Suche nach Titel, AutorIn, RezensentIn, Verlag, ISBN/EAN, Schlagwort
socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Andreas Koch: Armut? Frag doch einfach!

Rezensiert von Dr. Christine Kramer, 10.06.2022

Cover Andreas Koch: Armut? Frag doch einfach! ISBN 978-3-8252-5554-1

Andreas Koch: Armut? Frag doch einfach! Klare Antworten aus erster Hand. UTB (Stuttgart) 2022. 179 Seiten. ISBN 978-3-8252-5554-1. D: 14,90 EUR, A: 15,40 EUR, CH: 19,90 sFr.
Reihe: Frag doch einfach!
Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.

Kaufen beim socialnet Buchversand
Kaufen beim Verlag

Thema

Das Thema Armut ist ein Klassiker der Sozialwissenschaften, aber auch in den Politik- und Wirtschaftswissenschaften, dazu kommen im Rahmen der Diskurse über Globalisierung auch geografische Aspekte.

Innerhalb dieser Diskurse will Andreas Koch nicht nur einen Überblick verschaffen, sondern auch Strategien der Armutsüberwindung aufzeigen in den Bereichen Wohnungspolitik, Erwerbspolitik und Teilhabe sowie selbstständig organisierter Gemeinschaftskonzepte, wie etwas Sharing-Modelle.

Autor

Andreas Koch ist ordentlicher Professor für Humangeographie an der Universität Salzburg (PLUS). Er hat ein Diplom in Geographie, Politikwissenschaft und Raumplanung von der Ludwig-Maximilians-Universität München und promovierte an der RWTH Aachen mit einer Arbeit über die Auswirkungen des Electronic Banking auf räumliche Beziehungen. Seine Habilitation widmete er einem systemtheoretischen Ansatz in geographischen Raum-zusammenhängen. Andreas Koch ist außerdem Co-Vorsitzender des Zentrums für Ethik und Armutsforschung an der PLUS.

Aufbau

In der UVK- Reihe „Frag doch einfach!“ will der UTB-Verlag komplexe Themen in einer kompakten „Frage-Antwort“-Struktur aufbrechen und dadurch verständlicher machen. Begleitet wird der Ansatz von strukturierenden Icons im Buch, die verschiedene Zugangsweisen anzeigen sowie Verweise auf You-Tube-Videos im Netz zum Thema. Da es keine begleitende Website zum Buch gibt, müssen die HTTP-Adressen abgeschrieben werden, was vermutlich dazu führt, dass die Videos kaum genutzt werden.

Inhalt

Das erste Kapitel „Wissenschaftlicher Konsens und Kontroverse“ blättert die verschiedenen Messmethoden auf, mit denen Armut erfasst wird. Hier unterscheidet der Autor in gelungen differenzierter Weise zwischen

  • absoluter und relativer Armut (S. 21–22)
  • Ressourcenansatz (S. 22–23)
  • Deprivationsansatz (S. 23–24)
  • Lebenslagenansatz (S. 24)
  • Fähigkeitenansatz (S. 25)
  • EU-SILC der europäischen Statistikbehörde und der Better-Life-Index der OECD (S. 28)

Außerdem geht der Autor auf frühere Armutsmessung vor allem in Charles Booth‘s (1840 – 1916) „Life and Labor of the People in London“ (1886-1902; Erfinder der ‘poverty maps’) sowie Benjamin Seebohm Rowntrees (1871 – 1954) im York des späten 19. Jahrhunderts ein und liest aus den Ansätzen frühe Versuche der Entwicklung einer Armutstheorie heraus. Diese kommen aber über subjektive Zuschreibungen (Booth) und das Modell einer primären und sekundären Armut (Rowntrees) nicht hinaus, also der Festlegung einer Armutslinie, gemessen an Einnahmen und Ausgaben für „primäre Güter“ wie Lebensmittel, Wohnen und Kleidung.

Im Abschnitt „Was lässt sich aus der historischen Armutsmessung lernen?“ weist Koch darauf hin, dass auch schon damals strukturelle Probleme nicht in den Blick genommen wurden (S. 33).

Im zweiten Kapitel stellt Koch „Armut im historischen Kontext“ dar und strukturiert zeitlich

  • Antike und frühes Christentum
  • Mittelalter bis frühe Neuzeit
  • Industrialisierung

Anhand dieser Einblicke zeigt der Autor auf, dass Armut in allen Gesellschaften seit der Antike funktionalisiert wurde. Dazu passen seine Ausführungen zu Georg Simmels soziologischem Klassiker „Der Arme“. Schon Simmel stellte das Problem der Armut in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext und zeigte als Erster eine unheilvolle Verdrehung von Ursache und Wirkung auf: Nicht wer arm ist, bekommt in modernen Gesellschaften Unterstützung, sondern wer Unterstützung erhält, wird als „arm“ markiert. Armut ist also nicht Ursache, sondern Ergebnis staatlichen Handelns.

Der Autor beleuchtet außerdem die Frage, wie sich der Umgang mit Armut und Menschen in Armutslagen bis heute gewandelt hat. Eine Erklärung struktureller Verfestigungen der Armut rundet das Kapitel ab.

Im dritten Kapitel geht es um „Armut und Gesellschaft“. Hier zeigt der Autor auf, dass die Sozialwissenschaften bzw. die Soziologie Armut immer in Verbindung zum Wirtschaftssystem gesehen haben (S. 58). Von Weber und Durkheim bis zu Bourdieu und Parsons, sogar Habermas und Luhmann haben gezeigt, dass das Wirtschaftssystem in andere Bereiche der Gesellschaft ausstrahlt, bis hin zum metrischen Selbst (Mau) und Diagnosen der neoliberalen Gesellschaft.

Eine weitere zentrale Diagnose sieht der Autor in der mit Armut verbundenen sozialen Ausgrenzung (S. 58 f.). Bis heute gibt es keine Entkoppelung von Erwerbstätigkeit und Teilhabe, Armut wird in diesem Sinne funktionalisiert und ihre gesellschaftliche Behandlung führt zur Aufrechterhaltung der Armut (S. 58).

Im dritten Kapitel beleuchtet der Autor außerdem Teilausprägungen der Armut, wie

  • Kinderarmut (S. 59–62)
  • Altersarmut (S. 62–64)
  • Armut und Migration (S. 64–67)
  • Armut und Gender (S. 67–69)
  • Armut und Wohnen (S. 69–72)

Beim Thema Wohnen kritisiert der Geographiewissenschaftler den unwürdigen Konkurrenzkampf um ein exklusives Gut, das eigentlich ein Grundbedürfnis nach Schutz, Privatsphäre und sozialer Teilhabe sein sollte. (S. 70) Im Jahr 2019 machte Wohnen 35 % der gesamten Konsumausgaben aus (ebd.).

Beim Thema „Armut und Bildung“ (S. 72–74) beklagt der Autor, dass der Wert der Bildung funktionalisiert wird: Bildungsarmut ist demnach Zertifikats- und Ausbildungsarmut. Auch hier gebe es eine „sozialpolitische Individualisierung“ und eine „Förderung des Humankapitals“, wo es eigentlich um ein Menschenrecht ginge. Mit hinein spielten Probleme der Durchlässigkeit im Bildungssystem sowie die soziale Homogenisierung von Hauptschulen. Überzeugungen von „natürlichen Begabungen“ habe bereits Pierre Bourdieu als Ideologie entlarvt.

Weitere Teilausprägungen der Armut sind

  • Armut und Gesundheit (S. 74–76)
  • Armut und Corona (S. 76–80)

Insbesondere die Corona-Krise habe gezeigt, dass vor allem Frauen am Arbeitsmarkt benachteiligt seien. Die Krise habe die ‚gender equalitiy‘ zurückgeworfen und ‚intersecting inequalities‘ vertieft. Weitere Risikogruppen seien Kinder, gesundheitlich Beeinträchtige, Migrant*innen, prekär Beschäftigte und Menschen, die in der Gesellschaft ohnehin schon diskriminiert seien. Laut Koch beweise Corona die Verstrickung von Arbeit, Gesundheit und Armut. Der sozioökonomischen Status beeinflusse die gesundheitliche Ungleichheit und die Schwere einer Erkrankung. Hinzu komme, dass deprivierte Menschen am wenigsten zur Verbreitung des Virus beigetragen hätten, weil es nachweislich eher die Wohlhabenderen seien, die das Virus durch ihr Mobilitätsverhalten verbreitet hätten.

In der Schlüsselfrage „Armut und Chancengleichheit bzw. Gerechtigkeit“ (S. 81–86) geht Koch auf Untersuchungen von Pierre Rosanvallon ein, der drei Eingriffsmöglichkeiten im Kampf gegen die Armut vorstellt: die Abhängigkeit von der sozialen Herkunft (Erbschaftsregeln und Steuern), Risiken der Maßlosigkeit und Kommodifizierung (‚Zur-Ware-Werden‘), die das Zusammenleben gefährden sowie die sozialräumliche Segregation, die einen Ausbau öffentlicher Räume und nahräumlicher sozialer Infrastrukturen nötig mache.

Im vierten Kapitel geht es um „Armut und Geografie“. Hier beleuchtet der Autor die vielfältigen Aspekte von Armut und Raum, etwa die Globalisierung, das Leben in Städten mit dem Phänomen der Gentrifizierung (S. 93–96) sowie die räumliche Wahrnehmung von Armut. Hier entfaltet Koch seine Hauptthese, dass der „geografische Raum keine neutrale Angelegenheit“ (S. 97) darstelle, sondern dass er von sozialen Gruppen bewertet werde und jede Gruppe versuche, die eigene Bewertung des Raums durchzusetzen. Durch diese Strategien würden soziale Probleme „räumlich eingeschrieben“, entweder durch Gentrifizierung oder andere Phänomene selektierten Zugangs bzw. durch stigmatisierende Beschreibungen wie „Armutsviertel“, „Sozialer Brennpunkt“ usw.

Bei der Frage, wie sich globale Einkommensarmut und Ungleichheit (S. 88–90) verhalten, rekaptuliert Koch, wie auch schon andere Autoren, dass die „Schere“, also der Unterschied zwischen den obersten und den untersten Einkommen größer wird, vor allem in den USA. Als Gegenmaßnahmen schlägt der Autor angepasste Steuerprogression vor, öffentliche Investitionen in Bildung, Gesundheit, Umweltschutz sowie die Implementierung eines globalen Finanzregisters.

Auf kommunaler Ebene manifestiere sich Ungleichheit als „Segregation“ (S. 90–93), also in der fehlenden Ausdifferenzierung von Stadtteilen, deren Folgen eine homogene soziale Struktur darstelle. Im Kapitel behandelt der Autor außerdem Räumliche Ungerechtigkeit (S. 97–99), Umweltungerechtigkeit und prekäre Lebensbedingungen (S. 99–101) sowie räumliche Gleichwertigkeit und Lebensverhältnisse (S. 101–103).

Koch diskutiert weiterhin die methodischen Einflüsse des Raums auf Armut (S. 104–106), sowie die sozialen und räumlichen Schlussfolgerungen (S. 106–109), die sich aus den geografischen Armutseinflüssen ergeben.

Beim Thema Verteilungsgerechtigkeit nimmt Andreas Koch eine Gegenposition zu Autoren wie etwa Christoph Butterwegge und Michael Klundt. Das Modell der Verteilungsgerechtigkeit spiele in Wahrheit dem neoliberalen Gegner in die Karten, da ein „Verbleib im kapitalistischen Verwertungssystem“ Voraussetzung des Modells der Verteilungsgerechtigkeit sei. Der Autor beruft sich stattdessen auf Überlegungen des Soziologen Hartmut Rosa, der im Zusammenhang mit dem Thema Armut den Fokus auf den marxistischen Begriff der Entfremdung legen möchte. Diese und nicht die Verteilung von Ressourcen stelle die wahre Ursache der Ungerechtigkeit dar. Diese sozialkritische Perspektive blicke auf Entfremdungsphänomene, um ihr normatives Gegenteil, das „gelingende Leben“ zu konstituieren und so aus dem „unheilvollen Pakt mit dem Neoliberalismus“ aussteigen (S. 107).

In einem vertiefenden Diskurs erläutert Koch, wie der geografische Raum menschliches Handeln generell prägt, vor allem, wie soziales Handeln Raum immer erst hervorbringt und insofern zu betrachten sei wie soziales oder ökonomisches Kapital.

Zum Ende des Kapitels greift Koch auf Thesen von Ulrich Beck zurück, der die Entgrenzungsprozesse von Menschenrechten und sozialen Ungleichheiten sowie von Ungleichheiten und territorialen, kulturellen und sozialen Verhältnissen thematisiert hat. Koch stimmt Beck darin zu, dass diese Entgrenzungen vor allem in der Ausbreitung globaler Gleichheitsnormen mit nationalstaatlichen Auslegungen ausgebremst werden und soziale Ungleichheitsprozesse innerhalb von Gesellschaften mit marktliberalen Prinzipien gerechtfertigt werden (S. 112). Inklusionsbemühungen würden so immer wieder mit der Errichtung von Barrieren beantwortet, etwa in Form von Erschwernissen in der Migrations- und Flüchtlingspolitik, der Anerkennung von Studienabschlüssen, dem Einkommensnachweis bei der Anmietung von Wohnungen und ähnliche Mechanismen. Dies führe immer wieder zu einem „methodologischen Nationalismus“, der Nationalstaaten als abgegrenzte, eigenständige, homogene Einheiten begreife, die als soziale Einheiten interpretiert werden. Die formalen Eigenschaften des so verstandenen Staates würde der “realpolitischen Einbettung der Subsidiarität“ (s. 113) ausweichen.

Im fünften Kapitel „Armut und Politik“ diskutiert Koch die Aspekte

  • „Wie war Armutspolitik historisch geprägt?“ (S. 116–120)
  • Die Gestaltung der Armutspolitik in der EU (120-122)

Am Beispiel der Armutspolitik in Deutschland (S. 122–129) diskutiert Koch die These, dass die Kommunen strukturell verstaatlicht seien. Da das Sozialbudget zu 70 % beitragsfinanziert und der Rest über Steuern geregelt sei, hätten Städte nur wenige Einflussmöglichkeiten; gesetzlich sei Armutspolitik seit dem 20. Jahrhundert Bund- und Ländersache (S. 126 f.). In der von oben nach unten gesteuerten Sozialpolitik setzten die Kommunen Gesetze daher nur um (S. 127), sie seien im Hinblick auf Leistungsempfänger oft nur Vermittler von Angeboten (S. 128).

Eine Folge dieser Struktur sieht Koch in der Entstehung von „sozialen Bewegungen“ als Netzwerk, die eine „relationale Verknüpfung der lokalen mit den regionalen oder globalen Aktivitäten ermöglicht“ (S. 129), wie etwa Fridays for Future oder Recht auf Stadt.

Ergänzend zu Pierre Rosanvallon Trias Singularität, Reziprozität, Kommunalität (S. 81 ff.) sowie Rosas Vorschlag zum Ausstieg aus der Kapitalismus-Logik durch die Orientierung an einem gelungenen Leben (S. 107) brauche es, so Koch, „neue Formen planungspolitischer Subsidiarität zwischen lokalen, regionalen und überregionalen Ebenen“ (S. 129).

Beim Thema Entflechtung von Erwerbsarbeit und sozialer Teilhabe diskutiert Koch das Grundeinkommen und die Bürgerversicherung (S. 130–135), da die Strategie, Erwerbsarbeit von sozialer Teilhabe zu lösen praktisch auf ein bedingungsloses Grundeinkommen hinauslaufe, denn die Verknüpfung von Lohnarbeit und sozialer Sicherung sei der Kerngedanke des Kapitalismus.

Eine Entflechtung würde das Prinzip 'Teilhabe' das rechtliche Leitmotiv ‚Eigentum‘ als sozialpolitische Richtschnur ablösen. Dadurch, so Koch, würden Sozialleistungen an Gründe und nicht an erbrachte Versicherungsleistungen geknüpft (S. 131).

Während das viel diskutierte Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) „eine steuerfinanzierte und alle Personen einschließende Umverteilung volkswirtschaftlicher Wohlfahrtsleistungen“ als Überwindung des beitragsfinanzierten Sozialversicherungssystems meine, stünde mit der Bürgerversicherung (BV) eine bedarfsorientiertere Grundsicherung im Fokus.

Im sechsten Kapitel diskutiert Koch „Strategien der Armutsüberwindung“ vor allem im Bereich der Wohnungspolitik, der Entkoppelung von Arbeit und Teilhabe als „zentraler Baustein einer beginnenden Entfunktionalisierung von Armut“ (S. 145), die diese vor allem auch in Relation stellt zu anderen Tätigkeitsformen, wie Pflege, Erziehung, Haushalt, Bildung und Selbstsorge (S. 145).

Dadurch würden, so Koch, Verfügungsspielräume entstehen auf der Basis einer Hinwendung zu präferierten Fähigkeiten und Etablierung von alternativen Anerkennungsformen, sodass Arbeitslosigkeit ihre Stigmatisierung verlieren würde. Ebenfalls findet Koch alternative Entlohnungssysteme wie Zeitbanken oder Regionalwährungen sinnvoll. Zusätzlich könnten Konsumausgaben wie Wohnen, Gesundheit, Lebensmittel und Bildung einkommens-differenziert gestaffelt werden (S. 146).

Damit würde laut Koch der zweite Gerechtigkeitsgrundsatz aus der „Theorie der Gerechtigkeit“ von John Rawls umgesetzt: Wenn alle relativ zu ihrem Einkommen gleich viel für Grundbedarfsgüter und -dienstleistungen bezahlen, würde die einkommensärmste Gruppe am meisten profitieren. „Soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten müssen folgendermaßen beschaffen sein: a) sie müssen unter der Einschränkung des gerechten Spargrundsatzes den am wenigsten Begünstigten den größtmöglichen Vorteil bringen …“ (1993 S. 336).

Weitere Chancen sieht Koch in gemeinschaftlichen Versorgungsstrukturen einer Sharing Economy und Modellen wie Social Co-Housing, Co-Working, Food Coops, Repair-Cafés, die alle unter dem Begriff Commons zusammengefasst werden. Hier habe Verteilung Vorrang vor Umverteilung, Reproduktion von Armut und Ungleichheit könnten eingedämmt werden. (S. 147).

Diskussion

Dem Autor gelingt es, auf kleinem Raum mehr Klarheit in Bezug auf Begrifflichkeit und damit verbundene Diskurse zu bringen, die mal interdisziplinär, mal fach-, disziplin- und methoden-spezifisch geführt werden. Dies betrifft vor allem Armut, (Un-)Gleichheit, Gerechtigkeit, Teilhabe, Benachteiligung bzw. die jeweiligen Diskurse in den Fächern.

Von den unterhaltsam wirkenden Icons („Toni verrät dir spannende Literaturtipps…“) sollten sich Leser – hier sind wohl in erster Linie Studierende angesprochen – nicht täuschen lassen: Die vertiefte Analyse vor allem im Fachgebiet des Autors, der Sozialgeographie, gibt fundierte und ausgewogene Einblicke in die Sachlage und diskutierten Ansätze. Ein Glossar am Ende des Buches – man könnte es aber auch zum Einstieg studieren – bietet hilfreiche griffige Erklärungen und Literaturtipps. Und wer den Nerv hat, You-Tube-Links abzutippen, könnte auch hier einen guten Einstieg finden, bzw. die Themen nochmals vertiefen.

Fazit

Das Thema Armut ist ein Klassiker der Sozialwissenschaften, dazu kommen im Rahmen der Diskurse über die Globalisierung auch geografische Aspekte des Themas.

In diesen Diskursen will Andreas Koch nicht nur einen Überblick verschaffen, sondern auch Strategien der Armutsüberwindung aufzeigen. Er beleuchtet hier vor allem auch sozialgeografische Aspekte in den Bereichen Wohnungspolitik, Erwerbspolitik und Teilhabe sowie kommunale und selbstständig organisierte Gemeinschaftskonzepte, wie etwa Sharing-Modelle.

Literatur

Christoph Butterwegge: Armut in einem reichen Land. Wie das Problem verharmlost und verdrängt wird, Frankfurt am Main: Campus

Michael Klundt: Gestohlenes Leben: Kinderarmut in Deutschland. Köln: PapyRossa 2019

John Rawls: Eine Theorie der Gerechtigkeit, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1993, 7.Aufl.

Rezension von
Dr. Christine Kramer
Mailformular

Es gibt 4 Rezensionen von Christine Kramer.

Lesen Sie weitere Rezensionen zum gleichen Titel: Rezension 28005

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Christine Kramer. Rezension vom 10.06.2022 zu: Andreas Koch: Armut? Frag doch einfach! Klare Antworten aus erster Hand. UTB (Stuttgart) 2022. ISBN 978-3-8252-5554-1. Reihe: Frag doch einfach!. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29217.php, Datum des Zugriffs 04.07.2022.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht