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Klaus Fröhlich-Gildhoff, Maike Rönnau-Böse: Resilienz

Rezensiert von Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer, 25.04.2022

Cover Klaus Fröhlich-Gildhoff, Maike Rönnau-Böse: Resilienz ISBN 978-3-8252-5861-0

Klaus Fröhlich-Gildhoff, Maike Rönnau-Böse: Resilienz. UTB (Stuttgart) 2022. 6. Auflage. 102 Seiten. ISBN 978-3-8252-5861-0. D: 15,00 EUR, A: 15,50 EUR, CH: 19,90 sFr.
Reihe: utb Profile
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Thema

Neue Zauberwörter und Innovations-Begriffe bieten im sich verändernden Kommunikations- und Interpretationsverständnis die Möglichkeit, individuelle und kollektive Entwicklungen zu (er)klären (siehe z.B. dazu: Heiner Hastedt, Hg., Deutungsmacht von Zeitdiagnosen. Interdisziplinäre Perspektiven, 2019, www.socialnet.de/rezensionen/​25798.php). Der Begriff „Resilienz“ ist ein solcher. Es ist der Anspruch, Ereignisse, Vorkommnisse und Situationen nicht als „Anything goes“ zu betrachten, hinzunehmen oder zu ignorieren, sondern „seelische Widerstandskraft“ zu entwickeln und zu fördern. Im wissenschaftlichen, fachspezifischen und fächerübergreifenden Diskurs wird der Begriff mittlerweile selbstverständlich benutzt und angewandt (siehe z.B. auch: Kurt Edler, Demokratische Resilienz auf den Punkt gebracht, 2017, www.socialnet.de/rezensionen/​23304.php).

Entstehungshintergrund und Autorenteam

Es sind die Bemühungen, Denk- und Lebensvollzüge als ganzheitliche, intellektuelle Anforderungen zu verstehen und wirksam werden zu lassen. Es sind die Tugenden – Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Resistenz, Resonanz (z.B.: Joachim Bauer, Wie wir werden, wer wir sind. Die Entstehung des menschlichen Selbst durch Resonanz, 2022, www.socialnet.de/rezensionen/​29229.php) – die als Lebenskräfte hin zu einem guten, gelingenden Dasein wirksam werden: „Wenn sich Personen trotz gravierender Belastungen oder widriger Lebensumstände psychisch gesund entwickeln, spricht man von Resilienz. Damit ist keine angeborene Eigenschaft gemeint, sondern ein variabler und kontextabhängiger Prozess“. Die an der Evangelischen Hochschule lehrenden und forschenden Psychologen Klaus Fröhlich-Gildhoff und Erziehungswissenschaftlerin Maike Rönnau-Böse haben 2019 das Büchlein „Resilienz“ mit dem Ziel vorgelegt, „die grundlegenden Konzepte der Resilienz und Resilienzförderung verständlich darzustellen. Es wird in der Reihe utb 3290 in sechster Auflage (unverändert) vorgelegt.

Aufbau und Inhalt

Die Begrifflichkeit, die theoretischen Begründungen und praktischen Anwendungen der Verhaltens- und Einstellungskompetenz müssen immer „multidimensional“ verstanden werden. Die Auseinandersetzung beginnt mit der Darstellung der im wissenschaftlichen Diskurs entwickelten Definitionen und Zuordnungsmerkmalen. Deutlich und prägend wird der Diskurs bestimmt von der ursprünglichen Herleitung aus der (anglophonen) Entwicklungspsychopathologie. Ein Perspektivenwechsel und eine Ausweitung vollzog sich (auch hin zu globalen Forschungsfragen) durch die Einbeziehung von sozialen, soziologischen und pädagogischen Aspekten. Mit der „Salutogenese“ wird verdeutlicht, dass Gesundheit und Wohlbefinden auf kohärenten, komplexen Bedingungen beruhen. In mehreren klinischen Studien und anthropologischen Forschungen insbesondere mit Kindern und Jugendlichen wurden die Zusammenhänge analysiert und als pro- und antisoziale Verhaltensweisen identifiziert.

In der Resilienzforschung werden deshalb die Wechselwirkungsprozesse bei Risiken und Anpassungsverläufen untersucht: „Risikofaktoren werden als krankheitsbegünstigende, risikoerhöhende und entwicklungshemmende Merkmale definiert“. Dagegen wirken „Schutzfaktoren… als Merkmale…, die das Auftreten einer psychischen Störung oder einer unangepasst Entwicklung verhindern oder abmildern“. Diese pädagogischen Werte zur Selbstfindung und Identifikation stellen deshalb in familialen, schulischen und gesellschaftlichen Bildungs- und Erziehungsverhalten Marker und Ratgeber dar. Die Umsetzung in praktisches Handeln kann mit verschiedenen Resilienzmodellen erfolgen: Der „variablenbezogene Ansatz“, bei dem das Zusammenwirken von Risiko- und Schutzfaktoren im Vordergrund steht; der „personenzentrierte Ansatz“ mit dem individuellen Schwerpunkt; und der „entwicklungspfadbezogene Ansatz“, bei dem insbesondere die situations- und zeitrelevanten Entwicklungen bedacht werden.

Im Werkzeugkasten der Resilienzarbeit liegen die personalen und sozialen Resilienzfaktoren. Es sind Tugenden und Kompetenzen wie z.B.: Ein positives Selbstkonzept – Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit – optimistische Lebenseinstellung – Zielorientierung – Empathie – Kreativität – Leistungsbereitschaft. Es ist, wie bei jedem positiven Lebenshandeln, das „gute“ pädagogische Tun, das als stetige, beständige, frühzeitige präventive Förderung wirksam wird. Den Erziehungsberechtigten werden dazu vielfältige Präventionsprogramme und Übungsmaterialien angeboten. Sie werden vom Autorenteam vorgestellt und bewertet.

Diskussion

Resilienzförderung sowohl in familiären, bezugspersonenorientierten Zusammenhängen, als auch beim beruflichen Handeln in den Kitas, der Schule und Erwachsenenbildung, ist professionelles Tun. Es sind individuelle und kollektive Aus- und Fortbildungsmaßnahmen, die auf den pädagogischen, ethischen, moralischen, dialogischen, freiheitlich-demokratischen Grundsätzen beruhen: „Für alle Programme, die Resilienz fördern möchten, gilt, dass ihnen eine Haltung zugrunde liegen muss, die die Stärken und Ressourcen der Beteiligten in den Blick nimmt und Kinder als aktive Bewältiger ihres Lebens wahrnimmt“.

Fazit

Mit dem Handbüchlein werden die vielfältigen Möglichkeiten und positiven Ansätze zur Resilienzförderung aufgezeigt. Mit dem beigefügten Glossar, dem ausführlichen Literaturverzeichnis und dem Sachregister werden die Leserinnen und Leser angeregt, selbst weiter zu denken und in der Ausbildung und Praxis der pädagogischen Arbeit eigene und professionelle Erfahrungen zu machen.

Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Es gibt 1546 Rezensionen von Jos Schnurer.

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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 25.04.2022 zu: Klaus Fröhlich-Gildhoff, Maike Rönnau-Böse: Resilienz. UTB (Stuttgart) 2022. 6. Auflage. ISBN 978-3-8252-5861-0. Reihe: utb Profile. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/29263.php, Datum des Zugriffs 22.05.2022.


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