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Ferdinand Jaggi: Burnout praxisnah

Rezensiert von Prof. Dr. med. et Dr. disc. pol. Andreas G. Franke, 30.06.2022

Cover Ferdinand Jaggi: Burnout praxisnah ISBN 978-3-96543-188-1

Ferdinand Jaggi: Burnout praxisnah. Lehmanns Media GmbH (Berlin) 2021. 4., erweiterte Auflage. 124 Seiten. ISBN 978-3-96543-188-1. D: 16,95 EUR, A: 17,50 EUR.
Reihe: Medizin
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Thema

Bereits der Titel des Buches legt die Thematik klar fest: Es geht um das Burnout-Syndrom und zwar in praxisnahen Zusammenhängen.

Dabei wird gleich zu Beginn des Büchleins klar, dass die Anzahl von Betroffenen in der Praxis des Autors stetig ansteigt und durch die Corona-Pandemie nochmals stark angestiegen ist. Es geht dem Autor darum, entscheidende Aspekt zu Diagnose, Therapie und Prävention zu konkretisieren und auf wesentliche (Be-) „Handlungspfade“ hinzuweisen.

Autor

Der Autor ist Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und hat eine Praxis in Zürich.

Entstehungshintergrund

Mittlerweile ist die vierte Auflage des Buches „Burnout praxisnah“ erschienen, die somit auf eine „kleine“ Tradition zurückblickt. Es ist zu vermuten, dass der Autor sich durch zahlreiche Patienten bemüßigt gesehen hat, das Thema genauer anzugehen.

Aufbau & Inhalt

Das kleine Büchlein beginnt nach einem gut sortierten Inhaltsverzeichnis und zahlreichen Vorworten und Geleitworten im eigentlichen Sinn erst auf Seite 21.

Ferdinand Jaggi beginnt sein Buch mit historischen Ausführungen, wobei der Protagonist des Burnout-Begriffes, Herbert Freudenberger, dabei natürlich nicht fehlt. Jaggi folgt an dieser Stelle dem historischen Burnout-Begriff ein klitzekleines Stück, ohne dies weiter zu vertiefen.

Es schließt sich ein Kapitel über die „Definition 'Burnout'“ an, in dem der Autor gut illustriert der gängigen Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation und somit der International Classification of Disorders (ICD) sowie dem US amerikanischen Diagnosemanual (Diagnostic and Statistical Manual (DSM in der aktuellen Revision: DSM-5) folgt. Schließlich stellt er die Abgrenzung von Depression zu Burnout dar und hält fest: „Burnout und Depression sind letztlich nicht eindeutig voneinander zu trennen!“.

Das sich anschließende dritte Kapitel über „Ursachen und Entstehung“ fällt überraschend rudimentär aus und beschreibt auf nur 2,5 Seiten theoretische Modelle sowie den Weg ins Burnout.

Das vierte Kapitel stellt die „Forschung und diagnostische Werkzeuge“ dar. Hierbei fehlt natürlich eine Betrachtung des Maslach Burnout Inventory (MBI) nicht, dass der Autor erwartungsgemäß gleich zu Beginn darstellt. Im Anschluss daran stellt er das Copenhagen Burnout Inventory (CBI) dar und schließt die Darstellung der Diagnostik mit dem Burnout-Screening-Inventory (BSI) an.

Kapitel Nummer fünf stellt die Frage, ob „Burnout als Produkt der modernen Arbeitswelt?“ zu verstehen ist. Nach allgemeinen Vorbemerkungen watet der Autor mit einigen aussagekräftigen Statistiken auf, streift das Themen der volkswirtschaftlichen Folgekosten und benennt Risikofaktoren aus der Arbeitswelt.

Schließlich wendet sich Ferdinand Jaggi dem „Stress und Mobbing“ zu und setzt dies in Beziehung zum „Umgang mit Auslösern von Burnout am Arbeitsplatz“. Selbstverständlich darf hier das Stressmodell nach Richard Lazarus nicht fehlen und auch Coping-Mechanismen räumt Jaggi Raum ein, bevor er sich dem Phänomen Mobbing zuwendet und damit den Kernbereich des Burnouts überraschenderweise kurz verlässt.

Es schließt sich ein Kapitel über „Strategien zur Prävention von Burnout und Stress“ an, in dem der Autor zunächst der Stärkung der Resilienz nachspürt, allerdings zunächst mit der Darstellung eines Erhebungsinstrumentes zur Resilienz beginnt, um erst dann resilienzfördernde Maßnahmen zu beschreiben. Besonders spannend ist das Unterkapitel über „Resilienz zur Bewältigung von Strassfolgen im Rahmen der Covid-19-Pandemiesituation“. Diesem Unterkapitel folgen praktische Tipps für Präventionsmöglichkeiten für Betroffene und Arbeitgeber. Dieser Teil ist gefolgt von einer eklektischen Auswahl spezifischer Präventionsmöglichkeiten/​-techniken. Schließlich steuert der Autor „Eigene Erfahrungen aus der Praxis“ bei.

Das achte Kapitel steht im Zeichen der „Therapie“. Hier erscheinen die Stichworte Erkennen, Entlasten und Erholen. Die Übungen sind gut bebildert und somit für den Leser gut nachvollziehbar. Auch die stationäre Behandlung sowie die medikamentöse Behandlung kommen schließlich zur Sprache. Hinsichtlich der medikamentösen Therapie macht der Autor einige Vorschläge sowohl aus dem Bereich der Nahrungsergänzungsmittel (Vitamine, Phytopharmaka) als auch aus dem Bereich „schulmedizinisch“ wirksamer Medikamente wie beispielsweise Zolpidem, Trimipramin, etc. Dabei führt er auch einige ausgewählte Präparate aus der Depressionstherapie ein.

Ferdinand Jaggi schließt sein Buch mit einigen Zitaten zu Burnout, dem Literaturverzeichnis und dem Inhaltsverzeichnis schließlich ab.

Zielgruppe

Der Autor sieht die Zielgruppe zunächst in „Therapeuten“, wie er es formuliert, aber auch in Patienten, Personalmanager, Sozialarbeiter, Gesundheitspolitiker und einem Personenkreis, der am Burnout-Syndrom interessiert ist sieht er seine Leserschaft.

Diskussion

Das kleine Buch stellt sicherlich ein kleines „Rüstzeug“ um die Diagnose Burnout dar. Dabei ist darin vielleicht eher ein etwas oberflächlicher Ratgeber für Betroffene und Interessierte zu sehen als „Stoff“ für Therapeuten oder Sozialarbeiter. Der Ratgeber hat dabei eher den Charakter eines kleinen Rundfluges aus größerer Distanz mit kleinen Ankerpunkte und dürfte für einen ersten Einstieg in das Thema sicherlich interessant sein, von dem aus der Leser dann das Studium des Burnout-Syndroms nach Belieben vertiefen kann und sollte.

Fazit

Das kleine Buch stellt sicherlich ein kleines „Rüstzeug“ um die Diagnose Burnout dar und eignet sich als gute Einstiegliteratur für Betroffene und Interessierte.

Rezension von
Prof. Dr. med. et Dr. disc. pol. Andreas G. Franke
M.A. Professur für Medizin in Sozialer Arbeit, Bildung und Erziehung. Hochschule der Bundesagentur für Arbeit Mannheim
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Es gibt 69 Rezensionen von Andreas G. Franke.

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Zitiervorschlag
Andreas G. Franke. Rezension vom 30.06.2022 zu: Ferdinand Jaggi: Burnout praxisnah. Lehmanns Media GmbH (Berlin) 2021. 4., erweiterte Auflage. ISBN 978-3-96543-188-1. Reihe: Medizin. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29165.php, Datum des Zugriffs 11.08.2022.


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