Suche nach Titel, AutorIn, RezensentIn, Verlag, ISBN/EAN, Schlagwort
socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Heike Wolter, Julia Christof: Wangari Maathai – Die Mutter der Bäume (Starke Frauen)

Rezensiert von Beate Sonsino, 17.06.2022

Cover Heike Wolter, Julia Christof: Wangari Maathai – Die Mutter der Bäume (Starke Frauen) ISBN 978-3-99082-083-4

Heike Wolter, Julia Christof: Wangari Maathai – Die Mutter der Bäume (Starke Frauen). edition Riedenburg e.U. (Salzburg) 2022. 76 Seiten. ISBN 978-3-99082-083-4. 14,90 EUR.
Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.

Kaufen beim socialnet Buchversand

Thema und Entstehungshintergrund

Das vorliegende Buch stammt aus der Reihe „Starke Frauen“ der Edition Riedenburg. Die Hauptfigur des Buches ist Wangari Maathai (1940-2011), eine Kenianerin, die einen beachtenswerten Lebensweg hatte und die erste Nobelpreisträgerin Afrikas war. Unter anderem gibt es aus dieser Reihe „Starke Frauen“ ein Buch über Ruth Bader Ginsburg und Angela Merkel

Autorinnen

Heike Wolter und Julia Christof sind die beiden Autorinnen des Buches. Erstere ist Historikerin und interessiert sich besonders für Frauengeschichten. Letztere ist angehende Lehrerin und „Starke Frauen“ waren ihr schon immer ein Vorbild. Bettina Springer-Ferazin ist Archäologin und liebt Zeichnen. Sie hat die Illustrationen des Buches übernommen (vgl. S. 65).

Aufbau

Der größte und erste Teil des Buches besteht aus zwanzig zweiseitig gestalteten Themenbereichen um die Hauptfigur Wangari Maathai. Es gibt keine herkömmlichen Kapitel, stattdessen hat jede Geschichte einen Titel. Jeweils auf der linken Seite befindet der Text und am unteren Ende der Seite schließen sich Begriffe aus dem Text an, die erläutert werden. Auf der rechten Seite befindet sich eine zum Text passende, bunte Illustration und darunter eine „Forschungsaufgabe für das lesende Kind. Der Text ist in kindgerechter Sprache verfasst und in großen Druckbuchstaben abgebildet.

Nach diesem Teil des Buches mit den einzelnen Geschichten schließt sich u.a. ein kleinerer Teil mit weiteren sehr kurzen Zusatzinformationen über die Figur Wangari Maathai an und danach folgen diverse Anregungen für das Kind.

Inhalt

Das Buch ist für jüngere Kinder im lesefähigen Alter ab 8 Jahren gedacht, auch als Schullektüre. Es wird das Leben von Wangari Maathai in vielen kleinen Einzelgeschichten mit Begriffserklärungen, Zeichnungen und kleinen passenden Aufgaben, den sogenannten „Forschungsaufgaben“, für das lesende Kind dargestellt.

Unter anderem werden die Kindheit von Wangari Matthai, ihre Umgebung, die sie beeinflussenden Faktoren, ihre Ziele und Erfolge bis zu ihrem Tod thematisiert. Da es sich bei dem Aufbau des Buches nicht um eine herkömmliche Untergliederung in Kapitel mit Unterkapiteln handelt und das Eingehen auf alle Themenbereiche zu umfangreich werden würde, greife ich exemplarisch einige Geschichten heraus, um mal mehr und mal weniger darauf einzugehen.

Nach den ersten Geschichten über Wangari Maathai‘s Kindheit und Schuleintritt, folgt eine Geschichte über ihre Studienzeit in den USA und die sich anschließenden Zeit, in der sie in Universitäten in Nairobi und München auch forschte. Der Titel heißt: Der Blick von außen. Der Aufenthalt im Ausland hat sie und ihren Blick auf Vieles verändert. Sie interessierte sich besonders für Tiere und die Umwelt. Am Ende dieser kleinen Geschichte werden die Begriffe „Nairobi“ und „München“ erklärt. Auf der rechten Seite befindet sich eine Zeichnung mit Wangari Maathai als stolze Studienabsolventin. Die dazugehörige Forschungsaufgabe lautet: „Wofür interessierst du dich und worüber möchtest du gerne mehr wissen?“ (vgl. S. 12 f.).

Es folgt eine Geschichte mit dem Titel: Der große Traum über Kolonialismus und wie vor ca. 60 Jahren viele Länder in Afrika unabhängig wurden, so auch Kenia (vgl. S. 14 f.).

In einer weiteren Geschichte Wie alles zusammenhängt, wird erzählt, wie Wangari Maathai die Einsicht gewann, dass ohne Bäume und das Wasser das Land zur Wüste wird und die Menschen nicht mehr in ihren Dörfern leben können. Ihre rettende Idee war: „Lasst uns Bäume pflanzen!“ Unter dem Text schließen sich wieder zwei erläuterte Begriffe an. Auf der rechten Seite ist Wangari am Wasser neben einem Baum gezeichnet und Regentropfen fallen vom Himmel. Die Forschungsaufgabe für das Kind lautet: „Was braucht eine Pflanze zum Wachsen? Und was brauchst du zum Wachsen?“ (vgl. S. 18 f.).

Zwei Geschichten weiter unter der Überschrift Die Mutter der Bäume wird erzählt, dass Wangari Maathai 1977 das Green Belt Movement gegründet hatte. Sie motivierte vorzugsweise ärmere Frauen teilzunehmen, gemeinsam Bäume zu pflanzen. So wurden viele Millionen Bäume gepflanzt. Die Frauen sammelten die Samen, pflanzten selbst und konnten dann die Früchte der Bäume ernten und hatten durch Äste Feuerholz. Wangari Maathai wurde nun „Mama Miti“ genannt. Am Ende des Textes sind die Begriffe „Mama Miti“ und Green Belt Movement“ erläutert. Auf der rechten Seite sind pflanzende afrikanische Frauen in bunten Kleidern gezeichnet. Die darunter stehende Forschungsaufgabe lautet: „Welche Bäume, die essbare Früchte tragen, kennst du aus deiner Region?“ Darunter auf dem Kopf stehend ist auch die Lösung aufgeführt (vgl. S. 22 f.).

Einige Geschichten weiter wird ihr schwieriger Weg zur Politikerin beschrieben, ebenfalls werden Begriffe zum Text erläutert und es folgen eine Zeichnung mit einer Forschungsaufgabe (vgl. S. 36 f.).

Die nächste Geschichte ist betitelt: Der grüne Gürtel. Hier wird beschrieben, wie sich die Green Belt Movement Bewegung in Afrika ausbreitete und dann von den Vereinten Nationen als Milliarden-Bäume-Kampagne unterstützt und weltweit bekannt gemacht wurde. 2007 brachte ein neunjähriger Junge die Idee sogar nach Deutschland und regte an, dass Kinder in jedem Land Bäume für den Planeten pflanzen sollten. Dem Text schließen sich die erläuterten Begriffe „Vereinte Nationen“ und „Kampagne“ an. Auf der rechten Seite ist die Erdkugel abgebildet, darauf Afrika und Europa und ein Blättergürtel über Afrika. Daneben steht wohl Wangari in einem bunten afrikanischen Kleid und Haarband mit einem Bäumchen in einem Blumentopf in der einen Hand und mit der anderen Hand zeigt sie auf den Titel des Bildes: „Wir müssen uns für das einsetzen, woran wir glauben“. Die Forschungsaufgabe lautet hier: „Schau nach, wo in deiner Gegend Bäume gepflanzt werden“ (vgl. S. 38 f.).

Die nächste Geschichte mit dem Titel: Nobelpreis und Auszeichnungen beschreibt Wangari Maathai als Nobelpreisträgerin und berichtet von ihren internationalen Auszeichnungen und wie sie viele Menschen inspirierte. Die Begriffe „Nobelpreis“ und „Inspiration“ werden unter dem Text erklärt. Die rechte Seite zeigt Wangari Maathai mit dem Unicef Symbol auf der linken Handfläche liegend und einem Bild von A. Nobel. Der Titel dieser Seite ist: „Das macht den Unterschied“. Die sich anschließende Forschungsaufgabe lautet: „Welche Person hat deiner Meinung nach einen Preis verdient und wofür?“ (vgl. S. 40 f.).

Danach folgt eine Schilderung über ihre Krebserkrankung und ihren Tod (vgl. S. 42 f.).

Die letzte Geschichte hat den Titel: Was bleibt? Es wird darauf eingegangen, wie es mit den Projekten von Wangari Maathai bis heute weitergeht und es wird berichtet, dass ihre Tochter beim Green Belt Movement die Arbeit ihrer Mutter weiterführt. Der Titel der rechten Seite lautet: „Egal wie klein du bist, du kannst etwas bewegen.“ Gemalt ist der Eingang zum Wangari Maathai Institut in Nairobi und die Forschungsaufgabe lautet: „Wie kannst Du nachhaltiger leben?“ (vgl. S. 44 f.).

Nach diesen Geschichten schließt sich ein Teil mit weiteren Kurzinformationen über Wangari Matthai an. Außerdem folgen dann noch Anleitungen, um ein Bäumchen zu pflanzen, das kenianische Nationalgericht zu kochen und Einiges mehr, damit das Kind selbstständig Neues ausprobieren kann, mit Bezug zur Umwelt, Natur und anderen Lebensweisen. Ganz zum Schluss werden die Autorinnen und die Zeichnerin vorgestellt und auf andere Bücher der Reihe „Starke Frauen“ hingewiesen.

Diskussion

Das kleine Büchlein besteht aus vielen Geschichten, die das Leben von Wangari Maathai, der Mutter der Bäume, bis zu ihrem Tod beschreiben. Sie war eine starke Frau, die große Ideen entwickelt und viel bewegt hat. Sie hat als afrikanisches Dorfkind eine Schule besuchen können, was zu dieser Zeit keinesfalls üblich war, sie hat studiert, geforscht, hat als erste Afrikanerin den Friedensnobelpreis erhalten und wichtige Projekte angestoßen und initiiert.

Der Text des Buches ist übersichtlich in großer Schrift verfasst; für Kinder im Schulalter ist er gut lesbar. Die dazugehörigen Illustrationen sind bunt, kindgerecht, und drücken auch Emotionen gut aus. Fremde Begriffe im Text, die Kinder eher nicht kennen, werden am Ende des jeweiligen Textes erläutert. Trotzdem würde ich sagen, dass das Buch, zumindest in der Altersgruppe ab 8 Jahren, eher für Kinder mit einem sogenannten Mittelschicht Background, zum Selbstlesen geeignet ist. Kinder aus bildungsferneren Familien wären beim Selbstlesen ohne Unterstützung vielleicht doch überfordert. Die Texte eignen sich generell sehr schön, um mit Kindern zu bestimmten Themenbereichen in den Dialog zu kommen. Begleitende Eltern oder Lehrer können vertiefende Erläuterungen geben, können aufkommende Fragen beantworten. Meines Erachtens eignen sich einzelne Texte auch schon für jüngere Kinder, wenn sie vorgelesen werden und mit eigenen Erläuterungen unterstützt werden. Allerdings denke ich, dass zum Beispiel die Themenbereiche „Kolonialismus“ (vgl. S. 14 f.), oder die Forschungsfrage: Wie kannst du nachhaltiger leben? aus der Geschichte „Was bleibt?“ (vgl. S. 45) schon eine Begleitung durch Eltern, ältere Geschwister, Großeltern oder Lehrpersonal erfordern. Hier anknüpfend kann der/die Erwachsene die Problematik der Entsorgung von Elektromüll u.a. nach Afrika aufgreifen. Einerseits kaufen wir in den reicheren Ländern zu oft neue Handys, Computer und Fernseher und der Elektromüll der alten Geräte wird u.a. nach Afrika exportiert und dort werden unter gesundheitlich schädlichen Bedingungen nach dem Verbrennen der Plastikteile nach noch verwertbaren Teilen gesucht, um diese dann zu verkaufen. Das machen vorwiegend Kinder und setzen so ihre Gesundheit aufs Spiel, sie müssen aber zum Unterhalt der Familie mit beitragen und wir die reichen Länder sparen eine teure Entsorgung (vgl. planet-wissen.de „Ghana. Giftiger Elektromüll“, aktualisiert 03.09.2019).

Bei der Kolonialismus Geschichte wird im Text auch auf Unterstützung durch Eltern oder ein Kinderlexikon hingewiesen. Ich erwähne das, da einige Geschichten ohne Begleitung verständlich sind, andere eher Begleitung und Unterstützung erfordern. Es bieten sich viele Themenkomplexe aus dem Buch an, die auch einzeln noch vertieft werden können, so zum Beispiel:

Wie nah sind doch auch weiter entfernt gelegene Kontinente durch die Globalisierung? Bei allen Unterschieden gibt es doch auch ähnlich Problematiken in Afrika und in dem Land, wo wir leben. Auch hier bei uns sind Frauen immer noch nicht vollständig gleichberechtigt, so zum Beispiel bei der Entlohnung ihrer Arbeit. Und immer noch tragen auch berufstätige Frauen den Hauptteil der Hausarbeit neben ihrem Beruf, sind vorwiegend für die Kindererziehung verantwortlich. Sie sind mehr in Teilzeitbeschäftigungen zu finden als Männer, das hat auch Konsequenzen auf die Renten der Frauen und deren höheren Anteil an Altersarmut (vgl. www.bmfsfi.de, Kinder, Haushalt, Pflege – wer kümmert sich? 2021).

Weitere Themenbereiche zum Vertiefen könnten auch sein:

  • Sich solidarisieren für eine wichtige Sache.
  • Sich nicht unterkriegen lassen.
  • Viel Engagement und ein langer Atem können viel bewegen.

Die Forschungsaufgaben zu jedem Text und die weiter hinten folgenden Anleitungen, wo die kleinen Leser*innen angeregt werden, eigene Initiative zu ergreifen, sich aktiv einbringen können, finde ich pädagogisch besonders wertvoll. (Vgl. S. 50–64). Ich bin überzeugt, jedes Kind wird gerne bei der Baumbestimmung, beim Bäume Ausmalen, dem Kochen des kenianischen Nationalgerichtes (Ugali) und Einigem mehr, aktiv mitmachen und Spaß haben.

Fazit

Es war eine gute Idee der Autorinnen, Wangari Matthai‘s Leben in einem Kinderbuch darzustellen, gerade in einer Zeit von zunehmenden globalen Problemen, die u.a. die Umwelt, die Zuwanderung und den Klimawandel betreffen. Deshalb sollten schon die Kleinen an diese Themen herangeführt und dafür sensibilisiert werden. Die Hauptfigur Wangari Matthai bietet sich gerade für Mädchen als ein starkes und erfolgreiches Rollenvorbild an.

Hätte ich noch kleinere Kinder oder Enkel, ich hätte Ihnen das Buch gerne gekauft. Wäre ich Lehrerin an einer Grundschule, würde ich es gerne im Unterricht mit einer Klasse benutzen! Obwohl es nicht sehr umfangreich an Seiten ist, bietet es jede Menge Anregungen.

Rezension von
Beate Sonsino
M.A. - Tätig in der Aus- und Fortbildung von Lehrern und pädagogischem Fachpersonal
Mailformular

Es gibt 19 Rezensionen von Beate Sonsino.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Beate Sonsino. Rezension vom 17.06.2022 zu: Heike Wolter, Julia Christof: Wangari Maathai – Die Mutter der Bäume (Starke Frauen). edition Riedenburg e.U. (Salzburg) 2022. ISBN 978-3-99082-083-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29172.php, Datum des Zugriffs 04.07.2022.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht