socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Walter Schellhorn, Helmut Schellhorn (Hrsg.): Kommentar zum Bundessozialhilfegesetz292

Cover Walter Schellhorn, Helmut Schellhorn (Hrsg.): Kommentar zum Bundessozialhilfegesetz. Luchterhand Verlag (München) 2002. 16., überarbeitete Auflage. 1300 Seiten. ISBN 978-3-472-04289-1. 69,00 EUR.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Das Thema

Auf der Basis des BSHG werden Personen in prekären Lebenslagen insbesondere materielle Geld- und Sachleistungen zur Verfügung gestellt und darüber hinaus persönliche Hilfen in Form von Beratung angeboten. Auf diese Hilfe angewiesen sind durch starke Einkommensarmut Betroffene – ihnen wird eine am Bedarfdeckungsprinzip und am Lohnabstandsgebot orientierte "Hilfe zum Lebensunterhalt" zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus bildet das BSHG die Grundlage für Hilfen in besonderen Lebenslagen, z.B. die Eingliederungshilfe für behinderte Menschen oder für Hilfesuchende, die sich in besonderen sozialen Schwierigkeiten befinden.

Der bereits über Jahrzehnte von Walter Schellhorn besorgte Kommentar zum Bundessozialhilfegesetz erscheint nun in der 16. Auflage und erschließt die komplexe Gesetzesmaterie für all diejenigen, die sich aus ihrer Berufsrolle mit der Sozialhilfe beschäftigen.

Die Autoren

Walter Schellhorn, bis Mitte 1989 Geschäftsführer des deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge in Frankfurt, ist einer der bekanntesten Kommentatoren im Bereich des Sozialrechts und auch in der Kinder- und Jugendhilfe. Seit der 13. Auflage arbeitet Prof. Dr. Helmut Schellhorn von der Fachhochschule Frankfurt am Kommentar mit. Wie der Umschlagtext ausweist wollen sie mit dem Kommentar, "zur fortschrittlichen aufgaben- und praxisorientierten Auslegung und Anwendung des Sozialhilferechts beitragen."

Der Inhalt

Das Buch umfasst auf 1300 Dünndruck-Seiten neben einem ausführlichen Fundstellenverzeichnis insbesondere einen ca. 25 Seiten kurzen Einführungsteil, der Geschichte, Grundzüge und Systematik des Bundessozialhilfegesetzes erläutert. Ein eigenes Kapitel gilt dem Verhältnis der Sozialhilfe zur Jugendhilfe und der noch immer nicht abgeschlossenen Einbeziehung in das Sozialgesetzbuch.

Der Hauptteil des Buches besteht aus einer ausführlichen Kommentierung der insgesamt ca. 150 Paragraphen des BSHG. Wie in Kommentaren üblich wird zunächst der Gesetzestext des entsprechenden Paragraphen abgedruckt – hierauf folgt eine Darstellung insbesondere der Bedeutung der Regelung und der bisherigen Gesetzesänderungen (soweit vorliegend) und schließlich eine ausführliche Erläuterung des Inhalts. Dabei wird – relevant für Personen die sich hauptsächlich mit juristischen Aspekten der Sozialhilfe beschäftigen – die einschlägige Literatur genannt und es wird auf die jeweiligen Gesetzesmaterialien, die Bundestags- und Bundesratsdrucksachen, die Rechtsprechung, insbesondere Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts und anderer oberster Bundesgerichte verwiesen.

Bei ihrer Kommentierung beziehen die Autoren immer wieder kritische Stellungnahmen ein und formulieren diese auch selbst, insbesondere wenn die Rechtsstellung des Hilfeberechtigten tangiert ist oder wenn sie Risiken sehen, dass das dem BSHG zu Grunde liegende Sozialstaatsgebot oder die im § 1 des BSHG angesprochene Aufgabe, "die Führung eines Lebens zu ermöglichen, das der Würde des Menschen entspricht" tangiert ist.

Ein dritter Teil erhält die zentralen bundesrechtlichen Durchführungsvorschriften zum BSHG (u.a. die Verordnungen zum Regelsatz und zur Eingliederungshilfe, zur Durchführung des § 72 – Hilfe zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten – und zum § 76 "Begriff des Einkommens" und des § 81 "besondere Einkommensgrenze" bei verschiedenen Hilfen in besonderen Lebenslagen und schließlich § 88 "Einzusetzendes Vermögen...").

Abgerundet wird der Kommentar durch die Darstellung des Asylbewerberleistungsgesetzes, die durch Karl-Heinz Hohm, Richter am Verwaltungsgericht Frankfurt / Main, erstellt worden ist.

Schließlich ist das Grundsicherungsgesetz abgedruckt, ein eigenständiges vorrangiges Leistungsgesetz für Personen, die das 65. Lebensjahr vollendet haben oder die das 18. Lebensjahr vollendet haben und dabei voll erwerbsgemindert sind. Nach seinem In-Kraft-Treten am 01. Januar 2003 wird dann nach wahrscheinlich knapp 2-jähriger Vorbereitungszeit eine 17. Auflage heraus kommen, welche das Grundsicherungsgesetz und sein Verhältnis zum BSHG kommentierend darstellt.

Zielgruppen

Laut Umschlagtext ist der Kommentar "für Ausbildung, Praxis und Wissenschaft bestimmt". Aus folgenden Gründen ist er aus meiner Sicht nicht nur für überwiegend juristisch tätige Berufsgruppen geeignet, sondern gerade auch für Personen, die sich – z. B. in ihrer Rolle als Sozialarbeiter/-in – immer wieder die aktuellen Grundlagen des Sozialhilferechts erarbeiten müssen:

  • Der Kommentar ist in einer klaren Sprache verfasst. Überlange Sätze werden ebenso vermieden wie übermäßiges Zitieren von Fundstellen, was den Lesefluss erschweren würde. Es werden selten Abkürzungen verwandt, so dass man punktgenau bestimmte Paragraphen aussuchen und sich diese erarbeiten kann, ohne ständig im Abkürzungsverzeichnis blättern zu müssen.
  • Das etwa 50 Seiten starke Stichwortverzeichnis am Schluss des Buches erleichtert es sehr, bestimmte Themen schnell aufzufinden und sich über diesen Weg das notwendige juristische Grundwissen zu den einzelnen Paragraphen in Erinnerung zu rufen.
  • Im Text sind besonders wichtige Sachverhalte durch Fettdruck hervorgehoben – dies erleichtert es, sich die besonders relevanten Aspekte der jeweiligen Bestimmungen schnell zu vergegenwärtigen.

Das Buch ist seinen Preis – 69 Euro – sicher wert, dabei wird es Praktikern, die gelegentlich mit dem BSHG konfrontiert sind und die in den chronisch unterfinanzierten öffentlichen oder freigemeinnützigen Beratungsstellen für Sozialhilfeempfänger/-innen arbeiten oft nicht möglich sein, dieses teure Buch anzuschaffen.

Fazit

Ein kritischer, engagierter und gut lesbarer Kommentar zu einer für die Verfolgung des Sozialstaatspostulats des Grundgesetzes zentralen Grundlage. Jedem und jeder, die sich beruflich mit der Sozialhilfe beschäftigt, ist zu wünschen, dass er dieses Buch bei der Hand hat.


Rezension von
Prof. Dr. Wolfgang Beywl
Fachhochschule Nordwestschweiz, Pädagogische Hochschule, Institut Weiterbildung und Beratung. Professur für Bildungsmanagement und Schulentwicklung – wissenschaftlicher Leiter Univation– Institut für Evaluation, Köln.
Homepage www.fhnw.ch/ph/iwb/professuren/bildungsmanagement
E-Mail Mailformular


Alle 16 Rezensionen von Wolfgang Beywl anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Wolfgang Beywl. Rezension vom 08.07.2002 zu: Walter Schellhorn, Helmut Schellhorn (Hrsg.): Kommentar zum Bundessozialhilfegesetz. Luchterhand Verlag (München) 2002. 16., überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-472-04289-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/291.php, Datum des Zugriffs 14.07.2020.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Mehr zum Thema

Leider liegen aktuell keine passenden Rezensionen vor.

Literaturliste anzeigen

Stellenangebote

Inserieren und suchen Sie im socialnet Stellenmarkt.

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung