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Tobias Ley, Suse (Illustrator) Schweitzer: Tür auf

Rezensiert von Prof. em. Dr. Matthias Moch, 25.01.2023

Cover Tobias Ley, Suse (Illustrator) Schweitzer: Tür auf ISBN 978-3-86739-267-9

Tobias Ley, Suse (Illustrator) Schweitzer: Tür auf. Paul geht zur Psychotherapie. Psychiatrie Verlag GmbH (Köln) 2022. 60 Seiten. ISBN 978-3-86739-267-9. D: 19,00 EUR, A: 19,60 EUR.
Reihe: kids in BALANCE.

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Thema

Dieses Kinderbuch führt ein in die Inhalte und Arbeitsweisen einer Psychotherapie für Kinder. Es illustriert mit vielen bunten Bildern, warum Therapie wichtig sein kann, was darin geschieht und was ihre Ziele sind.

Entstehungskontext und Autor*innen

Tobias Ley ist Psychologe mit umfassenden Erfahrungen in der Psychotherapie mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in verschiedenen Institutionen. Darüber hinaus hat er 10 Jahre als Outdoortrainer und Erlebnispädagoge Erfahrungen mit Gruppen gesammelt.

Suse Schweizer ist freie Illustratorin. Sie hat viele Kinderbücher von verschiedenen Verlagen gestaltet.

Gestaltung und Aufbau

Das Buch ist im Querformat (22 * 16 cm) gestaltet und umfaßt insgesamt 56 Seiten. Jede Seite ist bunt illustriert. Die kurzen Texte sind in die Illustrationen integriert. Dargestellt ist der Weg von Paul – begleitet von seinem Therapeuten – durch verschiedene Therapieräume. Auf jeder Doppelseite wird ein anderer Aspekt des therapeutischen Erlebens und Arbeitens illustriert.

Die ersten und die letzten Doppelseiten richten sich an die Eltern. Am Ende des Buches werden Hinweise auf weitere Informationsquellen gegeben.

Inhalte

Im Vorwort erläutert die langjährige Supervisorin des Erstautors das Ziel des Buches folgendermaßen: „… Kinder in ihrer Sprache anzusprechen und ihnen vom Reichtum, den Ideen und der spielerischen Leichtigkeit etwas mitzuteilen, die sich in der Therapie entfalten können …“ (S. 2).

Entsprechend diesem Ziel in das Buch zuallererst ein bunt gestaltetes Kinderbuch. Die Sätze in den kurzen, zum Vorlesen geeigneten Texte sind kurz und klar formuliert. In Ihnen wird jeweils erklärt, was auf der Seite zu sehen ist.

Zunächst wird der sechsjährige Paul mit seinen Hobbys und Ängsten kurz vorgestellt. In der Folge begleiten ihn seine Eltern zu einem ersten Besuch beim Psychotherapeuten. Paul schaut sich erstaunt in den Räumen um, während der Therapeut Herr Lohse erklärt, dass eine Therapie für Kinder wie eine Entdeckungsreise abläuft und was man dabei erfahren und entdecken kann.

Dann wird Paul von Herrn Lohse eingeladen, sich – ohne seine Eltern – verschiedene Zimmer anzuschauen, in denen gerade eine Therapie mit einem Kind läuft. Auf jeder Doppelseite wird eine neue Therapiesituation mit verschiedenen Spiel- und Ausdrucksformen dargestellt. Dazwischen gehen Paul und Herr Lohse immer weiter einen Flur entlang zum nächste Therapiezimmer. So werden insgesamt neun Situationen im Verlauf einer Psychotherapie für Kinder plastisch dargestellt.

Nach der Verabschiedung erzählt Paul seinen Eltern von seinen Erlebnissen und „stellt sich vor, was er mit Herrn Lohse wohl alles entdecken wird!“ (S. 54).

Diskussion

Dieses Buch schließt gewiss eine Lücke im Informationsangebot für Kinder über Psychotherapie. Angesichts der hohen Inzidenzen bei behandlungsbedürftigen Kindern und Jugendlichen (Feget et al. 2017) sehen sich viele Kinder mit dem Problem konfrontiert, wie sie die Hürde des Gangs zum Psychotherapeuten überwinden können. Die meisten Eltern dürften kaum in der Lage sein, ihren Kindern in angemessener Weise zu erklären, was in einer Therapie passiert. Ebenso wenig kann man erwarten, dass Kinderärzte im Rahmen ihrer Sprechstunde die Mittel haben, Kinder auf eine Psychotherapie vorzubereiten. Kinder brauchen Wegweiser und Möglichkeiten, wie sich selbst ein Bild von dem machen können, was sie erwartet, wenn sie dem Drängen ihrer Eltern folgen und eine Therapie beginnen. Manche Kinder brauchen vielleicht Hinweise, die gerade nicht von ihren Eltern kommen. Ein Buch gibt ihnen eine „neutralere“ Möglichkeit, sich zu informieren, um ihre Hemmungen zu überwinden. Meines Erachtens ist das Buch ist für Kinder bis zum 12 Lebensjahr bestens geeignet, diese Zwecke zu erfüllen. Durch die Illustrationen können Sie sich im wahrsten Sinne „ein Bild machen“ von möglichen therapeutischen Situationen. Gewiss steht dabei eine bestimmte Richtung psychotherapeutischen Vorgehens im Vordergrund: der Ausdruck innerer Konflikte in freier, kreativer Gestaltung. Jedoch arbeiten auch andere, mehr lerntheoretische Konzepte mit ähnlichen Methoden und Zugängen.

Fazit

Für Eltern bietet das Buch eine sehr gute Möglichkeit, mit ihren Kindern über eine anstehende und vielleicht dringende psychotherapeutische Behandlung ins Gespräch zu kommen.

Literatur

Fegert, J.M.; Kölch, M. & Krüger, U. (2017): Versorgung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher in Deutschland – Bestandsaufnahme und Bedarfsanalyse. S. 33 ff. abgerufen am 6. 12. 2022 unter: Abschlussbericht_Versorgung_psychisch_kranke_Kinder_u_Jugendliche.pdf (bundesgesundheitsministerium.de)

Rezension von
Prof. em. Dr. Matthias Moch
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Es gibt 26 Rezensionen von Matthias Moch.

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Zitiervorschlag
Matthias Moch. Rezension vom 25.01.2023 zu: Tobias Ley, Suse (Illustrator) Schweitzer: Tür auf. Paul geht zur Psychotherapie. Psychiatrie Verlag GmbH (Köln) 2022. ISBN 978-3-86739-267-9. Reihe: kids in BALANCE. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29148.php, Datum des Zugriffs 07.02.2023.


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