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Sylvia Zöller, Petra Evanschitzky et al.: Besser eingewöhnen! – Der Film

Rezensiert von Alexandra Großer, 27.12.2023

Sylvia Zöller, Petra Evanschitzky, Emilia Miguez: Besser eingewöhnen! – Der Film. verlag das netz GmbH (Kiliansroda) 2021. ISBN 978-3-86892-178-6.
DVD; 978-3-86892-178-6 .

Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.

Thema

Die erste DVD enthält einen Film der die Eingewöhnung zweier Kinder nach dem Münchener Eingewöhnungsmodell zeigt. Im ersten Film wird Florian (1;0) gezeigt, der die Eingewöhnung in der Krippe erlebt und im zweiten Film sieht man die Eingewöhnung von Fynn (2;9) in den Kindergarten. Der Film orientiert sich an den vier Phasen des Beziehungsaufbaus. Die zweite DVD enthält Interviews verschiedener Akteur*innen zur Planung, Durchführung und Umsetzung des Münchener Eingewöhnungsmodells sowie Interviews mit Anna Winner und Elisabeth Erndt-Doll zu den Anfängen des Münchener Eingewöhnungsmodells.

Autor:innen

Sylvia Zöller kommt ursprünglich aus der Kita-Praxis und arbeitete in Bayern und Baden-Württemberg als Erzieherin und Kita-Leiterin. Sie ist Fachwirtin für Organisation und Führung und Coachin. Seit 2007 ist sie als selbstständige Referentin, Beraterin und Dozentin in der Bildung der frühen Kindheit tätig.

Petra Evanschitzky ist Sozialpädagogin, Sozialwirtin und Organisationsberaterin nach SySt®. Sie arbeitete am ZNL TransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen an der Universität Ulm als wissenschaftliche Mitarbeiterin in verschiedenen Forschungsprojekten. Sie ist selbstständige Referentin, Konzeptentwicklerin und Autorin

Emilia Miguez ist Redakteurin und Filmemacherin beim Verlag das Netz. Im betrifft KINDER Podcast spricht sie regelmäßig mit Expertinnen über Themen aus der pädagogischen Praxis.

Aufbau und Inhalt

Besser eingewöhnen! Der Film besteht aus zwei DVD’s und einem Booklet. Die DVD „Besser eingewöhnen! Der Film“ enthält die filmische Begleitung zweier Jungen, Florian (1;0 Jahre) und Fynn (2,9 Jahre), während ihrer Eingewöhnung in die Krippe (Florian) beziehungsweise in den Kindergarten (Fynn).

Die DVD „Besser eingewohnen! Interviews“ enthält Interviews mit Anna Winner und Elisabeth Erndt-Doll sowie Interviews aus Sicht von Fachberatung, Träger und Leitung, Studierenden, pädagogischen Fachkräften aus der Praxis und Erfahrungen aus Familiensicht.

Das Booklet enthält Hinweise zu ausgewählten Sequenzen aus den beiden Eingewöhnungen sowie Interviewfragen zu den einzelnen Interviews. Per Downloadcode erhält man weitere Hinweise zu ausgewählten Szenen aus den Hauptfilmen.

DVD 1: Besser eingewöhnen!

Das Kapitel „Übergang vorbereiten“ enthält die einzeln anwählbaren Kapitel „Das Aufnahmegespräch“ und „Vorstellung in der Kindergruppe“. Das Kapitel „Übergang verwirklichen“ enthält die Filme „Florian (1 Jahr): Übergang Familie – Krippe“ und „Fynn (2;9 Jahre): Übergang Familie – Kindergarten“. Die einzeln anwählbaren Kapitel „Florian 1 Jahr: Übergang Familie – Krippe“, enthalten die Unterkapitel „Kennenlernen“, „Vertrauen aufbauen“, „Sicherheit gewinnen (A)“, „Kennenlernen: Schlafen“, „Sicherheit gewinnen (B)“, „Sicherheit gewinnen (C): Schlafen“, „Vertraut sein“. Auch zum Film von Fynn können einzelne Filmsequenzen – „Kennenlernen“, „Vertrauen aufbauen“, „Sicherheit gewinnen“, „Erstes verabschieden“, „Vertraut sein“ angewählt werden. Die einzeln anwählbaren Kapitel enthalten einzelne Sequenzen, die die Phasen der Transitionen und des Beziehungsaufbaus nochmals gezielt herausgreifen.

Übergang vorbereiten

Das Aufnahmegespräch (05.55 Min)

In dieser Sequenz lernen sich die Familie von Florian und die Pädagogin, die die Familie in der Eingewöhnung begleitet, kennen. Alle Beteiligten sitzen bereits miteinander am Tisch. Anhand einer „Landkarte“ erkundet die Pädagogin die Rituale und Gewohnheiten von Florian. Im Film interviewt sie die Familie zum Einschlafritual und Abschiedsritual und macht sich auf ihrer Landkarte Notizen dazu.

Vorstellung in der Kindergruppe (02:11 Min)

Eine Woche bevor Florian in die Kindergruppe der Krippe kommt, stellt die Pädagogin Florian anhand von Bildern den Kindern im Morgenkreis vor. Bereits über der Tür, bevor man den Gruppenraum betritt, hängt ein „Willkommensschild“ mit einem Foto von Florian und seinen Eltern. Damit sind alle Eltern und Kinder informiert, dass er, als neues Kind in die Gruppe kommt. Gleichzeitig werden so die Eltern, beziehungsweise die Begleitperson und Florian, mit einem „Herzlich Willkommen“ – übrigens in verschiedenen Sprachen geschrieben – empfangen.

Wie bereits erwähnt, zeigt die Erzieherin im Morgenkreis zunächst ein Bild von Florian, welches sie im Morgenkreis herumreicht. Sie erklärt den Kindern, das er nach dem Wochenende neu in die Gruppe kommt. Neben Florians Bild hat sie auch Bilder seiner Familie dabei, welche sie den Kindern vorstellt. Am Ende dieser Sequenz wird der Garderobenhaken mit Florians Bild und Namen gezeigt.

Übergang verwirklichen

Florian (1 Jahr): Übergang Familie – Krippe (27:52)

Mit dem Eintritt durch die Eingangstüre am ersten Tag der Eingewöhnung begleitet der Film Florian und seine Mutter in den ersten Wochen der Eingewöhnung. Die ersten vier Tage sind sie vormittags in der Krippe. Von Beginn an isst Florian beim Mittagessen mit. Die eingewöhnende Fachkraft, Sonja Wypych, begleitet von Beginn an Florian und seine Begleitperson. Gleich am ersten Tag erleben sie die Ankommensrituale. So bekommt Florian von der Pädagogin seine Raupe mit seinem Bild darauf für die Anwesenheitstafel überreicht, welches die Begleitperson entgegennimmt und mit ihm auf dem Arm an der Anwesenheitstafel anpinnt. Im Lauf der ersten Woche übernimmt er das anpinnen seiner Raupe. Florian und seine Begleitperson erleben von Beginn an aktiv den Tagesablauf und die Impulsangebote in der Krippe. Im Film erlebt die/der Zuschauer*in, wie Florian mehr und mehr exploriert und sich auf die Pädagoginnen seiner Gruppe einlässt und Sicherheit gewinnt. Während die Begleitperson sich als sichere Basis mehr und mehr im Hintergrund aufhält. Die Begleitperson ist aktiv in die Interaktionen und das Spielgeschehen mit anderen Kindern involviert. Auch das Mittagessen verändert sich zunehmend. Während zu Beginn die Fürsorgeperson Florian unterstützt und begleitet, auch mitisst, übernimmt nach und nach die begleitende Pädagogin die Unterstützung Florians. Am fünften Tag der Eingewöhnung besuchen Florian und Begleitperson die Krippe am Nachmittag.

Am sechsten Tag der Eingewöhnung geht die Krippengruppe spazieren. Während des Spaziergangs unterhalten sich Begleitperson und die Pädagogin über die erste Trennung in den kommenden Tagen. Florian und seine Fürsorgeperson erleben am sechsten Tag auch zum ersten Mal das Schlafritual in der Krippe, auch wenn er noch nicht dort schläft, lernen es beide zunächst kennen. Am siebten Tag wird die Besuchszeit ausgedehnt. Der Tag beginnt eine halbe Stunde eher und endet eineinhalb Stunden später als an den Tagen zuvor. Im Interview erklärt Sonja Wypych, wie die bisherige Eingewöhnung Florians verlief. Sie erzählt darin, dass Florian erst durch die Corona bedingte Kitaschließung und später durch die Sommerferienschließung vor die Herausforderung gestellt wurde mehrere kurze Eingewöhnungs- und Trennungsprozesse zu durchlaufen. Die Pädagoginnen achteten dabei sehr auf die Bedürfnisse Florians und seiner Eltern. Die Kamera ist in dieser Zeit coronabedingt nicht mehr dabei. Daher erfahren die Zuschauer*innen nur durch das Interview wie die Trennungen von Kind und Mutter verliefen. Am Ende dieser Filmsequenz wird gezeigt, dass Florian gut in der Krippe angekommen ist.

Immer wieder eingeblendete Texttafeln erklären die Grundpfeiler des Eingewöhnungskonzepts nach dem Münchener Modell.

Fynn (2;9 Jahre): Übergang Familie – Kindergarten (44:47)

Am ersten Tag seiner Ankommenszeit im Kindergarten sind beide Eltern von Fynn da und werden an seinem Garderobenplatz von der Ansprechpartnerin der Familie begrüßt. Sie begleitet Fynn und seine Fürsorgeperson durch die gesamte Ankommenszeit. Wie bereits in dem Film mit Florian werden auch hier die Textafeln zu den Grundpfeilern des Münchener Modells eingeblendet, die direkten Bezug zum Geschehen des Films haben. In der Eingewöhnung wird Fynn von seiner Mutter begleitet. Fynn und seine Mutter erleben von Beginn an den Tagesablauf und die Rituale der Kita. Im Film erleben wir immer wieder den Austausch und die Absprachen zwischen Begleitperson und Begleiterzieherin. Diese Gespräche sind ein wichtiger Bestandteil des Münchener Eingewöhnungsmodells. In den ersten Tagen ist die Mutter ein wichtiger Rückzugspunkt für Fynn, wenn er auch schon viel exploriert und sich auf die Pädagoginnen einlässt. Am sechsten Tag findet das erste Verabschieden statt. Fynn begleitet seine Mutter zum Elterncafé. Begleitet wird diese Filmsequenz durch Erläuterungen der begleitenden Fachkraft. Im Film wird die begleitende Fürsorgeperson auch nach ihrem Befinden befragt.

Insgesamt begleitet der Film Fynn und seine Mutter bis zum 15. Tag seiner Ankommenszeit in der Kita. Die Tage 11 bis 14 sind Stabilisierungstage im Verlauf der Eingewöhnung. Im Interview erfahren wir, dass Fynn mit den Abläufen und allen Erzieher*innen in der Kita vertraut ist und gut in der Kita angekommen ist, sodass er auch nach der Coronabedingten Schließung wieder gut in der Kita ankam.

DVD 2: Besser eingewöhnen! Interviews

Perspektiven aus dem Kontext der Übergangsgestaltung

Wie alles begann – Die Geschichte des Münchener Eingewöhnungsmodells

Elisabeth Erndt-Doll und Anna Winner erzählen von den Anfängen des Münchener Eingewöhnungsmodells. Elisabeth Erndt-Doll war bereits Ende '88 als Sozialpädagogin in der Pilotphase im damaligen „Beller-Projekt“ dabei. Anna Winner war damals eine der Mütter, die ihr Kind in der Krippe hatte, und später die Gelegenheit hatte als Kollegin im Projekt mitzuarbeiten. Anna Winner erzählt darin, dass das Projekt sich mit allen Beteiligten entwickelte und alle voneinander lernten. Das Projekt entstand aus der Praxis heraus. Klar war das Ziel, welches in einem behutsamen Übergang von der Familie in die Kita bestand. Beller ging es von Beginn an um das Netzwerk, um alle Gruppen, die an dem Übergang beteiligt sind: Eltern, Erzieher*innen, Kinder und die Kindergruppe. Im Interview arbeiten sie die Unterschiede zwischen dem Berliner und dem Münchener Modell heraus, sowie die Bedeutung der Familie als auch Kindergruppe im Münchener Modell.

Qualität sichern und voranbringen – Eingewöhnung aus Sicht von Träger, Fachberatung und Leitung (15:52)

In dieser Filmsequenz kommen abwechselnd zu den verschiedenen Themen Fachberatung, Trägervertreterin und eine Leitung zu Wort.

Qualität braucht WISSEN (ab 00:00)

In dieser Filmsequenz berichtet die Fachberatung, was ihres Erachtens wichtig ist, wenn es um die Beratung von Trägern zum Thema Eingewöhnung geht. Essenziell ist, dass die Fachberatung fundierte Kenntnisse zum Thema Übergang besitzt und dem Träger erklären kann, wie wichtig die zeitliche Staffelung ist, weil Kind und Familie Zeit brauchen. Die Geschäftsführerin, mehrerer Kitas, erklärt zunächst, welche Aspekte ihr als Trägerin für eine gelungene Eingewöhnung wichtig sind. Die Trägerin vergleicht ihren Part mit dem Bau eines Hauses. Sie erklärt, dass sie dafür zu sorgen muss, das richtige Fundament zu schaffen, auf dem die pädagogische Konzeption steht. Sie betont, wie wichtig es ist, die Regeln des Hauses sowie die pädagogische Arbeit der Kita zu kennen und mit der Kita zusammenzuarbeiten sowie die Mitarbeiter*innen fortzubilden. Im Gespräch bestätigt die Leitung, dass ein Team das Eingewöhnungsmodell gut in der Praxis leben und umsetzen kann, wenn es fundiertes Wissen zur Theorie des Modells besitzt und verstanden hat, warum, wieso und weshalb setzte ich das Modell so um. Das heißt die Grundidee des Konzepts muss verstanden sein.

Qualität braucht HANDELN (ab 08:32)

In diesem Abschnitt erklären alle Beteiligten, wie sie das Eingewöhnungsmodell vom Konzept bis zur Umsetzung in ihren jeweiligen Bereichen und Steuerungsmöglichkeiten einführten, begleiteten und unterstützten.

Qualität braucht HALTUNG (ab 13:12)

Hier berichtet die Fachberatung, dass es weniger inhaltliche Ebene des Münchener Modells war, der Träger überzeugt hat dies einzuführen, sondern das diese die pädagogische Qualität der Fachberatungen schätzen und darauf vertrauten, dass diese wissen, was für Kinder und Familien wichtig ist, um die Zeitintervalle der Eingewöhnungszeit einzuhalten. Die Trägerin unterstreicht dies mit ihrer Aussage, in dem sie die Wertschätzung gegenüber allen Mitarbeiter*innen betont, die sich durch alle Ebenen ziehen kann, wenn sie bereits auf höchster Ebene gelebt und weitergereicht wird. Auf Leitungsebene braucht es zur Umsetzung und Begleitung des Prozesses, eine gute Vorbereitung, den gemeinsamen Dialog und Offenheit für Veränderung während der Umsetzung.

Beitrag Studium und Ausbildung – Eingewöhnung als reflektierte Selbsterfahrung (20:53)

Die Autorinnen fragen hier gezielt bei Kindheitspädagoginnen nach, welche Erfahrungen sie im Studium mit der Vermittlung verschiedener Eingewöhnungsmodelle gemacht haben. Im Anschluss schildern Anna Winner und Jutta Nachtmann, Dozentinnen der Fachakademie für Sozialpädagogik in München, worauf sie den Fokus in der OptiPrax-Ausbildung legen. Zwei Absolventen dieser Ausbildung erläutern anschließend ihre Erfahrungen, der eigenen beruflichen Eingewöhnung in der Fachakademie, in ihrem beruflichen Umfeld und im reflexiven Prozess in der Übertragung auf die Praxis mit den Kindern, Eltern und Kolleg*innen.

Blick in die gelebte Praxis – Erfahrungen und Erkenntnisse (33:43)

In diesem Filmabschnitt berichten pädagogische Fachkräfte aus zwei unterschiedlichen Einrichtungen, wie sie zum Münchener Modell gekommen sind, was sie am Modell wertschätzen, wie sie es umsetzen und welche Erfahrungen sie in der Krippe, mit Kindern, Eltern, Familien und Kolleg*innen sammeln. Die pädagogischen Fachkräfte schildern, was sich durch das Münchener Modell auch in anderen Bereichen ihrer pädagogischen Arbeit weiterentwickelt und verändert hat, wie zum Beispiel in der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft. Die pädagogischen Fachkräfte erläutern in vielen praktischen Beispielen, welche positiven Aspekte sie durch das Münchener Eingewöhnungsmodell erleben. Wie sehr sie die Offenheit und Flexibilität des Modells schätzen, indem Kinder sich auch ihre Begleiterzieher*in aussuchen können und auch Fortbildungstage oder Krankheitstage der Begleitperson nicht den ganzen Eingewöhnungsprozess umwerfen, weil das Kind auch durch die Erzieher*innen und Kinder der Gruppe in ihrer individuellen Ankommenszeit begleitet werden. Im Interview beantwortet werden Fragen, wie mit Trennungen umgegangen wird, wie mit Eltern umgegangen wird, die nicht die ganze Zeit da bleiben möchte, weil das Kind sie scheinbar nicht mehr braucht, sowie nach der Rolle und Aufgabe der Begleiterzieherin in der Eingewöhnung.

Familienperspektive – Rückblick auf Erlebnisse, Gedanken und Gefühle (21:47)

In dieser Filmsequenz wurden zwei Mütter befragt, wie sie die Eingewöhnung ihrer Kinder im Rückblick auf die Zeit erlebt haben. Die Filmsequenz ist in verschiedene Abschnitte eingeteilt. Jeder Abschnitt wird, wie zum Teil bei den anderen Interviews auch, mit der jeweiligen Interviewfrage eingeleitet. Beide Kinder wurden in der gleichen Kita eingewöhnt.

Durch die Interviews erhält der/die Zuschauer*in einen guten Einblick, wie unterschiedlich und individuell die Eingewöhnungen verliefen. Während eine Eingewöhnung gut verlief, war eine der Eingewöhnungen schwieriger, da das Kind für eine Trennung noch nicht bereit war. Das Kind nahm sich die Zeit, die es brauchte, Erzieherin und Mutter gaben dem Kind diese Zeit. Beide, Begleitperson und Erzieherin, merkten, dass das Kind etwas anderes braucht. In Gesprächen fanden Begleitperson und Begleiterzieherin individuelle Lösungsmöglichkeiten für das Kind, sodass es sich nach fünf bis sechs Wochen gut trennen konnte und sicher in der Kita angekommen war. In dieser Sequenz erzählt die Mutter auch, wie sehr sie durch die begleitende Erzieherin entlastet wurde, allein, dadurch, dass sie signalisierte, dass sie sich kümmert und sie da ist, solange das Kind braucht. Diese Mutter sagt im Interview: „Ich finde es extrem wichtig das Kind nicht dazulassen, bevor es sich nicht damit einverstanden erklärt hat. Es hätte nicht mit jedem Kindergarten so gut geklappt und nicht mit jedem Modell.“

In diesen Interviews erzählen beide Elternteile von ihren Einblicken in die Arbeit der Erzieher*innen und den Tagesablauf, die sie bekommen haben. Diese Einblicke tragen sie bis heute durch den Tag, weil sie zu bestimmten Tageszeiten einfach wissen, ob gerade Morgenkreis, Mittagessen oder Schlafenszeit ist. Sie haben die anderen Kinder der Gruppe kennengelernt und wissen, wenn ihr Kind von diesen erzählt, um wen es sich handelt. Auch die anderen Pädagog*innen haben die Eltern erlebt, mit ihnen Gespräche geführt und sie kennengelernt. Beide betonen wie sehr ihnen dies Sicherheit und Vertrauen in die Kita gibt.

Im Abschluss werden die Eltern gefragt, was sie anderen Eltern raten. Beide Eltern sagten, es ist wichtig sich frei von seinen Vorstellungen zu machen, wie die Eingewöhnung sein sollte. Es sei wichtig sich die Zeit zu nehmen und einzuplanen, dass die Eingewöhnung auch länger als sechs Wochen dauern kann. Auch die Zeit in der Kita, die sich zu Beginn als viel zu viel anhört, ist viel Wert und sollte man genießen. Man weiß oft erst im Nachhinein, wie wertvoll diese Zeit, die man in der Kita verbracht hat, ist.

Diskussion

Der Hauptfilm zeigt sehr anschaulich das Ankommen zweier Kinder in der Kita. Die Zuschauer*innen bekommen einen guten Eindruck davon, wie das weiterentwickelte Konzept des Münchener Modells in der Praxis, sowohl in der Krippe als auch im Kindergarten, gelingt. Auch wenn der Prozess bei Florian durch Corona unterbrochen wurde. Durch die Begleitung der Kinder in ihrer Ankommenszeit, wird deutlich, welche pädagogischen Haltung eine gute Begleitung den Ankommensprozess bedingt. Welche Rolle und Aufgaben die pädagogische Begleitperson hat.

Besonders beeindruckt haben mich die Interviews der Familienperspektive. Beide Mütter erzählen von ihren Eindrücken der Eingewöhnung. Bei beiden Müttern verlief der Prozess der Ankommenszeit der Kinder unterschiedlich. Mit diesen Interviews bekommen pädagogische Fachkräfte ein gutes Bild davon, welche Gefühle Begleitpersonen in der Eingewöhnungszeit erleben, wie schwer oder auch leicht es ihnen fällt, ihre Kinder loszulassen. Es war wunderbar zu sehen, wie unterschiedlich auch hier die Begleitpersonen, dies erlebten. Als besonders wertvoll empfand ich in diesem Interview, die Aussagen beider Mütter, dass sie die Tagesabläufe in der Kita während der Ankommenszeit erleben durften und bis heute wissen, welche Rituale und Tagesabläufe ihr Kind durchlebt. Gleichzeitig erlebten sie die pädagogische Arbeit der Fachkräfte in der Kita, die sie diesen Beruf, diese Arbeit, nochmal mit anderen Augen betrachten lassen.

Durch die Berichte der Eltern werden die Gefühle, Ängste und Sorgen der Eltern vor und während der Eingewöhnung lebendig. Man erlebt, mit welchem Feingespür und pädagogischen Haltung die Erzieher*innen durch die Eingewöhnung führten.

Die Autorinnen schreiben, dass der Film für sich steht, jedoch auch als wunderbare Ergänzung zum gleichnamigen Buch dient. Beim Anschauen des Films, vermisste ich zunächst Ergänzungen in Form von Erläuterungen und Kommentaren zu den einzelnen ausgewählten Sequenzen. Das Anliegen der Autorinnen, die Bilder für sich sprechen zu lassen, kann ich jedoch gut nachvollziehen. Zum Teil finden sich im Booklet, und auf dem zu herunterladenden PDF auf der Verlagsseite, Analysen und Erläuterungen zu einzeln ausgewählten Szenen. Dadurch, dass die Bilder ohne Erläuterungen aus dem Off, für sich stehen, besteht jedoch für Fachberatungen, Fort- und Weiterbildner*innen, Dozent*innen die Freiheit sich anhand des vorhandenen Filmmaterials und des Buchs eigene Schwerpunkte der Vermittlung zum Münchener Eingewöhnungsmodell zu setzen.

Auch in den einzelnen Interviews kommen nur die Interviewpartner*innen zu Wort. Die Fragen oder Themen werden jeweils vor den Antworten als Text eingeblendet. Damit konzentriert sich das Gespräch auf die Aussagen und Erzählungen der Hauptprotagonisten, den Entwicklerinnen sowie Umsetzer*innen des Münchener Eingewöhnungsmodells. Irritiert hat mich persönlich die Sequenz „Beitrag Studium und Ausbildung“ und das Interview zur OptiPrax-Ausbildung mit den Dozentinnen und Studierenden. Dieser Sequenz hätte ein einleitender Text mit Erläuterung gut getan. Mir persönlich erschloss sich der Zusammenhang zum Münchener Eingewöhnungsmodell zunächst nicht gleich.

Durch die verschiedenen Perspektiven und Gesprächspartner*innen zieht sich auch hier, wie im Buch, die systemische Perspektive des weiterentwickelten Münchener Modells durch, die bereits von Beller mitgedacht wurde.

Fazit

Das Buch liefert das Hintergrundwissen und die Theorie des Münchener Eingewöhnungsmodells. Der Film und die Interviews zeigen, wie die Umsetzung in der Praxis im Zusammenspiel mit pädagogischen Fachkräften, Leitungen, Fachberatungen und Trägern gelingt.

Rezension von
Alexandra Großer
Fortbildnerin, päd. Prozessbegleiterin, systemische Beraterin
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Es gibt 98 Rezensionen von Alexandra Großer.

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ISSN 2190-9245