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Margret Dörr: Soziale Arbeit in der Psychiatrie

Cover Margret Dörr: Soziale Arbeit in der Psychiatrie. UTB (Stuttgart) 2005. 150 Seiten. ISBN 978-3-8252-2696-1. 14,90 EUR, CH: 26,80 sFr.

Reihe: UTB S (Small-Format).
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Das Thema

Die mittlerweile 11-bändige Reihe des Ernst-Reinhardt-Verlags "Soziale Arbeit im Gesundheitswesen" bietet Sozialarbeitern und Sozialpädagogen  eine Grundorientierung für die inzwischen vielfältigen Arbeitsfelder im Gesundheitswesen. Hier geht es ja schon seit langem nicht mehr nur um die medizinische Behandlung und Heilung von Krankheiten, sondern Prävention, Rehabilitation, Krankheitsbegleitung, Nachsorge, Erschließung von gesundheitsförderlichen Ressourcen, Gesundheitsbildung, Entwicklung besonderer Hilfen für Benachteiligte etc. sind zunehmend wichtige Themen und Aufgaben, die in die Zuständigkeit der Sozialen Arbeit fallen. Der vorliegende Band 8 widmet sich den spezifischen Aufgabenstellungen für die Soziale Arbeit im komplexen Arbeitsfeld Psychiatrie, das sich in Vielem von anderen Arbeitsbereichen im Gesundheitswesen unterscheidet.

Hintergrund

Je mehr  seit der Psychiatrie-Enquete 1975 die Forderungen nach der Rückkehr der psychisch kranken Menschen in ihre Gemeinden, nach ihrer Behandlung in der Gemeinde und nach  ihrer Integration in die Gemeinde umgesetzt wurden, desto mehr gewann die Soziale Arbeit an Bedeutung. Waren die wenigen Sozialarbeiter zunächst ausführende Hilfstruppen für die Ärzte in den Kliniken, so arbeiten  sie heute in vielen Einrichtungen selbständig und bearbeiten vielfältige spezifische Aufgaben mit den ihnen eigenen Methoden. Dies zeigt sich auch an der Zunahme von Stellen für Sozialarbeiter und Sozialpädagogen in stationären und ambulanten Einrichtungen und  in einer immer vielfältiger werdenden Literatur, die sich mit den Aufgaben, Fragestellungen und Methoden der Sozialarbeit in der Psychiatrie beschäftigt und die Professionalisierung dieser Berufsgruppe im medizinisch dominierten Revier zum Ziel hat. Die Palette reicht vom Praxis orientierten Lehrbuch (Clausen, Dresler, Eichenbrenner 1996) zum Psychiatrischen Lehrbuch für Sozialarbeiter (Schwarzer, Trost 1999) zum  Praxis und Theorie verbindenden Lehrbuch (Bosshard, Ebert, Lazarus 1999) zum Grundlagenwerk Klinische Sozialarbeit (Pauls 2004), das psycho-soziale Behandlung durch Sozialarbeiter anderen therapeutischen Ansätzen gleichsetzt. Margret Dörr nun will einen  Beitrag zur professionsbezogenen Verortung Sozialer Arbeit in der durch Glaubensrichtungen, unterschiedlichste Krankheitsmodelle und babylonische Sprachverwirrung geprägten "Psychiatrie" leisten. Sie setzt sich dabei entschieden von biomedizinisch-psychiatrischen und psychopathogenetischen Perspektiven ab.

Aufbau und Inhalt

Die Perspektive der Sozialen Arbeit steht bei allen Themenschwerpunkten im Zentrum der Darstellung. Dabei geht es um folgende Themen:

  • Begriffsklärungen von Psychiatrie, Sozial- und Gemeindepsychiatrie,
  • Arbeitsfelder und Zielgruppen,
  • Leitperspektiven Sozialer Arbeit in der Sozialpsychiatrie,
  • Methoden,
  • rechtliche und ethische Aspekte und
  • einige Etappen der deutschen Psychiatriegeschichte.

Alle Kapitel sind knapp und übersichtlich und die jeweiligen Thematiken werden in ihren historischen, rechtlichen, sozialen, sozialethischen, sozialarbeitswissenschaftlichen Bezügen sichtbar gemacht. Dabei gelingt es der Autorin beispielsweise, die Zielgruppen sichtbar zu machen, ohne psychiatrische Diagnosen zu Hilfe zu nehmen. 

Zielgruppen

Das Buch stellt konsequent nicht-psychiatrische Aspekte der behandelten Thematiken dar und ist für alle, die mit der Professionalisierung der Sozialen Arbeit in der Psychiatrie befasst sind, interessant. Es stellt mit seinen vielen Hinweisen auf sozialpädagogische, sozialarbeiterische und sozialwissenschaftliche Literatur auch einen sehr guten Einstieg für Studierende dar, die von hier aus vertiefend  zu einzelnen Fragestellungen in vielen Richtungen weiter arbeiten können.

Fazit

Soziale Arbeit, so die Botschaft des Buches,  hat nicht die Pathologie und ihre Heilung im Blick, sondern fördert Selbstbestimmung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, setzt sich mit Marginalisierungsprozessen auseinander und sucht nach Unterstützungsmöglichkeiten für die Krankheitsbewältigung des einzelnen.  Dabei werden ihr heute die organisatorischen und rechtlichen Kompetenzen im Allgemeinen ohne weiteres zu erkannt. Soziale Arbeit in der Psychiatrie kann aber viel mehr sein als eine Dienstleistung zur Vermittlung von Existenz sichernden Ressourcen. Dies zeigt, begründet und fordert die Autorin.


Rezension von
Prof. Dr. Marianne Bosshard
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Zitiervorschlag
Marianne Bosshard. Rezension vom 06.12.2005 zu: Margret Dörr: Soziale Arbeit in der Psychiatrie. UTB (Stuttgart) 2005. ISBN 978-3-8252-2696-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/2921.php, Datum des Zugriffs 06.07.2020.


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