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Ludger Pesch (Hrsg.): Elementare Bildung

Cover Ludger Pesch (Hrsg.): Elementare Bildung. verlag das netz GmbH (Berlin) 2005. ISBN 978-3-937785-31-8. 36,90 EUR.

In Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg. Band 1: Grundsätze und Praxis, herausgegeben von Ludger Pesch (ISBN 3-937785-33-7). Band 2: Handlungskonzepte und Instrumente, herausgegeben von Hans-Joachim Laewen und Ludger Pesch (ISBN: 3-937785-32-9).
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Einführung

In Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg haben Ludger Pesch, Beate Andres und Hans-Joachim Laewen zwei Materialordner zur elementaren Bildung herausgegeben. Der erste Band (herausgegeben von Ludger Pesch) enthält die Grundsätze der elementaren Bildung, welche aus thematisch gegliederten Bildungsbereichen bestehen. Der zweite Band veröffentlicht die Ergebnisse des im Jahr 2004 abgeschlossenen "10-Stufen-Projekts Bildung" in Form einer Handreichung.

Zu den Autor/innen

  • Ludger Pesch. Dipl.Pädagoge, Organisationsberater im Institut für den Situationsansatz in der Internationalen Akademie gGmbH, Freie Universität Berlin, Leiter der Bundesgeschäftsstelle des Pestalozzi-Fröbel-Verbandes e.V. (www.pfv-berlin.de)
  • Beate Andres. Erziehungswissenschaftlerin, Gründungsmitglied von infans e.V. Wissenschaftliche Mitarbeiterin in verschiedenen Projekten, u.a. im Modellprojekt zum Bildungsauftrag von Kindertageseinrichtungen, derzeit tätig im Projektverbund Bildung in Kindertageseinrichtungen in Brandenburg und Baden-Württemberg
  • Hans-Joachim Laewen. Erziehungswissenschaftler, Gründungsmitglied des Instituts für angewandte Sozialisationsforschung/Frühe Kindheit e.V. (INFANS). 1992 bis 1997 Aufbau eines Beratungsnetzwerks im Bereich Kindertagesstätten in Brandenburg (Modellprojekt "Impulse aus Brandenburg"). Von 1997 bis 2000 Leitung des Bundesmodellprojekts: "Zum Bildungsauftrag von Kindertageseinrichtungen". 2001 Entwicklung eines Konzepts zur Umsetzung des Bildungsauftrags in Kindertageseinrichtungen, seit 2002 Erprobung des Konzepts in Brandenburg und in Baden-Württemberg

Hintergrund für die Entstehung des Buches (zwei Ordner)

  1. Der erste Band "Elementare Bildung" enthält die Grundsätze elementarer Bildung für die Kindertagesstätten in Brandenburg. Sie stellen die Empfehlungen für die Bildungsarbeit dar und beruhen auf dem Gutachten "Entwurf eines normativen Rahmens für die Bildungsarbeit in Brandenburger Kindertagesstätten". Dabei sind Anregungen aus dem "Berliner Bildungsprogramm für die Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern in Tageseinrichtungen bis zu ihrem Schuleintritt" eingeflossen. Die Schlussredaktion ist im Brandenburgischen Ministerium für Bildung, Jugend und Sport erfolgt.
  2. Der zweite Ordner "Elementare Bildung. Handlungskonzept und Instrumente" enthält die Ergebnisse des Modellprojekts "10-Stufen-Projekt-Bildung", welches ab 2002 in Brandenburg zur Umsetzung des Bundesmodellprojekts "Zum Bildungsauftrag von Kindertageseinrichtungen" (1997 - 2000) durchgeführt wurde. Dabei ging es darum, das frühpädagogische Konzept unter den gegebenen Bedingungen konkret in Kindertageseinrichtungen umzusetzen. Dabei waren 30 Kindertageseinrichtungen beteiligt.

    Das Brandenburgische Modellprojekt wurde inzwischen auch erweitert, so dass der Landeswohlfahrtsverband Baden, die Städte Freiburg, Konstanz, Rastatt, der Landeswohlfahrtsverband Württemberg-Hohenzollern, die Städte Böblingen, Heilbronn, Ulm, Stuttgart als Teilprojekte im Projektverbund "Bildung in der Kindertageseinrichtung" zusammengefasst sind. Die Ergebnisse des Projektverbundes sollen jedoch separat veröffentlicht werden. Der vorliegende Band bezieht sich vorwiegend auf die Brandenburgischen Erfahrungen und hat einen vorläufigen Charakter, da eine abschließende Bewertung durch die Wissenschaftler erst nach Beendigung des gesamten Projektes erfolgen wird.

Aufbau und Inhalte Band 1

Vorwort. In zwei Vorworten erinnern der Minister für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg Holger Rupprecht und der Herausgeber Ludger Pesch an die diesem Material vorausgegangenen Bildungsdiskussionen und Modellprojekte in Brandenburg. Sie verweisen darauf, dass der Band 1 den normativen Rahmen für die Umsetzung des Bildungsauftrages in den Kindertagesstätten absteckt.

Gemeinsame Erklärung zu Grundsätzen elementarer Bildung in Einrichtungen der Kindertagesbetreuung im Land Brandenburg. Durch die gemeinsame Erklärung der großen Trägerverbände wird empfohlen, die "Grundsätze elementarer Bildung" in den Einrichtungen anzuwenden.

Bildungsbereiche. Folgende Bildungsbereiche werden beschrieben:

  • Körper, Bewegung und Gesundheit
  • Sprache, Kommunikation und Schriftkultur,
  • Musik,
  • Darstellen und Gestalten,
  • Mathematik und Naturwissenschaft,
  • Soziales Leben.

Jeder Bildungsbereich ist in die Abschnitte: Grundverständnis, Ebenen der Umsetzung und Beispiele gegliedert. Die Brandenburgischen "Grundsätze elementarer Bildung" bezeichnen Bildungsbereiche, die in der pädagogischen Arbeit Berücksichtigung finden müssen. Diesen Beschreibungen werden Beispiele für beste Praxis hinzugefügt. Diese sollen aber keinesfalls als Ersatz für die eigene pädagogische Arbeitskonzeption der Erzieherin gesehen werden.

Materialteil zu den Bildungsbereichen. Der relativ kurzen Beschreibung der einzelnen Bildungsbereiche folgt eine Gliederung des Ordners in einen Materialteil, der aber noch nicht vollständig mit Material untersetzt ist. Es sind als "Kapitel" noch einmal die 6 Bildungsbereiche angegeben, wobei einigen (aber nicht allen) schon ergänzende Artikel zugeordnet wurden. Zum Beispiel ist für den Bildungsbereich Sprache, Kommunikation und Schriftkultur ein Artikel von Silvia Hüsler zum Thema "Viele Muttersprachen in einer Kita" abgedruckt. Weiterhin enthält der Ordner zwei Aufsätze zum Bildungsverständnis konfessioneller Träger. Der Abschnitt "Einrichtungskonzepte" beinhaltet den Beitrag von Ludger Pesch "Ein normativer Rahmen für die Bildungsarbeit in Kindertagesstätten des Landes Brandenburg" in aktualisierter Fassung. Die Leserin/der Leser wird eingeladen, weitere Artikel bzw. Aufsätze dort abzuheften.

Im Teil "Bildungspläne im Vergleich" kann man den "Gemeinsamen Rahmen der Länder für die frühe Bildung in Kindertageseinrichtungen" nachlesen und sich über den Artikel von Detlef Diskowski "Neuer Schwung für die Bildungsdebatte. Bildungspläne für den Kindergarten" informieren.

Ein recht umfangreiches Literaturverzeichnis komplettiert das Material.

Aufbau und Inhalte Band 2

Konzeptioneller Rahmen: Einleitung und Klärung der Begriffe. Im Vorwort wird darauf verwiesen, dass mit dem Material ein Beitrag zur Neukonstruktion der Frühpädagogik gegeben wird, damit sich Kindertageseinrichtungen von Betreuungseinrichtungen mit Bildungsauftrag zu Bildungseinrichtungen mit Betreuungsauftrag wandeln können. Die Systematik des ursprünglichen 10-Stufen-Projekts-Bildung wurde geändert zu einer Systematik, die beschreibt, wie schrittweise bei einer konkreten Umgestaltung einer Kindertagesstätte zu einer Bildungseinrichtung vorgegangen werden kann.

Bei der fachpolitischen Verortung werden folgende Themen gestreift:

  • Kompetenzen und Frühpädagogik. Was staatliche Bildungs- und Erziehungspläne ausdrücklich nicht vermögen
  • Individualisierte Frühpädagogik
  • Die Grundbegriffe der infans-Pädagogik: Betreuung, Bildung, Erziehung

Weiterhin gibt es im ersten Abschnitt eine Übersicht über das Vorgehen des "Wegs in die Praxis".

Der Abschnitt: Pädagogischer Rahmen: Handlungsschritte und Verfahrensweisen enthält die Beschreibung von 5 Modulen:

  1. Das Modul 1 "Erziehungsziele und Handlungsziele formulieren und reflektieren" beinhaltet eine konkrete Schrittfolge, die handlungsleitend für die Zielbestimmung der Einrichtung und damit für die Konzeptionsentwicklung sein kann.
  2. Im Modul 2 "Kinderverhalten beobachten und fachlich reflektieren" wird beschrieben, welchen Stellenwert, welche Funktion und welches Vorgehen bei Beobachtung und Dokumentation zu berücksichtigen sind. Dabei wird auch auf die Leuvener Engagiertheitsskala eingegangen.
  3. Das Modul 3 "Themen zumuten und beantworten" geht der Frage nach, wie die Themen der Kinder erkannt und unterstützt werden können. Gleichzeitig wird reflektiert, wie die als notwendig erkannten Themen den Kindern nahe gebracht werden können.
  4. Verschiedene Formen der Dokumentation werden im Modul 4 "Bildungsprozesse dokumentieren" vorgestellt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Portfolio-Dokumentation.
  5. Weiterhin werden Hinweise zum Datenschutz und Hinweise für die "Dokumentation nach außen" gegeben.

Das Material für den Abschnitt "Organisatorischer Rahmen: Strukturelle Grundlagen und Qualitätsmanagement" soll erst später erscheinen.

Der Materialteil "Instrumente" enthält Material von infans:

  • Bildungsbereiche/Zugangsformen für Kinder ab drei Jahre
  • Beobachtung: Bildungsthemen der Kinder
  • Bevorzugte Tätigkeitsformen/Interessen des Kindes
  • Soziografische Beobachtung
  • Freunde und Beziehungen zu anderen Kindern
  • Bildungsgeschichten des Kindes aus seiner Familie

Im Anhang finden sich noch die Adressen der Konsultationseinrichtungen und Projektkitas in Brandenburg, eine Übersicht über das 10-Stufen-Projekt Bildung, eine Darstellung der "Vier Felder des Allgemeinwissens" und ein ausführlicher Literaturüberblick.

Bewertung

Der Wert des Materials hat sich für mich erst nach einer kurzen Eingewöhnung gezeigt. Zunächst war ich etwas verwundert, weil ich zwei stattliche Ordner erhielt, die jeweils zirka nur zu einem Dittel gefüllt sind, beim weiteren Lesen zeigte sich aber, dass sie eine Fundgrube für die eigene Arbeit sind, auch für Menschen außerhalb von Brandenburg. Der erste Ordner war für mich als Nicht-Brandenburgerin interessant, um den Diskussionsstand in Brandenburg zu erfahren. Darüber hinaus werden die einzelnen Bildungsbereiche kurz beleuchtet, und es werden gute Beispiele vorgestellt. Dadurch erhält der Leser/die Leserin vielfältige Anregungen. Der zweite Ordner beinhaltet eine Fülle von Informationen über das Herangehen an Veränderungsprozesse in Kindertagesstätten. Diese sind hilfreich für alle Kindertagesstätten, die sich mit dem aktuellen Bildungsverständnis auseinandersetzen wollen. Es gibt eine Fülle von praktischen Hinweisen und von Denkanstößen zum Überdenken der eigenen Arbeit. Auch die theoretischen Ausführungen sind eine Bereicherung für die gegenwärtige Fachdiskussion. Am spannendsten für mich persönlich war der Abschnitt "Zur fachpolitischen Verortung und Klärung von Begriffen" über Bildungsprozesse, Kompetenzerwerb und die Auseinandersetzung mit Bildungs- und Erziehungsplänen, z. B. den aus Bayern. Hier wird auch kurz auf die DDR-Pädagogik eingegangen.

Die einzelnen Texte sind kompakt, die Sprache des Materials ist gut verständlich und die exzellenten Fotos regen zum Weiterdenken an. Die Ordner sind ein gutes Arbeitsmaterial, das

Für mich stellt sich nun nur noch die Frage: Wie erfahre ich, wann Ergänzungsmaterialien erhältlich sind?

Zielgruppe

ErzieherInnen, LeiterInnen von Kindertagesstätten, TrägervertreterInnen, besonders in Brandenburg, interessierte Eltern

Fazit

Im Brandenburgischen Material zur "Elementaren Bildung" wird theoretisch und praktisch das aktuelle frühkindliche Bildungsverständnis erläutert. Es ist sehr lesenswert und macht neugierig auf die angekündigten weiteren Veröffentlichungen.


Rezensentin
Prof. Dr. paed. Michaela Rißmann
Fachhochschule Erfurt
Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften
Professur "Erziehungswissenschaften, Erziehung und Bildung von Kindern"
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Zitiervorschlag
Michaela Rißmann. Rezension vom 15.11.2005 zu: Ludger Pesch (Hrsg.): Elementare Bildung. verlag das netz GmbH (Berlin) 2005. ISBN 978-3-937785-31-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/2918.php, Datum des Zugriffs 20.09.2019.


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ISSN 2190-9245

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