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Brigitte Geißler-Piltz, Albert Mühlum u.a.: Klinische Sozialarbeit

Rezensiert von Prof. Dr. Annemarie Jost, 07.02.2006

Cover Brigitte Geißler-Piltz, Albert Mühlum u.a.: Klinische Sozialarbeit ISBN 978-3-8252-2697-8

Brigitte Geißler-Piltz, Albert Mühlum, Helmut Pauls: Klinische Sozialarbeit. UTB (Stuttgart) 2005. 171 Seiten. ISBN 978-3-8252-2697-8. 14,90 EUR. CH: 26,80 sFr.
Reihe: Soziale Arbeit im Gesundheitswesen, Band 7
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Zur Zielstellung des Buches

Drei FachhochschulprofessorInnen und Protagonisten der Klinischen Sozialarbeit in Deutschland, Brigitte Geißler-Piltz, Albert Mühlum und Helmut Pauls, stellen in diesem Buch den aktuellen Stand und zukünftige Aufgaben der Binnendifferenzierung der Sozialen Arbeit am Beispiel der Klinischen Sozialarbeit dar. Sie beziehen sich hierbei auf die  Erfordernisse an die Ausbildung (im zukünftig dreistufigen Niveau:  Bachelor - Master - Promotion) und auf die fachliche Spezialisierung und die notwendigen methodischen Kompetenzen in der Praxis. Die AutorInnen greifen insbesondere die Profilierung der klinischen Sozialarbeit im deutschen Sprachraum auf, wobei jedoch auf die Spezialisierung zur Clinical Social Work im angloamerikanischen Raum und die dort bereits etablierten Methoden und Standards Bezug genommen wird. Unter Klinischer Sozialarbeit - nicht zu verwechseln mit Kliniksozialarbeit - wird hierbei eine Soziale Arbeit verstanden, die eigene Beratungs- und Behandlungsaufgaben mit Einzelklienten und Familien in unterschiedlichen Arbeitsfeldern wahrnimmt und dabei von einem bio-psycho-sozialen Paradigma unter besonderer Berücksichtigung der sozialen Dimension ausgeht und in ihrem Gesundheits- und Krankheitsverständnis am ehesten salutogenetisch-ressourcenorientiert bestimmt ist.

Zum Inhalt

Thematisch wird ein weiter Bogen gespannt: Zunächst geht es um das Selbstverständnis und die professionsbezogene Verortung Klinischer Sozialarbeit - einer Fachdisziplin, die Aufgabenstellungen der psychosozialen Beratung, Sozialtherapie und Krisenintervention beispielsweise in der Kinder- und Jugendhilfe, in ambulanten Beratungsstellen, in der Sozialpsychiatrie und im Suchthilfesystem, in unterstützenden Einrichtungen für Menschen mit Gewalterfahrungen, in Krankenhäusern, in Rehabilitationseinrichtungen, im Bereich der Resozialisierung und in der gerontologischen Arbeit wahrnimmt. Nimmt man die soziale Dimension in den Blick, so geht es hierbei besonders um die Unterstützung von nicht selten demoralisierten  Menschen, die die Auswirkungen der Modernisierung nicht aus eigenen Kräften bewältigen können, da es an persönlichen Ressourcen und gesellschaftlichen Unterstützungssystemen mangelt.

In den nächsten vier Kapiteln werden folgende Themen behandelt:

  • die strukturbezogenen Merkmale klinischen Handelns, 
  • die Zielgruppen Klinischer Sozialarbeit,
  • die rechtlichen und politischen Aspekte und 
  • die Einrichtungen und Konzepte in Deutschland.

Bei den Strategien und Handlungskompetenzen geht es im sechsten Kapitel dann um die Gestaltung personaler Arbeitsbeziehungen,  die Schaffung angemessener Rahmenbedingungen und die systematische Einbeziehung des Umfeldes, um Assessment, Zielformulierung und Kontrakte mit den Klienten, um spezielle Beratungs- und Therapieverfahren und um geeignete Indikationsstellungen, prognostische Einschätzungen und Evaluation. All dies kann natürlich bei einer Einführung in die Klinische Sozialarbeit nicht systematisch vertieft, sondern nur umrissen werden.

Unter Einbeziehung internationaler Perspektiven werden im weiteren Verlauf die ethischen Aspekte klinischen Handelns und die Geschichte von Clinical Social Work und Klinischer Sozialarbeit thematisiert.

Das Kapitel "Anspruch und die Wirklichkeit " dieser Fachsozialarbeit erlaubt dann einen Ausblick vor dem Hintergrund der Konkurrenz der Klinischen Sozialarbeit mit anderen Berufsgruppen und skizziert die Notwendigkeit eigener sozialarbeitswissenschaftlicher Handlungsforschung.

Etwas zu kurz kommt meiner Meinung nach - angesichts der sich ändernden Alterspyramide in Deutschland - die Arbeit mit der Zielgruppe der betagten und hochbetagten Menschen.

Fazit

Das Buch ist ein Plädoyer für die Weiterentwicklung der Klinischen Sozialarbeit in Ausbildung, Forschung und Praxis. Es umreißt das Selbstverständnis, die strukturellen Rahmenbedingungen, die Strategien und erforderlichen Handlungskompetenzen dieser Fachdisziplin, wobei eine derartige Überblicksdarstellung methodische Fragen im Einzelnen nicht vertiefen kann. Es eignet sich sowohl für Fachkräfte, die die Weiterentwicklung der Klinischen Sozialarbeit in Ausbildung und Praxis unterstützen wollen, als auch für Sozialarbeiter und Studierende, die ein Zusatzstudium auf Masterniveau oder eine Spezialisierung im Bereich der Klinischen Sozialarbeit in Erwägung ziehen.

Rezension von
Prof. Dr. Annemarie Jost
Professorin für Sozialpsychiatrie an der Fakultät 4 der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg
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Es gibt 137 Rezensionen von Annemarie Jost.

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Zitiervorschlag
Annemarie Jost. Rezension vom 07.02.2006 zu: Brigitte Geißler-Piltz, Albert Mühlum, Helmut Pauls: Klinische Sozialarbeit. UTB (Stuttgart) 2005. ISBN 978-3-8252-2697-8. Reihe: Soziale Arbeit im Gesundheitswesen, Band 7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/2929.php, Datum des Zugriffs 02.10.2022.


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