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Bärbel Amerein, Roman Andrä u.a.: Sozialmanagement

Rezensiert von Dipl. Soz.-Päd. Mathias Stübinger, 15.07.2022

Cover Bärbel Amerein, Roman Andrä u.a.: Sozialmanagement ISBN 978-3-8085-6403-5

Bärbel Amerein, Roman Andrä, Sarah Kunkel, Gabriele Nagorny-Wittig, Martin Sturzenhecker: Sozialmanagement. Organisation, Leitung und Management sozialer Einrichtungen. Verlag Europa-Lehrmittel Nourney, Vollmer GmbH & Co. KG (Haan-Gruiten) 2022. 2. Auflage. 382 Seiten. ISBN 978-3-8085-6403-5. 25,30 EUR.
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Thema

Das Konzept und die Begrifflichkeit des Sozialmanagements wurde im deutschsprachigen Raum bereits in den 1970er Jahren durch Albrecht Müller-Schöll und Manfred Priepke geprägt; das Interesse der beiden Autoren richtete sich ursprünglich weniger auf die vielschichtige Fragestellung, welche spezifischen Vor- und Nachteile betriebswirtschaftliche Zugänge in der Sozialen Arbeit haben können; die Zielperspektive der beiden Pioniere des Sozialmanagements lag vielmehr auf der Entwicklung einer methodisch strukturierten Zusammenarbeit in Organisationen der Sozialen Arbeit und die entsprechend erforderliche Qualifizierung der in ihnen tätigen Leitungskräfte (vgl. Dierker 2021: VII).

Ungeachtet der teilweise heftig und leidenschaftlich geführten Diskurse zu Sinnhaftigkeit, Wirksamkeit und Nachhaltigkeit eines Managements sozialer Organisationen und Institutionen sowie den damit vermeintlich einhergehenden positiven Potenzialen und/oder eher bedrohlich wirkenden Perspektiven einer zunehmenden Ökonomisierung sozialer Dienstleistungen war und bleibt „die Unterstützung der Führungskräfte bei der Klärung ihrer beruflichen Rolle(n) und ihrer Standpunkte bezüglich leitungsrelevanter fachlicher, organisationsbezogener und ethischer Fragen von zentraler Bedeutung Führungskräfte benötigen … Klarheit über ihre Einstellungen, Haltungen und Werte; sie müssen in der Lage sein, sich und anderen Strukturen zu geben, diese aber auch wieder infrage zu stellen; sie bedürfen interaktiver und kommunikativer Fähigkeiten im Umgang mit Einzelpersonen und Gruppen; sie sollten in der Lage sein, Aufgabenstellungen in größeren Zusammenhängen zu erfassen und die zur Realisierung nötigen Schritte auch zu verwirklichen“ (ebd.: IXf.).

Diesen Gedanken aufgreifend betont Prof. Dr. Dierk Starnitzke im kurzen Geleitwort zur vorliegenden Publikation, dass es gerade durch den anstehenden Generationenwechsel nach den geburtenstarken Jahrgängen ab 2023 einen absehbar erheblichen Bedarf an neuen Fach- und Leitungskräften im Bereich der Sozialwirtschaft geben wird; folglich „braucht es passende Ausbildungen, die auf Theorien beruhen, welche der Vielfalt und Differenziertheit der Fragestellungen im Alltag von sozialwirtschaftlich tätigen Organisationen gerecht wird“ (S. 4).

Ungeachtet der Tatsache, dass die zweite Auflage des – als Lehrbuch und Nachschlagewerk – konzipierten Sammelbandes zum Sozialmanagement eine entsprechend große Gruppe möglicher Leserinnen und Leser ansprechen kann, benennt das Team der Autorinnen und Autoren im sehr kurzen Vorwort (S. 3) vor allen Dingen zwei Hauptzielgruppen des Buches:

  • Schülerinnen und Schüler des Faches Sozialmanagement am Sozialwirtschaftlichen Gymnasium in Baden-Württemberg
  • Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Aufbau- und Weiterbildungsgängen im Bereich Sozialmanagement (bundesweit), in denen sich Fachkräfte sozialpflegerischer Berufe für Führungs- und Leitungsaufgaben qualifizieren (S. 3)

Autorinnen und Autoren

Der vorliegende Sammelband wurde – mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten -durch ein Team aus fünf Autorinnen und Autoren – zielführend erarbeitet und zusammengestellt:

Martin Sturzenhecker vertritt unter anderem die Themen Personalmanagement; Teamentwicklung und Projektmanagement; er studierte Philosophie, Mathematik und Diplompädagogik; aktuell ist er als Lehrer und stellvertretender Schulleiter am Evangelischen Berufskolleg der Diakonischen Stiftung Wittekindshof tätig und konzipierte hier mit seiner Mitautorin Gabriele Nagorny-Wittig den Aufbaubildungsgang Sozialmanagement.

Gabriele Nagorny-Wittig studierte Russisch und Englisch für das Lehramt; nach der Ausbildung zur staatlich geprüften Betriebswirtin arbeitete sie im Controlling einer diakonischen Einrichtung; seit 2003 leitet sie den schon erwähnten Aufbaubildungsgang Sozialmanagement der Diakonischen Stiftung Wittekindshof; im vorliegenden Buch sind Organisation und Organisationsentwicklung, betriebswirtschaftliche Aspekte der Sozialen Arbeit, Personalmanagement; die Ressource ICH oder Konfliktmanagement und Konzeption ihre thematischen Schwerpunkte.

Die Diplom-Sozialpädagogin Sarah Kunkel ist – nach ihrem Masterstudium mit den Schwerpunkten Forschung und Entwicklung in der Sozialpädagogik – an einem Sozialwissenschaftlichen Gymnasium tätig und begleitet dort unter anderem die praktische Ausbildung der Schülerinnen und Schüler in den sozialpädagogischen Einrichtungen; ihre Beiträge zum Management sozialer Einrichtungen befassen sich mit den Grundlagen der Kommunikation; Öffentlichkeitsarbeit und Marketing sowie dem Konfliktmanagement.

Der Bankkaufmann und Diplomhandelslehrer Roman Andrä verfasste Beiträge zu Management und soziale Arbeit, zu betriebswirtschaftlichen Grundlagen sozialer Arbeit und Personalmanagement; beruflich ist er im Schuldienst in Baden-Württemberg tätig und unterrichtet u.a. Wirtschaftslehre und Sozialmanagement.

Prof. Dr. Bärbel Amerein ist seit 2020 Professorin für Erziehungswissenschaften und Empirische Sozialforschung an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg; als aktuelle Schwerpunkte in der Lehre und Forschung benennt der Überblick Zu den Autoren (S. 370) Themen, wie die Qualität in Kindertageseinrichtungen oder die Förderung von Selbstkompetenzen; entsprechend verfasst sie im vorliegenden Band den Text zum Qualitätsmanagement.

Aufbau und Inhalt

Um einen umfassenden Zugang zu wesentlichen Aspekten des Sozialmanagements zu ermöglichen, ist das rezensierte Buch in 13 Schwerpunktkapitel untergliedert; dem Charakter eines Lehrbuches/Schulbuches werden die unterschiedlich differenzierten Beiträge dadurch gerecht, dass – neben den inhaltlichen Passagen – die Texte vielfältig durch graphische Elemente visualisiert sind sowie durch kurze Reflexionsfragen, Aufgabenstellungen oder Selbsttestest ergänzt werden.

1. Management und soziale Arbeit – Warum Sozialmanagement?

Nach einer kompakten Begriffsklärung und der Einführung in zentrale Aufgaben des Managements skizziert Roman Andrä zunächst – äußerst kompakt – den historischen Wandel der Sozialen Arbeit vom Mittelalter bis in die Gegenwart mit der zunehmenden Tendenz zur Ökonomisierung und Globalisierung; beschrieben werden im Weiteren die sozialen Interaktionen von sozialen Institutionen – auch in Form einer gesamtwirtschaftlichen Einordnung – sowie die daraus resultierenden, sich stetig verändernden Aufgaben und Zielperspektiven sozialer Einrichtungen; Soziale Arbeit wird – sehr zeitgemäß – im Spannungsfeld betriebswirtschaftlicher und ethischer Interessen betrachtet; anhand des so genannten Sozialwirtschaftlichen Sechsecks – mit den Aspekten:

  • Wirtschaftlichen Orientierung
  • Mitarbeiterorientierung
  • Sachzielorientierung
  • Kundenorientierung
  • ethischer Orientierung
  • rechtlicher Orientierung

sind eine Vielzahl an Prinzipien und Grundsätzen aus unterschiedlichen Wirtschaftsdisziplinen verdeutlicht; schließlich wird – wieder recht knapp – die Notwendigkeit von Sozialmanagement aufgezeigt.

2. Organisationen und ihre Entwicklung

Das zweite Kapitel klärt die Frage, was eine Organisation im eigentlichen Sinne ist und welche Bedeutungszusammenhänge und Einflussfaktoren organisatorische Kontexte prägen; neben einer sehr knappen Abgrenzung des Organisationsbegriffes, werden zentrale Merkmale von Organisationen (Ziele, Struktur, Dynamik, Umweltbeziehungen, Dauerhaftigkeit und Wandel) skizziert; im Zusammenhang mit dem Element der Aufbauorganisation sind u.a. bekannte Strukturmodelle wie die Einlinien- oder Stablinienorganisation und die Matrix- oder Projektorganisation visualisiert; im Kontext der Ablauforganisationen sind organisatorische Prozesse, Prozessbeschreibungen oder Prozesslandschaften die hier angeschnittenen Themenbereiche; die Kunden der Sozialen Arbeit werden mit ergänzenden Stichpunkten schließlich ebenso erwähnt, wie die Relevanz einer adressatenorientierten Unternehmenskultur oder der Aspekt der zielgerichtete Organisationsentwicklung im Sinne einer lernenden Organisation.

3. Grundlagen der Kommunikation

Als zentrale Management-Aufgabe erhält die Kommunikation sinnvollerweise ein eigenes Kapitel; Sarah Kunkel klärt bekannte definitorische Grundlagen der verbalen und nonverbalen Kommunikation oder der interpersonellen Distanz; neben vertrauten Grundannahmen der Kommunikation – wie den fünf Axiomen nach Paul Watzlawik, dem Vier-Seiten-Modell nach Friedemann Schulz von Thun oder der Transaktionsanalyse nach Eric Berne – finden die Leserinnen und Leser sehr kompakt gehaltene Tipps und Regeln für eine gelingende Kommunikation; speziell mit dem Blick auf organisatorischen Strukturen und Prozesse werden Aspekte wie unterschiedliche Besprechungsformen oder Moderationstechniken angesprochen.

4. Öffentlichkeitsarbeit und Marketing

Im folgenden Kapitel ergänzen folgerichtig Ausführungen zur imagebildenden und werbewirksamen Organisationskommunikation die aufgezeigten Grundlagen der Kommunikation; neben der Darstellung interner und externer Zielgruppen von Öffentlichkeitsarbeit werden Verbindungen zwischen Public Relations, Unternehmenskultur und Leitbildperspektiven aufgezeigt; die Bedeutung eines markenbildenden Corporate Identity beinhaltet Ausführungen zum Corporate Design (Layout, Gestaltung und Logo etc.) oder den Corporate Communications im Unternehmen (Schwarzes Brett, Flyer, Pressearbeit etc.); ein Exkurs zum Datenschutz erscheint im Hinblick auf den Umgang sozialer Organisationen mit sensiblen, personenbezogenen Daten sinnvoll; gerade in Zeiten zunehmender Ökonomisierungstendenzen dürfen Fundraising und Sponsoring nicht fehlen; beide Begriffen ist hier eine Seite gewidmet.

5. Betriebswirtschaftliche Aspekte sozialer Arbeit

Im anschließenden 5. Kapitel werden u.a. die Fragen aufgegriffen, wie soziale Einrichtungen finanziert werden können, welcher Zweck der Erstellung von Gewinn- und Verlustrechnungen beizumessen ist und/oder welche Kostenarten den sozialen Organisationen entstehen können; die Finanzierung sozialer Dienstleistungsunternehmen wird über die Darstellung wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Zielperspektiven betrachtet; in die Notwendigkeit einer wirtschaftlichen Orientierung sozialwirtschaftlicher Unternehmen führen die Autoren über unterschiedliche betriebswirtschaftliche Begrifflichkeiten wie Liquidität oder Wirtschaftlichkeit ein; beispielhafte Berechnungen zum Finanzmittelbedarf oder ein kurzer Überblick zu unterschiedlichen Möglichkeiten der Mittelbeschaffung und/oder den Finanzierungsmöglichkeiten sozialer Arbeit geben einen ersten Eindruck davon, wie wichtig umfassende Kenntnisse zu den besonderen Finanzierungsstrukturen sozialer Organisationen ist; im Kontext der Buchhaltung/des Rechnungswesens finden sich im weiteren Text Beschreibungen zum Jahresabschluss inkl. der Bilanzierung und Inventarisierung sowie der Gewinn- und Verlustrechnung; im Kontext der spezifischen Finanzierungsmodelle der Sozialwirtschaft erfolgt schließlich eine einführende Betrachtung der Kostenrechnung und des Controlling mit seinen strategischen und operativen Instrumenten (z.B. Portfolio-Analyse, SWOT-Analyse oder Balanced Scorecard).

6. Personalmanagement

Als eine der größten Herausforderung für die Unternehmungen der Sozialwirtschaft kann sicher die Beschaffung, Integration und Motivation geeigneter Fachkräfte identifiziert werden; im 6. Kapitel vermitteln die Autorinnen und Autoren entsprechend Grundbegriffe, Zielperspektiven und Aufgabenbereiche des Personalmanagements; als zentrale Funktionen für die Begleitung, Betreuung und Förderung unterschiedlicher Personalformen (Hauptamtliche Mitarbeitende; Ehrenamtliche etc.) werden Personalplanung, Personalbeschaffung (Anwerbung, Auswahl, Integration in die Organisation) sowie Aspekte der Personalentwicklung und/oder des Betrieblichen Gesundheitsmanagements beschrieben; konsequenterweise schließt diese Passage mit einigen Hinweisen zum Arbeitsrecht.

7. Mitarbeitende führen

Nachdem die Leistungskraft und der Leistungswille der Mitarbeitenden in hohem Maße von der Güte der Führung der Mitarbeitenden durch ihre Führungskraft bestimmt wird (vgl. Lieber 2017: 20), ist die Auseinandersetzung mit der Frage, was eine gute Personalführung ausmacht, konsequenterweise das Thema des folgenden Kapitels; skizziert werden zentrale Kompetenzbereiche von Führungskräften (Fachkompetenz, Kontaktfähigkeit, Kommunikationsvermögen, Rollendefinition und – klarheit oder strukturiertes Handeln); vermittelt werden einige Grundlagen zu Führungsstilen und Führungstechniken (teilweise ergänzt durch kurze Selbsttests und Checklisten); etwas größeren Raum nehmen Konzepte wie das Führen durch Ziele (Management by Objectives); des leitbildorientierten Führens (Management by Ideas) oder die Idee des Managements by Exceptions (Eingreifen bei Ausnahmen) ein; neben den eher theoretisch-konzeptionellen Perspektiven beinhaltet das Unterkapitel 7.4. auch Hinweise zur Gestaltung von Gesprächssituationen im Führungsalltag (Mitarbeitergespräch; Kritikgespräch, Beratungsgespräch); ein kompakter Überblick zu Motivationstheorien oder der Reflexion des eigenen Führungsverhalten runden die Einführung in die Personalführung ab.

8. Teams entwickeln und führen

Martin Sturzenhecker widmet sich im anschließenden Kapitel speziell der effektiven, effizienten und motivierenden Gestaltung und Steuerung von Teamprozessen in Sozialen Organisationen; nach der sehr knappen Definition des Teambegriffes sind Dimensionen effektiver Teamarbeit und unterschiedliche Phasen der Teamentwicklung visualisiert; als weiteren Führungsstil nennt der Verfasser das situative Führen; er beschreibt unterschiedliche Rollen in Teams (Koordinator, Teamarbeiter, Wegbereiter, Neuerer, Beobachter, Spezialist, Macher, Umsetzer, Perfektionierer) und vermittelt sogar noch exemplarische Übungen zur Teamentwicklung.

9. Die Ressource ICH – Selbstmanagement in Schule, Beruf und Privatleben

Nachdem gerade in sozialen, helfenden Berufen Zeitnot, Stress und/oder Burnout erlebt werden, macht verständlicherweise der Blick auf Techniken und Methoden des Selbst- und Zeitmanagements Sinn; eingeführt wird – wenn auch einmal mehr in sehr kurzer Form – in bekannte Begriffe und Themen, wie die Perspektive der Zeitdiebe, die Eisenhower-Methode (ABC-Analyse), die ALPEN- oder SMART-Methode nach Lothar Seiwert etc.; im Kontext persönlicher Ressourcen sind – auch online abrufbare – Tests eingebunden, die eine schnelle individuelle Auseinandersetzung mit dem ICH ermöglichen sollen.

10. Konfliktmanagement

„Konflikte sind ein Teil jeden menschlichen Zusammen- und Arbeitslebens. Sie können Situationen lähmen, sie können durch das Bewusstmachen, Ansprechen und Lösen dieser Konflikte die Zusammenarbeit von Menschen auch verändern und verbessern“ (S. 279); entsprechend nähern sich die Autorinnen und Autoren Konflikten – ganz in Anlehnung an die Publikationen des österreichischen Konfliktforschers Friedrich Glasl – wertneutral und ergebnisoffen; neben stichwortartigen definitorischen Verweisungen sind z.B. intrapersonale und interpersonelle Konflikte thematisiert; übernommen wird das bekannte und nachvollziehbare Modell der Konflikteskalation und Konfliktlösung nach Friedrich Glasl; neben einigen kurzen Hinweisen zum Umgang mit Konflikten ist die Lösung von Konflikten anhand eines Modells aus 7 Stufen thematisiert; anschließend wird – u.a. – auf die zentrale Funktion von Leitung im Konfliktfall verwiesen und der mögliche Umgang mit nicht-kooperativen Konflikthaltungen oder Mobbing beschrieben.

11. Projektmanagement

Die Entwicklung von sozialen Organisationen führt in den letzten Jahren zur Stärkung der Ablauforganisation und einer damit verbundene Hinwendung zu projektorientiertem Arbeiten; Martin Sturzenhecker klärt in seinem letzten Beitrag zu diesem Sammelband zunächst, wozu Projekte dienlich sein können, welche grundlegenden Merkmale ein Projekt besitzt und welche Rollen in Projekten entstehen; ganz im Sinne eines groben Überblicks und schnellen Einstiegs in das Themenspektrum skizziert der Verfassen im Weiteren zentrale Projektphasen sowie die Bedeutung des Projektauftrages und zeigt schließlich unterschiedliche Instrumente des Projektmanagements (Hintergrundanalyse, Zielgruppenanalyse, Interessengruppenanalyse, Risikoanalyse usw.); abgerundet ist das Kapitel mit einer exemplarischen Visualisierung von Projektstrukturplänen, der Finanzplanung sowie Techniken der Dokumentation und Steuerung von Projekten.

12. Konzeption

Neben Leitbildern sind Konzeptionen Begrifflichkeiten, die immer wieder in Zusammenhang mit Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung gebracht werden (vgl. S. 339); das vorletzte Kapitel des Sammelbandes skizziert – auf lediglich sieben Seiten – Inhalte und Funktionen einer Konzeption für sozialwirtschaftliche Unternehmen und benennt – mehr leider nicht – Phasen und Instrumente der Konzeptentwicklung.

13. Qualitätsmanagement

Abgeschlossen wird der Überblick zu zentralen Themen und Fragestellungen des Managements sozialer Organisationen mit dem Querschnittsthema des Qualitätsmanagements; Bärbel Amerein klärt den Begriff der Qualität im Kontext sozialer Dienstleistungen; sie stellt die Aspekte der Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung sowie einige rechtliche Fundierungen vor; kurze Inputs erfolgen zu den Qualitätsdimensionen nach Avendis Donabedian und/oder zu den Grundlagen und Zielperspektiven der Entwicklung von Standards als Mittel der Qualitätsentwicklung; schließlich widmet sich die Verfasserin der Evaluation und/oder verschiedenen Methoden und Modellen des Qualitätsmanagements (z.B. TQM – Total Quality Management); stichwortartig werden Aspekte der Zertifizierung (nach DIN-ISO) und des Beschwerdemanagements aufgegriffen.

Diskussion

Auf knapp 380 Seiten einen Überblick zur Organisation, Leitung und Management sozialer Einrichtung zu geben, ist durchaus ambitioniert; an vielen Stellen bleiben nach der Lektüre der verschiedenen Beiträge doch einige offene Fragen und Ambivalenzen zurück.

Auch, wenn die Texte unterschiedlicher Autorinnen und Autoren - hinsichtlich Umfang und theoretischer Fundierung – verständlicherweise – unterschiedlich ausfallen, entsteht insgesamt doch der Eindruck eines gut aufeinander abgestimmten Fachbuches; der Wechsel der Verfasserinnen und Verfasser einzelner Kapitel führt zu keinen „Brüchen“ im Hinblick auf die Nachvollziehbarkeit und Lesbarkeit der Texte.

Für Leserinnen und Leser, die kaum Vorkenntnisse zum Sozialmanagement besitzen, ermöglicht der Sammelband einen schnellen, gut visualisierten und nachvollziehbar geschriebenen Einstieg in nahezu alle relevanten Themenbereiche einer zielgerichteten, effektiven und effizienten Gestaltung organisatorischer Strukturen der Sozialwirtschaft; gerade die als erste Zielgruppe identifizierten Schülerinnen und Schüler im Gymnasium erhalten mit den – vielfach auf das Wesentliche konzentrierten – Beiträgen einen kompakten Einblick und Überblick.

Sehr gut vorstellbar ist im Weiteren, dass auch die zweite Zielgruppe der Autorinnen und Autoren – die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Aufbau- und Weiterbildungsgängen im Bereich Sozialmanagement – dieses Buch gewinnbringend nutzen können; in Verbindung mit entsprechend fundierten Fortbildungseinheiten erscheint die Qualifikation für eine verantwortliche Führungstätigkeit – zumindest im mittleren Management sozialer Organisationen – denkbar.

Gerade durch den – sicher bewusst gewählten – Charakter eines Lesebuches und Nachschlagewerkes wäre ggf. denkbar, diese Publikation auch für die erste Annäherung von Studierenden der Sozialen Arbeit an das komplexe Themenspektrum des Sozialmanagements zu nutzen.

Leserinnen und Leser, die bereits mit Vorerfahrungen in diese Lektüre einsteigen, werden viele bekannte, vertraute Inhalte wiederfinden und sich vielleicht durch die eine oder andere gelungene graphische Darstellung (z.T. im Stile von Comics oder Karikaturen) zum Schmunzeln oder Nachdenken angeregt fühlen; u.U. werden - schon erarbeitete - theoretische und praktische Fundierungen aufgefrischt.

Schwierig erscheint – trotz der Angaben im fünfseitigem Literaturverzeichnis (S. 371) – doch die Darstellung der genutzten Quellen; an vielen Stellen wäre es doch wichtig und wertschätzend, genauer, konkreter und unmittelbarer auf die Autorinnen und Autoren zu verweisen, die als Inspiration für die eigenen Texte genutzt werden; natürlich sind Autoren wie Maslow, Seiwert oder Glasl sehr bekannt; sicher würde es teilweise den Lesefluss beeinträchtigten, wenn die Kapitel mit vielfältigen Quellenangaben unterbrochen werden.

Im Sinne der Einhaltung wissenschaftlicher Standards und für eine weitere Vertiefung der ja – konzeptionell bedingt – vielfach nur in Stichworten angeschnittenen Themen, wäre es doch mehr als hilfreich, hier sorgfältiger zu werden; einer wünschenswerten dritten Auflage des Buches wäre zu empfehlen, dass die Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens doch größere Beachtung finden und vielleicht jedes inhaltliche Kapitel mit vertiefenden und weiterführenden Literaturhinweisen ergänzt wird.

In der Balance der Texte wäre es denkbar – aber das unterliegt sicher von Leser zu Leserin unterschiedlichen Interessen – dass Hinweise zum methodischen Handeln (Zielfindung, Planung, Evaluation etc.) erweitert werden oder die Ausführungen zum effizienten Selbstmanagement erweitert werden.

An vielen Stellen erinnert die Grundidee des Sammelbandes von Martin Sturzenhecker, Gabriele Nagorny-Wittig, Sarah Kunkel, Roman Andrä, Bärbel Amerein – so zumindest die Assoziation des Rezensenten – durchaus ein wenig an das erste Grundlagenwerk von Albrecht Müller-Schöll und Manfred Priepke zum Sozialmanagement; auf viel weniger Seiten und wesentlich puristischer geben die beiden Autoren schon in den 1990er Jahren Hinweise zur Förderung des systematischen Entscheidens, Planens, Organisierens, Führens und Kontrollierens in Gruppen.

Die zweite Auflage der vorliegenden Publikation ermöglicht – nicht mehr aber eben auch nicht weniger – einen zeitgemäßen und wie geschrieben durchaus ansprechend visualisierten – Überblick zu den wesentlichen, zentralen Themenstellungen des Sozialmanagements; verständlicherweise können dabei nicht alle (Teil-)Aspekte vertieft dargestellt werden.

Fazit

Empfehlenswert ist der vorliegende Sammelband für den schnellen Einstieg in das unendlich spannende und vielschichtige Themenspektrum des Sozialmanagements; gut brauchbar erscheint das Buch in der Tat für die von den Autorinnen und Autoren primär angesprochenen Zielgruppe der Schülerinnen und Schüler sowie den sich fortbildenden Fachkräften der Sozialwirtschaft; bedingt geeignet erscheint der Einsatz doch in Studium und Forschung.

Literatur

Dierker, Thomas (2021): „Der Sozialmanagement- Ansatz nach Albrecht Müller Schöll – Eine Wirkungsanalyse“, Springer VS Verlag, Wiesbaden

Lieber, Bernd (2017): „Personalführung … leicht verständlich“, 3. Auflage, UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz

Müller-Schöll, Albrecht/​Priepke, Manfred: (1991). Sozialmanagement – Zur Förderung systematischen Entscheidens, Planens, Organisierens, Führens und Kontrollierens in Gruppen, 3. Auflage – Luchterhand Verlag; Neuwied

Rezension von
Dipl. Soz.-Päd. Mathias Stübinger
Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Hochschule Coburg, Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit, u.a. in tätig in den Lehrgebieten: Sozialmanagement / Organisationslehre / Praxisanleitung und Soziale Arbeit für Menschen mit Behinderung
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Es gibt 26 Rezensionen von Mathias Stübinger.

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Zitiervorschlag
Mathias Stübinger. Rezension vom 15.07.2022 zu: Bärbel Amerein, Roman Andrä, Sarah Kunkel, Gabriele Nagorny-Wittig, Martin Sturzenhecker: Sozialmanagement. Organisation, Leitung und Management sozialer Einrichtungen. Verlag Europa-Lehrmittel Nourney, Vollmer GmbH & Co. KG (Haan-Gruiten) 2022. 2. Auflage. ISBN 978-3-8085-6403-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29197.php, Datum des Zugriffs 11.08.2022.


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