter hingestellt wurde (S. 100), wenn sie sich nicht ausschließlich der Mutterschaft hingab.

In den 1970er-Jahren, schnellte die Scheidungsrate auf 50 % und Frauen fühlten sich auch ohne Mann ganz. Sie wurden damals deshalb durchaus noch gern als Betrügerinnen dargestellt (S. 53). Frauen wollten einfach kein Anhängsel oder Besitz eines Mannes mehr sein, kein „Gespann, dass auf sein Zugpferd wartet“ (S. 56).

2. Kapitel: Der Wunsch nach Unfruchtbarkeit ‒ Kinderlosigkeit als Option

Hier wird, nebst der historischen Aspekte des Hexendaseins, die Abwägung der Frauen für oder gegen Kinder als Option beschrieben. Desgleichen werden Verhütung sowie Abtreibung und zuvorderst das Wissen darüber in diesem Kapitel thematisiert. Die prinzipielle Entscheidung für oder gegen leibliche Kinder trifft die Frau üblicherweise selbst, weil die Elternschaft eine Verpflichtung verkörpert und der Spagat zwischen „Selbsterhaltung und mütterlichen Gefühlen“ als tiefe „Seelenqual“ wahrgenommen werden kann (S. 101).

Am Beispiel einer Forscherin wird erörtert, dass sie sich auf Kongressen immer als „kinderlose Frau“ abgestempelt fühlte (S. 151).

Frauen wird in der von der Autorin zitierten Literatur des Öfteren vorgeworfen, dass Bücher oder Studien zu veröffentlichen, sich z.B. ganz der Wissenschaft zu widmen, aus einem schlechten Gewissen ‒ aufgrund der Kinderlosigkeit ‒ resultieren würde (S. 139).

Es wird von der „wollüstigen Gebärmutter“ geschrieben, in der irgendwann, zwischen 35 und 40 Jahren eine biologische Uhr tickt (S. 122). Und so meinen einige Stimmen, dass für eine Frau elementar sei, den unvollständigen Körper mit einer Schwangerschaft zu vervollständigen (S. 124). Demgegenüber ersparen sich kinderlose Frauen „die Zerrissenheit“ (S. 102).

Nach der Zeit der Hexenverfolgungen entstanden Protestformen gegen die Lebensbedingungen von Frauen. Wurde eine Sklavin schwanger, wurden die Lebensverhältnisse noch problematischer, weswegen Verhütung, Abtreibung und Kindsmord durchaus Frauen durchführten, welche über die entsprechenden Kenntnisse verfügten und somit der sogenannten Hexerei mächtig waren bzw. diesbezüglich beschuldigt wurden.

Derzeit sind Wunschkinder und Elternschaft, ohne auf schlecht bezahlte Hausangestellte oder Tagesmütter zurückgreifen zu müssen, da die gesamte Familie oder das Umfeld die Mutter mit unterstützt, ideal.

3. Kapitel: Gipfelrausch ‒ Das Bild der „schrumpligen Alten“ zerstören

In diesem Kapitel wird einführend thematisiert, ob eine Frau mit „Mademoiselle“ oder „Madame“ angesprochen wird. Das Bild der schrumpeligen Alten wird zerstört, die keinen Mann abbekommen hat, denn entweder sind einige Frauen gern allein oder simpel: „das Herz hat seine Gründe“ (S. 162).

Es wird die „programmierte Obsoleszenz“ als „fixe Idee vom Verfall“ (S. 159) vorgestellt, die sich rein auf den Altersprozess des weiblichen Körpers bezieht. Im Gegensatz zur Fortpflanzungsfähigkeit des Mannes stoppt die Fortpflanzungsfähigkeit durch die Menopause der Frau tatsächlich.

Frauen sollen ewig jung erscheinen, was ein gutes Geschäft für Schönheitschirurgen und das Festhalten am unveränderlichen Bild darstellt.

Wenn sich Männer mittleren Alters in eine jüngere Frau verlieb(t)en, erhofften sie sich von ihnen „bedingungslose Zuwendung“ (S. 181). Wenn die Frauen dann mit „unerträglichem Selbstbewusstsein“ (S. 182) zu antworten beginnen, werden oder wurden sie aufgrund unterstellter „Arroganz“ unbequem (S. 182).

Im 16. Jahrhundert wurden Frauen in England und Schottland mit einer „Maulsperre“, auch mit einer „Schandmaske“ oder mit einem „Zaumzeug für Plappermäuler“ bestraft, welche die Zunge bei kleinsten Bewegungen durchbohrte, sofern sie nicht fügsam waren (S. 182).

Die Hüterinnen des Hexenwesens werden in verschiedenen historischen Zusammenhängen vorgestellt und immer geht es um die Erfahrungen, welche diese Frauen, oft ausgestattet mit grauen Haaren, gesammelt hatten. Ihr „heiliges Wissen und ihre Macht“ wurden, zur Begründung der Hexenverfolgung, als „gefährlich und tödlich dargestellt“ (S. 184).

Als „Widerlichkeit“ (S. 188) können Begriffe wie „Menopause“, „Hämorrhoiden“ aufgefasst werden, wobei die körpereigene Phase der Wechseljahresbeschwerden von einigen Frauen gern mit aller Macht bekämpft werden. Selbst eine Krebserkrankung wird dafür von den Frauen hingenommen (S. 188).

Die weißen Haare älterer Frauen werden häufig als „ungepflegt“ und als Merkmal der Bösartigkeit der Frauen beurteilt (S. 193). So könnte „ungepflegt“ auch einfach frei und unkontrollierbar bedeuten, aber die gesellschaftspolitisch definierte Deutungshoheit ist derzeit eine andere.

Das verteufelte sexuelle Begehren älterer Frauen, mit zerzausten, zotteligen oder widerspenstigen Haaren, verängstigte zu damaligen Zeiten die Mitmenschen. Wichtig sei es nach Susann Sonntag, es als Frau zuzulassen, natürlich und ohne Scham zu altern, sich nicht als „schrumplig“ zu empfinden.

4. Kapitel: Die Welt auf den Kopf stellen ‒ Krieg der Natur, Krieg den Frauen

Der Autorin nach müssten im Grunde die Frauen die Welt auf den Kopf stellen – sie allerdings fühlen sich unsicher und sind überzeugt, überflüssig zu sein. Sie sind es, die sich in den Care-Berufen aufopfern und werden dann, selbst als Patientinnen, unmenschlich und menschenunwürdig behandelt.

Im Universitätsstudium eignen sich Frauen „Wissen, Methoden und Codes“ an, die allerdings von Männern definiert wurden (S. 216), was womöglich die ständige Selbstherabwürdigung erklärt.

Männer glauben an die „Möglichkeit, Körper und Geist, Vernunft und Gefühl“ trennen zu können und seien mit „blindem Narzissmus“ ausgestattet (S. 220). Naturverbundene, erfahrene Frauen hingegen werden und wurden schnell mal zur Hexe degradiert, welche als Foltermethode an „Körper und Kopf völlig kahlzuscheren“ seien (S. 227), um sie besser beherrschen zu können.

Ausführlich beschreibt die Autorin, historisch begründet, warum Frauen zu vernichten seien, auch aufgrund wirtschaftlicher Bestrebungen und insgesamt aufgrund der Entfremdung von der Natur (S. 223). Die Hexe galt als die Schuldige für die „Gewalttätigkeiten der Natur“ (S. 225).

Die weiblichen Körperteile, betont die Autorin, seien benannt nach Männern (De-Graaf-Follikel, Batholinischen Drüsen, G-Punkt, nach dem dt. Arzt Ernst Gräfenberg), um eine „permanente Kontrolle über den weiblichen Körper“ ausüben zu können und um sich den „unbegrenzten Zugang zu diesem zu sichern“ (S. 233).

Im Jahr 2015 wurde im Internet von einer französischen Medizinfakultät eine interne Notiz geleakt, dass die Praxis des Vagina-Abtastens „an schlafenden Patienten des Operationstraktes“ zu üben sei (S. 234). Von der Autorin wird das vaginale Untersuchen des Muttermundes unter der Geburt angeprangert, oft unsensibel, ohne Einwilligung der Schwangeren und durchaus auch von Mehreren (S. 235).

Die Autorin stellt die Frage auf, ob der Körper der Frau aus gesellschaftlicher Sicht vielleicht doch allen gehöre, nur nicht der Frau selbst. Männer sind sich anscheinend ihres Verfügungsrechts gegenüber dem weiblichen Körpers sehr sicher, wie das obige Beispiel, aber auch das der vermeintlich harmlos auf den Hintern gelegten Hände zeigen.

Ausführlich beschreibt Mona Chollet, dass einige Ärzte „verächtlich, brutal und frauenfeindlich“ seien (S. 236) und zitiert, dass „in der Gynäkologie die Fortsetzung der Dämonologie mit anderen Mittel zu sehen ist“ (S. 236), von Genitalverstümmelungen ganz zu schweigen.

Sowohl „Misshandlung und Gewalt“ als auch „Vernachlässigung und Gleichgültigkeit“ beschreibt die Autorin für Medizin und Pharmakologie, auch am Beispiel der schadhaften französischen Brustimplantate, die nach der Implantierung im Frauenkörper Silikon verloren. Fernerhin erwähnt sie die Sterilisationsspirale Essure (Bayer), Verhütungspillen und Vaginalnetze, die Frauen zu schädigen scheinen (S. 237). Das in den 1960er-Jahren, auch in der Schwangerschaft, eingesetzte berüchtigte Medikament Contergan hatte zehntausend Säuglinge mit Missbildungen zur Folge (S. 238). Üblich sei, so die Autorin, die Patientinnen als Simulantinnen zu verdächtigen, die viel zu häufig übertreiben.

Es gilt, so beschreibt die Autorin, den Patienten/die Patientin empathisch, wie einen Menschen mit Wohlwollen zu behandeln statt als mangelhaften, „passiven, reglosen, austauschbaren Körper“ (S. 247).

Die Autorin entfaltet den Entwurf einer Geburtskultur, in der selbstbestimmte Geburten möglich sind und bei denen die Frauen einfach unter der Geburt in Ruhe gelassen werden. Somit ruft sie aus: „Eure Welt passt mir nicht“ (S. 267).

Mona Chollet plädiert für einen Aufstand, um für das menschliche Leben zu kämpfen, was Männer womöglich schon aufgegeben haben, wir Frauen aber dennoch im „männlichen Autoritätsmodell“ zu (über-)leben haben (S. 269).

Eure Welt passt mir nicht, da sie sich von der von Frauen erlebten Realität unterscheidet, siehe das Beispiel der missbrauchten und sexuell belästigten Schauspielerinnen (S. 267).

Die Welt muss wieder auf den Kopf gestellt werden, mit „Mut, Frechheit, Bekräftigung des Lebens, als ‚Kampfansage an die Autorität‘“ (S. 270). Wir Frauen sollten darauf hören, wohin uns das „Geflüster der Hexen“ führt (S. 270).

Diskussion

Es geht um die Zukunft unserer Menschheit, das bestätigt Mona Chollet, indem sie schreibt: „[…] das uns hinterlassene System ist am Ende“ (S. 270). Der Krieg gegen die Frauen muss beendet werden. Die Frauen sollten sich sowohl die Entscheidungshoheit als auch die Deutungshoheit über ihren eigenen Körper, über ihre Körperlichkeit, fernab von Klischees zurückergattern.

Vielleicht hier Anregungen für ein nächstes Buch von Mona Chollet, da sie scheinbar versiert ist in dieser Thematik: Es könnten Frauenerkrankungen und die derzeitigen klinischen Behandlungsmethoden bzw. deren Behandlungsfehler und Misshandlungen durch die Medizin, häufig durch Männer (vgl. S. 243), beschrieben werden.

Die Autorin scheint sich gut in Gesundheitsthemen auszukennen, insofern wäre es neu und spannend, mehr über die neuen Heilmethoden, vornehmlich mit Blick auf Krebserkrankungen, zu erfahren.

Mona Chollet zeigt sich uns Lesern menschlich. Sie notiert, was sie befürchtet, welche Seite ihrer Selbst sie zum Verzweifeln bringt und sie teilt mit uns, dass sie ein „wandelndes Geschlechterklischee“ sei (S. 208). Offenheit und Mut sind Mona Chollet hoch anzurechnen.

Mehr weibliche Körperverbundenheit und insgesamt der Einklang von Körper, Geist und Seele scheinen derzeit wichtiger denn je. Es geht darum, die herabgekommenen Seelen, erst einmal selbstbestimmt geboren, in einer neuen, heilen Welt als menschliche Wesen willkommen zu heißen. Es gilt, nächste Generationen auf dieser Mutter Erde liebevoll und beständig zu begleiten. Der Mensch ist ein soziales Wesen, nur gemeinsam ist es möglich, dass die Menschheit nicht geopfert wird. Menschen zu isolieren, stellt ein Folterinstrument dar und darf im Sinne der Menschlichkeit sowie Menschenwürde nicht angewendet werden.

Um überhaupt an nächste Generationen denken zu können, braucht es die Zeugungsfähigkeit der Männer, die sich ihrer Rolle als Mann bewusst sind.

Von den Männern – erst recht nicht von Kerlen ‒ schreibt die Autorin allerdings in ihrem Buch kaum, was bedauerlich ist. Der Buchtitel: „Die unbesiegbare Macht der Frauen“ hört sich in der deutschen Sprache kriegerischer und kampfeslustiger an, als es die französischsprechende Autorin vielleicht beabsichtigte.

Es braucht für jedes Individuum sowohl die männliche und weibliche Ausprägung beider Gehirnhälften als auch das Miteinander von Mann (Logik, Analyse, Wissenschaft) und Frau (Kreativität, Holistik, Emotion), um eine angstfreie, selbstbewusste und selbstwirksame Gesellschaft aufzubauen. Ist ein „Kampf“, erst recht ein „Kampf“ zwischen den Geschlechtern, nicht eher als kontraproduktiv zu beurteilen?

Sogar den Voraussetzungen für eine Mutterschaft, der natürliche Zyklus mit Menstruation und Eisprung, entsprechend dem weiblichen Kreislauf der Natur, räumt die Autorin nicht viel Platz ein. Dafür aber schildert sie eindrucksvoll, eher erschreckend beängstigend, die Gebärchirurgie im Krankenhaus.

Die Autorin entfaltet dankenswerterweise den Entwurf einer anderen Welt bezüglich selbstbestimmter Geburten, in der die Schwangeren in Ruhe und Frieden gebären können und sich ihnen gegenüber nicht gewalttätig genähert wird (S. 243).

Das Hexendasein der aktuellen Zeit (2022), ohne den jahrhundertelang stigmatisierten, männlich geprägten patriarchalen Begriff „Hexe“ zu benutzen, könnte folgendermaßen aussehen:

Diese Frauen, also Weiber, sind sich über ihren Körper bewusst und verfügen über Körperwissen. Sie sind lichtvoll, natur- und herzverbunden, kreativ holistisch und emotional. Ist die negative Zuordnung des deutschen Begriffes „Weib“ im Französischen womöglich gar nicht bekannt? Die Autorin nutzt in der deutschen Ausgabe den Begriff, aber immer nur, als sei ein Weib ein „‚bedrohliches‘ Wesen“ (S. 68).

Es sind Frauen (ehemals als „Hexen“ verpönt), die Schwangere während selbstbestimmter Geburten, als Hebammen/​Doulas/​Geburtshüterinen, begleiten, auch da sie über eine spirituelle Anbindung verfügen.

Fazit

Hier liegt eine von Mona Chollet verfasste Pflichtlektüre für Frauen jeden Alters vor, um zu erfahren, auch historisch, was es mit selbstbestimmter Weiblichkeit auf sich hat.

Männer profitieren auch von Mona Chollets Buch, welches thematisch vielfältiger kaum sein könnte, da sie erfahren, was Frauen, sowohl historisch gesehen als auch derzeit, zu erleiden haben, denn es wird ein Krieg gegen sie geführt (S. 207). Hier werden auch Ross und Reiter genannt, was z.B. die ärztliche Verschreibung, Nutzung und Implantierung gefährlicher Medizinprodukte für Frauen angeht.

Insofern ein mutiges Buch, auch weil sich die Autorin in ihrer Rolle als Frau zeigt. Sie schildert freimütig passende, persönliche Begebenheiten und gibt nicht gehörten Frauen mehrerer Jahrhunderte, da verfolgt oder verbrannt, eine Stimme.

Nach der Lektüre des Buches kann sich Mann oder Frau ein Bild machen, ob die sogenannte „Emanzipation“ für die Familien und deren Kinder – für unsere Gesellschaft insgesamt ‒ hilfreich war oder ob die Frau in der Familienphase ihre Rolle als Hüterin des Feuers wahrnehmen sollte.

Gleich, ob in einer Familie lebend oder nicht, an alle Frauen richtet Mona Chollet das Wort, aktiv zu werden, da die Welt auf dem Kopf steht (S. 270). Sie traut es, diesem Buch nach, den Frauen ‒ zugunsten der nächsten Generationen ‒ zu, alles wieder in naturverbundene, gerechte, harmonische Bahnen zu lenken.

Mit fast 500 Fußnoten/​Quellenangaben (überwiegend auf Französisch) ein sehr informatives, leicht zu lesendes, empfehlenswertes Buch mit sehr ansprechendem Buchcover aus der Edition Nautilus GmbH.

Rezension von
Dr. phil. Christina Maiwald
Dipl.-Sozialwirtin
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Es gibt 9 Rezensionen von Christina Maiwald.

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Zitiervorschlag
Christina Maiwald. Rezension vom 11.05.2022 zu: Mona Chollet: Hexen. Die unbesiegte Macht der Frauen. Edition Nautilus Verlag (Hamburg) 2020. ISBN 978-3-96054-230-8. Übersetzt von Birgit Althaler. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29082.php, Datum des Zugriffs 24.05.2022.


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